1. Sept. 1715 | Ein fünfjähriger König wird Großmeister der königlichen Orden
- Carlo
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1. Sept. 1715 | Ein fünfjähriger König wird Großmeister der königlichen Orden
2 Wochen 23 Stunden her
Ein fünfjähriger König wird Großmeister der königlichen Orden Frankreichs
Am Morgen des 1. September 1715 starb Ludwig XIV. im Schloss von Versailles, nur wenige Tage vor seinem 77. Geburtstag. Seit 1643 hatte der „Sonnenkönig“ mehr als 72 Jahre lang die französische Krone getragen. Sein Nachfolger war kein Sohn und auch kein Enkel, sondern sein erst fünfjähriger Urenkel Ludwig XV. – der einzige überlebende männliche Nachkomme der dafür in Betracht kommenden jüngeren Generation der französischen Bourbonen.
Mit dem Tod Ludwigs XIV. ging die Krone unmittelbar auf das Kind über. Der Herzog Philippe II. von Orléans führte während seiner Minderjährigkeit als Regent die Regierungsgeschäfte, doch König von Frankreich und Navarra war seit dem 1. September 1715 Ludwig XV.
Mit der Krone gingen auch die königlichen Orden auf den neuen Souverän über
Ordensgeschichtlich ist dieser Herrscherwechsel besonders interessant. Der König von Frankreich stand nicht lediglich außerhalb der von ihm verliehenen Orden, sondern bildete selbst deren institutionelles Zentrum.
Dies galt besonders für den Ordre du Saint-Esprit – den Orden vom Heiligen Geist. König Heinrich III. hatte ihn am 31. Dezember 1578 gegründet. Obwohl der bereits 1469 gestiftete Michaelsorden älter war, entwickelte sich der Heilig-Geist-Orden zum prestigeträchtigsten Ritterorden der französischen Monarchie. Seine Ritter gehörten überwiegend der höchsten Aristokratie des Königreichs an.
Der König war dabei nicht einfach ein Ritter unter anderen. Er war
Damit wurde der fünfjährige Ludwig XV. am 1. September 1715 kraft seiner Thronbesteigung auch fünfter Chef und Souveräner Großmeister des Ordens vom Heiligen Geist. Entsprechendes galt für seine Stellung an der Spitze des älteren Michaelsordens.
König sein und den Kollan tragen waren jedoch nicht dasselbe
Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.
Die Stellung als Souverän und Großmeister beruhte auf dem Königtum selbst. Ludwig XV. musste also nicht erst wie ein gewöhnlicher Ritter in den Orden aufgenommen werden, um dessen Oberhaupt zu werden.
Die feierliche ordensrechtliche Zeremonie folgte hingegen Jahre später.
Am 25. Oktober 1722 wurde der inzwischen zwölfjährige Ludwig XV. in der Kathedrale von Reims gesalbt und gekrönt. Im Umfeld dieser Krönungsfeierlichkeiten legte er auch den für das Ordensoberhaupt vorgesehenen Eid ab und empfing den Kollan des Ordens vom Heiligen Geist. Zeitgenössische Darstellungen der Krönung zeigen den jungen König dementsprechend mit dem berühmten Ordenskollan.
Das macht den 1. September 1715 dennoch zu einem bemerkenswerten Datum der Ordensgeschichte: An diesem Tag wechselte nicht nur die französische Krone ihren Träger – zugleich erhielten die königlichen Orden einen neuen Souverän.
Der Vorgang verdeutlicht einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Ordenswesen des Ancien Régime und modernen staatlichen Auszeichnungssystemen. Der Monarch war nicht bloß die Stelle, welche Auszeichnungen verlieh. In den großen königlichen Ritterorden war seine Person selbst Bestandteil der Ordensverfassung. Die Kontinuität des Ordens war deshalb unmittelbar mit der dynastischen Kontinuität der Krone verbunden.
So stand am 1. September 1715 an der Spitze des mächtigsten Königreichs Europas – und zugleich an der Spitze seines vornehmsten Ritterordens – ein Kind von fünf Jahren.
Quellen und weiterführende Hinweise:
– Château de Versailles: Death of Louis XIV, 1715.
– Château de Versailles: Biographie Louis XV.
– Grande Chancellerie de la Légion d’honneur, Musée de la Légion d’honneur: Geschichte der französischen Orden und des Ordens vom Heiligen Geist.
– Zeitgenössische Überlieferung und spätere Ordensgeschichte zum Ordre du Saint-Esprit; Ludwig XV. als fünfter „Chef et Souverain Grand Maître“.
– Überlieferung zur Krönung Ludwigs XV. in Reims am 25. Oktober 1722.
Am Morgen des 1. September 1715 starb Ludwig XIV. im Schloss von Versailles, nur wenige Tage vor seinem 77. Geburtstag. Seit 1643 hatte der „Sonnenkönig“ mehr als 72 Jahre lang die französische Krone getragen. Sein Nachfolger war kein Sohn und auch kein Enkel, sondern sein erst fünfjähriger Urenkel Ludwig XV. – der einzige überlebende männliche Nachkomme der dafür in Betracht kommenden jüngeren Generation der französischen Bourbonen.
Mit dem Tod Ludwigs XIV. ging die Krone unmittelbar auf das Kind über. Der Herzog Philippe II. von Orléans führte während seiner Minderjährigkeit als Regent die Regierungsgeschäfte, doch König von Frankreich und Navarra war seit dem 1. September 1715 Ludwig XV.
Mit der Krone gingen auch die königlichen Orden auf den neuen Souverän über
Ordensgeschichtlich ist dieser Herrscherwechsel besonders interessant. Der König von Frankreich stand nicht lediglich außerhalb der von ihm verliehenen Orden, sondern bildete selbst deren institutionelles Zentrum.
Dies galt besonders für den Ordre du Saint-Esprit – den Orden vom Heiligen Geist. König Heinrich III. hatte ihn am 31. Dezember 1578 gegründet. Obwohl der bereits 1469 gestiftete Michaelsorden älter war, entwickelte sich der Heilig-Geist-Orden zum prestigeträchtigsten Ritterorden der französischen Monarchie. Seine Ritter gehörten überwiegend der höchsten Aristokratie des Königreichs an.
Der König war dabei nicht einfach ein Ritter unter anderen. Er war
„Chef et Souverain Grand Maître“
Chef und Souveräner Großmeister des Ordens
Chef und Souveräner Großmeister des Ordens
Damit wurde der fünfjährige Ludwig XV. am 1. September 1715 kraft seiner Thronbesteigung auch fünfter Chef und Souveräner Großmeister des Ordens vom Heiligen Geist. Entsprechendes galt für seine Stellung an der Spitze des älteren Michaelsordens.
König sein und den Kollan tragen waren jedoch nicht dasselbe
Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.
Die Stellung als Souverän und Großmeister beruhte auf dem Königtum selbst. Ludwig XV. musste also nicht erst wie ein gewöhnlicher Ritter in den Orden aufgenommen werden, um dessen Oberhaupt zu werden.
Die feierliche ordensrechtliche Zeremonie folgte hingegen Jahre später.
Am 25. Oktober 1722 wurde der inzwischen zwölfjährige Ludwig XV. in der Kathedrale von Reims gesalbt und gekrönt. Im Umfeld dieser Krönungsfeierlichkeiten legte er auch den für das Ordensoberhaupt vorgesehenen Eid ab und empfing den Kollan des Ordens vom Heiligen Geist. Zeitgenössische Darstellungen der Krönung zeigen den jungen König dementsprechend mit dem berühmten Ordenskollan.
Das macht den 1. September 1715 dennoch zu einem bemerkenswerten Datum der Ordensgeschichte: An diesem Tag wechselte nicht nur die französische Krone ihren Träger – zugleich erhielten die königlichen Orden einen neuen Souverän.
Der Vorgang verdeutlicht einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Ordenswesen des Ancien Régime und modernen staatlichen Auszeichnungssystemen. Der Monarch war nicht bloß die Stelle, welche Auszeichnungen verlieh. In den großen königlichen Ritterorden war seine Person selbst Bestandteil der Ordensverfassung. Die Kontinuität des Ordens war deshalb unmittelbar mit der dynastischen Kontinuität der Krone verbunden.
So stand am 1. September 1715 an der Spitze des mächtigsten Königreichs Europas – und zugleich an der Spitze seines vornehmsten Ritterordens – ein Kind von fünf Jahren.
Quellen und weiterführende Hinweise:
– Château de Versailles: Death of Louis XIV, 1715.
– Château de Versailles: Biographie Louis XV.
– Grande Chancellerie de la Légion d’honneur, Musée de la Légion d’honneur: Geschichte der französischen Orden und des Ordens vom Heiligen Geist.
– Zeitgenössische Überlieferung und spätere Ordensgeschichte zum Ordre du Saint-Esprit; Ludwig XV. als fünfter „Chef et Souverain Grand Maître“.
– Überlieferung zur Krönung Ludwigs XV. in Reims am 25. Oktober 1722.
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