1507 Das päpstliche Schwert Schottlands
- Carlo
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1507 Das päpstliche Schwert Schottlands
2 Wochen 5 Tage herDas päpstliche Schwert Schottlands – Julius II., Jakob IV. und die Honours of Scotland
Ein Stück Rom in Edinburgh Castle: Das Sword of State der Schotten gehört zu den eindrucksvollsten Überresten eines fast vergessenen päpstlich-ritterlichen Ehrenrituals.
Jahrhundertelang gehörte es zur feierlichen Praxis der Päpste, an Heiligabend ein besonderes Ehrenzeichen zu segnen: ein großes Zeremonienschwert und einen geweihten Hut. Dieses Paar – im Englischen meist als Blessed Sword and Hat bezeichnet – wurde katholischen Herrschern, Heerführern oder Fürsten verliehen, die als Verteidiger der Christenheit galten.
Der Hut war kein gewöhnliches Rangzeichen: Er bestand aus rotem bzw. karmesinrotem Samt und war mit einer Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes geschmückt. Das Schwert wiederum trug nicht den Namen des Empfängers, sondern verwies vor allem auf den Papst, der es verlieh. Die Botschaft war deutlich: Der ausgezeichnete Fürst handelte symbolisch als bewaffneter Arm des Apostolischen Stuhles.
Ein besonders berühmtes Beispiel hat sich in Schottland erhalten.
Im Jahr 1507 sandte Papst Julius II. dem schottischen König Jakob IV. ein solches Schwert samt geweihtem Hut. Die Übergabe fand im Frühjahr 1507 statt; in den zeitgenössischen Briefen Jakobs IV. wird ausdrücklich erwähnt, dass Schwert und Hut am Ostersonntag dem König übergeben wurden.
Dieses Schwert wurde später als Sword of State Teil der Honours of Scotland, also der schottischen Kroninsignien. Zusammen mit Krone und Zepter gehört es zu den ältesten erhaltenen königlichen Regalien der Britischen Inseln. Aufbewahrt werden die Honours im Crown Room von Edinburgh Castle.
Auch heraldisch und symbolgeschichtlich ist das Stück bemerkenswert. Der silbervergoldete Griff zeigt unter anderem Eichenlaub und Eicheln, die als Sinnbilder des auferstandenen Christus verstanden werden. Die Klinge trägt Darstellungen der Apostel Petrus und Paulus sowie eine Inschrift Papst Julius’ II. Damit verbindet das Schwert Herrschaft, Papsttum, Ritterideal und religiöse Symbolik in einem einzigen Objekt.
Die Honours of Scotland wurden bei schottischen Krönungen und Staatsakten verwendet. Später spielten sie auch bei zeremoniellen Anlässen eine Rolle. Das historische Schwert selbst ist heute allerdings zu empfindlich für den aktiven Gebrauch: Die Klinge gilt als fragil und wurde mit Zustimmung des Monarchen aus dem zeremoniellen Einsatz genommen.
Aus diesem Grund wurde ein neues Staatsschwert geschaffen: das Elizabeth Sword, benannt nach Königin Elisabeth II. Es wurde König Charles III. im Juli 2023 bei der schottischen Dank- und Widmungsfeier in der St Giles’ Cathedral in Edinburgh präsentiert und dient seither bei Zeremonien anstelle des historischen Papstschwertes.
Warum ist das spannend?
Weil dieses Schwert mehr ist als ein schönes Stück Metall. Es erzählt von einer Zeit, in der Herrschaft nicht nur politisch, sondern auch sakral verstanden wurde. Ein Papst ehrte einen König, ein König führte ein Zeichen geistlicher Autorität, und ein zeremonielles Objekt überdauerte Reformation, Bürgerkrieg, Union und moderne Monarchie.
Das Sword of State ist damit nicht nur ein Bestandteil der schottischen Kronjuwelen, sondern auch ein seltenes Zeugnis jener alten Welt, in der Ritterschaft, Glaube, Heraldik und Macht untrennbar miteinander verbunden waren.
Quellen und Hinweise:
The Royal Family: The Honours of Scotland
Scottish Government: The Elizabeth Sword, 30 June 2023
Historic Environment Scotland: Honours of Scotland shine once more
National Library of Scotland: Letters of James IV, Nachweis zur Übergabe von Schwert und Hut 1507
Anmerkung: Der populäre Titel „The Sword the Pope Blessed at Midnight“ ist wirkungsvoll, aber etwas zugespitzt. Präziser ist: Die päpstliche Segnung erfolgte an Heiligabend vor der Matutin; ein exakter Zeitpunkt „Mitternacht“ sollte daher nicht als gesichert formuliert werden.
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