Frage zum Wappen Geusau: Ab wann erscheint das Wappen?

Frage zum Wappen Geusau: Ab wann erscheint das Wappen?

3 Wochen 19 Stunden her
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Frage zum Wappen Geusau: Ab wann erscheint das Wappen? Ab wann ist die Verwendung urkundlich oder materiell dokumentiert?

Hallo zusammen,

ich möchte die Frage zum Wappen der Familie von Geusau geordnet zusammenfassen und zugleich zur weiteren Quellenprüfung stellen:

Ab wann erscheint das Wappen Geusau?
Ab wann ist seine Verwendung urkundlich, siegelkundlich oder wenigstens denkmalmäßig nachweisbar?

Nach derzeitigem Stand sollte man dabei drei Ebenen sauber voneinander trennen:
  1. die frühe urkundliche Nennung des Namens bzw. Geschlechts,
  2. die tatsächliche Wappenverwendung,
  3. die späteren adelsrechtlichen Anerkennungen bzw. Einverleibungen im 19. Jahrhundert.

1. Name, Herkunft und frühe Nennungen

Die Familie Geusau wird gewöhnlich dem thüringischen Uradel zugerechnet. Als Herkunftsort wird meist Geusa im Geiseltal genannt. Der Ort erscheint bereits früh in der Überlieferung, unter anderem im Zusammenhang mit dem Hersfelder Zehntverzeichnis und später als „villa Gusau“.

Als frühe Namensnennung wird vielfach 1116 „Gerlach von Geysaha“ angegeben. Weitere Formen und Belege lauten unter anderem Geusa, Geysaha, Gusowe, Gusewe, Güsow, Güsaw, Gusau, Güsau, Geus, Geuß, Geussau und schließlich Geusau.

Die Stammreihe soll nach den vorliegenden Angaben erst mit Hans von Gusewe, 1423, zuverlässig beginnen. Damit ergibt sich bereits ein wichtiger Unterschied:
Die frühe Namensnennung ist nicht automatisch ein Wappennachweis.
 

Für die Wappenfrage ist daher entscheidend, ob zu den frühen Namensträgern auch Siegel, Grabsteine, Wappentafeln oder Wappenbücher vorliegen.

2. Das Stammwappen: Gans oder Schwan?

Die heute meist genannte Blasonierung lautet sinngemäß:
In Blau eine silberne, flugbereite Gans mit rotem Schnabel und roten Füßen. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken die Gans, teils mit geschlossenen Flügeln, vor drei grünen Schilfblättern.
 

Dieses Wappen wird häufig als redendes Wappen gedeutet: Geusau / Gänse-Aue. Dazu passen auch etymologische Erklärungen, wonach „hus“, „guss“ oder verwandte Formen mit „Gans“ in Verbindung gebracht werden.

Auffällig ist jedoch, dass der ältere gedruckte Siebmacher-Befund eine andere Tierbezeichnung verwendet. Im Siebmacher, Adel des Königreichs Sachsen, 1857, steht zu Geusau:
„Geusau, thüring’scher Adel. Wappen: In Blau auffliegend ein silberner Schwan.“
 

Dort wird außerdem vermerkt, dass man besonders in modernen Abbildungen auch eine fliegende Gans auf dem Helm finde, diese vor grünem Schilf stehend; ältere Beispiele zeigten den Schwan auch auf einem grünen Dreiberg stehend.

Das ist für die weitere Forschung sehr wichtig:
Die ältere heraldische Literatur spricht zumindest teilweise von einem Schwan, während die jüngere bzw. redende Deutung stärker zur Gans tendiert.

Denkbar ist daher:
  1. ursprünglich wurde das Tier als Schwan beschrieben und später redend als Gans gedeutet;
  2. die Darstellung war heraldisch nicht eindeutig, weshalb verschiedene Bearbeiter Schwan oder Gans lasen;
  3. es gab verschiedene Linien- oder Darstellungsvarianten.

3. Früheste greifbare Wappenverwendung

Nach dem derzeit online greifbaren Stand lässt sich Folgendes sagen:

a) 16. Jahrhundert: Grabdenkmäler, aber noch zu prüfen

Für Oberfarnstädt werden Grabsteine der Familie Geusau aus der Zeit 1557 bis 1603 genannt, teilweise mit Wappen. Auch eine Grabplatte des Anton von Geusau, † 1577, wird in diesem Zusammenhang erwähnt.

Das ist ein sehr wichtiger Hinweis auf eine Wappenverwendung bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Allerdings ist die Formulierung „teilweise mit Wappen“ vorsichtig zu behandeln. Sie beweist noch nicht automatisch, dass bereits der früheste Grabstein von 1557 das Wappen zeigt. Hier wären Fotos, ein Denkmalinventar oder eine genaue Beschreibung der einzelnen Grabplatten nötig.

Arbeitsstand:
Eine Wappenverwendung im 16. Jahrhundert ist wahrscheinlich, aber der früheste exakt datierbare Einzelbeleg sollte noch am Denkmal oder im Inventar überprüft werden.

b) 1615: Wappentafel am Rittergut Oberfarnstädt

Als derzeit klarer materieller Beleg erscheint die Wappentafel derer von Geusau von 1615 am Rittergut Oberfarnstädt. Das Rittergut wurde nach den greifbaren Angaben 1615 im Auftrag bzw. im Zusammenhang mit der Familie von Geusau errichtet; im Ostflügel des mittelalterlichen Turmes wird eine Wappentafel der Familie aus diesem Jahr erwähnt.

Damit ist die Wappenverwendung jedenfalls spätestens 1615 denkmalmäßig fassbar.

c) 1857: Gedruckter Wappennachweis im Siebmacher Sachsen

Im Siebmacher, Adel des Königreichs Sachsen, 1857, ist das Wappen auf Tafel 30 und im Text beschrieben. Die dortige Beschreibung lautet, wie oben erwähnt, auf einen silbernen Schwan in Blau, nicht auf eine Gans. Moderne Darstellungen mit Gans und Schilf werden ausdrücklich erwähnt.

Damit ist das Wappen im heraldischen Druckschrifttum sicher spätestens 1857 nachweisbar.

d) 1815/1816: Adelsrechtliche Anerkennungen, aber kein Ursprung des Wappens

Die Daten 1815 und 1816 betreffen nach derzeitigem Stand nicht die Entstehung des Wappens, sondern spätere adelsrechtliche Anerkennungen bzw. Einverleibungen:
  • 1815 bzw. 1818: Anerkennung bzw. Einverleibung in Österreich, insbesondere Niederösterreich und Böhmen.
  • 1816: Einverleibung bzw. Anerkennung in den Niederlanden für Willem Arnold Alting Lamoraal von Geusau.

Diese Daten sind daher für die Adelsgeschichte des 19. Jahrhunderts wichtig, beantworten aber nicht die Frage nach dem Ursprung des Wappens.

4. Wappenverwandtschaft mit Dieskau und Gans zu Putlitz?

In der Literatur bzw. Sekundärüberlieferung wird immer wieder eine Wappenverwandtschaft oder zumindest Wappenähnlichkeit zu folgenden Familien behauptet:
  • von Dieskau,
  • Gans zu Putlitz,
  • teilweise auch weitere Familien mit flugbereiter Gans oder ähnlichem Vogelmotiv.

Hier ist Vorsicht geboten. Eine bloße Ähnlichkeit des Wappenbildes beweist noch keine genealogische oder heraldisch-stammverwandte Beziehung. Gerade bei redenden Wappen mit Gans-/Schwanmotiv kann eine Motivähnlichkeit auch unabhängig voneinander entstanden sein.

Arbeitsstand:
Die Wappenähnlichkeit ist festzuhalten, aber eine echte Wappenverwandtschaft sollte nur behauptet werden, wenn sie durch ältere Quellen, gemeinsame Herkunft, Siegelvergleich oder genealogische Belege abgesichert ist.

5. Vorläufiges Ergebnis

Nach derzeitigem Stand würde ich die Frage so beantworten:
Die Familie Geusau wird zwar schon früh genannt, doch die frühen Namensbelege sind noch keine Wappenbelege. Eine Wappenverwendung ist wahrscheinlich bereits im 16. Jahrhundert anzusetzen, da Grabsteine der Familie aus der Zeit 1557–1603 teilweise mit Wappen genannt werden. Als derzeit sicher greifbarer materieller Nachweis erscheint die Wappentafel derer von Geusau am Rittergut Oberfarnstädt von 1615. Im gedruckten heraldischen Schrifttum ist das Wappen spätestens im Siebmacher Sachsen von 1857 nachweisbar, dort allerdings als silberner Schwan in Blau beschrieben, während moderne Darstellungen stärker die Gans mit Schilf betonen. Die adelsrechtlichen Daten 1815 und 1816 betreffen spätere Anerkennungen bzw. Einverleibungen und nicht die Entstehung des Wappens.
 

6. Offene Fragen an die Runde

Ich würde mich über Hinweise zu folgenden Punkten freuen:
  1. Hat jemand Fotos oder genaue Beschreibungen der Geusau-Grabsteine in Oberfarnstädt aus der Zeit 1557–1603?
  2. Zeigt bereits der Grabstein von 1557 das Wappen, oder ist das Wappen nur auf späteren Grabplatten der Reihe vorhanden?
  3. Gibt es ein Denkmalinventar, einen Kirchenführer oder eine kunsthistorische Beschreibung der Grabplatten und der Wappentafel von 1615?
  4. Sind Siegel der frühen Namensträger bekannt, etwa zu Hans von Gusewe 1423 oder zu den älteren Gusowe-/Geysaha-Nennungen?
  5. Kann jemand den Eintrag im Tourneenbuch Herzog Friedrich Wilhelms von Sachsen von 1577 zum Wappen Geusau prüfen?
  6. Wie wird das Wappen im Wappenbuch des Herrn Hasse beschrieben: als Gans, Schwan oder allgemein als Vogel?
  7. Ist die angebliche Wappenverwandtschaft mit Dieskau und Gans zu Putlitz quellenmäßig belegt, oder handelt es sich nur um eine Motivähnlichkeit?
  8. Gibt es im niederländischen Adelsdiplom bzw. in der Anerkennung von 1816 eine genaue Blasonierung des Wappens?

7. Quellen und bisher geprüfte Hinweise

8. Quellentreue und Einschränkung

Ich habe die Angaben bewusst nicht geglättet: Wo die ältere heraldische Quelle „Schwan“ sagt, ist „Schwan“ wiedergegeben; wo die spätere Tradition oder redende Deutung „Gans“ sagt, ist dies als solche kenntlich gemacht. Die frühen Namensnennungen 1116, 1291, 1298 und 1423 sind als genealogische bzw. namenkundliche Hinweise zu behandeln, nicht automatisch als Wappenbelege.

Eine urkundliche Wappenführung im engeren Sinn, also etwa ein datiertes Siegel an einer Urkunde, konnte ich bisher nicht sicher nachweisen. Sicherer greifbar ist derzeit der denkmalmäßige Nachweis durch die Wappentafel von 1615; die Hinweise auf Grabsteine des 16. Jahrhunderts sind sehr wertvoll, sollten aber noch anhand der einzelnen Denkmäler überprüft werden.
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