31. August 1422| Der Kriegerkönig stirbt – ein Säugling erbt die Krone
- Carlo
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31. August 1422| Der Kriegerkönig stirbt – ein Säugling erbt die Krone
2 Wochen 2 Tage her
Am 31. August 1422 starb König Heinrich V. von England im französischen Vincennes im Alter von nur 35 Jahren. Weniger als sieben Jahre nach seinem triumphalen Sieg bei Azincourt hinterließ einer der erfolgreichsten englischen Kriegskönige des Mittelalters seinem noch nicht neun Monate alten Sohn ein gewaltiges, aber höchst unsicheres Erbe.
Heinrich V. hatte den englischen Anspruch auf Frankreich mit einer Reihe von Feldzügen zu einem Höhepunkt geführt. Am 25. Oktober 1415 errang er bei Azincourt (Agincourt) einen der berühmtesten englischen Siege des Hundertjährigen Krieges. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit vernichtete oder nahm sein Heer einen erheblichen Teil des französischen Adelsaufgebots gefangen. Der Sieg begründete Heinrichs späteren Ruf als nahezu idealtypischer mittelalterlicher Kriegerkönig.
Sein größter politischer Erfolg folgte fünf Jahre später.
Am 21. Mai 1420 schlossen König Karl VI. von Frankreich und Heinrich V. den Vertrag von Troyes. Heinrich wurde darin als Regent und künftiger Erbe des französischen Königs anerkannt. Zugleich sollte der Dauphin Karl – der spätere König Karl VII. – von der Thronfolge ausgeschlossen werden.
Wenige Tage später, am 2. Juni 1420, heiratete Heinrich Katharina von Valois, die Tochter Karls VI.
Damit schien eine Vereinigung der englischen und französischen Kronen unter dem Haus Lancaster zumindest auf dem Papier greifbar nahe.
Doch Heinrich sollte den französischen Thron niemals besteigen.
Während eines weiteren Feldzuges erkrankte der König schwer. Nach der Einnahme von Meaux verschlechterte sich sein Zustand. Am 31. August 1422 starb er in Vincennes, vermutlich an einer schweren Darmerkrankung, die gewöhnlich als Dysenterie oder Ruhr bezeichnet wird.
Sein einziger Sohn war zu diesem Zeitpunkt noch ein Säugling.
Heinrich VI., geboren am 6. Dezember 1421 in Windsor, folgte seinem Vater als König von England. Er war bei seiner Thronbesteigung noch keine neun Monate alt.
Damit stand plötzlich an der Spitze eines Königreiches, das sich mitten in einem großen europäischen Krieg befand, ein Kind.
Die Regierung musste von Verwandten und einem Regentschaftsrat geführt werden. Eine zentrale Rolle übernahm Heinrichs Onkel John, Duke of Bedford, besonders bei der Fortführung des Krieges in Frankreich.
Eine weitere bemerkenswerte Wendung folgte nur wenige Wochen später.
Am 21. Oktober 1422 starb auch Karl VI. von Frankreich. Nach den Bestimmungen des Vertrages von Troyes erhoben die englische und burgundische Partei nun auch für den kleinen Heinrich VI. Anspruch auf die französische Krone.
Frankreich hatte damit faktisch zwei Könige:
Heinrich VI. wurde von der englisch-burgundischen Seite als König von Frankreich anerkannt, während die Gegner des Vertrages den zuvor enterbten Dauphin als Karl VII. betrachteten.
Aus diesem Gegensatz entwickelte sich eine neue Phase des Hundertjährigen Krieges – jene Phase, in der wenige Jahre später Jeanne d’Arc auftreten und Karl VII. 1429 zur Krönung nach Reims führen sollte.
Der letzte Weg Heinrichs V.
Der Leichnam des Königs wurde nach seinem Tod einbalsamiert und zunächst in der Kathedrale von Rouen aufgebahrt. Anschließend begann eine aufwendige Überführung nach England.
Von Dover führte der große Trauerzug über London bis nach Westminster.
Am 7. November 1422 wurde Heinrich V. in der Westminster Abbey beigesetzt, nahe dem Schrein des heiligen Eduard des Bekenners.
Über seinem Grab entstand später eine prächtige Chantry Chapel. Helm, Schild und Sattel, die mit seinem Begräbnis verbunden waren, haben sich in Westminster erhalten.
Damit wurde der König, dessen Herrschaft fast vollständig von Krieg und dem Anspruch auf Frankreich geprägt gewesen war, im religiösen und dynastischen Zentrum der englischen Monarchie zur letzten Ruhe gelegt.
Heinrich V. hatte England auf den Höhepunkt seiner militärischen Macht im Hundertjährigen Krieg geführt. Doch sein früher Tod machte aus seinem Triumph ein gefährliches Erbe: Auf dem englischen Thron saß nun ein Säugling, während jenseits des Kanals zwei Dynastien Anspruch auf dieselbe französische Krone erhoben.
Die Eroberungen des Vaters mussten fortan im Namen eines Kindes verteidigt werden.
Und genau darin lag die Schwäche des scheinbar so großen Erfolges von Troyes.
Quellen und weiterführende Hinweise: Westminster Abbey, „Henry V and Catherine de Valois“; The National Archives, London; History Today, „The Coronations of Henry VI“; einschlägige Literatur zum Vertrag von Troyes und zum Hundertjährigen Krieg.
Heinrich V. hatte den englischen Anspruch auf Frankreich mit einer Reihe von Feldzügen zu einem Höhepunkt geführt. Am 25. Oktober 1415 errang er bei Azincourt (Agincourt) einen der berühmtesten englischen Siege des Hundertjährigen Krieges. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit vernichtete oder nahm sein Heer einen erheblichen Teil des französischen Adelsaufgebots gefangen. Der Sieg begründete Heinrichs späteren Ruf als nahezu idealtypischer mittelalterlicher Kriegerkönig.
Sein größter politischer Erfolg folgte fünf Jahre später.
Am 21. Mai 1420 schlossen König Karl VI. von Frankreich und Heinrich V. den Vertrag von Troyes. Heinrich wurde darin als Regent und künftiger Erbe des französischen Königs anerkannt. Zugleich sollte der Dauphin Karl – der spätere König Karl VII. – von der Thronfolge ausgeschlossen werden.
Wenige Tage später, am 2. Juni 1420, heiratete Heinrich Katharina von Valois, die Tochter Karls VI.
Damit schien eine Vereinigung der englischen und französischen Kronen unter dem Haus Lancaster zumindest auf dem Papier greifbar nahe.
Doch Heinrich sollte den französischen Thron niemals besteigen.
Während eines weiteren Feldzuges erkrankte der König schwer. Nach der Einnahme von Meaux verschlechterte sich sein Zustand. Am 31. August 1422 starb er in Vincennes, vermutlich an einer schweren Darmerkrankung, die gewöhnlich als Dysenterie oder Ruhr bezeichnet wird.
Sein einziger Sohn war zu diesem Zeitpunkt noch ein Säugling.
Heinrich VI., geboren am 6. Dezember 1421 in Windsor, folgte seinem Vater als König von England. Er war bei seiner Thronbesteigung noch keine neun Monate alt.
Damit stand plötzlich an der Spitze eines Königreiches, das sich mitten in einem großen europäischen Krieg befand, ein Kind.
Die Regierung musste von Verwandten und einem Regentschaftsrat geführt werden. Eine zentrale Rolle übernahm Heinrichs Onkel John, Duke of Bedford, besonders bei der Fortführung des Krieges in Frankreich.
Eine weitere bemerkenswerte Wendung folgte nur wenige Wochen später.
Am 21. Oktober 1422 starb auch Karl VI. von Frankreich. Nach den Bestimmungen des Vertrages von Troyes erhoben die englische und burgundische Partei nun auch für den kleinen Heinrich VI. Anspruch auf die französische Krone.
Frankreich hatte damit faktisch zwei Könige:
Heinrich VI. wurde von der englisch-burgundischen Seite als König von Frankreich anerkannt, während die Gegner des Vertrages den zuvor enterbten Dauphin als Karl VII. betrachteten.
Aus diesem Gegensatz entwickelte sich eine neue Phase des Hundertjährigen Krieges – jene Phase, in der wenige Jahre später Jeanne d’Arc auftreten und Karl VII. 1429 zur Krönung nach Reims führen sollte.
Der letzte Weg Heinrichs V.
Der Leichnam des Königs wurde nach seinem Tod einbalsamiert und zunächst in der Kathedrale von Rouen aufgebahrt. Anschließend begann eine aufwendige Überführung nach England.
Von Dover führte der große Trauerzug über London bis nach Westminster.
Am 7. November 1422 wurde Heinrich V. in der Westminster Abbey beigesetzt, nahe dem Schrein des heiligen Eduard des Bekenners.
Über seinem Grab entstand später eine prächtige Chantry Chapel. Helm, Schild und Sattel, die mit seinem Begräbnis verbunden waren, haben sich in Westminster erhalten.
Damit wurde der König, dessen Herrschaft fast vollständig von Krieg und dem Anspruch auf Frankreich geprägt gewesen war, im religiösen und dynastischen Zentrum der englischen Monarchie zur letzten Ruhe gelegt.
Heinrich V. hatte England auf den Höhepunkt seiner militärischen Macht im Hundertjährigen Krieg geführt. Doch sein früher Tod machte aus seinem Triumph ein gefährliches Erbe: Auf dem englischen Thron saß nun ein Säugling, während jenseits des Kanals zwei Dynastien Anspruch auf dieselbe französische Krone erhoben.
Die Eroberungen des Vaters mussten fortan im Namen eines Kindes verteidigt werden.
Und genau darin lag die Schwäche des scheinbar so großen Erfolges von Troyes.
Quellen und weiterführende Hinweise: Westminster Abbey, „Henry V and Catherine de Valois“; The National Archives, London; History Today, „The Coronations of Henry VI“; einschlägige Literatur zum Vertrag von Troyes und zum Hundertjährigen Krieg.
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