Adelsdiplome aus der österreichisch-ungarischen Militärgeschichte

Adelsdiplome aus der österreichisch-ungarischen Militärgeschichte

1 Stunde 52 Minuten her
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Vier kaiserliche Adelsdiplome aus der österreichisch-ungarischen Militärgeschichte – Dorotheum-Auktion am 13. November 2026
Vier Offiziere, vier militärische Lebenswege und vier Adelserhebungen durch Kaiser Franz Joseph I.

Bei der kommenden Auktion „Orden und Auszeichnungen“ des Wiener Dorotheums werden am 13. November 2026 vier bemerkenswerte Adelsdiplome aus den Jahren 1867 bis 1908 versteigert.

1. Hauptmann Alexander Ritter Gyurich von Kereszthegy (1867)
Das erste Diplom betrifft Hauptmann Alexander Gyurich, dem am 8. Juni 1867 der erbliche Ritterstand mit dem Prädikat „von Kereszthegy“ verliehen wurde.

Hintergrund war seine Auszeichnung mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Kriegsdekoration (KD). Die Kriegsdekoration kennzeichnete eine Verleihung für Verdienste im Krieg.

Besonders bemerkenswert ist der Zusammenhang zwischen Orden und Adel: Bis 1884 konnten österreichische Ordensinhaber der III. Klasse aufgrund der Ordensstatuten auf Ansuchen die Erhebung in den erblichen Ritterstand erlangen. Das Diplom dokumentiert somit nicht nur eine persönliche Ehrung, sondern auch den Übergang in einen neuen gesellschaftlichen Stand.

Im Auktionskatalog wird das Prädikat als „Kereszteghy“ wiedergegeben. Das Österreichische Staatsarchiv und der Militär-Schematismus von 1868 verwenden hingegen die Schreibweise „Kereszthegy“. Für genealogische Forschungen ist dieser Unterschied wesentlich.

Dorotheum, Los 2102 – Rufpreis 600 Euro
www.dorotheum.com/de/l/10359862/

2. Hauptmann Michael Peraković Edler von Slavoljub (1870)
Einen anderen Weg zum Adel dokumentiert die Urkunde des kroatischen Grenzerhauptmanns Michael Peraković.

Er war Träger der Goldenen und der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille, zweier bedeutender militärischer Auszeichnungen der Habsburgermonarchie.

Seine Erhebung in den erblichen Adelsstand mit dem Prädikat „Edler von Slavoljub“ erfolgte am 24. Mai 1870.

Dieser Fall ist auch aus sozialgeschichtlicher Sicht interessant. Die Militärgrenze, die über Jahrhunderte eine wichtige Rolle bei der Verteidigung der habsburgischen Länder gegenüber dem Osmanischen Reich gespielt hatte, eröffnete ihren Soldaten Möglichkeiten zum militärischen und gesellschaftlichen Aufstieg.

Peraković steht beispielhaft für jene Offiziere, deren militärische Leistungen durch eine kaiserliche Nobilitierung auch gesellschaftliche Anerkennung fanden.

Das Diplom ist zugleich ein Zeugnis der Verbindung kroatischer Militärtradition mit dem österreichischen Adelswesen.

Dorotheum, Los 2103 – Rufpreis 600 Euro www.dorotheum.com/de/l/10359865/

3. Major Alois von Tresser (1908)
Das dritte Diplom wurde am 28. April 1908 für Alois Tresser ausgestellt, den das Österreichische Staatsarchiv als k.u.k. Major des Ruhestandes bezeichnet.

Sein Fall gehört in die Spätzeit der Monarchie, in der neben besonderen kaiserlichen Gnadenakten auch der sogenannte systemmäßige Adel eine Rolle spielte.

Nach den damaligen Bestimmungen konnten Offiziere unter bestimmten Voraussetzungen, insbesondere aufgrund langjähriger und tadelloser Militärdienstleistung, einen Anspruch auf die Erhebung in den erblichen Adelsstand erwerben.

Dorotheum, Los 2104 – Rufpreis 600 Euro www.dorotheum.com/de/l/10359868/

4. Feldmarschalleutnant Karl Wenzl Edler von Hannarode (1901)
Die vierte Urkunde betrifft Karl Vinzenz Wenzl (1834–1907), einen Offizier, der bis in die Generalität der österreichisch-ungarischen Armee aufstieg.

Wenzl wurde am 1. Mai 1891 Generalmajor. Mit 1. Juni 1901 erhielt er den Charakter eines Feldmarschalleutnants ehrenhalber und trat in den Ruhestand.
Am 8. August 1901 wurde er mit dem Prädikat „Edler von Hannarode“ in den Adelsstand erhoben.
Der Auktionskatalog bezeichnet ihn als „Karl Wenzel Edler von Hannarode“, während die amtlichen Adelsakten und die Übersicht des Österreichischen Staatsarchivs über die k.k. beziehungsweise k.u.k. Generalität den Familiennamen „Wenzl“ führen.
Der am 28. April 1834 geborene Offizier starb am 29. Mai 1907. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof.
Das angebotene Diplom unterscheidet sich von den anderen drei Stücken durch ein laut Katalog ergänztes Siegel in einer Holzkapsel.

Dorotheum, Los 2105 – Rufpreis 500 Euro www.dorotheum.com/de/l/10359871/

Adelsdiplome als Quellen der Heraldik und Genealogie
Der besondere historische Wert dieser vier Urkunden liegt in der Verbindung dreier Forschungsgebiete.

Heraldisch
dokumentieren sie die amtliche Verleihung beziehungsweise Festlegung eines Wappens. Die farbigen Wappenmalereien sind deshalb wichtige Quellen für dessen ursprüngliche Gestaltung.

Genealogisch
bilden sie einen Ausgangspunkt zur Erforschung der jeweiligen Familie, ihrer Nachkommen und ihrer gesellschaftlichen Stellung. Für die genaue Feststellung des Kreises der Berechtigten ist allerdings der Wortlaut der einzelnen Urkunde maßgeblich.

Sozialhistorisch
veranschaulichen sie, auf welchen Wegen Offiziere der Habsburgermonarchie in den Adel gelangen konnten: durch besondere militärische Verdienste, die Verleihung hoher Orden, langjährige Dienstleistung oder besondere kaiserliche Gnadenakte.

Die einschlägigen Bestände befinden sich im Österreichischen Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten, Allgemeine Reihe:
  • Gyurich: HAA AR 326.26
  • Peraković: HAA AR 698.23
  • Tresser: HAA AR 1005.16
  • Wenzl: HAA AR 1070.40

Quellen: Dorotheum, Auktionskatalog vom 13. November 2026; Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Hofadelsakten; Militär-Schematismus 1868; Österreichisches Staatsarchiv, „Die k.k. bzw. k.u.k. Generalität 1816–1918“; ADLER, Grabsteindokumentation Wiener Zentralfriedhof.

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