Stifterwappen auf einer Kreuzigung – wohl Johann Matthias Kager, um 1600

Stifterwappen auf einer Kreuzigung – wohl Johann Matthias Kager, um 1600

3 Wochen 2 Tage her - 3 Wochen 2 Tage her
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Unbekanntes Stifterwappen auf einer Kreuzigung – wohl Johann Matthias Kager, um 1600/1605?

An mich wurde eine interessante Anfrage herangetragen, bei der kunsthistorische und heraldische Hinweise zusammengeführt werden müssen. Gesucht wird der Träger bzw. Auftraggeber eines Wappens, das auf einem kleinen Gemälde unten links angebracht ist.

Nachgereicht wurde nun auch eine Gesamtansicht des Bildes. Diese hilft bei der Einordnung, auch wenn sie die Wappenfrage leider noch nicht löst.

 

1. Das Gemälde

Bei dem Werk handelt es sich nach der vorliegenden Beschreibung um ein kleines Gemälde in Öl auf Kupfer. Es wurde als Bozzetto bzw. Ölskizze beschrieben, also als Entwurf, der einem Auftraggeber vor Ausführung eines größeren Werkes zur Genehmigung vorgelegt worden sein könnte.

Die Gesamtansicht zeigt eine Kreuzigung Christi. Dargestellt sind:
  • Christus am Kreuz,
  • links die trauernde Gottesmutter Maria,
  • am Kreuz kniend Maria Magdalena,
  • rechts der Evangelist Johannes.

Ein Stifter oder Auftraggeber ist im Bild selbst nicht als Person dargestellt. Der Auftraggeber dürfte daher, sofern das Wappen original zur Komposition gehört, allein durch das unten links angebrachte Wappen bezeichnet sein.

Die Szene ist ikonographisch sehr allgemein. Sie enthält keine eindeutig lokalisierenden Heiligen, keine Ordensheiligen, keine erkennbare Kirchenarchitektur und kein besonderes Attribut, das unmittelbar auf eine bestimmte Kirche oder Stiftung schließen ließe. Damit wird die Identifizierung des Auftraggebers eher über das Wappen, die Provenienz und den Künstlerkreis als über das Bildthema selbst erfolgen müssen.

2. Zum Künstler Johann Matthias Kager

Der Maler wurde vom Anfragenden als Johann Matthias Kager identifiziert.

Kager, geboren 1575 in München und gestorben 1634 in Augsburg, war Maler, Freskant, Miniaturist, Zeichner, Radierer bzw. Kupferstecher und später Stadtmaler von Augsburg. Er wurde in München ausgebildet, stand stilistisch im Umfeld der italianisierten Münchner Hofkunst und unternahm eine Italienreise. Die ältere Literatur nennt ihn auch im Dienst des bayerischen Hofes bzw. als Hofmaler Maximilians I. von Bayern.

Ab 1603 ist Kager in Augsburg nachweisbar, 1604 erhielt er dort das Bürgerrecht. Bereits ab 1605 bekam er größere öffentliche und kirchliche Aufträge. 1611 wurde er Mitglied des Großen Rates, 1615 Stadtmaler und 1631 vorübergehend Bürgermeister der Stadt Augsburg.

Für die vorliegende Anfrage besonders interessant ist, dass Kager sowohl im Münchner Hofumfeld als auch später in Augsburg tätig war und bald zahlreiche kirchliche Aufträge erhielt. Das Stadtlexikon Augsburg nennt zudem enge Beziehungen zu den Jesuiten und zum Familienverband der Fugger. Gerade dieser Kreis könnte bei der Suche nach einem Auftraggeber wichtig werden.

3. Einschätzung der Datierung

Die vorgeschlagene Datierung um 1601/1602 ist möglich, sollte aber vorsichtig formuliert werden.

Aus der Biographie Kagers ergibt sich:
  • Ausbildung und frühe Tätigkeit in München,
  • Italienreise vor der Augsburger Zeit,
  • Tätigkeit im Umfeld des bayerischen Hofes,
  • Übersiedlung nach Augsburg 1603.

Wenn das Bild tatsächlich in die Münchner Hofphase oder in den Übergang nach Augsburg gehört, wäre eine Datierung um 1600 bis kurz nach 1603 denkbar. Sicher beweisen lässt sich das aus der Fotografie allein jedoch nicht.

Die Gesamtansicht zeigt einen manieristisch geprägten, stark verdunkelten Andachtsbildtypus. Die Ausführung auf Kupfer würde grundsätzlich zu kleinformatigen Entwürfen oder privaten Andachtsbildern um 1600 passen. Ob es sich tatsächlich um einen Bozzetto für ein späteres größeres Altarbild handelt oder um ein eigenständiges kleines Andachtsbild, müsste durch Maße, Maltechnik, Provenienz und Vergleichswerke geprüft werden.

4. Das Wappen nach dem Detailfoto

Das Wappen ist auf der Gesamtansicht nicht ausreichend lesbar; Grundlage der heraldischen Beschreibung bleibt daher die Detailaufnahme.

Nach dem vorliegenden Foto lässt sich folgende vorsichtige Arbeitsblasonierung vorschlagen:

Geviert von Schwarz und Rot; in 1 und 4 in Schwarz eine goldene Teilungsleiste, darüber zwei und darunter ein senkrecht gestellter goldener Stab; in 2 und 3 in Rot zwei silberne einander reichende Hände („treue Hände“). Auf dem Bügelhelm mit schwarz-goldenen und rot-silbernen Decken und entsprechendem Wulst ein wachsender geharnischter Arm, einen goldenen Stab emporhaltend.

Die Helmdecken wirken auf der Darstellung etwas summarisch bzw. malerisch frei. Möglich wäre, dass sie eigentlich rechts schwarz-golden und links rot-silbern gemeint waren. Auf dem Detailfoto erscheinen die Farben jedoch nicht völlig eindeutig.

Der goldene Aufsatz über dem Schild bzw. am Helm sollte nicht vorschnell als sichere Rangkrone gelesen werden. Es kann sich um einen Schmuckaufsatz, eine künstlerische Vereinfachung oder eine nicht exakt heraldisch ausgeführte Helmkrone handeln. Aus dieser Darstellung allein sollte daher noch kein sicherer Adelstitel abgeleitet werden.

5. Zur Deutung der Figuren im Wappen

Besonders wichtig sind zwei Motive:
  • Die „treuen Hände“: Zwei einander reichende Hände sind in der Heraldik ein bekanntes Motiv und können sinnbildlich für Treue, Eintracht, Bündnis, Vertrag oder Verpflichtung stehen.
  • Der Stab: Die genaue Deutung ist offen. Denkbar wären Schulzenstab, Amtsstab, Kommandostab oder im weiteren Sinn ein militärischer Würde- bzw. Befehlsstab.

Wenn es sich tatsächlich um einen Schulzenstab handelt, wäre ein redendes oder halbsprechendes Wappen in Richtung Schulz / Schulze / Schultze / Schultz / Scholz usw. denkbar. Diese Namensgruppe ist jedoch sehr groß und wegen zahlreicher Schreibvarianten schwer systematisch abzusuchen.

Wenn der Stab eher als Kommandostab oder militärischer Amtsstab zu verstehen ist, könnte der Träger in einem höfischen, militärischen oder obrigkeitlichen Umfeld zu suchen sein. Das würde wiederum gut zu einem Auftraggeber im Umfeld des Münchner Hofes oder einer süddeutschen Verwaltungs- bzw. Ratselite passen.

6. Bisherige Suchhinweise aus der Diskussion

Aus der bisherigen Diskussion ergaben sich folgende Suchstände:
  • Im Siebmacher konnte das Wappen bisher nicht passend nachgewiesen werden.
  • Im Armorial Rietstap ergab eine Suche nach „geviert“ und „treue Hände“ nur andere, nicht passende Wappen, darunter Guicherit, Hendten und Matscheko.
  • Auch die Durchsicht von Martin Kolář und August Sedláček, besonders wegen der Farben Schwarz-Gold und Rot-Silber bei böhmisch-mährischen Wappen, brachte bisher keinen passenden Treffer.

Diese Negativbefunde sind wichtig, aber noch kein Ausschluss. Gerade bürgerliche, städtische, amtliche und frühneuzeitliche Stifterwappen wurden in den großen Wappenwerken keineswegs vollständig erfasst.

7. Neue Bewertung durch die Gesamtansicht

Die Gesamtansicht beantwortet eine wichtige Frage aus der bisherigen Diskussion: Es handelt sich nicht um ein Porträt, sondern um eine Kreuzigungsszene. Damit fällt die Möglichkeit weg, den Auftraggeber über ein Bildnis oder über Standesattribute einer dargestellten Person zu identifizieren.

Zugleich spricht die Anbringung des Wappens auf einem religiösen Bild für einen Stifter- oder Auftraggeberkontext. Das muss nicht zwingend ein Adliger sein. Auch wohlhabende Bürger, Ratsmitglieder, Amtsträger, Hofbeamte, Kirchenpfleger oder Stifterfamilien konnten auf kirchlichen Gemälden Wappen anbringen lassen.

Die Szene selbst gibt keine enge lokale Spur. Es gibt weder einen spezifischen Ortsheiligen noch ein besonderes Patrozinium. Für die weitere Suche bleiben daher vor allem:
  • die Wappenidentifikation,
  • die Provenienz des Gemäldes,
  • die Prüfung des Kager-Werkverzeichnisses,
  • und der Abgleich mit Münchner, Augsburger, jesuitischen und Fugger-nahen Auftraggeberkreisen um 1600 bis 1610.

8. Arbeitshypothesen

Hypothese 1: Bürgerliches oder amtliches Stifterwappen
Die Kombination aus Stab und treuen Händen könnte auf Amt, Treuepflicht, Ratsfunktion oder obrigkeitliche Stellung hinweisen. Das Wappen wäre dann eher im bürgerlichen oder städtischen Umfeld zu suchen.

Hypothese 2: Redendes Wappen zu Schulz / Schulze / Scholz
Falls der Stab als Schulzenstab gemeint ist, könnte ein redender Bezug zu Schulz, Schulze, Schultze, Schultz, Scholz oder ähnlichen Formen vorliegen. Wegen der Vielzahl der Schreibweisen wäre dies aber eine breite Suche.

Hypothese 3: Militärischer oder höfischer Auftraggeber
Falls der Stab als Kommandostab oder militärisches Würdezeichen zu verstehen ist, könnte der Träger im Umfeld des bayerischen Hofes, der Hofverwaltung oder des Militärs gesucht werden.

Hypothese 4: Kirchlicher oder jesuitischer Stifterkreis
Kager hatte nachweislich kirchliche Aufträge und Beziehungen zu Jesuiten und Fuggerkreisen. Daher sollten auch Stifter von Kapellen, Altarbildern oder Andachtsbildern in München, Augsburg, Dillingen, Hall in Tirol, Eichstätt und verwandten süddeutschen Orten geprüft werden.

Hypothese 5: Spätere Hinzufügung des Wappens
Eine spätere Ergänzung ist nicht auszuschließen, wirkt nach dem vorliegenden Detailfoto aber nicht zwingend. Um dies zu klären, wären UV-, IR- oder Röntgenaufnahmen bzw. eine restauratorische Untersuchung der Malschicht notwendig.

9. Sinnvolle nächste Schritte

Für eine weitere Eingrenzung wären folgende Informationen sehr hilfreich:
  1. Maße der Kupferplatte ohne Rahmen.
  2. Rückseite des Bildes: alte Etiketten, Inventarnummern, Sammlerstempel, Wachssiegel, Notizen?
  3. Gibt es eine Signatur, ein Monogramm oder eine alte Zuschreibung?
  4. Woher stammt das Bild? Kunsthandel, Privatsammlung, kirchlicher Besitz, Auktion?
  5. Gibt es eine restauratorische Untersuchung, die zeigt, ob das Wappen original zur ersten Malschicht gehört?
  6. Gibt es eine bessere Aufnahme des Wappens bei neutralem Licht und ohne Glanz?
  7. Ist der Stab im Wappen eventuell auf dem Original genauer erkennbar: Amtsstab, Schulzenstab, Kommandostab?
  8. Gibt es ein Pendantbild oder ein zweites Wappen, etwa für eine Ehefrau oder eine Stifterfamilie?
  9. Ist ein fertiges größeres Kreuzigungsbild Kagers bekannt, das diese Komposition wiederholt?
  10. Wurde die Zuschreibung an Kager durch ein Gutachten oder nur stilistisch vorgenommen?

10. Bitte um Mithilfe

Erkennt jemand dieses Wappen oder eine vergleichbare Kombination aus:
  • schwarz-rot geviertem Schild,
  • treuen Händen,
  • goldenen Stäben,
  • und einem geharnischten Arm mit Stab als Helmzier?

Besonders willkommen wären Hinweise auf:
  • Augsburger oder Münchner Rats- und Beamtenwappen um 1600,
  • bayerische Hofbeamte oder Militärpersonen im Umfeld Maximilians I.,
  • bürgerliche Stifterwappen auf süddeutschen Kirchenbildern,
  • Schulz-/Schulze-/Scholz-Wappen mit Amts- oder Schulzenstab,
  • Kager-Werke mit Stifterwappen,
  • oder regionale Wappenhandschriften, die in den großen gedruckten Wappenwerken nicht berücksichtigt wurden.

11. Quellen und Prüfhilfen

Die biographischen Angaben zu Johann Matthias Kager wurden mit folgenden online zugänglichen Quellen abgeglichen:
Vorläufiges Fazit

Das nachgereichte Gesamtbild bestätigt, dass es sich um eine religiöse Stifter- oder Andachtskomposition handelt, nicht um ein Porträt. Das Wappen ist daher der wichtigste Hinweis auf den Auftraggeber. Die Kreuzigungsszene selbst ist zu allgemein, um den Ort oder die Familie direkt zu bestimmen.

Das Wappen wirkt grundsätzlich heraldisch plausibel. Die Kombination aus treuen Händen und Stäben könnte auf Treuepflicht, Amt, Gerichtsbarkeit, Befehl oder Verwaltung hinweisen. Eine sichere Identifikation ist derzeit aber noch nicht möglich. Der erfolgversprechendste Weg dürfte über bürgerliche und amtliche Wappen im süddeutschen Raum, besonders München und Augsburg um 1600, sowie über den Auftraggeberkreis Kagers führen.
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