Wappen Müntz? – wohl eher Berke / de Nagy-Barkócz
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Wappen Müntz? – wohl eher Berke / de Nagy-Barkócz
1 Woche 6 Tage her - 1 Woche 6 Tage herWappen Müntz? – wohl eher Berke / de Nagy-Barkócz
Anlass der Anfrage war ein neu an einer Wand in einem Geschäftslokal angebrachtes Wappen, offenbar in der Team Santé Salvator Apotheke in Eisenstadt bzw. im Umfeld der Familie Müntz. Die erste Vermutung lautete daher: Könnte es ein Wappen Müntz sein?
Nach Abgleich der Bildmerkmale und der online auffindbaren Vergleichsquellen spricht derzeit sehr viel dafür, dass es sich nicht um ein Wappen Müntz handelt, sondern um eine Darstellung des Wappens der ungarisch/prekmurischen Familie Berke, mit dem Prädikat de Nagy-Barkócz / von Nagy-Barkócz.
1. Beschreibung des abgebildeten Wappens
Das Wandbild zeigt:
- in grünem Schild eine gekrönte goldene geflügelte Figur, je nach Darstellung als Adler, Greif oder stark greifartig stilisierter Adler ansprechbar;
- die Figur hält in der rechten Klaue bzw. Hand einen gebogenen Krummsäbel / Türkensäbel;
- mit der linken hält sie eine Lanze bzw. einen Schaft mit rotem Fähnlein;
- im Schild oben eine Mondsichel und ein sechsstrahliger Stern;
- auf dem gekrönten Helm erscheint die Schildfigur wieder als Helmzier;
- die Helmdecken sind links grün-golden, rechts rot-golden wiedergegeben;
- unterhalb findet sich die Jahreszahl 1609.
Ein klassischer Markuslöwe scheint es nicht zu sein. Zwar erinnert die geflügelte, goldene Figur auf den ersten Blick daran, doch fehlen die typischen Attribute des Evangelisten Markus, vor allem Buch und Nimbus. Das Motiv ist vielmehr ein in der ungarischen Heraldik häufig vorkommender wehrhafter Wappenadler bzw. Greif mit Säbel, Fahne, Mondsichel und Stern.
2. Abgleich mit der Familie Berke
Das beigefügte Vergleichsbild aus der slowenischen Wikipedia bzw. Wikimedia zeigt nahezu dasselbe Wappen. Dort wird es der Familie Berke zugeschrieben und mit folgendem Hinweis versehen:
Wappen der Familie Berke – Berke Ambrus 1609. XII. 10. (Mathias II., Bratislava).
Die Familie Berke wird dort als ungarisches Adelsgeschlecht im Gebiet des heutigen Prekmurje beschrieben. Genannt werden unter anderem:
- Peter de Berke, erwähnt 1417;
- Berke Jakob, erwähnt 1427;
- Berke Ambroz / Ambrosius, dessen älterer Adel 1609 durch König Matthias II. bestätigt worden sein soll;
- die Verwandten Gregor und Stefan Szelezen / Zelezen, die in derselben Urkunde mitgenannt werden;
- Peter Berke, der 1690 von Kaiser Leopold I. die Herrschaft Bakovci erhalten und dadurch das Prädikat de Nagy-Barkócz geführt haben soll.
Auffällig ist, dass auf dem Wandbild unten ebenfalls 1609 steht. Das passt zur genannten Adels- bzw. Wappenbestätigung für Berke Ambrosius durch Matthias II. in Pressburg/Bratislava am 10. Dezember 1609.
3. Abgleich mit dem Siebmacher Ungarn
Im online durchsuchbaren Siebmacher-Material bei Családkutatás findet sich ein Eintrag Berke. Dort wird das Wappen sinngemäß beschrieben als:
Adler, begleitet oben von linksgekehrter Mondsichel und sechsstrahligem Stern; in der erhobenen Rechten ein Krummsäbel mit Parierstange, in der Linken der Schaft einer zweizipfligen Fahne.
Als Quelle nennt dieser Siebmacher-Eintrag ein Siegel von 1809 des Franz v. Berke in Szalapatak, Komitat Zala.
Damit ist besonders wichtig: Der Siebmacher-Nachweis belegt zumindest, dass ein sehr ähnliches bzw. gleiches Wappenmotiv unter dem Namen Berke in der ungarischen Adelsheraldik geführt wurde. Die dortige Beschreibung spricht allerdings von einem Adler; die farbige Wandmalerei wirkt stärker wie ein Greif oder ein geflügelter Löwe. Das dürfte eine Frage der künstlerischen Ausführung sein.
4. Berke, Berka, Berkes, Berky – Vorsicht bei Namensähnlichkeiten
In den ungarischen und südosteuropäischen Adelsquellen kommen mehrere ähnlich klingende Namen vor: Berka, Berke, Berkes, Berkovich/Berković, Berky usw. Diese dürfen nicht ungeprüft gleichgesetzt werden. Bereits im Siebmacher-Umfeld erscheinen unmittelbar nebeneinander mehrere verschiedene Familien mit teils völlig anderen Wappen.
Daher sollte man sauber trennen:
- Berke – hier offenbar einschlägig;
- Berka – eigener Eintrag, anderes Wappen;
- Berkes – eigener Eintrag, anderes Wappen;
- Berky – eigene Einträge, andere Wappen;
- Berkovich / Berković – kroatisch-slawonische bzw. ungarische Linien, ebenfalls andere Wappen.
Der in deutschen Foren manchmal auftauchende Ausdruck „von Berke“ ist daher mit Vorsicht zu verwenden. In der slowenischen Darstellung erscheint für die Familie vielmehr das Prädikat de Nagy-Barkócz / von Nagy-Barkócz. Das „v.“ in deutschen Registern kann auch schlicht eine Standesabkürzung sein und ist nicht automatisch der eigentliche Name oder das Prädikat.
5. Zusammenhang mit Müntz / Salvator Apotheke
Für die Team Santé Salvator Apotheke ist eine lange Geschichte belegt: Die Apotheke geht auf das Jahr 1760 zurück, wurde 1905 offiziell „Salvator Apotheke“ genannt und kam 1912 durch Magister Geza Holle in den Besitz jener Familie, in deren Nachfolge später Robert Müntz steht.
Ein direkter genealogischer oder adelsrechtlicher Zusammenhang zwischen der Familie Müntz und der Familie Berke ist aus den bisher herangezogenen Onlinequellen jedoch nicht nachgewiesen. Ebenso ist derzeit nicht belegt, dass Müntz selbst ein historisches Adelswappen führte.
Daher lautet die vorsichtige Bewertung:
Das Wappenmotiv selbst ist nicht „Fake“, sondern historisch als Berke-Wappen nachweisbar. Die Wandmalerei ist aber offenbar eine moderne Wiedergabe oder Kopie. Ob und wie dieses Wappen rechtlich, genealogisch oder besitzgeschichtlich mit der heutigen Apothekerfamilie Müntz verbunden ist, bleibt offen.
Möglich wären mehrere Erklärungen:
- Das Wappen wurde als historisches Dekorationsmotiv übernommen.
- Es erinnert an eine frühere Besitzer- oder Stifterfamilie.
- Es wurde aus der regionalen ungarisch-burgenländischen Geschichte der Apotheke heraus gewählt.
- Es besteht ein noch nicht belegter genealogischer Zusammenhang über eine weibliche Linie oder frühere Besitzerfamilien.
- Es wurde schlicht aus der online verfügbaren Berke-Wappendarstellung übernommen.
Ohne Provenienzangaben der Apotheke sollte man daher nicht schreiben: „Wappen Müntz“. Sauberer wäre: „Wandgemälde des Wappens Berke / de Nagy-Barkócz in der Salvator Apotheke Eisenstadt – Zusammenhang mit Müntz noch ungeklärt.“
6. Einschätzung zur Datierung und Ausführung
Die Wandmalerei selbst ist, wie bereits im Gespräch angemerkt wurde, neu. Sie ist aber offenbar nach einer heraldisch ordentlichen historischen Vorlage ausgeführt. Die Komposition mit Schild, gekröntem Helm, Helmzier und Helmdecken erinnert an Wappenmalereien des 18. oder frühen 19. Jahrhunderts bzw. an Darstellungen aus Diplomabschriften und Adelsakten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die konkrete Wandmalerei alt ist. Sie scheint vielmehr eine moderne 1:1-Übernahme oder sehr nahe Anlehnung an das bekannte Berke-Farbwappen zu sein. Für eine kunsthistorische Datierung der Vorlage bräuchte man entweder das Original, eine Provenienzangabe oder einen Archivnachweis zur Wappenurkunde von 1609.
7. Vorläufiges Ergebnis
Nach derzeitigem Stand:
- Müntz: Kein Nachweis als Wappeninhaber in den hier herangezogenen Quellen.
- Berke: Sehr starke Übereinstimmung mit dem abgebildeten Wappen und den bekannten Onlinequellen.
- Siebmacher: Berke ist dort mit einem sehr ähnlichen Motiv belegt, allerdings nach einem Siegel von 1809.
- 1609: Die Jahreszahl passt zur in der slowenischen Darstellung genannten Bestätigung des Adels bzw. Wappens für Berke Ambrosius durch Matthias II.
- Wandmalerei: modern, aber nach einer historisch belegten bzw. tradierten Vorlage.
- offen: Warum dieses Wappen heute in der Salvator Apotheke bzw. im Umfeld Müntz angebracht ist.
8. Weiterführende Fragen an die Runde
- Gibt es in der Salvator Apotheke eine Erklärungstafel, einen Restaurierungsbericht oder eine Hauschronik zu diesem Wappen?
- Kennt jemand eine genealogische Verbindung zwischen den Familien Holle, Müntz und Berke?
- Gibt es in der Besitzerfolge der Apotheke eine Person aus der Familie Berke oder aus einer verwandten ungarischen Adelsfamilie?
- Sind die Tinkturen des 1609er Wappens archivalisch bestätigt oder stammen sie nur aus späterer Familienüberlieferung?
9. Quellen und Verweise
- Rodbina Berke – slowenische Wikipedia: sl.wikipedia.org/wik...bina_Berke
- Wikimedia Commons, „Berke coat of arms.JPG“: commons.wikimedia.or...f_arms.JPG
- Siebmacher / Családkutatás, Abschnitt Berke: csaladkutatas.hu/kia.../xx_b.html
- Libri Regii / Königliche Bücher, Hungaricana: archives.hungaricana...ibriregii/
- Libri Regii / Királyi Könyvek, Magyar Nemzeti Levéltár – Datenbankbeschreibung: adatbazisokonline.mn...informacio
- Forum Ahnenforschung.net, „Fammilie (von) Berke“: forum.ahnenforschung...von-berke/
- Team Santé Salvator Apotheke, Tradition seit 1760: salvator.at/%C3%BCbe...seit-1760/
- Chronik der Salvator Apotheke: salvator.at/%C3%BCbe...-apotheke/
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