24. Juli 1567 | Die Abdankung von Maria Stuart, Königin von Schottland

24. Juli 1567 | Die Abdankung von Maria Stuart, Königin von Schottland

3 Tage 19 Stunden her - 3 Tage 19 Stunden her
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Bild: Joseph Severn, The Abdication of Mary, Queen of Scots, um 1850, Victoria and Albert Museum, London.

24. Juli 1567: Maria Stuart wird zur Abdankung gezwungen

Heute vor 459 Jahren, am 24. Juli 1567, wurde Maria Stuart, Königin der Schotten, während ihrer Gefangenschaft auf Loch Leven Castle gezwungen, auf die schottische Krone zu verzichten.

Die damals erst 24-jährige Königin unterzeichnete mehrere Urkunden, mit denen sie die Krone ihrem kaum dreizehn Monate alten Sohn Jakob übertrug und zugleich die Regierung des Landes während seiner Minderjährigkeit in die Hände von Regenten legte. Der kleine Prinz wurde dadurch als Jakob VI. König von Schottland und fünf Tage später, am 29. Juli 1567, in der Church of the Holy Rude in Stirling gekrönt.


Der Sturz einer Königin

Der Abdankung war eine schwere politische Krise vorausgegangen. Nach der Ermordung von Marias zweitem Ehemann, Henry Stuart, Lord Darnley, und ihrer umstrittenen Heirat mit James Hepburn, Earl of Bothwell, erhob sich ein Teil des schottischen Adels gegen die Königin. Nach der Auseinandersetzung bei Carberry Hill im Juni 1567 geriet Maria in die Gewalt ihrer Gegner und wurde auf der Inselburg Loch Leven festgesetzt.

Dort musste sie auf ihre Herrschaft verzichten. Die offizielle Abdankungsurkunde stellte den Vorgang als freiwilligen Rückzug einer körperlich und seelisch erschöpften Königin dar. Tatsächlich erfolgte die Unterzeichnung jedoch unter erheblichem Druck ihrer Bewacher und politischen Gegner.

Maria betrachtete ihre Abdankung später nicht als rechtmäßig. Ihr Kampf um die Rückgewinnung der schottischen Krone war damit keineswegs beendet. Das Geschehen auf Loch Leven leitete vielmehr eine neue Phase der schottischen Bürgerkriege und schließlich Marias langjährige Gefangenschaft in England ein.


Vom Kindkönig zum Herrscher dreier Königreiche

Die Ereignisse des Jahres 1567 erhielten ihre weitreichende dynastische Bedeutung erst Jahrzehnte später. Jakob VI. blieb König von Schottland und wurde nach dem kinderlosen Tod Elisabeths I. am 24. März 1603 auch als Jakob I. König von England und Irland.

Sein Anspruch auf die englische Krone beruhte auf seiner Abstammung von Margaret Tudor, der älteren Tochter König Heinrichs VII. von England. Margaret Tudor war Jakobs Urgroßmutter und hatte 1503 König Jakob IV. von Schottland geheiratet. Damit verbanden sich in Jakob VI. die schottische Königsdynastie der Stuarts und die englische Tudor-Abstammung.

Mit seiner Thronbesteigung von 1603 entstand die sogenannte Union der Kronen. England, Schottland und Irland wurden nun von demselben Monarchen regiert. Es handelte sich jedoch noch nicht um einen vereinigten Staat: England und Schottland behielten ihre eigenen Parlamente, Rechtssysteme, Kirchen und staatlichen Einrichtungen. Erst die Unionsakte von 1707 schufen das Königreich Großbritannien.

Die Abdankung Maria Stuarts war daher nicht unmittelbar die Ursache der Union von 1603. Sie brachte jedoch bereits 1567 jenen Fürsten auf den schottischen Thron, der 36 Jahre später auch die englische Krone erben sollte.


Ein Wendepunkt der dynastischen Heraldik

Die Personalunion spiegelte sich deutlich in der königlichen Heraldik. Unter Jakob VI. und I. wurden die Zeichen der verschiedenen Königreiche in einem gemeinsamen Herrschaftswappen zusammengeführt:
  • der rote schottische Löwe im Lilien-Doppelbord,
  • die drei goldenen Löwen Englands,
  • die französischen Lilien als Ausdruck des traditionellen englischen Anspruchs auf Frankreich,
  • sowie die goldene Harfe Irlands.

Auch die Schildhalter erhielten ihre bis heute bekannte dynastische Verbindung: Der englische gekrönte Löwe trat neben das schottische Einhorn. In den für England und Schottland bestimmten Fassungen des königlichen Wappens wurde allerdings jeweils dem eigenen Königreich der heraldische Vorrang eingeräumt.

Damit wurde die neue Herrschaftsordnung sichtbar gemacht, lange bevor aus der Verbindung der Kronen eine politische Union entstand. Die Heraldik zeigte nicht die Verschmelzung der alten Reiche, sondern ihre Vereinigung in der Person eines gemeinsamen Monarchen.


Das Gemälde von Joseph Severn

Das Gemälde The Abdication of Mary, Queen of Scots – „Die Abdankung Marias, Königin der Schotten“ – wurde um 1850 von dem englischen Maler Joseph Severn geschaffen und befindet sich heute in der Sammlung des Victoria and Albert Museum in London.

Severn malte die Szene fast drei Jahrhunderte nach dem historischen Ereignis. Das Bild ist daher keine dokumentarische Wiedergabe des Vorgangs, sondern eine romantische Geschichtsinterpretation des 19. Jahrhunderts. Maria erscheint als bedrängte, zugleich aber würdevolle Königin, die von ihren Gegnern zur Unterzeichnung der Abdankungsurkunde gezwungen wird.

Gerade diese dramatische Inszenierung prägte das populäre Bild Maria Stuarts nachhaltig: nicht nur als politisch gescheiterte Monarchin, sondern als tragische Königin, deren persönliches Schicksal mit den großen dynastischen Konflikten Europas verbunden war.
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