M. Haller – Wappenzeichnungen aus Innsbrucker Antiquariatsangebot
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M. Haller – Wappenzeichnungen aus Innsbrucker Antiquariatsangebot
2 Wochen 6 Tage her - 2 Wochen 6 Tage her
M. Haller – Wappenzeichnungen aus Innsbrucker Antiquariatsangebot: Zuordnung, Einschätzung und offene Fragen
Liebe Foristen,
Ludwig hat eine interessante kleine Gruppe gerahmter Wappenzeichnungen vorgestellt, die ihm von einem Antiquitätenhändler aus Innsbruck zum Kauf angeboten wurden.
Giraldus hat die Zeichnungen bereits als qualitativ ansprechend eingeschätzt und auf die Nähe zum Stil Adalbert Král von Dobrá Voda hingewiesen. Außerdem wurde das Blatt zum Verein Roter Löwe Leipzig angesprochen.
Nach Sichtung der Bilder und einer ersten Quellenprüfung ergibt sich meines Erachtens folgendes Bild:
1. Grundsätzliche Einschätzung
Es handelt sich nicht um amtliche Wappenbriefe, Diplomminiaturen oder zeitgenössische Originale der jeweils dargestellten Wappeninhaber, sondern um spätere, dekorative und heraldisch ambitionierte Feder-/Tuschzeichnungen bzw. Aquarelle des frühen 20. Jahrhunderts.
Mehrere Blätter tragen die Signatur M. Haller, teilweise mit Datierungen im Bereich der 1910er/1920er Jahre. Die Blätter scheinen zu einer größeren Werkgruppe zu gehören. Online ließ sich ein weiteres signiertes und datiertes Haller-Aquarell finden:
ZVAB/AbeBooks: Brandenburg – Zwei Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach, Aquarell, signiert M. Haller, datiert 1913
Ein weiteres Vergleichsindiz ist ein Auktionshinweis zu einer Sammlung von 27 aquarellierten Tuschfederzeichnungen mit zahlreichen Wappendarstellungen, meist signiert „M. Haller“, datiert 1915–1926.
Damit spricht einiges dafür, dass „M. Haller“ als Wappenzeichner tatsächlich eine ganze Serie solcher historisierenden Wappenblätter geschaffen hat. Nicht geklärt ist aber weiterhin, wer dieser M. Haller genau war. Eine sichere biographische Zuordnung als Heraldiker, Kunstmaler oder Verbindungskünstler liegt derzeit nicht vor.
2. Die vorgelegten Blätter – vorläufige Zuordnung
Nach Bildbefund lassen sich die Blätter wie folgt ordnen:
3. Sind die Wappen „echt“?
Hier sollte man sauber unterscheiden:
4. Stilistische Einordnung
Der Stil ist historistisch, dekorativ und stark auf Wirkung angelegt. Er erinnert in manchen Details an die mitteleuropäische Wappenmalerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die von Giraldus erwähnte Nähe zu Adalbert Král von Dobrá Voda ist als Stilassoziation nachvollziehbar, sollte aber nicht als Zuschreibung verstanden werden.
Gerade die lebendige Helmdeckenbehandlung, die übersteigerte Ornamentik, die kräftige Farbigkeit und die etwas freie, illustrative Auffassung sprechen eher für einen künstlerisch-heraldischen Zeichner als für eine streng amtliche heraldische Vorlage.
5. Preisfrage
Ludwig fragte auch nach dem möglichen Wert. Ohne Autopsie ist das natürlich nur sehr vorsichtig zu beantworten.
Wenn die Blätter tatsächlich Originalzeichnungen/Aquarelle und keine Drucke sind, wenn der Zustand gut ist und die Rahmen nicht beschädigt sind, erscheinen 35 Euro pro Blatt eher moderat bis günstig. Ein online gefundenes Vergleichsangebot zu einem signierten Haller-Aquarell von 1913 wurde deutlich höher angeboten. Solche Händlerpreise sind aber keine gesicherten Zuschlagspreise und daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.
Für Sammler wären besonders interessant:
Als reine Kapitalanlage würde ich sie nicht sehen. Als dekorative, heraldisch interessante und offenbar zusammengehörige Wappenserie des frühen 20. Jahrhunderts sind sie aber durchaus reizvoll.
6. Offene Fragen an die Runde
7. Quellen und Vergleichsverweise
Liebe Foristen,
Ludwig hat eine interessante kleine Gruppe gerahmter Wappenzeichnungen vorgestellt, die ihm von einem Antiquitätenhändler aus Innsbruck zum Kauf angeboten wurden.
Giraldus hat die Zeichnungen bereits als qualitativ ansprechend eingeschätzt und auf die Nähe zum Stil Adalbert Král von Dobrá Voda hingewiesen. Außerdem wurde das Blatt zum Verein Roter Löwe Leipzig angesprochen.
Nach Sichtung der Bilder und einer ersten Quellenprüfung ergibt sich meines Erachtens folgendes Bild:
1. Grundsätzliche Einschätzung
Es handelt sich nicht um amtliche Wappenbriefe, Diplomminiaturen oder zeitgenössische Originale der jeweils dargestellten Wappeninhaber, sondern um spätere, dekorative und heraldisch ambitionierte Feder-/Tuschzeichnungen bzw. Aquarelle des frühen 20. Jahrhunderts.
Mehrere Blätter tragen die Signatur M. Haller, teilweise mit Datierungen im Bereich der 1910er/1920er Jahre. Die Blätter scheinen zu einer größeren Werkgruppe zu gehören. Online ließ sich ein weiteres signiertes und datiertes Haller-Aquarell finden:
ZVAB/AbeBooks: Brandenburg – Zwei Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach, Aquarell, signiert M. Haller, datiert 1913
Ein weiteres Vergleichsindiz ist ein Auktionshinweis zu einer Sammlung von 27 aquarellierten Tuschfederzeichnungen mit zahlreichen Wappendarstellungen, meist signiert „M. Haller“, datiert 1915–1926.
Damit spricht einiges dafür, dass „M. Haller“ als Wappenzeichner tatsächlich eine ganze Serie solcher historisierenden Wappenblätter geschaffen hat. Nicht geklärt ist aber weiterhin, wer dieser M. Haller genau war. Eine sichere biographische Zuordnung als Heraldiker, Kunstmaler oder Verbindungskünstler liegt derzeit nicht vor.
2. Die vorgelegten Blätter – vorläufige Zuordnung
Nach Bildbefund lassen sich die Blätter wie folgt ordnen:
- Zarenreich Russland
Großes, reich ausgestattetes Wappenblatt mit russischem Doppeladler, Kaiserkrone, Mantel und zahlreichen kleineren Schildwappen. Die Darstellung wirkt als dekorative Zusammenfassung bzw. historisierende Interpretation des russischen Reichswappens.
- Großherzogtum Baden
Das Blatt zeigt zentral den badischen Schrägbalken in Gold/Rot, mit großherzoglicher Rangkrone, Mantel und umfangreichem zusammengesetzten Schild. Die Zuordnung zu Baden erscheint plausibel.
- Allianzwappen Mecklenburg – Braunschweig-Lüneburg
Zu sehen sind zwei einander zugeneigte Wappen mit reichem Helm- und Deckenwerk sowie dem Wahlspruch per aspera ad astra. Die linke Seite verweist auf Mecklenburg, die rechte auf Braunschweig-Lüneburg/Welfen.
- „Majestäts-Wappen Kaiserthum Österreich 1836“
Das Blatt ist oben entsprechend beschriftet. Es handelt sich um eine spätere zeichnerische Wiedergabe bzw. Interpretation des großen österreichischen Wappenschemas von 1836. Rechts unten ist eine Haller-Signatur erkennbar.
- Großherzogtum Hessen / Hessen und bei Rhein, 1902
Das Blatt ist mit großherzogliches Staatswappen 1902 beschriftet. Der Bezug zum Großherzogtum Hessen ist sehr wahrscheinlich, da dessen Staatswappen 1902 neu geregelt wurde.
- Reichsfreiherr von Derfflinger, 1674
Das Blatt ist klar beschriftet: Reichsfreiherr von Derfflinger 1674. Gemeint ist Georg von Derfflinger, brandenburgischer Generalfeldmarschall, der 1674 in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurde. Die gezeigte Wappenkomposition mit Herzschild, gekreuzten Marschallstäben und zwei Helmen passt grundsätzlich zum bekannten Derfflinger-Wappen.
- Verein Roter Löwe Leipzig
Das Blatt zeigt einen schwarzen Löwen, der eine Fahne mit Reichsadler führt, dazu ein goldenes Schildchen mit rotem Löwen und die Beschriftung Verein Roter Löwe Leipzig. Unten rechts ist die Signatur M. Haller 1925 erkennbar.
Der „Rote Löwe“ wurde 1875 in Zwickau als heraldischer Verein gegründet, 1880 nach Leipzig verlegt und entwickelte sich dort zu einer studentischen Verbindung mit starkem Bezug zu Heraldik, Genealogie und historischen Hilfswissenschaften. Wichtig ist die terminologische Einschränkung: Um 1925 dürfte die offizielle Bezeichnung nicht mehr schlicht „Verein Roter Löwe Leipzig“ gewesen sein; die ältere/traditionelle Bezeichnung kann auf dem Blatt aber bewusst dekorativ weiterverwendet worden sein.
- von Beseler
Das Blatt ist mit von Beseler beschriftet; oben erscheinen kleinere Bezugsschilde mit Greifswald und Anklam. Eine genauere genealogisch-heraldische Zuordnung der konkreten Linie wäre noch zu prüfen.
3. Sind die Wappen „echt“?
Hier sollte man sauber unterscheiden:
- Echt als Wappenmotive?
Ja, überwiegend handelt es sich um historisch identifizierbare Wappen bzw. Wappenzusammenstellungen: Baden, Hessen, Österreich, Derfflinger, Roter Löwe usw.
- Echt als amtliche Originale?
Nein, dafür spricht nichts. Die Blätter sind offenbar spätere künstlerische oder sammlerische Wappenzeichnungen.
- Echt als Werke eines Wappenzeichners M. Haller?
Plausibel, aber noch nicht endgültig biographisch geklärt. Die wiederkehrende Signatur und die Datierungen sprechen für eine zusammengehörige Werkgruppe; die Person hinter der Signatur bleibt offen.
4. Stilistische Einordnung
Der Stil ist historistisch, dekorativ und stark auf Wirkung angelegt. Er erinnert in manchen Details an die mitteleuropäische Wappenmalerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die von Giraldus erwähnte Nähe zu Adalbert Král von Dobrá Voda ist als Stilassoziation nachvollziehbar, sollte aber nicht als Zuschreibung verstanden werden.
Gerade die lebendige Helmdeckenbehandlung, die übersteigerte Ornamentik, die kräftige Farbigkeit und die etwas freie, illustrative Auffassung sprechen eher für einen künstlerisch-heraldischen Zeichner als für eine streng amtliche heraldische Vorlage.
5. Preisfrage
Ludwig fragte auch nach dem möglichen Wert. Ohne Autopsie ist das natürlich nur sehr vorsichtig zu beantworten.
Wenn die Blätter tatsächlich Originalzeichnungen/Aquarelle und keine Drucke sind, wenn der Zustand gut ist und die Rahmen nicht beschädigt sind, erscheinen 35 Euro pro Blatt eher moderat bis günstig. Ein online gefundenes Vergleichsangebot zu einem signierten Haller-Aquarell von 1913 wurde deutlich höher angeboten. Solche Händlerpreise sind aber keine gesicherten Zuschlagspreise und daher nur als grobe Orientierung zu verstehen.
Für Sammler wären besonders interessant:
- eine geschlossene Werkgruppe mehrerer M.-Haller-Blätter,
- eine saubere Datierung,
- Rückseitenvermerke oder alte Beschriftungen,
- gesicherte Provenienz aus dem Antiquariat,
- Nachweis, ob es Aquarell/Tusche oder doch Druck mit Kolorit ist.
Als reine Kapitalanlage würde ich sie nicht sehen. Als dekorative, heraldisch interessante und offenbar zusammengehörige Wappenserie des frühen 20. Jahrhunderts sind sie aber durchaus reizvoll.
6. Offene Fragen an die Runde
- Kennt jemand den Wappenzeichner oder Künstler M. Haller?
- Ist M. Haller in Jürgen Arndts Biographischem Lexikon der Heraldiker, Sphragistiker, Vexillologen und Insignologen oder in anderen Künstler-/Adressbüchern nachweisbar?
- Gibt es weitere bekannte Blätter dieser Serie, insbesondere mit Datierungen zwischen 1913 und 1926?
- Lässt sich das Blatt von Beseler einer bestimmten Linie bzw. einer konkreten Person zuordnen?
- Kann jemand das Allianzwappen Mecklenburg – Braunschweig-Lüneburg genauer mit einer Eheverbindung verbinden?
- Hat jemand Zugriff auf alte Leipziger Verbindungsunterlagen des „Roten Löwen“, in denen ein Haller als Mitglied, Alter Herr, Auftraggeber oder Zeichner erscheinen könnte?
- Sind auf den Rückseiten der angebotenen Blätter Beschreibungen, Stempel, Inventarnummern oder alte Händleretiketten vorhanden?
- Sind die Blätter sicher handgezeichnet bzw. aquarelliert, oder handelt es sich um kolorierte Reproduktionen?
7. Quellen und Vergleichsverweise
- Vorgelegte Bilddateien / Fotos der gerahmten Wappenzeichnungen.
- ZVAB/AbeBooks: M. Haller, Brandenburg-Wappen, Aquarell, datiert 1913
- Buchfreund: identisches bzw. gleichartiges Angebot zum M.-Haller-Brandenburgblatt
- Heraldik-Wiki: Roter Löwe Leipzig
- Sächsisches Staatsarchiv: Bestand „Verein für Geschichte und geschichtliche Hilfswissenschaften an der Universität Leipzig Roter Löwe“
- Vergleich: Großes Staatswappen des Großherzogtums Hessen 1902–1918
- Vergleich: Wappen Freiherr von Derfflinger nach der Blasonierung des Diploms von 1674
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