3. August 1492 | Eine Reise beginnt, die die Welt verändert

3. August 1492 | Eine Reise beginnt, die die Welt verändert

2 Wochen 6 Tage her
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Am frühen Morgen des 3. August 1492 herrschte im kleinen Hafen von Palos geschäftige Unruhe. Seeleute lösten die Taue, Segel wurden gesetzt, letzte Zurufe gingen zwischen Schiffen und Ufer hin und her. Vor ihnen lag zunächst keine Fahrt zu einem unbekannten Kontinent, sondern der Versuch, auf westlichem Seeweg die vermeintlichen Küsten Asiens zu erreichen.

Christoph Kolumbus brach mit drei Schiffen auf:
  • der Santa María, seinem Führungsschiff,
  • der Pinta unter Martín Alonso Pinzón,
  • und der Niña unter Vicente Yáñez Pinzón.

Kolumbus hielt später fest, dass die Flotte etwa eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang den Hafen von Palos verlassen habe. Um acht Uhr morgens passierte sie die Barre von Saltés und segelte südwärts in Richtung der Kanarischen Inseln. Dort sollten die Schiffe ausgebessert, ergänzt und für die eigentliche Fahrt nach Westen vorbereitet werden. Erst am 6. September begann von La Gomera aus die lange Überquerung des Atlantiks.

Im Auftrag der katholischen Monarchen

Die Reise erfolgte unter der Herrschaft Isabellas I. von Kastilien und Ferdinands II. von Aragón, der sogenannten katholischen Könige. Wenige Monate zuvor, am 17. April 1492, waren in Santa Fe bei Granada die Bedingungen des Unternehmens festgelegt worden.

Kolumbus sollte im Erfolgsfall unter anderem den erblichen Rang eines Admirals des Ozeanischen Meeres sowie hohe Verwaltungsämter in den von ihm erreichten Gebieten erhalten. Auch eine Beteiligung an den erwarteten Einkünften wurde ihm zugesichert. Die heute im Archiv der Krone von Aragón erhaltene Ausfertigung der Kapitulationen von Santa Fe gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Dabei ist eine wichtige staatsrechtliche Feinheit zu beachten: Kastilien und Aragón waren 1492 durch ihre gemeinsam regierenden Monarchen verbunden, blieben aber rechtlich und institutionell unterschiedliche Reiche. Die atlantische Expansion wurde vor allem der Krone von Kastilien zugeordnet. Von einem bereits vollständig geeinten spanischen Nationalstaat im modernen Sinn kann daher noch nicht gesprochen werden.

Das königliche Banner und das grüne Kreuz

Besonders interessant ist die von Kolumbus überlieferte Beschreibung der mitgeführten Fahnen.

Als die Besatzungen am 12. Oktober 1492 auf der von den Einheimischen Guanahani genannten Insel an Land gingen, führte Kolumbus das königliche Banner. Die Kapitäne der Pinta und der Niña trugen jeweils eine Fahne mit einem grünen Kreuz. Zu beiden Seiten des Kreuzes standen die bekrönten Initialen der Monarchen:
F für Fernando und Y für Ysabel.

Das „Y“ entspricht der damals gebräuchlichen Schreibweise des Namens Isabella. Die Fahne war damit kein spanisches Nationalbanner im modernen Sinn, sondern ein dynastisches und christliches Herrschaftszeichen. Nach der überlieferten Darstellung hatten alle drei Schiffe diese Kreuzfahnen mitgeführt.

Allerdings stammt unser Wissen nicht aus dem heute verlorenen Original des Bordbuches. Erhalten blieb eine spätere Abschrift beziehungsweise Zusammenfassung durch Bartolomé de las Casas. Viele moderne Darstellungen der Fahne sind deshalb Rekonstruktionen, die sich an dieser schriftlichen Beschreibung orientieren.

Ein Wendepunkt mit zwei Gesichtern

Kolumbus glaubte bis zu seinem Tod, Teile Asiens erreicht zu haben. Tatsächlich landete die Expedition auf Inseln der Karibik und begegnete dort Gesellschaften, deren Geschichte lange vor der Ankunft der Europäer begonnen hatte.

Die Fahrt vom 3. August 1492 eröffnete eine dauerhafte Verbindung zwischen Europa, Afrika und Amerika. Pflanzen, Tiere, Nahrungsmittel, Menschen, Wissen und Krankheitserreger wurden fortan über den Atlantik ausgetauscht. Dieser später als Kolumbianischer Austausch bezeichnete Prozess veränderte Ernährung, Wirtschaft, Umwelt und Bevölkerungsentwicklung auf mehreren Kontinenten.

Doch diese Geschichte besitzt auch eine dunkle Seite. Der europäischen Expansion folgten Eroberung, Kolonisierung, Zwangsarbeit, Versklavung und die Ausbreitung von Krankheiten, gegen die die indigene Bevölkerung Amerikas kaum Abwehrkräfte besaß.

Der 3. August 1492 bezeichnet daher nicht einfach den Beginn einer glanzvollen Entdeckungsfahrt. Er steht für den Anfang einer neuen globalen Epoche – einer Epoche des Austausches und der Begegnung, aber ebenso der Gewalt, der Herrschaft und des tiefgreifenden Verlustes.Als die drei Schiffe an jenem Morgen Palos verließen, konnte niemand an Bord ermessen, welche Folgen diese Reise haben würde. Doch von diesem Augenblick an begann sich die Geschichte der Welt grundlegend zu verändern.

Quellen
  • Das überlieferte Bordbuch der ersten Reise, in der Bearbeitung des Bartolomé de las Casas
  • Capitulaciones de Santa Fe, 17. April 1492
  • UNESCO, Register „Memory of the World“
  • Library of Congress, Ausstellung 1492: An Ongoing Voyage
  • University of Oklahoma Press, kritische Edition des Diario
  • Cambridge University Press, Darstellungen zur kastilischen Expansion und zum Kolumbianischen Austausch
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