12. August 1099 | Die Schlacht von Askalon
- Carlo
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12. August 1099 | Die Schlacht von Askalon
1 Woche 5 Tage herJean-Victor Schnetz, Schlacht von Askalon am 12. August 1099, 1843. Das Historiengemälde entstand mehr als sieben Jahrhunderte nach dem Ereignis und ist daher keine Quelle für Bewaffnung, Heraldik oder Kleidung des Jahres 1099, sondern eine romantisch-historistische Interpretation des 19. Jahrhunderts.
Die Schlacht von Askalon: das militärische Ende des Ersten Kreuzzugs
Am 12. August 1099 besiegte das Heer der Kreuzfahrer bei Askalon die aus Ägypten herangeführte Armee der Fatimiden unter dem mächtigen Wesir al-Afdal Schahanschah. Die Schlacht gilt gewöhnlich als die letzte große militärische Aktion des Ersten Kreuzzugs und damit als dessen faktischer Abschluss.
Nur knapp einen Monat zuvor, am 15. Juli 1099, hatten die Kreuzfahrer Jerusalem erobert. Die politische und militärische Lage der neuen lateinischen Herrschaft war jedoch keineswegs gesichert. Al-Afdal zog mit einem starken fatimidischen Heer aus Ägypten nach Palästina und lagerte im Raum von Askalon. Am 9. August erhielten die Kreuzfahrer Nachricht vom Herannahen dieser Streitmacht; am folgenden Tag begann ihr Marsch von Jerusalem nach Süden.
Die Heere
Der Augenzeuge Raimund von Aguilers bezifferte das lateinische Heer auf etwa 1.200 Ritter und höchstens 9.000 Fußkämpfer. Für das fatimidische Heer wird in der modernen Forschung eine Größenordnung von etwa 20.000 Mann angenommen. Solche mittelalterlichen Zahlenangaben sind grundsätzlich mit Vorsicht zu behandeln; bemerkenswert ist jedoch die gut organisierte Marschordnung der Kreuzfahrer, die offenbar darauf ausgelegt war, Angriffe aus mehreren Richtungen abwehren zu können.
Am 12. August griff das Kreuzfahrerheer die Fatimiden bei Askalon an. Der Angriff endete mit einem deutlichen Sieg der Lateiner und dem Zusammenbruch der fatimidischen Stellung. Al-Afdal konnte entkommen, während sein Heer sich zurückzog. Damit war der unmittelbar drohende Versuch, die wenige Wochen zuvor verlorene Herrschaft über Jerusalem militärisch wiederherzustellen, zunächst gescheitert.
Ein Sieg – aber keine Eroberung Askalons
Ein wichtiges Detail wird in populären Darstellungen häufig übersehen: Die Stadt Askalon fiel 1099 nicht in die Hände der Kreuzfahrer.
Damit blieb unmittelbar südwestlich des jungen lateinischen Herrschaftsgebietes ein bedeutender fatimidischer Stützpunkt bestehen. Von hier aus konnten die Ägypter auch in den folgenden Jahrzehnten militärischen Druck auf das Königreich Jerusalem ausüben. Erst 1153, mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Schlacht von 1099, wurde Askalon von den Kreuzfahrern erobert.
Die Schlacht von 1099 „sicherte“ Jerusalem daher nicht endgültig. Sie beseitigte vielmehr die unmittelbare militärische Bedrohung und verschaffte der entstehenden lateinischen Herrschaft die notwendige Zeit zur Konsolidierung.
Gottfried von Bouillon – König oder „Vogt des Heiligen Grabes“?
Auch bei der Stellung Gottfrieds von Bouillon lohnt sich eine quellenkritische Präzisierung.
Am 22. Juli 1099, eine Woche nach der Einnahme Jerusalems, wurde Gottfried zum weltlichen Herrscher der Stadt gewählt. Einen Königstitel nahm er nicht an. Zeitgenössische beziehungsweise wenig später entstandene Quellen berichten, dass man es als unangemessen empfunden habe, dort eine goldene Königskrone zu tragen, wo Christus die Dornenkrone getragen hatte.
Traditionell wird Gottfried daher als
Advocatus Sancti Sepulchri
– etwa „Vogt“, „Sachwalter“ oder „Beschützer des Heiligen Grabes“ –
bezeichnet.
Die Forschung weist allerdings darauf hin, dass seine genaue offizielle Titulatur nicht völlig eindeutig ist. In den Quellen begegnet auch princeps; ob Gottfried selbst regelmäßig den vollständigen Titel Advocatus Sancti Sepulchri führte, lässt sich nicht so eindeutig feststellen, wie es spätere Darstellungen oftmals erscheinen lassen. Jonathan Riley-Smith hat gerade dieser Titelfrage eine eigene Untersuchung gewidmet.
Erst Gottfrieds Bruder und Nachfolger Balduin I. nahm ausdrücklich den Königstitel an und wurde am 25. Dezember 1100 in Bethlehem zum König von Jerusalem gekrönt.
Und die Ritterorden?
Gerade aus ordensgeschichtlicher Sicht ist bei 1099 Vorsicht geboten.
Die Eroberung Jerusalems und die Entstehung der lateinischen Staaten schufen zwar jenes politische und religiöse Umfeld, in dem sich die großen geistlichen Ritterorden des 12. Jahrhunderts entwickelten. Man sollte daraus jedoch keine unmittelbare Ordensgründung durch Gottfried von Bouillon ableiten.
Die Gemeinschaft des Hospitals des hl. Johannes in Jerusalem bestand bereits in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts und damit schon vor der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer. Unter dem seligen Gerhard entwickelte sie sich weiter; die päpstliche Anerkennung des Johanniterordens durch Paschalis II. erfolgte mit der Bulle Pie postulatio voluntatis vom 15. Februar 1113.
Die Templer entstanden überhaupt erst rund zwei Jahrzehnte nach der Eroberung Jerusalems.
Auch die populäre Vorstellung, Gottfried habe 1099 bereits einen eigentlichen Ritterorden vom Heiligen Grab gegründet, ist historisch nicht nachweisbar. Die Verbindung Gottfrieds mit der späteren Tradition der Ritter vom Heiligen Grab ist stark, doch belastbare urkundliche Belege für eine entsprechende organisierte Ritterschaft stammen erst aus wesentlich späterer Zeit. Selbst die heutige Darstellung der Ordensgeschichte weist darauf hin, dass die erste dokumentarische Evidenz erst aus dem 14. Jahrhundert stammt.
Bedeutung der Schlacht
Askalon war somit weniger der Beginn einer bereits fertig ausgebildeten „Ritterordenswelt“ als vielmehr der Schlusspunkt des eigentlichen Kreuzzugsunternehmens von 1096–1099 und zugleich der Beginn der schwierigen Konsolidierung der lateinischen Staaten im Nahen Osten.
Mit dem Sieg vom 12. August 1099 konnten die Kreuzfahrer ihren militärischen Erfolg von Jerusalem gegen einen ersten großen fatimidischen Gegenangriff behaupten. Was als bewaffnete Pilgerfahrt begonnen hatte, ging nun in eine dauerhafte politische Herrschaft über.
Aus dem Kreuzzugsheer wurden Siedler, aus Heerführern Landesherren – und erst in den folgenden Jahrzehnten entstanden jene geistlichen, militärischen und ritterlichen Institutionen, die das Bild des lateinischen Orients bis heute prägen.
Quellen und Literatur:
– Georgios Theotokis, „The Square ‘Fighting March’ of the Crusaders at the Battle of Ascalon (1099)“, in: Journal of Medieval Military History, Bd. XI, 2013, S. 57–72.
– Jonathan Riley-Smith, „The Title of Godfrey of Bouillon“, Bulletin of the Institute of Historical Research 52 (1979), S. 83–86.
– Simon John, Untersuchungen zur Entstehung des Königtums von Jerusalem und zur Wahl Gottfrieds am 22. Juli 1099.
– J. R. S. Phillips, The Medieval Expansion of Europe, zur fortbestehenden fatimidischen Stellung Askalons bis 1153.
– Sovereign Military Order of Malta, Geschichte des Hospitals und der päpstlichen Anerkennung des Johanniterordens 1113.
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