Norwegische Königskrone: Die Krone, die man sieht – aber nicht trägt

Norwegische Königskrone: Die Krone, die man sieht – aber nicht trägt

2 Wochen 4 Tage her
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Norwegen hat einen neuen König – doch eine Krönung wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben.

Als König Haakon VII. und Königin Maud am 22. Juni 1906 im Nidarosdom zu Trondheim gekrönt wurden, ahnte wohl kaum jemand, dass sie das letzte norwegische Königspaar sein würden, dem die Kronen tatsächlich auf das Haupt gesetzt wurden.

Die Verfassung von 1814 hatte noch ausdrücklich vorgeschrieben, dass der König im Nidarosdom gekrönt und gesalbt werden sollte. Doch bereits 1908 hob das Storting diese Bestimmung auf. Die traditionelle Krönungszeremonie galt zunehmend als mit dem modernen parlamentarischen Staatsverständnis schwer vereinbar.

Damit verschwand jedoch nicht jede sakrale Form des Amtsantritts.

Eine neue Tradition entsteht

Nach dem Tod Haakons VII. im Jahr 1957 wünschte dessen Sohn König Olav V. ausdrücklich eine kirchliche Segnung seiner Regierung.

Am 22. Juni 1958 – genau 52 Jahre nach der Krönung seiner Eltern – kniete Olav V. vor dem Hochaltar des Nidarosdoms und empfing den Segen für seine Aufgabe als König.

In Norwegen bezeichnet man diese Zeremonie als signing. Sie ist keine Krönung und besitzt keine staatsrechtliche Wirkung. Der Monarch ist bereits König, bevor er den Dom betritt.

Gerade darin liegt der entscheidende Unterschied zur Krönung von 1906.

Die Kronen bleiben auf dem Altar

Die königlichen Insignien verschwanden dabei keineswegs.

Bei der Signing Olavs V. lagen sowohl die Königskrone als auch die Königinnenkrone auf dem Altar. Dasselbe geschah am 23. Juni 1991, als König Harald V. und Königin Sonja im Nidarosdom den kirchlichen Segen für ihre Aufgaben empfingen.

Doch niemand setzte die Kronen auf.

Sie waren sichtbar – aber sie wurden nicht getragen.

Damit hatte sich ihre Bedeutung verändert: Aus einem Instrument der eigentlichen Krönung war ein historisches und staatliches Symbol der Monarchie geworden.

1906 und 1991 – zwei Bilder desselben Königtums

1906 kniete Haakon VII. zunächst vor dem Hochaltar, wurde gesalbt und nahm anschließend auf dem Krönungsstuhl Platz. Ministerpräsident Christian Michelsen und Bischof Vilhelm Andreas Wexelsen setzten ihm gemeinsam die norwegische Königskrone auf das Haupt. Danach erhielt er Zepter, Reichsapfel und Reichsschwert.

1991 kniete sein Enkel Harald V. wiederum im selben Dom vor dem Altar.

Aber die Krone blieb dort liegen.

Die beiden Zeremonien zeigen damit auf eindrucksvolle Weise den Wandel der norwegischen Monarchie im 20. Jahrhundert: Die historische und religiöse Tradition blieb sichtbar, während der eigentliche staatsrechtliche Charakter der Krönung verschwunden war.

Und Haakon VIII.?

Mit dem Tod König Haralds V. am 28. August 2026 ging die Krone unmittelbar auf seinen Sohn über. Haakon VIII. ist daher bereits König von Norwegen – unabhängig von jeder späteren kirchlichen Zeremonie.

Ob er wie sein Großvater Olav V. und sein Vater Harald V. eine Signing im Nidarosdom wünschen wird, ist bislang nicht offiziell bekanntgegeben worden.

Sollte er diese Tradition fortsetzen, dürfte sich jedoch eines der eindrucksvollsten Bilder der modernen norwegischen Monarchie wiederholen:

Die Königskrone wäre im Dom anwesend und für alle sichtbar.

Doch sie würde nicht auf dem Haupt des Königs ruhen.

Die Krone wäre Zeichen der Monarchie – nicht mehr Mittel der Einsetzung.

Die norwegischen Reichsregalien werden heute in der Erzbischoffsburg neben dem Nidarosdom in Trondheim verwahrt und ausgestellt.

Quellen: Det norske kongehus – „Signingstradisjonen“, „Kroningen av Kong Haakon og Dronning Maud“, „Signingen av Kong Olav V“ und „Signingsjubileum“; Nidarosdomen – Riksregaliene.
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