13. August 2026 | ​​​​​​​„Eugenio von Savoy“ – der Name in drei Sprachen

13. August 2026 | ​​​​​​​„Eugenio von Savoy“ – der Name in drei Sprachen

1 Woche 3 Tage her
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Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736), kaiserlicher Feldherr und Staatsmann, in Rüstung mit dem Orden vom Goldenen Vlies.

Kaum ein Namenszug scheint die außergewöhnliche Biographie des Prinzen Eugen so treffend zusammenzufassen wie seine eigenhändige Unterschrift:

„Eugenio von Savoy“

Diese Signatur ist keine spätere Erfindung. Sie begegnet tatsächlich auf seinen Schreiben; ein deutschsprachiger Brief vom 1. August 1703 etwa trägt ausdrücklich die eigenhändige Unterschrift „Eugenio von Savoy“. Auch ältere biographische und autographische Sammlungen überliefern diese Form.

Spätere Autoren haben darin gerne drei sprachliche Welten erkannt: Eugenio als italienische Namensform, von als deutsches Adelsprädikat und Savoy(e) als französisch-savoyische Form seines Hauses. Diese Deutung ist ungemein reizvoll – und passt zu Eugens Lebensweg –, sie sollte allerdings nicht als von ihm selbst erklärte Bedeutung seiner Unterschrift verstanden werden. Auch die moderne Forschung behandelt gerade solche Deutungen als Teil der späteren Prinz-Eugen-Erinnerung.

Ein Prinz, den Frankreich nicht haben wollte

Eugen Franz wurde am 18. Oktober 1663 in Paris geboren. Sein Vater, Eugen Moritz von Savoyen-Carignan, Graf von Soissons, gehörte einer Nebenlinie des Hauses Savoyen an; seine Mutter Olympia Mancini war eine Nichte Kardinal Mazarins. Eugen war der fünfte und jüngste Sohn der Familie.

Für ihn war zunächst eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Der junge Prinz hatte jedoch andere Vorstellungen: Mit neunzehn Jahren wollte er Soldat werden und ersuchte Ludwig XIV. um Aufnahme in die französische Armee.

Der König lehnte ab.

Die Gründe werden in der Literatur unterschiedlich gewichtet. Eugens schmächtige Erscheinung spielte in späteren Darstellungen eine große Rolle; ebenso dürfte jedoch die Ungnade seiner Mutter am französischen Hof von Bedeutung gewesen sein. Sicher ist: Ludwig XIV. hielt an der für Eugen vorgesehenen geistlichen Laufbahn fest und wies dessen Wunsch nach einem militärischen Kommando zurück.

Im Juli 1683 verließ Eugen Frankreich und ritt nach Passau, wo sich Kaiser Leopold I. angesichts der osmanischen Bedrohung Wiens aufhielt. Sein älterer Bruder Ludwig Julius war kurz zuvor in kaiserlichen Diensten tödlich verwundet worden. Eugen hoffte zunächst, dessen Dragonerregiment übernehmen zu können.

Was Ludwig XIV. ausgeschlagen hatte, nahm der Kaiser schließlich an.

Aus dem neunzehnjährigen Flüchtling vom französischen Hof wurde einer der bedeutendsten Feldherren der Habsburgermonarchie.

Vom Freiwilligen zum Feldmarschall

Noch 1683 nahm Eugen als Freiwilliger am Entsatz Wiens teil. Ende desselben Jahres erhielt er bereits ein Dragonerregiment. Sein Aufstieg verlief danach außergewöhnlich rasch. 1688 war er Feldmarschallleutnant, 1690 General der Kavallerie und 1693 kaiserlicher Feldmarschall.

Nach seinen Erfolgen gegen die Osmanen und im Spanischen Erbfolgekrieg erreichte er schließlich auch einen der höchsten militärischen Ränge des Alten Reiches:

1707 ernannte ihn der Regensburger Reichstag zum Reichsfeldmarschall.

Seit 1703 war Eugen außerdem Präsident des Hofkriegsrates und damit nicht nur Feldherr, sondern einer der wichtigsten militärpolitischen Entscheidungsträger der Monarchie. Insgesamt diente er mehr als fünf Jahrzehnte unter drei Kaisern: Leopold I., Joseph I. und Karl VI.

Ritter des Goldenen Vlieses

Auch das auf zahlreichen Porträts sichtbare Goldene Vlies ist historisch korrekt.

Noch bevor Eugen seinen späteren Weltruhm erlangte, wurde er 1687 Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Die Auszeichnung erfolgte noch unter Karl II. von Spanien und damit vor der späteren Teilung des Vliesordens in eine spanische und eine österreichische Linie.

Gerade deshalb ist die Ordenskette auf seinen Porträts mehr als bloßer Schmuck. Der Orden vom Goldenen Vlies gehörte zu den exklusivsten dynastischen Ritterorden Europas und kennzeichnete seinen Träger sichtbar als Angehörigen eines kleinen Kreises höchstrangiger Fürsten und Aristokraten.

Franzose? Italiener? Deutscher?

Die oft gebrauchte Formel, Eugen sei „Italiener von Abstammung, Franzose von Geburt und Deutscher aus Wahl“ gewesen, klingt schön, vereinfacht die frühneuzeitliche Wirklichkeit jedoch erheblich.

Präziser wäre:
  • geboren und aufgewachsen in Paris,
  • dynastisch ein Prinz aus dem Haus Savoyen-Carignan,
  • mütterlicherseits mit der italienischen Familie Mancini verbunden,
  • seit 1683 in dauerhaften kaiserlich-habsburgischen Diensten.

Nationalstaatliche Kategorien des 19. und 20. Jahrhunderts passen nur bedingt auf einen europäischen Hochadeligen des späten 17. Jahrhunderts.

Auch sprachlich war Eugen keineswegs einfach „deutsch geworden“. Französisch blieb eine seiner wichtigsten Verkehrs- und Korrespondenzsprachen; die Forschung weist ausdrücklich darauf hin, dass er das Deutsche nie vollkommen beherrschte.

Gerade deshalb wirkt sein Namenszug

„Eugenio von Savoy“

so faszinierend: weniger als nationales Bekenntnis denn als beinahe heraldische Verdichtung eines Lebens zwischen verschiedenen Höfen, Sprachen und politischen Räumen.

Der Tod des Prinzen

Am 21. April 1736 starb Prinz Eugen in Wien. Sein Leichnam wurde im Stephansdom in der Gruft unter der Kreuzkapelle beigesetzt. Die Kapelle, in der bereits sein Neffe Thomas Emanuel von Savoyen bestattet worden war, wurde später so stark mit Eugen verbunden, dass sie heute auch als Prinz-Eugen- oder Savoyenkapelle bekannt ist.

Und dann beginnt eine jener Geschichten, bei denen sich Geschichte und Erinnerung berühren.

Nach einer weit verbreiteten Überlieferung wurde Eugens Herz vom Körper getrennt und nach Turin gebracht, um in der Basilica di Superga, der dynastischen Grabkirche des Hauses Savoyen, beigesetzt zu werden.

Diese Überlieferung wird bis heute vielfach wiederholt – ihr letzter Teil ist jedoch nicht völlig gesichert.

In italienischen Darstellungen wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass über den tatsächlichen Verbleib des Herzens Unklarheit besteht. Nach einer Tradition kam es nach Superga, nach anderen Berichten wurde es später nach Wien zurückgebracht oder hat Österreich überhaupt nie verlassen.

Gesichert ist somit der Leib in Wien; das Herz in Superga gehört in den Bereich einer sehr alten, aber nicht restlos geklärten Überlieferung.

Vielleicht passt gerade diese Unsicherheit erstaunlich gut zu einem Mann, der sich ohnehin nur schwer einer einzigen nationalen Tradition zuordnen lässt.

Der in Paris geborene savoyische Prinz wurde zum Feldherrn der Habsburger, kämpfte gegen die Armeen seines Geburtslandes, befreite Turin, residierte in Wien und hinterließ einen Namenszug, der selbst sprachliche Grenzen überschritt:
Eugenio von Savoy

Ein Name – und beinahe ein kleines Europa des Barock.



Quellen und Literaturhinweise
  • Max Braubach: Eugen Prinz von Savoyen, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 673–678.
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften: Stephansdom – Prinz-Eugen-Grabmal / Prinz-Eugen-Kapelle.
  • Die Welt der Habsburger: Eugen von Savoyen sowie Prinz Eugen, „der edle Ritter“.
  • Filip Šimetin Šegvić: The Age of Heroes in Historiography: The Example of Prince Eugene of Savoy, Austrian History Yearbook 44 (2013).
  • Österreichisches Staatsarchiv, HHStA: Korrespondenz Prinz Eugens von Savoyen, ca. 1707–1732.

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