2. September 1192 | Der Vertrag von Jaffa
- Carlo
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2. September 1192 | Der Vertrag von Jaffa
2 Wochen 2 Stunden her
Am 2. September 1192 endete mit dem sogenannten Vertrag von Jaffa – auch als Vertrag von Ramla bezeichnet – der Dritte Kreuzzug.
Nach mehr als einem Jahr schwerer Kämpfe standen sich zwei der bekanntesten Herrscher des Mittelalters gegenüber: Richard I. „Löwenherz“, König von England, und Ṣalāḥ ad-Dīn Yūsuf ibn Ayyūb – Saladin, Sultan von Ägypten und Syrien.
Richard hatte bedeutende militärische Erfolge errungen. Akkon war 1191 zurückgewonnen worden, bei Arsuf hatte er Saladins Heer geschlagen, und zuletzt hatte er im Sommer 1192 Jaffa in einem spektakulären Gegenangriff behauptet. Das eigentliche Ziel des Kreuzzuges aber blieb unerreicht: Jerusalem konnte nicht zurückerobert werden.
Auch Saladin hatte sein ursprüngliches Ziel nicht vollständig erreicht. Zwar blieb Jerusalem unter ayyubidischer Herrschaft, doch der Kreuzzug hatte einen lebensfähigen lateinischen Küstenstaat wiederhergestellt.
Der Kompromiss von Jaffa
Der Waffenstillstand sah im Wesentlichen vor:
Damit hatte keine Seite ihren ursprünglichen Kriegszweck vollständig erreicht.
Richard musste auf die Rückeroberung Jerusalems verzichten. Saladin konnte die Heilige Stadt behaupten, musste aber hinnehmen, dass die Franken wieder dauerhaft an der Küste Fuß gefasst hatten.
Der Vertrag war daher weniger ein Sieg als die Anerkennung eines militärischen Pattzustandes.
Richard und Saladin – Ritterlichkeit zwischen Geschichte und Legende
Die Begegnung der beiden Herrscher wurde bereits im Mittelalter und noch stärker in späteren Jahrhunderten zum Sinnbild einer besonderen Form gegenseitiger Achtung zwischen Gegnern.
Richard und Saladin begegneten einander wahrscheinlich niemals persönlich. Ihre Verhandlungen liefen über Gesandte, insbesondere über Saladins Bruder al-ʿĀdil. Dennoch berichten christliche wie muslimische Quellen von diplomatischer Höflichkeit und gegenseitiger Anerkennung der militärischen Fähigkeiten des Gegners.
Daraus entstand später das berühmte Bild von Richard Löwenherz und Saladin als ritterlichen Gegnern.
Dieses Bild darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Dritte Kreuzzug ein äußerst blutiger Krieg war. Die vielgerühmte „Ritterlichkeit“ gehört daher teilweise bereits zur späteren Erinnerungskultur.
Vielleicht liegt die eigentliche Bedeutung des Vertrages von Jaffa gerade darin:
Nach Jahren erbitterter Kämpfe mussten beide Seiten anerkennen, dass auch der erfolgreichste Feldherr nicht jedes politische Ziel mit dem Schwert erreichen konnte.
Am Ende entschieden nicht Arsuf oder Jaffa über den Ausgang des Dritten Kreuzzuges, sondern Verhandlungen.
Jerusalem blieb bei Saladin.
Die Kreuzfahrer blieben an der Küste.
Und der Dritte Kreuzzug war beendet.
Anmerkung zur Datierung:
Die Quellenüberlieferung ist nicht völlig einheitlich. Die endgültigen Bedingungen wurden bereits am 1. September 1192 ausgearbeitet; in einem Teil der modernen Literatur wird der 2. September als Tag der formellen Beschwörung bzw. des Inkrafttretens des Waffenstillstands angegeben.
Quellen und Literatur:
Bahāʾ al-Dīn Ibn Shaddād, The Rare and Excellent History of Saladin, übers. D. S. Richards.
Itinerarium Peregrinorum et Gesta Regis Ricardi, Buch VI.
Martin Köhler, Alliances and Treaties between Frankish and Muslim Rulers in the Middle East.
John D. Hosler / Stephen Bennett (Hg.), The Third Crusade (1189–1192): New Interpretations, 2026.
Nach mehr als einem Jahr schwerer Kämpfe standen sich zwei der bekanntesten Herrscher des Mittelalters gegenüber: Richard I. „Löwenherz“, König von England, und Ṣalāḥ ad-Dīn Yūsuf ibn Ayyūb – Saladin, Sultan von Ägypten und Syrien.
Richard hatte bedeutende militärische Erfolge errungen. Akkon war 1191 zurückgewonnen worden, bei Arsuf hatte er Saladins Heer geschlagen, und zuletzt hatte er im Sommer 1192 Jaffa in einem spektakulären Gegenangriff behauptet. Das eigentliche Ziel des Kreuzzuges aber blieb unerreicht: Jerusalem konnte nicht zurückerobert werden.
Auch Saladin hatte sein ursprüngliches Ziel nicht vollständig erreicht. Zwar blieb Jerusalem unter ayyubidischer Herrschaft, doch der Kreuzzug hatte einen lebensfähigen lateinischen Küstenstaat wiederhergestellt.
Der Kompromiss von Jaffa
Der Waffenstillstand sah im Wesentlichen vor:
- Jerusalem blieb unter der Herrschaft Saladins.
- Christliche Pilger erhielten freien und sicheren Zugang zu Jerusalem und insbesondere zum Heiligen Grab.
- Das Königreich Jerusalem behielt einen schmalen Küstenstreifen von Tyros bis Jaffa.
- Ramla und Lydda nahmen im Grenzgebiet eine besondere, zwischen beiden Seiten geteilte Stellung ein.
- Die Befestigungen von Askalon wurden geschleift; keine der beiden Seiten sollte die strategisch wichtige Festung zunächst nutzen können.
- Der Waffenstillstand wurde für ungefähr drei Jahre und acht Monate vereinbart.
Damit hatte keine Seite ihren ursprünglichen Kriegszweck vollständig erreicht.
Richard musste auf die Rückeroberung Jerusalems verzichten. Saladin konnte die Heilige Stadt behaupten, musste aber hinnehmen, dass die Franken wieder dauerhaft an der Küste Fuß gefasst hatten.
Der Vertrag war daher weniger ein Sieg als die Anerkennung eines militärischen Pattzustandes.
Richard und Saladin – Ritterlichkeit zwischen Geschichte und Legende
Die Begegnung der beiden Herrscher wurde bereits im Mittelalter und noch stärker in späteren Jahrhunderten zum Sinnbild einer besonderen Form gegenseitiger Achtung zwischen Gegnern.
Richard und Saladin begegneten einander wahrscheinlich niemals persönlich. Ihre Verhandlungen liefen über Gesandte, insbesondere über Saladins Bruder al-ʿĀdil. Dennoch berichten christliche wie muslimische Quellen von diplomatischer Höflichkeit und gegenseitiger Anerkennung der militärischen Fähigkeiten des Gegners.
Daraus entstand später das berühmte Bild von Richard Löwenherz und Saladin als ritterlichen Gegnern.
Dieses Bild darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Dritte Kreuzzug ein äußerst blutiger Krieg war. Die vielgerühmte „Ritterlichkeit“ gehört daher teilweise bereits zur späteren Erinnerungskultur.
Vielleicht liegt die eigentliche Bedeutung des Vertrages von Jaffa gerade darin:
Nach Jahren erbitterter Kämpfe mussten beide Seiten anerkennen, dass auch der erfolgreichste Feldherr nicht jedes politische Ziel mit dem Schwert erreichen konnte.
Am Ende entschieden nicht Arsuf oder Jaffa über den Ausgang des Dritten Kreuzzuges, sondern Verhandlungen.
Jerusalem blieb bei Saladin.
Die Kreuzfahrer blieben an der Küste.
Und der Dritte Kreuzzug war beendet.
Anmerkung zur Datierung:
Die Quellenüberlieferung ist nicht völlig einheitlich. Die endgültigen Bedingungen wurden bereits am 1. September 1192 ausgearbeitet; in einem Teil der modernen Literatur wird der 2. September als Tag der formellen Beschwörung bzw. des Inkrafttretens des Waffenstillstands angegeben.
Quellen und Literatur:
Bahāʾ al-Dīn Ibn Shaddād, The Rare and Excellent History of Saladin, übers. D. S. Richards.
Itinerarium Peregrinorum et Gesta Regis Ricardi, Buch VI.
Martin Köhler, Alliances and Treaties between Frankish and Muslim Rulers in the Middle East.
John D. Hosler / Stephen Bennett (Hg.), The Third Crusade (1189–1192): New Interpretations, 2026.
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