16. August 2026 | Die Heilige, deren Festtag zum Tag der Freiheit wurde

16. August 2026 | Die Heilige, deren Festtag zum Tag der Freiheit wurde

6 Tage 13 Stunden her
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Die Heilige, deren Festtag zum Tag der Freiheit wurde – Sant’Agata und San Marino

Es gehört zu den bemerkenswertesten Verbindungen von Staatsgeschichte, Heiligenverehrung und Ordenswesen: Der 5. Februar, Festtag der heiligen Agatha von Catania, ist in der Republik San Marino nicht nur ein kirchlicher Feiertag. Er erinnert zugleich an die Wiederherstellung der Freiheit der Republik im Jahre 1740.

Die Alberoni-Krise von 1739/40

In den Monaten zuvor war die jahrhundertealte Selbständigkeit San Marinos ernsthaft bedroht worden. Kardinal Giulio Alberoni, päpstlicher Legat in der Romagna, hatte versucht, die kleine Republik der unmittelbaren Herrschaft des Kirchenstaates zu unterstellen. San Marino betrachtet diese Vorgänge bis heute als Besetzung und Annexionsversuch.

Die Angelegenheit gelangte nach Rom. Papst Clemens XII. ließ die Verhältnisse untersuchen und entsandte Enriquez als seinen Beauftragten nach San Marino. Das Ergebnis fiel zugunsten der Republik aus.

Am 5. Februar 1740, ausgerechnet am Festtag der heiligen Agatha, wurde die Unabhängigkeit und Freiheit San Marinos bestätigt und die republikanische Ordnung wiederhergestellt. Der Tag wird deshalb noch heute offiziell als **Jahrestag der Befreiung der Republik von der Besetzung durch Kardinal Alberoni** begangen.

Sant’Agata wurde damit neben dem heiligen Marinus, dem legendären Gründer und Hauptpatron des Landes, zur besonderen Schutzheiligen bzw. Mitpatronin der Republik. Noch heute gehört am 5. Februar eine Prozession mit ihrem Bildnis von Borgo Maggiore zur Basilika San Marino zum staatlich-religiösen Zeremoniell.

Ein Orden im Zeichen der Dankbarkeit

Mehr als 180 Jahre später griff die Republik diese historische Erinnerung erneut auf.

Mit Gesetz vom 5. Juni 1923, Nr. 20, errichtete der Große und Allgemeine Rat den

Ordine Equestre di Sant’Agata – Equestrian Order of Saint Agatha.

Schon Artikel 1 bestimmte ausdrücklich, dass der neue Ritterorden „unter der Anrufung der heiligen Agatha“ stehen sollte. Die moderne offizielle Darstellung San Marinos bringt seine Benennung unmittelbar mit jenem 5. Februar 1740 in Verbindung, an dem die Souveränität der Republik wiederhergestellt wurde.

Der Orden war von Anfang an als Verdienstorden für Ausländer gedacht. Das Stiftungsgesetz nennt ausländische Bürger, die sich durch ihre wirtschaftliche Tätigkeit, ihre Arbeit oder durch Wohltätigkeit zugunsten der sammarinesischen Einrichtungen um die Republik verdient gemacht hatten.

Der Verdienstbegriff wurde später weiter gefasst. Eine offizielle Darstellung der Republik anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Ordens 2023 nennt neben Wohltätigkeit und sonstigen Diensten insbesondere außergewöhnliche zivile oder militärische Verdienste sowie humanitäre, künstlerische, politische und sportliche Leistungen.

Fünf Ordensklassen

Bei seiner Stiftung 1923 besaß der Orden zunächst vier Klassen:
  • Cavaliere – Ritter
  • Cavaliere Ufficiale – Offizier
  • Commendatore – Komtur
  • Grande Ufficiale – Großoffizier

Später kam als höchste Stufe das Großkreuz – Cavaliere di Gran Croce hinzu. Die Regelung von 1946 bestätigt die bis heute bekannte Gliederung in fünf Klassen.

Das Ordenszeichen zeigt auf einem weiß emaillierten goldenen Kreuz ein Medaillon mit dem Bildnis der Heiligen und der Umschrift „Sant’Agata Protettrice“. Auf der Rückseite befindet sich die Devise „Bene Merenti“ – „dem Wohlverdienten“.

Die Capitani Reggenti als Großmeister

Eine besonders charakteristische Eigenheit des Ordens entspricht der ungewöhnlichen Staatsverfassung San Marinos.

Artikel 4 des Stiftungsgesetzes von 1923 bestimmt:

Die jeweils amtierende Reggenza fungiert als Großmeister des Ordens; der Außenminister als Ordenssekretär.

Damit liegt das Großmeisteramt nicht dauerhaft bei einer einzelnen Person. Es folgt dem höchsten Staatsamt der Republik.

San Marino besitzt bekanntlich gleichzeitig zwei Capitani Reggenti, die gemeinsam das Staatsoberhaupt bilden. Ihre Amtszeit beträgt lediglich sechs Monate; jeweils am 1. April und 1. Oktober tritt eine neue Reggenza ihr Amt an.

Präzise gesprochen sind daher nicht zwei voneinander getrennte Großmeister vorhanden: Die aus beiden Capitani Reggenti bestehende Reggenza pro tempore übt gemeinsam das Großmeisteramt des Sant’Agata-Ordens aus. Diese Regelung wurde auch im Ordensreglement von 1946 ausdrücklich bestätigt.

Erinnerung an einen Tag der Freiheit

Der Sant’Agata-Orden ist damit mehr als eine staatliche Auszeichnung. In seinem Namen verbindet sich das moderne Auszeichnungswesen San Marinos unmittelbar mit einem Schlüsselmoment seiner Geschichte.

Am 5. Februar 1740 erhielt die Republik ihre politische Freiheit zurück; am Festtag derselben Heiligen erinnert San Marino noch heute daran. Und seit 1923 trägt einer seiner beiden staatlichen Ritterorden den Namen Sant’Agatas.

So wurde aus einem Heiligenfest ein nationaler Erinnerungstag – und aus dieser Erinnerung schließlich ein Orden.

 Quellen

Grundlage sind insbesondere die amtlichen Rechtsquellen der Republik San Marino: Legge 5 giugno 1923, n. 20, über die Stiftung des Ordine Equestre di Sant’Agata; das Regolamento vom 23. Januar 1946, Nr. 2; die Legge 29 dicembre 1957, n. 30 sowie die offiziellen Darstellungen der Republik San Marino zum 5. Februar und zum hundertjährigen Bestehen des Ordens.

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