Dickinson – österreichisches Ritterwappen 1870
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Dickinson – österreichisches Ritterwappen 1870
2 Wochen 6 Tage her
Dickinson – österreichisches Ritterwappen 1870 und möglicher Vergleich mit Burke
Liebe Foristen,
ausgehend von der Frage nach dem Wappen des 1870 in den österreichischen Ritterstand erhobenen Paul Ritter von Dickinson sowie nach dem Wappen seines mutmaßlichen Vaters Heinrich Dickinson Esquire lässt sich der Sachverhalt mittlerweile recht gut ordnen.
1. Person und Nobilitierung
Der gesuchte Paul dürfte mit Paul Heinrich / Heinrich Maria Noël Paul Ritter von Dickinson identisch sein, geboren am 23. September 1866 in Teplitz/Teplice, gestorben 1927. Sein Bruder war Heinrich Ludwig Ritter von Dickinson, später als Schriftsteller unter dem Namen Bodo bzw. Heino Ludwig von Dickinson-Wildberg bekannt.
Der Vater war Heinrich / Henry August Dickinson Esquire, geboren 1822 in Rom, gestorben am 10. August 1866 in Dresden. Er stand in österreichischen Diensten und starb an den Folgen einer im Feldzug von 1866 erlittenen Verwundung.
Das Österreichische Biographische Lexikon bestätigt die Familienbeziehung: Heinrich Ludwig Dickinson-Wildberg war Sohn des in österreichischen Diensten stehenden Majors Heinrich August Dickinson und Bruder des Offiziers Paul Heinrich Ritter von Dickinson. Außerdem wird festgehalten, dass Heinrich Ludwig und sein Bruder 1870 aufgrund des ihrem Vater posthum verliehenen Ordens der Eisernen Krone III. Klasse in den Ritterstand erhoben wurden.
Quelle:
Österreichisches Biographisches Lexikon: Wildberg / Dickinson-Wildberg
ÖBL, Druckfassung Bd. 16, S. 213
2. Militärische Bestätigung zu Heinrich Dickinson
Im Militär-Schematismus des Österreichischen Kaiserthumes für 1867 erscheint Heinrich Dickinson in den Militärveränderungen unter den verstorbenen Oberstlieutenants:
„Dickinson, Heinrich Esquire, ÖEKO-R. 3. (KD.), MVK. (KD.), vom IR. Freih. v. Martini Nr. 30, † zu Dresden, am 10. August 1866.“
Damit ist die Angabe zum Todestag 10. August 1866 sowie die Verbindung zum Infanterie-Regiment Freiherr von Martini Nr. 30 bestätigt.
Quelle:
Jagiellonische Digitale Bibliothek: Militär-Schematismus 1867
OCR-Fassung / Volltext Militär-Schematismus 1867
3. Das österreichische Ritterwappen Dickinson
Die tschechische Datenbank Nová šlechta v českých zemích a podunajské monarchii bringt einen sehr passenden Eintrag zu Dickinson. Danach wurden die Söhne Heinrich Ludwig und Paul Heinrich auf Ansuchen der Mutter und des Großvaters mit Diplom Wien, 26. Oktober 1870, in den Ritterstand erhoben. Zugleich wurde ihnen das Prädikat Ritter von und ein Wappen verliehen, das laut dieser Quelle auf einem vom englischen König Karl II. bestätigten Wappen beruht.
Die dort angegebene Blasonierung entspricht im Wesentlichen der hier genannten Beschreibung:
Schild:
In Silber ein erniedrigter schwarzer Sparren, begleitet von drei schwarzen Halbmonden.
Helme:
Zwei gekrönte Turnierhelme mit schwarz-silbernen Decken.
Kleinod I:
Ein natürlicher Storch.
Kleinod II:
Ein geharnischter Arm, in der bloßen Faust ein Schwert mit goldenem Griff und Parierstange haltend, das zweimal von einem grünen Lorbeerzweig umwunden ist.
Devise:
Hier ist eine kleine, aber wichtige Abweichung zu beachten: Die geprüfte Online-Quelle gibt die Devise als VIAM RESPICE an, nicht als VITAM RESPICE. Das sollte, wenn möglich, noch anhand des Originaldiploms oder einer Abbildung kontrolliert werden.
Quelle:
Nová šlechta: Dickinson
4. Vergleich mit Burke’s General Armory
Der Hinweis auf Burke ist sehr interessant. Die von Gentry zitierte Beobachtung, dass bei Burke viele Dickinson-Wappen nach dem Muster
Azure, a fesse engrailed between two lions passant
bzw. Varianten davon erscheinen, lässt sich in einschlägigen Abschriften der Burke-Einträge nachvollziehen. Mehrere Dickinson-Linien führen dort tatsächlich einen blauen Schild mit Fessel zwischen zwei schreitenden Löwen oder ähnliche Varianten.
Auffällig ist aber: Das österreichische Ritterwappen von 1870 mit schwarzem erniedrigtem Sparren und drei schwarzen Halbmonden entspricht nicht unmittelbar diesem häufigen Burke-Typus.
Gleichzeitig gibt es bei Burke-artigen Dickinson-Einträgen eine interessante Parallele im Kleinod: Bei Dickinson of King Weston, Somerset, erscheint als Crest ein aus Wolken hervorkommender aufrechter Arm, der einen grünen Lorbeerzweig hält. Das erinnert motivisch an den zweiten Helm des österreichischen Ritterwappens, dort allerdings stark verändert: geharnischter Arm, Schwert, Lorbeerzweig.
Quelle zur Kontrolle der Burke-Einträge:
Bernard Burke, The General Armory, bibliographischer Nachweis bei Google Books
Abschrift mehrerer Dickinson-Einträge nach Burke / Armorial Tradition
5. Vorläufiges Ergebnis
Nach derzeitiger Quellenlage lässt sich sagen:
6. Offene Fragen an die Runde
Liebe Foristen,
ausgehend von der Frage nach dem Wappen des 1870 in den österreichischen Ritterstand erhobenen Paul Ritter von Dickinson sowie nach dem Wappen seines mutmaßlichen Vaters Heinrich Dickinson Esquire lässt sich der Sachverhalt mittlerweile recht gut ordnen.
1. Person und Nobilitierung
Der gesuchte Paul dürfte mit Paul Heinrich / Heinrich Maria Noël Paul Ritter von Dickinson identisch sein, geboren am 23. September 1866 in Teplitz/Teplice, gestorben 1927. Sein Bruder war Heinrich Ludwig Ritter von Dickinson, später als Schriftsteller unter dem Namen Bodo bzw. Heino Ludwig von Dickinson-Wildberg bekannt.
Der Vater war Heinrich / Henry August Dickinson Esquire, geboren 1822 in Rom, gestorben am 10. August 1866 in Dresden. Er stand in österreichischen Diensten und starb an den Folgen einer im Feldzug von 1866 erlittenen Verwundung.
Das Österreichische Biographische Lexikon bestätigt die Familienbeziehung: Heinrich Ludwig Dickinson-Wildberg war Sohn des in österreichischen Diensten stehenden Majors Heinrich August Dickinson und Bruder des Offiziers Paul Heinrich Ritter von Dickinson. Außerdem wird festgehalten, dass Heinrich Ludwig und sein Bruder 1870 aufgrund des ihrem Vater posthum verliehenen Ordens der Eisernen Krone III. Klasse in den Ritterstand erhoben wurden.
Quelle:
Österreichisches Biographisches Lexikon: Wildberg / Dickinson-Wildberg
ÖBL, Druckfassung Bd. 16, S. 213
2. Militärische Bestätigung zu Heinrich Dickinson
Im Militär-Schematismus des Österreichischen Kaiserthumes für 1867 erscheint Heinrich Dickinson in den Militärveränderungen unter den verstorbenen Oberstlieutenants:
„Dickinson, Heinrich Esquire, ÖEKO-R. 3. (KD.), MVK. (KD.), vom IR. Freih. v. Martini Nr. 30, † zu Dresden, am 10. August 1866.“
Damit ist die Angabe zum Todestag 10. August 1866 sowie die Verbindung zum Infanterie-Regiment Freiherr von Martini Nr. 30 bestätigt.
Quelle:
Jagiellonische Digitale Bibliothek: Militär-Schematismus 1867
OCR-Fassung / Volltext Militär-Schematismus 1867
3. Das österreichische Ritterwappen Dickinson
Die tschechische Datenbank Nová šlechta v českých zemích a podunajské monarchii bringt einen sehr passenden Eintrag zu Dickinson. Danach wurden die Söhne Heinrich Ludwig und Paul Heinrich auf Ansuchen der Mutter und des Großvaters mit Diplom Wien, 26. Oktober 1870, in den Ritterstand erhoben. Zugleich wurde ihnen das Prädikat Ritter von und ein Wappen verliehen, das laut dieser Quelle auf einem vom englischen König Karl II. bestätigten Wappen beruht.
Die dort angegebene Blasonierung entspricht im Wesentlichen der hier genannten Beschreibung:
Schild:
In Silber ein erniedrigter schwarzer Sparren, begleitet von drei schwarzen Halbmonden.
Helme:
Zwei gekrönte Turnierhelme mit schwarz-silbernen Decken.
Kleinod I:
Ein natürlicher Storch.
Kleinod II:
Ein geharnischter Arm, in der bloßen Faust ein Schwert mit goldenem Griff und Parierstange haltend, das zweimal von einem grünen Lorbeerzweig umwunden ist.
Devise:
Hier ist eine kleine, aber wichtige Abweichung zu beachten: Die geprüfte Online-Quelle gibt die Devise als VIAM RESPICE an, nicht als VITAM RESPICE. Das sollte, wenn möglich, noch anhand des Originaldiploms oder einer Abbildung kontrolliert werden.
Quelle:
Nová šlechta: Dickinson
4. Vergleich mit Burke’s General Armory
Der Hinweis auf Burke ist sehr interessant. Die von Gentry zitierte Beobachtung, dass bei Burke viele Dickinson-Wappen nach dem Muster
Azure, a fesse engrailed between two lions passant
bzw. Varianten davon erscheinen, lässt sich in einschlägigen Abschriften der Burke-Einträge nachvollziehen. Mehrere Dickinson-Linien führen dort tatsächlich einen blauen Schild mit Fessel zwischen zwei schreitenden Löwen oder ähnliche Varianten.
Auffällig ist aber: Das österreichische Ritterwappen von 1870 mit schwarzem erniedrigtem Sparren und drei schwarzen Halbmonden entspricht nicht unmittelbar diesem häufigen Burke-Typus.
Gleichzeitig gibt es bei Burke-artigen Dickinson-Einträgen eine interessante Parallele im Kleinod: Bei Dickinson of King Weston, Somerset, erscheint als Crest ein aus Wolken hervorkommender aufrechter Arm, der einen grünen Lorbeerzweig hält. Das erinnert motivisch an den zweiten Helm des österreichischen Ritterwappens, dort allerdings stark verändert: geharnischter Arm, Schwert, Lorbeerzweig.
Quelle zur Kontrolle der Burke-Einträge:
Bernard Burke, The General Armory, bibliographischer Nachweis bei Google Books
Abschrift mehrerer Dickinson-Einträge nach Burke / Armorial Tradition
5. Vorläufiges Ergebnis
Nach derzeitiger Quellenlage lässt sich sagen:
- Heinrich Dickinson Esquire ist sehr wahrscheinlich nicht nur „vermutlich“, sondern tatsächlich der Vater des 1870 nobilitierten Paul Heinrich Ritter von Dickinson.
- Die Erhebung in den österreichischen Ritterstand erfolgte nicht für Heinrich selbst, sondern für seine beiden Söhne Heinrich Ludwig und Paul Heinrich, und zwar aufgrund des dem Vater posthum verliehenen Ordens der Eisernen Krone III. Klasse.
- Das österreichische Ritterwappen ist bekannt und in der Datenbank Nová šlechta beschrieben.
- Das Wappen scheint kein unveränderter Burke-Standardtyp der Dickinson-Arms zu sein, sondern eine österreichische Diplomfassung, laut Quelle ausgehend von einem durch König Karl II. bestätigten englischen Wappen.
- Die Devise sollte überprüft werden: Die bisher gefundene Quelle liest VIAM RESPICE, nicht VITAM RESPICE.
6. Offene Fragen an die Runde
- Hat jemand Zugriff auf das österreichische Adelsdiplom vom 26. Oktober 1870, idealerweise mit Wappenmalerei oder Originalblasonierung?
- Kann jemand die Lesart der Devise im Original bestätigen: VIAM RESPICE oder VITAM RESPICE?
- Ist das von König Karl II. bestätigte englische Dickinson-Wappen irgendwo im College of Arms, in einer Visitation, bei Berry, Papworth oder einer älteren Burke-Ausgabe eindeutig nachweisbar?
- Gibt es eine genealogische Verbindung von Heinrich August Dickinson zu Edmund Dickinson, dem Arzt und Alchemisten am Hof Karls II., auf den die Familie laut ÖBL zurückgeführt wird?
- Welche Burke-Ausgabe wurde für den Vergleich herangezogen, und steht dort eventuell unter Dickinson / Dickenson / Diconson eine Variante mit Sparren und drei Halbmonden?
"IN OMNIBUS ORDO"
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- miroslavbaroch@volny.cz
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Re: Dickinson – österreichisches Ritterwappen 1870
2 Wochen 2 Tage her
Sehr geehrter Herr,
ich sende Ihnen ein Kapitel aus meinem in Vorbereitung befindlichen Buch über Inselgeschlechter in Mitteleuropa. Ich hoffe, es ist für Sie von Nutzen.
Mit freundlichen Grüßen
Miroslav Baroch
ich sende Ihnen ein Kapitel aus meinem in Vorbereitung befindlichen Buch über Inselgeschlechter in Mitteleuropa. Ich hoffe, es ist für Sie von Nutzen.
Mit freundlichen Grüßen
Miroslav Baroch
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