26. August 1346 – Das Schlachtfeld von Crécy
- Carlo
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26. August 1346 – Das Schlachtfeld von Crécy
3 Wochen 55 Minuten her - 3 Wochen 45 Minuten herEine Schlacht zwischen Geschichte, ritterlicher Erinnerung und heraldischer Legende
Am 26. August 1346 trafen bei Crécy-en-Ponthieu in der Picardie die Heere König Eduards III. von England und König Philipps VI. von Frankreich aufeinander. Die Schlacht von Crécy wurde zu einer der bekanntesten Auseinandersetzungen des Hundertjährigen Krieges – und zu einer schweren Niederlage des französischen Ritterheeres.
Die genaue Stärke beider Armeen lässt sich nicht mehr sicher bestimmen. Die mittelalterlichen Chronisten nennen zum Teil stark überhöhte Zahlen. In der Forschung besteht jedoch weitgehend Einigkeit darüber, dass Eduards Heer dem französischen zahlenmäßig deutlich unterlegen war.
Warum siegten die Engländer?
Eduard III. hatte eine günstige Verteidigungsstellung gewählt. Seine Ritter und men-at-arms kämpften überwiegend abgesessen, während die englischen und walisischen Langbogenschützen in die Aufstellung integriert waren.
Das französische Heer dagegen erreichte das Schlachtfeld nach einem langen Marsch und konnte sich nicht mehr geordnet entfalten. Die zunächst eingesetzten genuesischen Armbrustschützen wurden zurückgedrängt; anschließend erfolgten wiederholte Angriffe der französischen Ritterschaft gegen die englische Stellung.
So trafen bei Crécy nicht einfach „Ritter gegen Bogenschützen“ aufeinander. Entscheidend waren vielmehr das Zusammenspiel von Gelände, Disziplin, abgesessenen men-at-arms und Bogenschützen auf englischer Seite sowie die mangelnde Koordination der französischen Angriffe.
Mehr als 1.500 Ritter und Knappen gefallen?
Die außergewöhnlich hohen Verluste der französischen und verbündeten Führungsschicht sind bereits durch sehr frühe Nachrichten bezeugt.
In einem Schreiben vom 3. September 1346 berichtete Eduard III., dass allein in einem begrenzten Bereich des ersten Zusammenstoßes mehr als 1.500 Ritter und Knappen gefallen seien – zusätzlich zu den Toten in anderen Teilen des Schlachtfeldes.
Die Zahl ist deshalb historisch bemerkenswert, darf jedoch nicht mit einer modernen Verluststatistik gleichgesetzt werden. Bereits die unmittelbar nach Crécy verbreiteten Listen der Gefallenen enthielten Irrtümer. Sicher ist jedoch, dass die französische und mit ihr verbündete hohe Aristokratie außergewöhnlich schwere Verluste erlitt.
Unter den Toten befanden sich Angehörige einiger der bedeutendsten Häuser Europas.
Johann der Blinde – König von Böhmen
Der wohl berühmteste Gefallene war Johann von Luxemburg, König von Böhmen und Graf von Luxemburg (1296–1346).
Johann war seit mehreren Jahren erblindet, hatte sich aber dennoch dem Heer Philipps VI. angeschlossen. Er gehörte zu den bekanntesten Vertretern der europäischen ritterlichen Führungsschicht seiner Zeit und hatte in zahlreichen Feldzügen zwischen Frankreich, dem Reich, Italien, Böhmen und dem Ostseeraum gekämpft.
Nach der mittelalterlichen Überlieferung verlangte der blinde König, in das Kampfgetümmel geführt zu werden. Besonders bekannt wurde die bei Jean Froissart überlieferte Erzählung, seine Begleiter hätten ihre Zügel mit den seinen verbunden und seien gemeinsam mit ihm in den Kampf geritten.
Johann und mehrere seiner Begleiter wurden getötet.
Ob sich der letzte Angriff in allen Einzelheiten tatsächlich so abgespielt hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Bereits im späteren Mittelalter wurde Johanns Tod jedoch zu einem Musterbeispiel ritterlicher Pflichterfüllung stilisiert.
Edward of Woodstock – der spätere „Schwarze Prinz“
Auf englischer Seite kämpfte der erst 16-jährige Edward of Woodstock, Prince of Wales und ältester Sohn Eduards III., der erst in späterer Zeit allgemein als Black Prince – Schwarzer Prinz – bezeichnet wurde.
Er war allerdings nicht erst bei Crécy zum Ritter geworden: Sein Vater hatte ihn bereits nach der Landung des englischen Heeres in der Normandie im Juli 1346 zum Ritter geschlagen.
Bei Crécy übertrug ihm Eduard III. die nominelle Führung einer der englischen Hauptabteilungen, unterstützt von erfahrenen Heerführern wie Thomas Beauchamp, Earl of Warwick, und Sir John Chandos.
Die später häufig erzählte Geschichte, Eduard III. habe seinen Sohn auf dem Schlachtfeld bewusst sich selbst überlassen, damit dieser dort seine „Sporen verdienen“ könne, gehört ebenfalls zur ritterlichen Erinnerung an die Schlacht. Als Redewendung trifft sie auf Edwards Bewährungsprobe zu; als Hinweis auf seinen Ritterschlag wäre sie jedoch falsch.
Die drei Straußenfedern und „Ich dien“
Crécy besitzt auch eine bemerkenswerte heraldische Nachgeschichte.
Nach einer seit Jahrhunderten verbreiteten Tradition soll Edward of Woodstock nach der Schlacht das Zeichen des gefallenen Königs Johann von Böhmen übernommen haben:
drei Straußenfedern
und die deutsche Devise
ICH DIEN
Diese Erzählung besitzt großen Reiz – ihre historische Beweisbarkeit ist jedoch begrenzt.
Auch die heutige britische königliche Darstellung formuliert bewusst vorsichtig: Edward könnte das Federzeichen und die Devise nach Crécy in Erinnerung an Johann von Böhmen übernommen haben. Gleichzeitig kommen andere Ursprünge in Betracht. Straußenfedern standen beispielsweise auch mit der Familie seiner Mutter Philippa von Hennegau in Verbindung.
Es lässt sich daher nicht mit Sicherheit behaupten, Johann von Böhmen habe Edward bei Crécy sein heraldisches Zeichen gleichsam „vererbt“.
Unbestritten ist dagegen die enge Verbindung der Straußenfedern mit Edward of Woodstock und der späteren Heraldik der Princes of Wales.
Heraldisch wichtig:
Die drei Federn mit der Devise Ich dien sind nicht das Wappen des Prince of Wales.
Es handelt sich um ein heraldisches Badge – ein Wappenzeichen.
Das heute gebräuchliche Badge zeigt drei silberne bzw. weiße Straußenfedern durch eine goldene Krone gesteckt; darunter befindet sich ein blaues Band mit der Devise
ICH DIEN – „Ich diene“.
Der Prince of Wales führt daneben ein eigenes, wesentlich komplexeres Wappen.
Von Crécy zum Hosenbandorden
Noch eine zweite heraldisch-ritterliche Verbindung führt von Crécy nach England.
Um 1348, also etwa zwei Jahre nach der Schlacht, gründete Eduard III. den
Most Noble Order of the Garter – den Hosenbandorden.
Der Orden umfasste ursprünglich den König und 25 weitere Companions.
Bemerkenswert ist die personelle Verbindung zu Crécy: Nach der Untersuchung des Mediävisten Richard Barber hatten von diesen 26 Männern
- 18 nachweislich bei Crécy gekämpft,
- fünf möglicherweise ebenfalls,
- nur drei waren währenddessen an anderer Stelle in Frankreich eingesetzt.
Crécy war damit nicht lediglich ein militärischer Sieg. Die dort gemeinsam erlebte Kriegserfahrung bildete offenbar einen wichtigen Hintergrund für jenen Kreis von Rittern, den Eduard III. wenig später im Hosenbandorden zusammenführte.
Sein bis heute geführtes Motto lautet:
HONI SOIT QUI MAL Y PENSE
„Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt.“
Crécy – Schlacht und Erinnerung
Die Bedeutung von Crécy liegt somit auf mehreren Ebenen.
Militärgeschichtlich zeigte die Schlacht die Wirkung einer disziplinierten, defensiv aufgestellten Streitmacht aus abgesessenen men-at-arms und Bogenschützen gegen wiederholte Angriffe einer zahlenmäßig stärkeren Ritterschaft.
Dynastisch und gesellschaftsgeschichtlich brachte sie den Tod zahlreicher Angehöriger des europäischen Hochadels.
Für die Geschichte des Rittertums wurde besonders der Tod Johanns von Böhmen zu einem Erinnerungsort.
Und aus heraldischer Sicht führt eine – wenn auch nicht zweifelsfrei belegbare – Traditionslinie von Crécy zu einem der bekanntesten europäischen Wappenzeichen überhaupt:
den drei Federn des Prince of Wales mit der deutschen Devise „Ich dien“.
Gerade hier zeigt sich beispielhaft, wie sich historisches Ereignis, Chronistik, Ritterideal und Heraldik über Jahrhunderte miteinander verbinden konnten – und wie wichtig es ist, zwischen gesichertem Befund und späterer Überlieferung zu unterscheiden.
Quellen und Literaturhinweise
1. Michael Livingston / Kelly DeVries (Hrsg.): The Battle of Crécy. A Casebook, insbesondere das Kapitel „Counting the Dead at Crécy“.
2. Andrew Ayton / Philip Preston (Hrsg.): The Battle of Crécy, 1346. Boydell & Brewer.
3. Richard Barber: „The Military Role of the Order of the Garter“, in: Journal of Medieval Military History, Bd. VII, 2009.
4. The Royal Family: Titles and Heraldry – The Prince of Wales, zur Geschichte des Prince of Wales’s Feathers Badge.
5. College of Arms, London: Hinweise zu Standards and Badges.
6. College of St George, Windsor Castle: The Order of the Garter.
7. Gouvernement du Grand-Duché de Luxembourg: Darstellung zu Johann dem Blinden und der Luxemburger Dynastie.
8. Jean Froissart: Chroniques – zentrale Quelle für die spätere ritterliche Überlieferung der Schlacht, jedoch mit der für mittelalterliche Chronistik notwendigen Quellenkritik zu verwenden.
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