Zuckerdose von Louis Manant, Paris – Castilia/León-Anklang und Wolf oder Fuchs?

Zuckerdose von Louis Manant, Paris – Castilia/León-Anklang und Wolf oder Fuchs?

3 Wochen 10 Stunden her
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Unbekanntes Allianzwappen auf silberner Zuckerdose von Louis Manant, Paris – Castilia/León-Anklang und Wolf oder Fuchs?

Liebe Heraldikfreunde,

ich stelle hier ein weiteres bislang nicht zugeordnetes Allianzwappen zur Diskussion. Es befindet sich auf einer silbernen Zuckerdose, die dem Pariser Orfèvre Louis Manant zugeschrieben wird. Die Frage ist, ob dieses Wappen einer konkreten Familie zugeordnet werden kann – oder ob es sich möglicherweise um eine spätere, dekorative bzw. sogar fiktive Wappengravur handelt.
Habe hier by the way gleich noch ein bislang unbekanntes Allianz-Wappen mit 2 Löwen und Grafenkrone, auf einer silbernen Zuckerdose vom Pariser Juwelier Louis Manant. Könnte dieses eventuell auch vollkommen fiktiv sein? Vor allem der einzelne Wolf oder Fuchs linkerseits und die lineare Schraffur wirkt beliebig, auch 3 Zinnentürme über einem einzelnen wirken seltsam. Kann das Wappen einer Familie zugeordnet werden?
 

1. Beschreibung des sichtbaren Wappens

Auf dem Foto sind zwei aneinandergelehnte bzw. akkollierte Schilde unter einer gemeinsamen Rangkrone zu erkennen. Die Krone wirkt auf den ersten Blick wie eine gräfliche Krone, doch sollte man daraus allein noch keinen gesicherten Rang ableiten.

Schild heraldisch rechts / vom Betrachter links:
Geviert:
  • 1 und 4: ein aufgerichteter Löwe.
  • 2 und 3: eine Burg bzw. ein dreitürmiges Kastell mit Tor.

Die vom Betrachter zunächst etwas ungewöhnlich wirkende Burg mit drei oberen Türmen über einem größeren Unterbau ist heraldisch keineswegs abwegig. Gerade in der iberischen Heraldik ist das dreitürmige Kastell ein sehr geläufiger Typus, besonders im Zusammenhang mit Kastilien.

Schild heraldisch links / vom Betrachter rechts:
Ein einzelnes aufgerichtetes Tier, vermutlich Wolf, Fuchs oder Hund / Windhund, auf einem senkrecht schraffierten Feld. Vor dem Tier bzw. bei der Schnauze ist ein kleiner Gegenstand erkennbar; ob es sich um eine Blüte, einen abgebrochenen Pfeil, ein Blatt, eine Fackelspitze oder einen anderen Gegenstand handelt, ist auf dem Foto nicht sicher zu entscheiden.

2. Zur Schraffur

Die lineare Schraffur wirkt auf den ersten Blick vielleicht „beliebig“, sie kann aber durchaus heraldisch gemeint sein.

Nach der üblichen heraldischen Schraffur gilt:
  • senkrechte Linien = Rot / Gules,
  • waagrechte Linien = Blau / Azure,
  • leeres Feld = Silber / Weiß,
  • Punktierung = Gold.

Daraus ergäbe sich – falls die Schraffur zuverlässig und nicht nur dekorativ verwendet wurde – ungefähr folgendes Bild:
  • Die Burgfelder wären wohl rot.
  • Die Löwenfelder wären wohl blau.
  • Das rechte Feld mit dem Tier wäre ebenfalls rot.

Hier ist aber Vorsicht geboten: Bei Silberobjekten des 19. Jahrhunderts können Schraffuren sowohl heraldisch korrekt als auch rein graphisch-dekorativ eingesetzt sein. Eine sichere Farbbestimmung nur aus dieser Gravur wäre daher voreilig.

3. Mögliche Deutung des linken Schildes

Das linke Schild erinnert stark an die Wappenwelt von León und Kastilien: Löwe und Burg / Kastell sind die klassischen Zeichen dieser beiden Reiche. Allerdings ist die Reihenfolge hier auffällig: Im bekannten Wappen Kastilien-León stehen üblicherweise die Kastelle in 1 und 4, die Löwen in 2 und 3. Auf dem Foto scheint es umgekehrt zu sein: Löwen in 1 und 4, Kastelle in 2 und 3.

Das kann mehrere Ursachen haben:
  • Es könnte sich um eine bewusste Variante handeln, etwa mit Vorrang Leóns.
  • Es könnte sich um ein abgeleitetes Familienwappen handeln, das nur an Kastilien-León erinnert.
  • Es könnte spiegelbildlich oder vereinfacht wiedergegeben sein.
  • Es könnte auch eine dekorative Anspielung auf spanisch-iberischen Adel sein.

Eine sichere Familienzuordnung ergibt sich daraus allein noch nicht.

4. Mögliche Deutung des rechten Schildes

Der rechte Schild zeigt wahrscheinlich einen aufgerichteten Wolf, Fuchs oder Hund. Die Figur ist nicht klar genug, um sie zuverlässig zu blasonieren. Auch die Beigabe vor der Schnauze oder an der Vorderpranke ist unsicher.

Vorläufig könnte man beschreiben:

In einem senkrecht schraffierten, wohl roten Feld ein aufgerichteter Wolf / Fuchs / Hund, möglicherweise mit einem kleinen Gegenstand vor der Schnauze oder in der Vorderpranke.

Gerade der Unterschied zwischen Wolf, Fuchs und Hund ist für die Familienzuordnung entscheidend. In französischer, spanischer und portugiesischer Heraldik kommen alle drei Tiere vor; ohne sichere Tinkturen, genaue Tierform und Beigabe ist eine Zuordnung kaum belastbar.

5. Objekt: Louis Manant, Paris

Louis Manant ist als Pariser Orfèvre, also Silber- bzw. Goldschmied, nachweisbar. Vergleichbare Stücke werden in Auktions- und Museumsdatenbanken mit Paris, 1819–1838 bzw. mit Manants Meisterzeichen geführt. Besonders interessant ist ein nachgewiesener runder Sucrier von Louis Manant, ca. 1840–1860, in Silber 950/000, mit Minerve 1er titre und Meisterpunze „LM“ mit Hammer und Halbmond.

Das spricht dafür, dass das Objekt bzw. die Zuschreibung an Louis Manant grundsätzlich plausibel ist. Es beweist aber noch nicht, dass die Wappengravur ursprünglich zur Herstellungszeit angebracht wurde. Wappen konnten auf Silberobjekten auch später ergänzt, überarbeitet oder neu graviert werden.

6. Ist das Wappen fiktiv?

Nach dem derzeitigen Bildbefund: möglich, aber nicht bewiesen.

Argumente gegen eine rein fiktive Erfindung:
  • Die Kombination aus zwei akkollierten Schilden und gemeinsamer Krone entspricht grundsätzlich einem Allianzwappen.
  • Löwe und Kastell sind heraldisch sinnvolle Motive und gerade im iberischen Raum gut erklärbar.
  • Die Schraffur könnte bewusst heraldisch eingesetzt sein.
  • Ein qualitätvolles Pariser Silberobjekt wäre ein plausibler Träger für ein echtes Familien- oder Allianzwappen.

Argumente für Vorsicht:
  • Die Familie ist aus dem Foto allein nicht identifizierbar.
  • Die Reihenfolge von Löwe und Kastell weicht von der geläufigen Kastilien-León-Anordnung ab.
  • Der rechte Schild ist zu undeutlich, um das Tier und dessen Beigabe sicher zu bestimmen.
  • Die Schraffur kann bei Silbergravuren auch dekorativ oder ungenau angewandt worden sein.
  • Die Wappengravur kann jünger sein als das Silberobjekt.

7. Vorläufige Arbeitsblasonierung

Bis bessere Fotos vorliegen, würde ich nur sehr vorsichtig formulieren:

Zwei akkollierte Schilde unter einer gräflich wirkenden Krone. Rechts: geviert, 1 und 4 ein aufgerichteter Löwe, 2 und 3 ein dreitürmiges Kastell. Links: in senkrecht schraffiertem Feld ein aufgerichteter Wolf, Fuchs oder Hund, möglicherweise mit einem kleinen Gegenstand vor der Schnauze oder in der Vorderpranke.

8. Fragen an die Runde
  1. Erkennt jemand eine Familie, bei der ein geviertes Wappen mit Löwen in 1/4 und Kastellen in 2/3 mit einem zweiten Schild mit einzelnem Wolf, Fuchs oder Hund als Allianzwappen vorkommt?
  2. Könnte der linke Schild eine Variante oder Ableitung von León-Kastilien sein?
  3. Ist der rechte Schild eher als Wolf, Fuchs, Hund oder Windhund zu lesen?
  4. Was könnte der kleine Gegenstand vor der Schnauze bzw. an der Vorderpranke sein?
  5. Gibt es bekannte Allianzen spanischer, französischer oder portugiesischer Grafenfamilien, bei denen eine solche Kombination denkbar wäre?
  6. Könnte die Gravur nachträglich auf ein älteres Louis-Manant-Stück aufgebracht worden sein?

9. Für die weitere Prüfung wären hilfreich

Sehr hilfreich wären:
  • ein scharfes Foto der Punzen,
  • ein Foto der gesamten Zuckerdose,
  • ein seitliches Foto der Gravur bei Streiflicht,
  • Angaben zu Maßen und Gewicht,
  • eventuelle Monogramme, Initialen oder Widmungen,
  • Herkunft / Auktionsbeschreibung / Händlerangaben,
  • Fotos von Unterseite, Deckel und Innenrand.

10. Quellen und bisherige Prüfung
Zwischenfazit:
Eine konkrete Familienzuordnung ist derzeit noch nicht gesichert. Das Wappen wirkt aber nicht automatisch „fiktiv“: Die linke Schildhälfte zeigt eine nachvollziehbare iberische Wappensprache, und die Schraffur kann durchaus heraldisch gemeint sein. Die entscheidende offene Stelle ist der rechte Schild mit dem einzelnen Tier. Ohne bessere Detailaufnahme und Punzenfotos sollte man die Deutung daher als Arbeitshypothese behandeln.
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