Wappen auf Zigarrenetui – wohl von Michaelis?

Wappen auf Zigarrenetui – wohl von Michaelis?

3 Wochen 3 Tage her
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Wappen auf Zigarrenetui – wohl von Michaelis, preußischer Adelstand 1786

Ein herzliches Hallo in die Runde!

Zur Diskussion steht ein Wappen auf einem offenbar lederbezogenen Zigarrenetui. Nach dem vorliegenden Bild handelt es sich um ein dunkel, vermutlich schwarz oder sehr dunkelblau, genarbtes Lederetui mit einer heraldischen Einlegearbeit aus gelblichem Metall – möglicherweise Messing, vergoldeter Draht oder eine vergleichbare Metallauflage. Das Stück wirkt handwerklich sauber gearbeitet und ist als Sammlerstück durchaus reizvoll. Eine sichere Material- oder Datierungsbestimmung ist anhand des Fotos allein aber nicht möglich.

1. Bildbefund

Auf dem Etui ist ein vollständiges Wappen mit Schild, Helm, Helmkrone, Helmzier und Decken zu erkennen.

Der Schild erscheint gespalten:
  • heraldisch rechts, also für den Betrachter links, eine Adler- bzw. Flügelfigur;
  • heraldisch links, also für den Betrachter rechts, ein aus der Teilung hervorkommender geharnischter Arm mit Schwert;
  • über dem Schild ein gekrönter Helm;
  • als Helmzier wiederum ein wachsender geharnischter Arm mit erhobenem Schwert;
  • reiche Helmdecken.

Damit handelt es sich nicht bloß um ein dekoratives Fantasiewappen, sondern um ein Wappenbild, das sich in der heraldischen Literatur wiederfinden lässt.

2. Zuordnung

Die bisherige Vermutung, es könne sich um das preußische Wappen der Familie von Michaelis handeln, erweist sich nach Prüfung als sehr plausibel.

Im Siebmacher wird bei Heinrich Wilhelm Michaelis, preußischer Capitän und Besitzer von Perscheln und Auklappen in Ostpreußen, der preußische Adelstand vom 3. Dezember 1786 genannt. Die dortige Wappenbeschreibung passt zum Wappen auf dem Etui:
Schild golden gerändert, von Silber und Blau gespalten; vorn der schwarze preußische Adlerflügel mit goldenem Kleestengel; hinten aus der Teilung hervorkommend ein silbern geharnischter Arm mit Schwert. Auf dem gekrönten Helm der Arm wachsend; Helmdecken blau-silbern.
 

Die Beschreibung wurde hier sprachlich modernisiert und aus den heraldischen Abkürzungen des Siebmacher aufgelöst.

 

3. Bewertung der bisherigen Angaben

Die zunächst naheliegende Vermutung, das Etui könne aus dem Besitz eines österreichisch-ungarischen Offiziers stammen, ist vom Stil des Objektes her verständlich. Die heraldische Zuordnung führt aber nicht nach Österreich-Ungarn, sondern nach Preußen. Das Wappen gehört nach der Literatur zur Familie von Michaelis.

Ob das Etui tatsächlich von einem Angehörigen dieser Familie getragen oder besessen wurde, ist damit noch nicht bewiesen. Das Wappen belegt zunächst nur die heraldische Zugehörigkeit bzw. die beabsichtigte Darstellung. Für eine persönliche Besitzerzuweisung bräuchte es weitere Hinweise wie Initialen, Monogramm, Herstellerzeichen, Rechnung, Nachlasszusammenhang oder Familienprovenienz.

4. Zur möglichen Personenzuordnung

In der Diskussion wurde als möglicher Besitzer der preußische Generalleutnant Hermann Friedrich Alexander von Michaelis genannt, geboren am 20. März 1813 in Perscheln, gestorben am 30. Mai 1890 in Gronau in Westfalen. Ebenfalls genannt wurde sein Sohn Hermann von Michaelis, geboren 1840, gestorben 1891, königlich preußischer Hauptmann und später Bürgermeister von Belgern in Sachsen.

Diese Zuordnung ist interessant, bleibt aber vorläufig eine Vermutung. Wenn das Etui tatsächlich erst um 1900 oder gar in die Zeit des Ersten Weltkriegs zu datieren wäre, kämen diese beiden Personen als unmittelbare Besitzer eher weniger in Frage. Dann müsste man eher an Nachkommen, Familienbesitz oder eine spätere Verwendung denken.

5. Quellenkritische Anmerkung zur Nobilitierung 1786 / 1808

In der bisherigen Diskussion wurde auf eine Nobilitierung am 3. Dezember 1786 und eine weitere am 2. April 1808 verwiesen. Diese Angaben begegnen in der Literatur und in neueren Zusammenfassungen zur Familie von Michaelis.

Für das konkrete Wappen auf dem Etui ist jedoch vor allem der Siebmacher-Eintrag zum Jahr 1786 einschlägig, da dort das gespaltene Wappen mit preußischem Adlerflügel und Schwertarm beschrieben wird und dieses mit dem Etui übereinstimmt.

Bei Michaelis ist allerdings Vorsicht geboten: In der älteren Wappenliteratur erscheinen auch abweichende Michaelis-Einträge, insbesondere ein geviertes Wappen, das nicht mit dem Etui übereinstimmt. Es ist daher quellentreu, das vorliegende Stück zunächst als Wappen von Michaelis, preußischer Adelstand 1786, anzusprechen. Die Einbindung der 1808er Nobilitierung sollte erst nach Prüfung der einschlägigen Adelsakte bzw. der Diplome endgültig formuliert werden.

6. Vorläufiges Ergebnis

Nach derzeitigem Stand lautet die wahrscheinlichste Identifikation:

Wappen der Familie von Michaelis, preußischer Adelstand vom 3. Dezember 1786.

Das Etui dürfte ein privates Gebrauchs- oder Repräsentationsstück eines Angehörigen oder Umfeldes dieser Familie gewesen sein. Eine Datierung in das späte 19. oder frühe 20. Jahrhundert erscheint vom Objekt her möglich, ist aber anhand des Fotos allein nicht beweisbar.

7. Offene Fragen an die Runde

Für eine genauere Einordnung wären folgende Punkte hilfreich:
  • Gibt es eine nachweisbare Verbindung zu Ostpreußen, insbesondere Perscheln oder Auklappen, oder zu preußischen Offiziersfamilien?
  • Hat jemand Zugriff auf die preußischen Adelsakten bzw. die Diplome zu Michaelis 1786 und 1808?

8. Quellen und Verweise
Fazit: Das Wappen auf dem Etui ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Wappen der preußischen Familie von Michaelis. Sicher belegbar ist die Übereinstimmung mit dem im Siebmacher beschriebenen Wappen zum preußischen Adelstand von 1786. Die konkrete Besitzerzuweisung des Etuis bleibt ohne zusätzliche Provenienzangaben offen.
 
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