Grabfund bei Leningrad – Wappen mit Schräglinksbalken, Stern und Rebmesser/Siche
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Grabfund bei Leningrad – Wappen mit Schräglinksbalken, Stern und Rebmesser/Siche
1 Woche 6 Tage herUnbekannter Siegelring aus Grabfund bei Leningrad – Wappen mit Schräglinksbalken, Stern und Rebmesser/Sichel?
Liebe Freunde der Heraldik,
ich möchte hier einen offenbar noch nicht identifizierten Siegelring bzw. Wappenring zur Diskussion stellen. Nach den bisherigen Angaben wurde der Ring in einem Grab bei Leningrad gefunden. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hofft offenbar, über das Wappen Hinweise auf den Träger gewinnen zu können.
Ausgangsfrage
Ist das auf dem Ring dargestellte Wappen bekannt, und lässt sich daraus möglicherweise ein Familienname ableiten?
Es wurde zunächst von einem „viereckigen/blauen Siegelring mit Sparren“ gesprochen. Nach dem beigefügten Foto scheint mir diese Beschreibung jedoch nicht ganz zu passen: Ich erkenne im Schild keinen Sparren, sondern eher einen Schräglinksbalken. Daher bitte ich ausdrücklich auch um Prüfung, ob hier vielleicht zwei Beschreibungen bzw. zwei verschiedene Ringe vermischt wurden.
Bildbeobachtung nach dem vorliegenden Foto
Das Foto zeigt einen Wappenring mit Vollwappen:
- Schild mit einem diagonalen Balken, nach der Fotoansicht wohl einem Schräglinksbalken.
- Auf oder an diesem Balken befindet sich ein gebogenes Gerät, möglicherweise ein Rebmesser / Winzermesser / Hippe / Sichel.
- Im unteren linken Schildbereich ist ein kleiner Stern oder sternähnliches Beizeichen erkennbar.
- Über dem Schild ein Helm mit Helmdecken.
- Eine Helmkrone ist nicht sicher erkennbar; eher spricht die Darstellung für einen Helm ohne adelige Rangkrone bzw. mit Wulst.
- Die Helmzier wirkt wie ein offener Flug, Federbusch oder flügelartige Zier; wegen der Unschärfe ist das nicht sicher zu entscheiden.
Vorläufige Arbeitsblasonierung
Nur nach der Fotoansicht und ausdrücklich nicht als gesicherte historische Blasonierung:
Im Schild ein Schräglinksbalken, begleitet bzw. belegt von einem gebogenen Messer/Rebmesser/Sichel und unten links von einem kleinen Stern. Auf dem Helm mit Decken ein offener Flug oder federbuschartige Helmzier.
Sollte es sich tatsächlich um einen gravierten Siegelring handeln, ist zu beachten, dass die Darstellung am Ring selbst seitenverkehrt zur Abdruckansicht sein kann. Ein Wachs- oder Knetabdruck wäre daher für die heraldisch korrekte Beschreibung sehr hilfreich.
Bisherige Einschätzungen aus der Diskussion
Die bisherigen Beiträge lassen sich etwa so ordnen:
- Zunächst wurde nach dem fehlenden Text bzw. nach der konkreten Frage zum Ring gefragt.
- Dann wurde klargestellt, dass es sich offenbar um den Ring eines unbekannten Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, der in einem Grab bei Leningrad gefunden wurde.
- Die Hoffnung war, über das Wappen den Namen des Trägers zu ermitteln.
- Es wurde darauf hingewiesen, dass dies ohne Namen, Erkennungsmarke, Fundzusammenhang oder weitere Personendaten äußerst schwierig ist.
- Eine Suche allein über das Wappen würde praktisch bedeuten, umfangreiche Wappenwerke wie den Siebmacher und weitere bürgerliche Wappenquellen durchzusehen.
- Freiherr v. Recum teilte mit, dass das Wappen in seiner Datenbank nicht vorkomme.
- Von mehreren Seiten wurde eine adelige Zuordnung eher bezweifelt. Die fehlende Rangkrone und die eher unsichere, stilistisch nicht sehr klare Ausführung sprechen eher für ein bürgerliches Wappen oder für eine spätere bzw. nicht streng heraldische Gestaltung.
- Als mögliches Motiv wurde ein Schräglinksbalken mit Stern und darüber bzw. darauf ein Winzer- oder Rebmesser, eventuell auch eine Sichel oder Hippe, vorgeschlagen.
- Eine andere Bemerkung sprach von einem geteilten und von drei Sternen begleiteten Sparren. Diese Beschreibung scheint aber zum vorliegenden Foto nicht recht zu passen und müsste anhand eines besseren Bildes überprüft werden.
Zur Einordnung
Eine Identifikation allein über dieses Wappen ist derzeit nicht gesichert möglich.
Das Wappen macht nach der Fotoansicht keinen klar adeligen Eindruck. Die Darstellung kann gut zu einem bürgerlichen Familienwappen passen. Auch ein Wappen aus einer neueren bürgerlichen Mittelschicht, aus einem lokal begrenzten Familienkreis oder aus dem Umfeld der sogenannten Schwindelwappen bzw. Wappenfabriken des 19./frühen 20. Jahrhunderts kann nicht ausgeschlossen werden.
Gerade bei Soldaten des Zweiten Weltkriegs ist Vorsicht geboten: Wappenringe wurden nicht nur von Adeligen getragen. Auch bürgerliche Familienwappen, Phantasiewappen oder Schmuckwappen waren im Umlauf. Die Zahl der zwischen 1939 und 1945 eingezogenen Soldaten war sehr groß; allein daraus folgt, dass ein Wappenring für sich genommen kein sicherer Hinweis auf Adel oder auf eine bestimmte Familie ist.
Was spricht gegen eine sichere Zuordnung?
- Die Farben des Wappens sind nicht erkennbar.
- Schraffuren oder eindeutige Farbzeichen fehlen bzw. sind auf dem Foto nicht zuverlässig lesbar.
- Das Hauptmotiv ist unsicher: Rebmesser, Sichel, Hippe oder anderes gebogenes Gerät?
- Unklar ist, ob das Foto die Ringseite oder bereits die seitenrichtige Abdruckansicht zeigt.
- Der Fundkontext ist zu knapp: Grabstelle, Beifunde, Einheit, Erkennungsmarke, Personalreste oder sonstige Hinweise fehlen.
- Ein Datenbank-Negativbefund ist hilfreich, aber kein Beweis, dass das Wappen nirgends geführt wurde.
Mögliche Recherchewege
Für die weitere Suche wären folgende Wege sinnvoll:
- Besseres Bildmaterial: Makroaufnahme des Schildes, des Helms und der Helmzier; zusätzlich ein Abdruck in Wachs, Siegellack oder Knetmasse.
- Innenseite des Rings prüfen: Gibt es Initialen, Punzen, Herstellerzeichen, Gravuren, Feingehaltsstempel oder Reparaturspuren?
- Fundkontext sichern: genaue Grabstelle, Datum der Bergung, Beifunde, mögliche Einheit, Erkennungsmarke, Lageplan oder Fundprotokoll.
- Volksbund / DRK / Bundesarchiv: Nicht nur nach dem Wappen fragen, sondern nach allen verfügbaren Fund- und Personendaten. Ohne Namen oder Erkennungsmarke bleibt die Identifikation sehr unsicher.
- Wappenquellen systematisch durchsuchen: Siebmacher/CERL, bürgerliche Wappenregister, Exlibris-Sammlungen, regionale Wappenkartei, eventuell auch Weinbaugebiete wegen des möglichen Rebmessers.
- Motivsuche statt Namenssuche: Kombinationen wie „Schräglinksbalken + Stern + Sichel/Rebmesser/Hippe“ prüfen.
Konkrete Fragen an die Runde
- Erkennt jemand ein Familienwappen mit Schräglinksbalken, Stern und Rebmesser/Sichel/Hippe?
- Ist die Helmzier eher als offener Flug, Federbusch oder Schirmbrett zu deuten?
- Gibt es auf dem Originalring Farbhinweise, Emailreste oder Schraffuren?
- Liegt ein seitenrichtiger Abdruck des Rings vor?
- Ist die Innenseite des Rings untersucht worden: Initialen, Punzen, Herstellerzeichen?
- Gibt es ein Fundprotokoll des Volksbundes oder Angaben zur genauen Grabstelle bei Leningrad?
- Wurden beim Grab weitere identifizierende Gegenstände gefunden, insbesondere eine Erkennungsmarke?
- Kann ausgeschlossen werden, dass die im Thread erwähnte „Sparren“-Beschreibung zu einem anderen Ring gehört?
- Kennt jemand bürgerliche Wappenregister oder regionale Sammlungen, in denen Rebmesser/Hippe/Sichel mit Stern und Schrägbalken vorkommen?
Vorläufiges Fazit
Nach derzeitigem Stand ist das Wappen nicht sicher identifiziert. Die Deutung als adeliger Ring ist eher unwahrscheinlich; wahrscheinlicher ist ein bürgerliches, lokal begrenztes oder nicht streng heraldisch gestaltetes Wappen. Der wichtigste nächste Schritt wäre ein klarer Abdruck des Rings und die genaue Klärung des Fundkontextes.
Quellen und Hinweise
- Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Gräbersuche Online: www.volksbund.de/eri...che-online
- Bundesarchiv, personenbezogene Unterlagen militärischer Herkunft: Bundesarchiv – Recherche zu Militärangehörigen
- DRK-Suchdienst, Zweiter Weltkrieg: DRK-Suchdienst – Zweiter Weltkrieg
- Siebmacher-Datenbank / Generalindex, SUB Göttingen: Index zu Siebmachers Wappenbüchern
- CERL-Suche zu Siebmacher: data.cerl.org/siebmacher/_search
- DHM/LeMO zur Wehrmacht und zur Größenordnung der eingezogenen Soldaten: DHM LeMO – Wehrmacht
- Jürgen Arndt (Bearb.): Der Wappenschwindel. Seine Werkstätten und ihre Inhaber. Ein Blick in die heraldische Subkultur, Neustadt a. d. Aisch 1997.
"IN OMNIBUS ORDO"
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