Wappen des C. v. Drecoll, Wiener Couturier

Wappen des C. v. Drecoll, Wiener Couturier

2 Wochen 13 Stunden her - 2 Wochen 10 Stunden her
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Gibt es ein Wappen des C. v. Drecoll, Wiener Couturiers u. a. für Reitkostüme der Kaiserin Elisabeth?

Ausgangspunkt der Frage ist Christoph Drecoll, der aus Mecklenburg stammende und in Wien berühmt gewordene Couturier, dessen Modehaus am Kohlmarkt zu den ersten Adressen der gehobenen Damenmode gehörte. In den vorliegenden Hinweisen wird Drecoll nicht nur als Modesalonbesitzer, sondern als Hof- und Gesellschaftsschneider von internationalem Rang greifbar. Besonders interessant sind dabei die auf Etiketten verwendeten Wappen und Hoflieferantenhinweise.

Kurzbefund:
Ja, ein Wappen des Christoph Freiherrn von Drecoll ist nachweisbar. Es handelt sich nicht bloß um ein dekoratives Modehauszeichen, sondern um ein in genealogisch-heraldischer Literatur belegtes freiherrliches Wappen.

Wappen Drecoll

Im Gothaischen Genealogischen Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, Jahrgang 1899, wird Drecoll mit folgender Wappenbeschreibung geführt:
Durch einen goldenen Schräglinksbalken geteilt;
oben rot und ledig,
unten in Blau auf grünem Boden ein natürlicher Hirsch.
 
 

In der älteren knappen Notation wurde dies offenbar so wiedergegeben:
Drecoll, W. (1898):
Durch einen g. Schräglinksbalken get.,
oben r. ohne Bild,
unten in B. auf gr. Boden ein nat. Hirsch;
Frhrnkr.
 

Ausformuliert bedeutet dies:
Der Schild ist durch einen goldenen Schräglinksbalken geteilt. Das obere Feld ist rot und ohne Figur. Das untere Feld ist blau; darin steht auf grünem Boden ein natürlich dargestellter Hirsch. Als Rangzeichen erscheint eine Freiherrenkrone. Helm, Helmdecken und Helmzier sind in der bislang herangezogenen Kurzbeschreibung nicht genannt.

Damit ist das Wappen als freiherrliches Wappen Drecolls nachweisbar. Für eine endgültige heraldische Rekonstruktion wäre allerdings ein Scan der ursprünglichen Wappenquelle oder des Diploms wünschenswert, vor allem wegen der genauen Darstellung des Hirsches, der Rangkrone und der Frage, ob es eine vollständige Wappengrafik mit oder ohne Helm gab.

Adelsrechtlicher Rahmen

Nach dem Gothaischen Taschenbuch wurde Drecoll zunächst durch Verleihung des päpstlichen Barontitels geadelt, datiert Rom, 17. April 1897. Danach folgte die sachsen-meiningische Freiherrnwürde, ebenfalls in primogeniturer Form, datiert Meiningen, Jänner 1898. In den Notizen wird außerdem auf spätere freiherrliche Nachweise bis 1937 sowie auf eine Erwähnung in „ÖFA 1“ verwiesen; diese Angabe sollte aber noch bibliographisch genau überprüft werden.

Auffällig ist, dass die Angaben zum sachsen-meiningischen Datum in verschiedenen Zusammenstellungen leicht voneinander abweichen können. In der modernen Kurzbiographie wird teils der 3. Jänner 1898 genannt, während der Gotha-OCR den 8. Jänner 1898 erkennen lässt. Hier wäre das Diplom oder eine amtliche Bekanntmachung die beste Kontrollquelle.


Zur Person und zum Modehaus

Christoph Drecoll war nicht irgendein Modesalonbesitzer. Die Familie wird in den vorliegenden Notizen aus Mecklenburg hergeleitet, mit einer Stammreihe beginnend bei Heinrich Drecoll, 1752 in Malchow. Christoph Drecoll wurde als Couturier in Wien berühmt. Sein Haus firmierte später als „Ch. Drecoll Ges. m. b. H.“ und besaß am Kohlmarkt großzügige Geschäftsräume. In den Forumshinweisen ist von 46 Appartements als Geschäftsräumlichkeiten die Rede – eine Größenordnung, die den gesellschaftlichen Anspruch des Hauses gut illustriert, aber noch mit einer zeitgenössischen Quelle belegt werden sollte.

Drecolls Kundschaft gehörte zur obersten Gesellschaft. Genannt wird insbesondere Kaiserin Elisabeth, für die er unter anderem Reitkostüme gefertigt haben soll. Auch hier wäre eine konkrete zeitgenössische Anzeige, Rechnung, Hoflieferantenliste oder ein Hofstaats-/Adressbuchnachweis besonders wertvoll.

Das Wiener Haus wurde nach den vorliegenden Sekundärangaben 1895 verkauft bzw. von Nachfolgern weitergeführt. Dadurch ist bei späteren Etiketten stets zu unterscheiden:
  • persönliches Wappen Christoph Freiherr von Drecoll,
  • Firmenzeichen des Wiener Hauses Drecoll,
  • Etiketten der Berliner, Pariser oder sonstigen Drecoll-Nachfolgefirmen,
  • Hoflieferantenwappen als Auszeichnung für Lieferbeziehungen.

Etiketten und die darauf vorkommenden Wappen

Nach den bisher vorliegenden Bildhinweisen gibt es mehrere interessante Etiketten:

 

1. Berliner Label mit Drecoll-Wappen

Ein Berliner Etikett zeigt offenbar das Drecoll-Wappen und nennt Drecoll als „kgl. Port. Hoflieferant“. Das wäre ein sehr wichtiger Hinweis, weil hier möglicherweise nicht nur das Familienwappen, sondern auch ein konkreter Hoflieferantenstatus sichtbar wird. Da der Bildscan hier nicht in auswertbarer Qualität vorliegt, sollte diese Angabe noch durch ein besseres Foto oder eine Druckquelle abgesichert werden.

 

2. Wiener Label mit zwei fremden Wappen

Für die Wiener Zeit wird ein Label erwähnt, das nicht das Drecoll-Wappen, sondern zwei andere Wappen zeigt. Eines davon wird als Wappen des Königreichs Italien angesprochen. Das zweite ist nach den bisherigen Angaben auch mit guten Augen kaum sicher zu erkennen. Die Vermutung, es könne mit dem alten Königreich Sardinien zusammenhängen, ist interessant, bleibt aber vorerst eine Hypothese. Gerade hier wäre ein hochauflösender Scan hilfreich.

 

3. Pariser Etikett mit „Wappen der Stadt Wien“

Bei einem Pariser Etikett wird unterhalb offenbar auf das „Wappen der Stadt Wien“ verwiesen. Das gezeigte Wappen soll aber nicht dem heute geläufigen einfachen roten Schild mit weißem Kreuz entsprechen, sondern dem älteren Wiener Wappen mit Adler bzw. Doppeladler. Das passt grundsätzlich zur Geschichte des Wiener Stadtwappens: Das alte, reichere Wiener Wappen mit Adlertradition war bis 1925 in Gebrauch bzw. wurde in veränderter Form auch später nochmals verwendet.

Damit wäre das Etikett nicht unbedingt falsch, sondern könnte sehr bewusst das ältere, repräsentativere Wiener Stadtwappen verwendet haben – vielleicht, weil es international stärker nach „kaiserlichem Wien“ aussah.

 

Portrait und Orden

Ein Portrait Christoph Drecolls wird in „Sport & Salon“ vom 2. April 1904, Seite 9, genannt. Die Aufnahme stammt laut Hinweis vom bekannten k. u. k. Hof-Atelier „Adele“ in Wien. Dazu soll dort auch ein längerer, schmeichelhafter Bericht über sein Wiener Etablissement erschienen sein.

Der auf dem Portrait sichtbare Orden ist bisher nicht sicher identifiziert. Im Forum wurde ein lateinisches, leicht geschwungenes Kreuz beschrieben, vielleicht in Richtung Dannebrog-Orden oder päpstlicher Auszeichnung. Eine andere Vermutung nennt das Ritterkreuz des königlich sächsischen Albrechtsordens II. Klasse. Diese Identifikation bleibt offen, solange kein schärferer Ausschnitt des Ordens vorliegt.



Ebenfalls genannt wurde eine Aufnahme des „blauen Salons“ von Drecoll, vermutlich Wien um 1905, aus „Sport & Salon“ vom 18. November 1905, Seite 6. Auch diese Quelle wäre für die Einordnung des Etablissements sehr interessant.

Adressbuch- und Zeitungsnachweise

Im Wiener Adressbuch von 1894 wurde nach Forumsangabe kein Inserat gefunden, wohl aber ein Eintrag:
DRECOLL Ch., Inh. Christof Drecoll,
Manteaux de cour, Robes, Manteaux, Amazones,
I. Kohlmarkt 7.
 

Gerade die Formulierung „Amazones“ ist hier bemerkenswert, da sie auf Reitkostüme verweist. Für die Frage nach Kaiserin Elisabeth und Reitkleidung wäre das ein schöner sachlicher Anknüpfungspunkt. Allerdings ersetzt der Adressbucheintrag noch keinen direkten Hoflieferanten- oder Kaiserinnenbeleg.

Für weitere Recherchen bieten sich besonders an:
  • Lehmanns Wiener Adressbuch, Jahrgänge 1877 bis 1895,
  • Sport & Salon, besonders 2. April 1904 und 18. November 1905,
  • Wiener Zeitung,
  • Fremden-Blatt,
  • Neue Freie Presse,
  • Illustriertes Wiener Extrablatt,
  • Hof- und Staatshandbücher,
  • Hoflieferantenverzeichnisse,
  • Mode- und Gesellschaftsblätter mit Anzeigen.

Vorläufiges Ergebnis

Die Ausgangsfrage kann daher vorläufig mit Ja beantwortet werden:

Es gibt ein belegtes Wappen Christoph Freiherrn von Drecolls. Die Wappenbeschreibung lautet sinngemäß: durch goldenen Schräglinksbalken geteilt, oben rot ledig, unten in Blau auf grünem Boden ein natürlicher Hirsch; dazu die Freiherrenkrone. Der Nachweis findet sich im Gothaischen Genealogischen Taschenbuch der freiherrlichen Häuser 1899.

Noch nicht abschließend geklärt sind:
  • ob es eine farbige Originalzeichnung des Wappens aus dem Diplom oder einer Wappenrolle gibt,
  • ob das auf dem Berliner Label verwendete Wappen exakt diesem Familienwappen entspricht,
  • welcher Hof mit „kgl. Port. Hoflieferant“ gemeint ist und ob dazu ein amtlicher Nachweis existiert,
  • welche beiden Wappen auf dem Wiener Label tatsächlich gezeigt werden,
  • ob das zweite Wappen neben Italien wirklich Sardinien oder etwas anderes darstellt,
  • welcher Orden auf dem Portrait von 1904 getragen wird,
  • ob der Hinweis auf Reitkostüme für Kaiserin Elisabeth durch eine Rechnung, Hoflieferantenliste, Anzeige oder zeitgenössischen Bericht belegbar ist.

Fragen an die Runde
  • Hat jemand Zugriff auf eine bessere Abbildung des Berliner Drecoll-Labels mit dem Wappen und dem Hinweis „kgl. Port. Hoflieferant“?
  • Ist die Quelle „Drecoll, W. (1898)“ genauer bestimmbar? Handelt es sich um eine Wappenrolle, einen Adelsakt, eine gedruckte Sammlung oder eine Notiz aus einem genealogischen Werk?
  • Kann jemand den betreffenden Eintrag im Gothaischen Taschenbuch der freiherrlichen Häuser 1899 mit Seitenzahl und Scan bestätigen?
  • Gibt es im Österreichischen Staatsarchiv, im Haus-, Hof- und Staatsarchiv oder in sachsen-meiningischen Akten einen Adels- oder Freiherrenakt zu Drecoll?
  • Findet sich Drecoll in einem portugiesischen Hoflieferantenverzeichnis oder in einem portugiesischen Hofkalender?
  • Kann jemand das zweite Wappen auf dem Wiener Label identifizieren?
  • Kann jemand den Orden auf dem Portrait in „Sport & Salon“ vom 2. April 1904 sicher bestimmen?
  • Hat jemand einen direkten zeitgenössischen Beleg für Drecolls Arbeiten für Kaiserin Elisabeth, insbesondere für Reitkostüme?

Quellen und Arbeitsverweise
Quellentreue

Die gesicherte heraldische Kernaussage beruht auf dem Gothaischen Genealogischen Taschenbuch 1899. Die Angaben zu den Labels, zum Portrait, zum blauen Salon und zum Hoflieferantenhinweis wurden aus den vorliegenden Forumsangaben übernommen und ausdrücklich als noch zu verifizierende Bild- bzw. Etikettenbefunde gekennzeichnet.
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