31. August 2026 | Die zwei Welten, die das Kreuz nie verließen

31. August 2026 | Die zwei Welten, die das Kreuz nie verließen

2 Wochen 3 Tage her
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Im Zentrum des Kreuzes des spanischen Ordens Isabellas der Katholischen stehen noch heute zwei gekrönte Welten. Ein rotes Band verbindet sie, Strahlen gehen von ihnen aus; daneben stehen die beiden Säulen mit dem Wahlspruch Plus Ultra. Was heute wie eine historische Allegorie erscheint, führt unmittelbar zurück in das Jahr 1815 und in die letzten Jahrzehnte des spanischen Weltreiches in Amerika.

König Ferdinand VII. stiftete am 24. März 1815 die Real Orden Americana de Isabel la Católica. Das Dekret wurde am folgenden Tag in der Gaceta de Madrid veröffentlicht. Der neue Verdienstorden war ausdrücklich auf die spanischen Besitzungen in Amerika ausgerichtet: ausgezeichnet werden sollten Loyalität, Patriotismus und besondere Verdienste um die Verteidigung und Erhaltung jener Gebiete.

Die Wahl Isabellas I. von Kastilien als Namensgeberin war kein Zufall. Ferdinand VII. erinnerte in seinem Gründungsdekret an die Königin, deren „Politik und Unterstützung“ – so die Sprache des Jahres 1815 – wesentlich zur Entdeckung der „Indias“ beigetragen hätten. Der Orden entstand damit mitten in den spanisch-amerikanischen Unabhängigkeitskriegen und war ursprünglich ebenso politisches Instrument wie Auszeichnung.

Besonders bemerkenswert ist die Bildsprache der Insignien. Bereits die Statuten von 1815 bestimmten für das Mittelschild ausdrücklich

„dos columnas y dos globos ó mundos, que representan las Indias“

– zwei Säulen und zwei Globen oder Welten, welche die „Indias“ darstellen sollten. Die beiden Welten waren durch ein Band verbunden und gemeinsam von einer Kaiserkrone überhöht; von ihnen gingen Lichtstrahlen in alle Richtungen aus. Auf dem weißen Ring stand die Devise:

A LA LEALTAD ACRISOLADA
– „Der erprobten / geläuterten Treue“.

Die Säulen stehen in der Tradition der Säulen des Herkules und des spanischen Wahlspruchs Plus Ultra: jenseits der alten Grenzen Europas lag die zweite Welt, mit der die spanische Monarchie seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert verbunden war.

Vom amerikanischen Orden zum spanischen Verdienstorden

Nach dem Verlust des größten Teils des amerikanischen Kolonialreiches musste sich auch der Charakter des Ordens verändern. Die große Reform der spanischen Zivilorden von 1847 wird häufig als Zeitpunkt genannt, an dem „Americana“ aus seinem Namen verschwand. Ein Blick in das damalige königliche Dekret zeigt jedoch ein komplizierteres Bild.

Der Real Decreto vom 26. Juli 1847 bezeichnet den Orden ausdrücklich weiterhin als „la americana de Isabel la Católica“. Noch deutlicher bestimmt Artikel 15:

„La Real Orden de Isabel la Católica queda exclusivamente destinada para premio de los servicios prestados o que se prestasen en Ultramar.“

Der Orden sollte also weiterhin besonders Verdienste in den überseeischen Gebieten belohnen.

Erst das Reformdekret vom 15. April 1889 hält in seiner amtlichen Begründung ausdrücklich fest, dass der Orden den Namen Americana inzwischen verloren habe. Als Begründung wurde angeführt, dass mit ihm nun unterschiedslos Verdienste auf der Iberischen Halbinsel und in den überseeischen Provinzen ausgezeichnet würden.

Die Welten blieben

Der Zweck des Ordens wandelte sich, seine zentrale Bildsprache aber überdauerte.

Auch das heute gültige spanische Reglement von 1998 beschreibt die Ordensinsignien noch mit den „dos mundos coronados“ – den beiden gekrönten Welten –, den beiden Säulen mit Plus Ultra, dem sie verbindenden roten Band und den von ihnen ausgehenden Lichtstrahlen. Das Motiv erscheint unter anderem im Collar, in der Gran Cruz und – in entsprechender Form – auf dem traditionellen Ordenskreuz.

Heute ist die Orden de Isabel la Católica keine Auszeichnung zur Bewahrung eines amerikanischen Imperiums mehr. Sie wird für außergewöhnliche zivile Verdienste um Spanien und insbesondere für Beiträge zu den freundschaftlichen Beziehungen Spaniens mit der internationalen Gemeinschaft verliehen.

Doch mitten in ihrer Insignie liegt noch immer die Erinnerung an ihren Ursprung.

Der Name „Americana“ verschwand.

Die zwei Welten blieben.


Quellen und Literatur

Gaceta de Madrid, 25. März 1815: Gründungsdekret der Real Orden Americana de Isabel la Católica.
Constituciones de la Real Orden Americana de Isabel la Católica, Madrid, Imprenta Real, 1816 bzw. spätere amtliche Ausgaben.
Gaceta de Madrid, Real Decreto vom 26. Juli 1847, veröffentlicht 2. August 1847.
Gaceta de Madrid, Real Decreto vom 15. April 1889, veröffentlicht 20. April 1889.
– Real Decreto 2395/1998 vom 6. November 1998: Reglamento de la Orden de Isabel la Católica.
– Alfonso de Ceballos-Escalera y Gila: La Real y Americana Orden de Isabel la Católica (1815–2015), Madrid 2015.
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