11. August 2026 | Ein König von Frankreich wird Heiliggesprochen

11. August 2026 | Ein König von Frankreich wird Heiliggesprochen

1 Woche 5 Tage her - 1 Woche 5 Tage her
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Der heilige Ludwig IX., König von Frankreich, thronend in einem Ausschnitt aus Alexandre Cabanels Gemälde Die Verherrlichung des heiligen Ludwig. Das Werk wurde 1853 vom französischen Staat für die Chapelle Saint-Louis im Château de Vincennes in Auftrag gegeben und 1855 vollendet. Der heiliggesprochene König erscheint im Liliengewand Frankreichs und mit dem königlichen Zepter als Ideal christlichen Königtums. Alexandre Cabanel (1823–1889), La Glorification de Saint Louis, 1853–1855. Abbildung gemeinfrei.

Am 11. August 1297 nahm Papst Bonifaz VIII. in Orvieto König Ludwig IX. von Frankreich feierlich in das Verzeichnis der Heiligen der Kirche auf. Die Kanonisation erfolgte nach einem längeren Untersuchungsverfahren und ist mit der päpstlichen Bulle Gloria laus verbunden.

Ludwig war bereits 27 Jahre zuvor, am 25. August 1270, während des Kreuzzugsunternehmens gegen Tunis gestorben. Schon zu Lebzeiten genoss er wegen seiner persönlichen Frömmigkeit, seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns und seiner Fürsorge für Arme und Bedürftige hohes Ansehen. Nach seinem Tod verbreitete sich seine Verehrung rasch.

Ludwig IX. nimmt innerhalb der französischen Königsgeschichte eine besondere Stellung ein: Er ist der einzige König von Frankreich, der von der römischen Kirche förmlich heiliggesprochen wurde. Sein kirchlicher Gedenktag wurde auf den 25. August, den Jahrestag seines Todes, gelegt.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich Ludwig IX. zum Idealbild des rex christianus – des christlichen Herrschers, der königliche Würde, ritterliche Tugend und persönliche Frömmigkeit miteinander verbindet. In mittelalterlichen und späteren Darstellungen erscheint er daher nicht allein als Monarch, sondern als Sinnbild von Gerechtigkeit, christlicher Pflichterfüllung und ritterlicher Tugend.
VOM HEILIGEN KÖNIG ZUM MILITÄRISCHEN VERDIENSTORDEN

Fast vier Jahrhunderte später stellte Ludwig XIV. eine neue militärische Auszeichnung bewusst unter den Namen und Schutz des heiligen Ludwig.

Am 5. April 1693 stiftete er in Versailles den
Ordre royal et militaire de Saint-Louis

– den Königlichen und Militärischen Orden vom heiligen Ludwig.

Die Stiftung war für die französische Ordensgeschichte von besonderer Bedeutung. Anders als bei vielen älteren dynastischen Ritterorden war adelige Geburt keine Voraussetzung für die Aufnahme. Ausgezeichnet werden konnten katholische Offiziere der königlichen Streitkräfte aufgrund ihrer militärischen Verdienste und ihrer Dienstzeit.

Der Orden bestand aus drei Klassen:
  • Chevaliers – Ritter
  • Commandeurs – Kommandeure
  • Grand'Croix – Großkreuze

Das Ordenszeichen zeigte den heiligen Ludwig. Auf der Rückseite befand sich ein Schwert im Lorbeerkranz mit der Devise:
BELLICAE VIRTUTIS PRAEMIUM

„Lohn militärischer Tapferkeit“

Der Orden vom heiligen Ludwig stellt damit einen wichtigen Entwicklungsschritt in der europäischen Ordensgeschichte dar: Neben Herkunft und Stand gewann nun das persönliche militärische Verdienst als Grundlage einer ritterlichen Auszeichnung zunehmend an Bedeutung.

Die Wahl des Namenspatrons war keineswegs zufällig. Der mittelalterliche König Ludwig IX., der in der Erinnerung als frommer Herrscher, Kreuzfahrer und ritterlicher König fortlebte, eignete sich in besonderer Weise als Patron eines Ordens, der die militärischen Tugenden französischer Offiziere ehren sollte.

So spannt sich eine bemerkenswerte historische Verbindung vom heiliggesprochenen Kreuzfahrerkönig Ludwig IX. des 13. Jahrhunderts bis zum militärischen Verdienstorden Ludwigs XIV. des ausgehenden 17. Jahrhunderts.

Saint Louis blieb damit über Jahrhunderte hinweg eines der prägnantesten Sinnbilder des französischen Ideals von christlichem Königtum, Rittertum und militärischer Tugend.

Quellen und weiterführende Hinweise:
Untersuchungen zur Kanonisation Ludwigs IX.; Centre des monuments nationaux – Sainte-Chapelle; französisches Kulturministerium, POP/Joconde; Grande Chancellerie de la Légion d’honneur; Bibliothèque nationale de France.
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