Hruška z Trkova / von Trkow bzw. von Strkov

Hruška z Trkova / von Trkow bzw. von Strkov

3 Wochen 14 Stunden her
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Hruška z Trkova / von Trkow bzw. von Strkov – Abweichung zwischen Diplomabschrift und Siebmacher

GIRALDUS

Liebe Foristen,

ich möchte eine kleine heraldische Quellenfrage zur Familie Hruška z Trkova, in deutscher Form auch Hruška von Trkow / von Strkov, zur Diskussion stellen. Es geht um eine auffällige Abweichung zwischen der Wappenbeschreibung in einer Diplomabschrift und der späteren Darstellung bzw. Beschreibung im Siebmacher/Meraviglia-Crivelli.

Ausgangspunkt

Im Siebmacher findet sich der Eintrag zu Hruška von Strkov im Band:

Rudolf Johann Graf Meraviglia-Crivelli: Der Böhmische Adel, J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Nürnberg 1886.

Textteil:
GDZ/SUB Göttingen – Siebmacher, Textscan zu Hruška von Strkov

Bildteil:
GDZ/SUB Göttingen – Siebmacher, Bildscan zu Hruška von Strkov

Der Eintrag wird in den online auffindbaren OCR-Schnipseln mit Hruška von Strkov geführt. Als ältere Quelle nennt Meraviglia-Crivelli offenbar Schimon, Der Adel von Böhmen, Mähren und Schlesien. Außerdem wird in den OCR-Schnipseln Freiherr Gottfried von Wunschwitz erwähnt, der das Wappen 1725 auf Burg Karlstein gesehen haben soll. Das ist für die Beurteilung wichtig, weil damit möglicherweise keine unmittelbare Wiedergabe des ursprünglichen Diploms, sondern eine sekundäre bzw. spätere Überlieferung in den Siebmacher eingeflossen ist.

Diplomabschrift / Originalquelle

Nach der Originalabschrift im Nationalarchiv der Tschechischen Republik:

Národní archiv Praha, Böhmische Hofkanzlei / Česká dvorská kancelář, Inv. Nr. 752, Sign. IV D 1, Karton 444

lautet der Blason des Wappens im Wappenbrief für Johann / Jan Hruška, böhmischer Kammerrat, mit Verleihung des Prädikates „von Trkow“ / „z Trkova“ vom 12. September 1575, aus dem Tschechischen übersetzt, sinngemäß wie folgt:
Der Schild ist rot oder rubinfarben. In dessen Mitte steht ein Jüngling oder junger Mann in Harnisch bis zu den Knien und stützt die Fäuste in die Hüften.

Auf dem Stechhelm mit beiderseits herabhängenden Helmdecken in Gelb bzw. Gold und Rot bzw. Rubinfarbe sowie einem Wulst in denselben Farben stehen zwei Straußenfedern: rechts rot bzw. rubinfarben, links gelb bzw. golden.
 

Das Österreichische Staatsarchiv führt den dazugehörigen Akt ebenfalls:

ÖStA, AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 391.34 – Hrusska, Johann, böhmischer Kammerrat, böhmischer Wappenbrief „von Trkow“ (Trkov, Strkov), Abschrift, 12.09.1575

Der ÖStA-Datensatz bestätigt also zumindest:
  • den Namen: Hrusska / Hruška, Johann
  • die Funktion: böhmischer Kammerrat
  • den Vorgang: böhmischer Wappenbrief mit Prädikat „von Trkow“
  • die Datierung: 12. September 1575
  • die Sprache der Abschrift: Tschechisch

Auffällige Abweichung zum Siebmacher

Die Diplomabschrift beschreibt eine relativ klare und einfache Figur:
  • roter Schild,
  • ein Jüngling/junger Mann im Harnisch bis zu den Knien,
  • beide Fäuste in die Hüften gestützt,
  • Helmzier: zwei Straußenfedern, rechts rot, links golden,
  • Helmdecken rot-golden.

Die Siebmacher-Darstellung bzw. die dortige Beschreibung scheint davon abzuweichen. In den auffindbaren OCR-Schnipseln ist u. a. von einem Harnisch, einer gelben Schärpe mit hinten abfliegenden Enden und einer abweichenden Armhaltung die Rede. Auch die Abbildung wirkt dadurch offenbar stärker ausgeschmückt bzw. nicht deckungsgleich mit dem einfachen Diplomblason.

Für mich stellt sich daher die Frage, ob Meraviglia-Crivelli hier:
  • eine spätere Überlieferung nach Schimon bzw. Wunschwitz übernommen hat,
  • eine freie oder missverstandene Nachzeichnung des Wappens bot,
  • oder ob möglicherweise zwei Varianten desselben Wappens bzw. derselben Familie in Umlauf waren.

Zur Standeserhebung

Der Wappenbrief mit Prädikat von Trkow / z Trkova datiert laut Archivnachweis auf den 12. September 1575. Die Aufnahme in den Wladykenstand bzw. die landständische Anerkennung dürfte – sofern meine Annahme richtig ist – durch Eintragung in die böhmische Landtafel bzw. im landständischen Kontext kurz darauf erfolgt sein. Dieser Punkt wäre aber noch gesondert zu überprüfen.

Auffällig ist, dass in Siebmacher/OCR-Schnipseln auch ein Datum 23. März 1575 im Zusammenhang mit dem böhmischen Adelsstand erscheint. Hier könnte eine Trennung zwischen Standeserhebung, Wappenbrief, Prädikatsverleihung oder späterer landständischer Aufnahme vorliegen – oder auch ein Überlieferungs-/Lesefehler. Der archivalisch gesicherte Wappenbrief ist jedenfalls mit 12.09.1575 nachgewiesen.

Vorläufige Einschätzung

Nach derzeitiger Quellenlage scheint mir die Diplomabschrift die stärkere Quelle für die heraldisch korrekte Blasonierung zu sein. Sie ist näher am Verleihungsakt und beschreibt das Wappen sehr konkret. Der Siebmacher/Meraviglia-Crivelli ist als wichtige Sekundärquelle selbstverständlich zu berücksichtigen, scheint hier aber möglicherweise eine abweichende, ausgeschmückte oder fehlerhafte Überlieferung wiederzugeben.

Ich würde daher vorläufig als maßgebliche Fassung festhalten:
Hruška z Trkova / von Trkow:
In Rot ein Jüngling im Harnisch bis zu den Knien, beide Fäuste in die Hüften gestützt. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken und ebensolchem Wulst zwei Straußenfedern, rechts rot, links golden.
 

Offene Fragen an die Runde
  1. Hat jemand Zugriff auf August Sedláček, Českomoravská heraldika, insbesondere die einschlägige Stelle zu Hruška z Trkova, und kann die dortige Blasonierung mit Diplom und Siebmacher vergleichen?
  2. Lässt sich der genaue Wortlaut der tschechischen Diplomabschrift im Nationalarchiv Prag, NA, ČDK, Inv. Nr. 752, Sign. IV D 1, Karton 444, noch einmal kontrollieren – insbesondere die Formulierung zur Armhaltung und zur Helmzier?
  3. Ist der bei Siebmacher/Meraviglia-Crivelli erwähnte Wunschwitz-Hinweis auffindbar? Gibt es eine Handschrift oder Abschrift der Wunschwitz’schen Notiz zum Wappen auf Burg Karlstein aus dem Jahr 1725?
  4. Kann jemand klären, ob das im Siebmacher genannte Datum 23. März 1575 eine eigene Standeserhebung, eine landständische Aufnahme oder möglicherweise ein Fehler ist?
  5. Gibt es einen nachweisbaren Eintrag in der böhmischen Landtafel zur Aufnahme in den Wladykenstand bzw. zur Anerkennung des Prädikates z Trkova?
  6. Sind die von Sekundärquellen genannten Ähnlichkeiten zu Kučera z Trkova und Kropáč z Trkova genealogisch bzw. heraldisch belastbar?
  7. Kann jemand die Siebmacher-Tafel anhand des Originalscans nochmals genau lesen und prüfen, ob Bild und Text eventuell nur eine spätere, heraldisch ausgeschmückte Fassung zeigen?

Quellen / Verweise
Für Ergänzungen, Korrekturen und besonders für eine Kontrolle der tschechischen Originalformulierung wäre ich sehr dankbar.
"IN OMNIBUS ORDO"

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Re: Hruška z Trkova / von Trkow bzw. von Strkov

3 Wochen 9 Stunden her
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Die Kopie der Abschrift des Wappenbriefes ist hier:




Der Eintrag bei  August Sedláček, Českomoravská heraldika ist hier auf Seite 5 (445) einsehbar:
historie.hranet.cz/h...41-460.pdf
Die Übersetzung dazu lautet:
Hrošek, Hruška von Strkov (auch von  Trkov). Diese wappenführende Familie war in der Stadt Tábor seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ansässig und besaß seit 1499 auch weltliche Güter. Ihr Wappen war identisch mit dem von Kropáč, nämlich ein Ritter mit in die Hüften gestemmten Händen und zwei langen Federn als Zier. Doch in den Farben (die vermutlich im 18. Jahrhundert niemandem bekannt waren) unterscheiden sie sich; bei Jak. sb. findet sich ein roter Schild mit weiß-roten Federn, Král S. 316 hingegen ein blauer Schild mit einem knienden Mann, was dem Grabstein von Tábor widerspricht, und beide Federn sind weiß.

Anmerkung: die Quelle Jak. sb. kann ich nicht eruieren. Mit Král ist dessen Werk Heraldika gemeint.

Ein Foto des Grabsteins von Václav Kropáč von Trkov († 1519), aufgenommen von Petr Kropáček, das er mir freundlicherweise zur Verfügung stellte, ist hier:


 
Beste Grüsse
Gerd
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Re: Hruška z Trkova / von Trkow bzw. von Strkov

2 Wochen 6 Tage her
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Wann eine Aufnahme in den Ritter- bzw. Vladykenstand durch die böhmische Landtafel stattfand konnte ich bisher nicht feststellen. Angehörige der Familie waren aber nach den Akten der böhmischen Landtafel nachweislich bereits zwischen den Jahren 1546 und 1568 in dieser tätig und führten dort bereits das Prädikat. Genannt werden dabei auch die weltlichen Besitzungen Kovářov und Chotýřina ( heute Kotýřina) .
vademecum.nacr.cz/va...7e261a6e5c
 
Beste Grüsse
Gerd
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