27. August 1979 – Lord Mountbatten of Burma

27. August 1979 – Lord Mountbatten of Burma

2 Wochen 6 Tage her
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Vor 47 Jahren wurde vor der irischen Küste mit Louis Mountbatten nicht nur einer der bekanntesten britischen Admirale des 20. Jahrhunderts ermordet. Mit ihm verbanden sich die Geschichte des Hauses Battenberg, das Ende Britisch-Indiens und eine ungewöhnliche britische Adelssukzession.

Der Anschlag vor Mullaghmore

Am Vormittag des 27. August 1979 lief das Fischerboot Shadow V vom Hafen von Mullaghmore im County Sligo an der irischen Westküste aus.

An Bord befand sich der 79-jährige Admiral of the Fleet Louis Mountbatten, 1st Earl Mountbatten of Burma, der regelmäßig den Sommer auf dem nahe gelegenen Classiebawn Castle verbrachte.

Eine von der Provisional Irish Republican Army (IRA) an Bord angebrachte und ferngesteuert gezündete Bombe zerstörte das Boot kurz nach dem Auslaufen.

Mountbatten, sein erst 14-jähriger Enkel Nicholas Knatchbull und der 15-jährige Paul Maxwell aus Enniskillen, der während des Sommers auf dem Boot arbeitete, kamen ums Leben.

Nicholas’ Großmutter väterlicherseits, die 82-jährige Doreen, Dowager Lady Brabourne, wurde schwer verletzt und starb am folgenden Tag, dem 28. August 1979.

Weitere Familienangehörige überlebten schwer verletzt, darunter Mountbattens ältere Tochter Patricia, deren Ehemann John Knatchbull, 7th Baron Brabourne, sowie Nicholas’ Zwillingsbruder Timothy.

Warrenpoint – ein zweiter schwerer Anschlag am selben Tag

Nur wenige Stunden später verübte die IRA bei Narrow Water nahe Warrenpoint im County Down einen weiteren, noch verlustreicheren Anschlag.

Eine erste Bombe explodierte, als ein britischer Militärkonvoi die Stelle passierte. Als Soldaten und Verstärkungskräfte am Anschlagsort eintrafen, wurde eine zweite Bombe gezündet.

18 britische Soldaten kamen ums Leben – 16 Angehörige des Parachute Regiment und zwei der Queen’s Own Highlanders.

Für die britische Armee bedeutete Warrenpoint den höchsten Verlust an Menschenleben bei einem einzelnen Zwischenfall während des Nordirlandkonflikts.

Der 27. August 1979 wurde damit zu einem der blutigsten Tage der sogenannten Troubles.

Vom Prinzen von Battenberg zum Earl Mountbatten of Burma

Louis Francis Albert Victor Nicholas wurde am 25. Juni 1900 in Frogmore bei Windsor als Prinz Louis von Battenberg geboren.

Sein Vater war Prinz Louis Alexander von Battenberg, Admiral der Royal Navy und später 1st Marquess of Milford Haven; seine Mutter Victoria von Hessen und bei Rhein war eine Enkelin Königin Victorias.

Damit war Louis Mountbatten selbst Urenkel Königin Victorias.

Seine Schwester Alice von Battenberg heiratete Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark. Ihr Sohn war Prinz Philip, Duke of Edinburgh, der spätere Gemahl Königin Elisabeths II. Mountbatten war somit Philips Onkel und gehörte zum engsten verwandtschaftlichen Umfeld der britischen Königsfamilie.

Während des Ersten Weltkrieges verzichtete die britische Linie der Battenbergs 1917 auf ihre deutschen Titel und Namen. Aus Battenberg wurde die englische Übersetzung Mountbatten.

Marineoffizier und Oberbefehlshaber

Mountbatten machte Karriere in der Royal Navy und gehörte während des Zweiten Weltkrieges zu den prominentesten britischen Befehlshabern.

1943 wurde er zum Supreme Allied Commander, South East Asia Command ernannt und war damit für alliierte Operationen gegen Japan in Südostasien verantwortlich.

Nach dem Krieg setzte er seine Marinekarriere fort. Von 1955 bis 1959 war er First Sea Lord; 1956 erreichte er den höchsten Marinerang eines Admiral of the Fleet. Anschließend stand er bis 1965 als Chief of the Defence Staff an der Spitze der britischen Streitkräfte.

Der letzte Vizekönig von Indien

Seine wohl bedeutendste politische Aufgabe erhielt Mountbatten 1947.

Er wurde zum letzten Vizekönig von Britisch-Indien bestellt und sollte den Übergang von der britischen Kolonialherrschaft zur Unabhängigkeit organisieren.

Am 15. August 1947 endete die britische Herrschaft über Indien. Gleichzeitig entstanden die beiden Dominions Indien und Pakistan.

Mountbatten blieb auf Wunsch der indischen Führung als erster Generalgouverneur des unabhängigen Dominion Indien im Amt und übte diese Funktion bis Juni 1948 aus.

Seine Rolle bei der Teilung Britisch-Indiens wird allerdings bis heute kritisch diskutiert. Der ursprünglich länger vorgesehene Übergang wurde stark beschleunigt: Für die praktische Teilung Britisch-Indiens standen schließlich nur wenige Wochen zur Verfügung. Die Unabhängigkeit wurde sogar gefeiert, bevor die endgültige Grenzziehung zwischen Indien und Pakistan veröffentlicht worden war.

Die Teilung löste eine der größten Migrationsbewegungen des 20. Jahrhunderts aus und war von schwerer interkommunaler Gewalt begleitet.

Ritter des Hosenbandordens

Auch ordensgeschichtlich nimmt Mountbatten einen bemerkenswerten Platz ein.

König Georg VI. ernannte ihn am 3. Dezember 1946 zum Knight Companion of the Most Noble Order of the Garter (KG), also zum Ritter des Hosenbandordens.

Zu seinen zahlreichen weiteren britischen und indischen Auszeichnungen gehörten unter anderem
  • Knight Grand Cross of the Order of the Bath (GCB),
  • Order of Merit (OM),
  • Knight Grand Commander of the Order of the Star of India (GCSI),
  • Knight Grand Commander of the Order of the Indian Empire (GCIE),
  • Knight Grand Cross of the Royal Victorian Order (GCVO)

sowie zahlreiche ausländische Orden und militärische Auszeichnungen.

Eine genealogisch bemerkenswerte Erbfolge

Besonders interessant ist die Gestaltung seiner britischen Adelstitel.

1946 wurde Mountbatten zum Viscount Mountbatten of Burma, 1947 schließlich zum

Earl Mountbatten of Burma
und
Baron Romsey

erhoben.

Louis und seine Ehefrau Edwina Ashley hatten jedoch keine Söhne, sondern zwei Töchter:
  • Patricia Edwina Victoria Mountbatten (1924–2017)
  • Pamela Carmen Louise Mountbatten (* 1929)

Die Letters Patent enthielten daher einen ungewöhnlichen special remainder: Für den Fall, dass Mountbatten keine männlichen Nachkommen hinterließ, sollten seine Titel zunächst auf seine ältere Tochter Patricia und deren männliche Nachkommen und danach gegebenenfalls auf die jüngere Tochter Pamela und deren männliche Nachkommen übergehen.

Genau dieser Fall trat am 27. August 1979 ein.

Mit dem Tod ihres Vaters wurde Patricia Knatchbull suo jure 2nd Countess Mountbatten of Burma.

Damit zeigt sich an Mountbattens Geschichte ein interessantes Beispiel dafür, wie die britische Krone mittels einer besonderen Erbfolgeklausel den Fortbestand eines Peerage-Titels auch über eine Tochter ermöglichen konnte.

Der Tod eines Mannes zwischen Dynastie, Empire und Moderne

Louis Mountbatten verkörperte wie kaum eine zweite Persönlichkeit die Übergänge des britischen 20. Jahrhunderts.

Geboren als deutscher Prinz von Battenberg und Urenkel Königin Victorias, wurde er britischer Admiral, alliierter Oberbefehlshaber, letzter Vizekönig von Indien, erster Generalgouverneur des unabhängigen Indien, Earl und Ritter des Hosenbandordens.

Sein Tod am 27. August 1979 verband diese imperiale und dynastische Vergangenheit auf tragische Weise mit dem gewaltsamen Nordirlandkonflikt der Gegenwart.

Die Ermordung Mountbattens wurde weltweit wahrgenommen. Doch der Blick auf diesen Tag sollte die übrigen Opfer nicht ausblenden: Nicholas Knatchbull, Paul Maxwell und Doreen Lady Brabourne in Mullaghmore sowie die 18 bei Warrenpoint getöteten Soldaten gehörten ebenso zur Bilanz dieses 27. August.

Quellen und weiterführende Hinweise:
  • CAIN – Conflict Archive on the Internet, Ulster University: Chronology of the Conflict 1979 und Sutton Index of Deaths
  • The National Army Museum: The Troubles 1969–2007
  • The London Gazette: Ernennung Mountbattens zum Knight Companion of the Order of the Garter, 3. Dezember 1946
  • The London Gazette: Beiträge zur Familie Battenberg/Mountbatten und zu Mountbattens Begräbnis
  • UK Parliament, Historic Hansard: Indian Independence Bill, Juli 1947
  • The National Archives, Kew: Indian Independence und Partition of British India
  • British Museum: biographischer Eintrag Louis Mountbatten, 1st Earl Mountbatten of Burma
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