7. September 1822 | Dom Pedro und die Unabhängigkeit Brasiliens

7. September 1822 | Dom Pedro und die Unabhängigkeit Brasiliens

1 Woche 2 Tage her
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Am 7. September 1822 vollzog Prinz Pedro de Alcântara von Braganza, der spätere Kaiser Pedro I. von Brasilien, am Flüsschen Ipiranga bei São Paulo jenen symbolischen Akt, der als Grito do Ipiranga („Ruf vom Ipiranga“) in die brasilianische Nationalgeschichte einging. Der Überlieferung nach gipfelte er in der Losung:
Independência ou Morte!

Die brasilianische Unabhängigkeit war allerdings kein plötzliches Ereignis dieses einen Tages, sondern das Ergebnis eines längeren politischen Ablösungsprozesses vom portugiesischen Mutterland.

Von der portugiesischen Monarchie zum brasilianischen Kaiserreich

Eine entscheidende Voraussetzung war paradoxerweise die napoleonische Expansion in Europa. 1807/08 verlegte der portugiesische Hof unter dem Schutz Großbritanniens seinen Sitz von Lissabon nach Rio de Janeiro. Brasilien wurde damit faktisch zum politischen Zentrum der portugiesischen Monarchie. 1815 erfolgte seine Erhebung zum Bestandteil des Vereinigten Königreiches von Portugal, Brasilien und den Algarven.

Nach der liberalen Revolution von 1820 und der Rückkehr König Joãos VI. nach Portugal 1821 blieb dessen Sohn Pedro als Prinzregent in Brasilien zurück. Die portugiesischen Cortes versuchten jedoch, die während der Jahre der Hofhaltung in Rio entstandene politische Eigenständigkeit Brasiliens wieder einzuschränken und verlangten auch Pedros Rückkehr nach Europa.

Am 9. Januar 1822 widersetzte sich Pedro dieser Forderung und erklärte, in Brasilien zu bleiben. Dieser Tag ging als Dia do Fico – sinngemäß „Tag des Ich-bleibe“ – in die brasilianische Geschichte ein.

Die Habsburgerin hinter dem brasilianischen Thron

Für die österreichische Geschichte besonders bemerkenswert ist die Rolle von Pedros Gemahlin, Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich (1797–1826), einer Tochter Kaiser Franz’ II./I. und Schwester Kaiser Ferdinands I.

Während Pedro im August und September 1822 in São Paulo weilte, führte Leopoldine in Rio de Janeiro interimistisch die Regentschaft. Am 2. September 1822 leitete sie eine außerordentliche Sitzung des Staatsrates, nachdem neue Weisungen aus Lissabon eingetroffen waren. Der Rat gelangte zu der Auffassung, dass die endgültige Trennung von Portugal notwendig geworden sei.

Leopoldine und der einflussreiche Minister José Bonifácio de Andrada e Silva ließen Pedro entsprechende Schreiben nach São Paulo überbringen.

Fünf Tage später erreichten ihn die Nachrichten auf seiner Rückreise in der Nähe des Ipiranga. Am 7. September 1822 erklärte Pedro dort den politischen Bruch mit Portugal – jener Augenblick, der später zum nationalen Gründungsmythos Brasiliens wurde.

Vom Prinzregenten zum Kaiser

Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der aus dem portugiesischen Prinzregenten der Monarch eines neuen Staates wurde:
  • 7. September 1822 – Proklamation der Unabhängigkeit am Ipiranga
  • 12. Oktober 1822 – Akklamation Pedros zum Kaiser von Brasilien
  • 1. Dezember 1822 – feierliche Salbung und Krönung als Pedro I., konstitutioneller Kaiser und immerwährender Verteidiger Brasiliens

Damit entstand keine Republik, sondern das Kaiserreich Brasilien. Dynastisch blieb der neue Staat eng mit Europa verbunden: Pedro gehörte dem portugiesischen Haus Braganza an, seine Gemahlin Leopoldine dem Haus Habsburg-Lothringen.

Die politische Trennung war 1822 allerdings noch keineswegs überall durchgesetzt. Mehrere Provinzen – darunter Bahia, Maranhão und Pará – standen zunächst weiterhin auf portugiesischer Seite. Erst 1823 konnte sich die Regierung Pedros dort endgültig durchsetzen.

Auch Portugal akzeptierte den Verlust Brasiliens nicht sofort. Erst 1825 erkannte König João VI. die Unabhängigkeit seines ehemaligen südamerikanischen Reichsteils vertraglich an.

Eine bemerkenswerte dynastische Konstellation

Der 7. September 1822 besitzt auch aus genealogisch-dynastischer Sicht eine gewisse Ironie: Die Unabhängigkeit Brasiliens wurde nicht durch den Sturz der portugiesischen Dynastie vollzogen, sondern unter Führung eines ihrer eigenen Prinzen.

Pedro war Sohn des portugiesischen Königs João VI. und wurde als Pedro I. erster Kaiser Brasiliens. Nach dem Tod seines Vaters erbte er 1826 sogar kurzzeitig als Pedro IV. die portugiesische Krone, auf die er zugunsten seiner Tochter Maria II. verzichtete.

Damit standen Brasilien und Portugal nach ihrer politischen Trennung weiterhin in engster dynastischer Beziehung.

Und auch das Haus Habsburg-Lothringen war unmittelbar an der Entstehung der neuen Monarchie beteiligt: Leopoldine war nicht lediglich Gemahlin des ersten Kaisers, sondern spielte in den entscheidenden Septembertagen 1822 selbst eine politische Rolle.

7. September – Nationalfeiertag Brasiliens

Der 7. September wird heute als Dia da Independência bzw. Sete de Setembro begangen.

Das berühmte Bild des Prinzen hoch zu Ross, der am Ipiranga mit dem Ruf „Independência ou Morte!“ die Geburt einer Nation verkündet, gehört allerdings bereits zur späteren nationalen Erinnerungskultur. Die tatsächliche Loslösung Brasiliens war ein längerer politischer, militärischer und diplomatischer Prozess.

Gerade darin liegt die historische Besonderheit des Jahres 1822: Aus einem Teil der portugiesischen Monarchie entstand keine republikanische Nachfolgeregierung, sondern ein eigenständiges Kaiserreich unter einem Braganza – mit einer Habsburger Erzherzogin an seiner Seite.


Quellen und weiterführende Hinweise:

Câmara dos Deputados (Brasilien), O movimento da Independência.

Arquivo Nacional do Brasil, Chronologie Período Imperial (1822–1889).

Biblioteca Nacional do Brasil, 1822 – Independência do Brasil.

Arquivo Nacional do Brasil, Carta de anistia geral de D. Pedro.

Zur Chronologie Pedros siehe außerdem das Projekt D. Pedro d'Alcântara e Bragança – Imperador do Brasil, Rei de Portugal.
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