Allianzwappen Schönburg–Ehrenfels?

Allianzwappen Schönburg–Ehrenfels?

3 Wochen 3 Tage her
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Allianzwappen Schönburg–Ehrenfels? – Abweichende Darstellung des Wappens der Freiherren von Ehrenfels

Liebe Mitforschende,

im vorliegenden Fall geht es um ein Allianzwappen, bei dem das rechte Wappen offenbar dem Haus Schönburg bzw. Schönburg-Rochsburg zuzuordnen ist. Gesucht wurde daher zunächst das linke freiherrliche Wappen.

Die bisherige Diskussion führte zu einer sehr plausiblen Identifikation: Beim linken Wappen dürfte es sich – trotz auffälliger Abweichungen in Farben und Figuren – um das Wappen der Freiherren von Ehrenfels handeln.

1. Ausgangspunkt der Überlegung

Wenn das rechte Wappen tatsächlich Schönburg ist, dann spricht die heraldische Anordnung für eine Eheverbindung, bei der eine Dame aus dem Hause Schönburg in die gesuchte freiherrliche Familie eingeheiratet hat.

Bei Allianzwappen steht üblicherweise das Wappen des Mannes heraldisch rechts, also für den Betrachter links, und das Wappen der Ehefrau heraldisch links, also für den Betrachter rechts. Das würde in diesem Fall bedeuten:
  • links aus Betrachtersicht: Wappen des Ehemannes,
  • rechts aus Betrachtersicht: Wappen der Ehefrau aus dem Hause Schönburg.

Eine Durchsicht der Schönburg-Allianzen führte schließlich zur passenden Verbindung:

Joseph Michael Judtmann / von Ehrenfels
vermählt 1790 zu Herrenmotschelnitz, Kreis Wohlau, Schlesien,
mit Magdalene Louise Gräfin von Schönburg-Rochsburg, geboren am 16. März 1762.

Damit erklärt sich die Kombination Ehrenfels–Schönburg sehr gut.

2. Die Familie Ehrenfels und die Standeserhebungen

Nach den herangezogenen Quellen erscheint Joseph Michael Judtmann zunächst als „von Ehrenfels“. Die genauere frühe Adelserhebung ist noch klärungsbedürftig, wird aber in der Literatur als vor bzw. um 1790 liegend angegeben.

Gesichert genannt werden später:
  • königlich sächsischer Freiherrenstand, Dresden, 16. Juni 1819,
  • österreichischer Freiherrenstand, Verona bzw. Diplom Wien, 25. November 1822,
  • Aufnahme in den niederösterreichischen Herrenstand, Wien, 25. Januar 1823.

Im Österreichischen Staatsarchiv ist dazu ein konkreter Akt nachweisbar:

AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 208.49 – Ehrenfels, Joseph Michael von, Freiherrenstand, 25.11.1822

Der Akt umfasst 28 Folien. Besonders wichtig: Das Wappen ist dort auf fol. 4 und fol. 12 vermerkt; laut Archivinformation existiert auch eine digitale Aufnahme des Wappens. Dieser Akt ist daher für die endgültige Klärung der Wappenfrage von zentraler Bedeutung.

3. Das offiziell überlieferte Ehrenfels-Wappen

Die in Gotha, Adelslexikon und Siebmacher überlieferte Wappenbeschreibung lautet sinngemäß:
  • Schild geviert,
  • im goldenen Herzschild eine natürliche Biene,
  • Feld 1 und 4: in Grün auf drei spitzigen grauen Felsen eine flugbereite silberne Nachteule,
  • Feld 2 und 3: in Blau eine goldene Lilie,
  • über dem Schild die Freiherrenkrone,
  • als Helmzier unter anderem drei Straußenfedern zwischen offenem Flug.

Die Biene passt inhaltlich sehr gut zu Joseph Michael von Ehrenfels, der als bedeutender Agrarfachmann, Imker und Förderer der Bienenzucht bekannt wurde. Er wird in der Literatur nicht zufällig als „Bienenvater Österreichs“ bezeichnet.

4. Das Problem: Abweichungen beim vorliegenden Allianzwappen

Gerade an dieser Stelle wird der Fund spannend. Das vorliegende Allianzwappen scheint nämlich in mehreren Punkten von der gedruckten bzw. amtlichen Überlieferung abzuweichen:
  • Im Herzschild scheint kein Bienenmotiv, sondern ein Adler dargestellt zu sein.
  • Der Vogel in Feld 1 und 4 wirkt offenbar nicht eindeutig wie eine Eule.
  • Die Farben scheinen abzuweichen: beim Artefakt wohl Feld 1 und 4 rot, Feld 2 und 3 silbern; bei Siebmacher dagegen Feld 1 und 4 grün, Feld 2 und 3 blau.

Diese Abweichungen dürfen nicht einfach übergangen werden. Sie können verschiedene Ursachen haben:
  • eine freie oder fehlerhafte Ausführung durch den Wappenkünstler,
  • eine spätere Familien- oder Gebrauchsvariante,
  • eine Fehlinterpretation einer Vorlage,
  • Verfärbung, Nachmalung oder Restaurierung des Artefakts,
  • oder eine heute noch nicht belegte Zwischenform des Wappens.

Trotz dieser Unterschiede spricht die Kombination mit Schönburg, die Schildstruktur und das Motiv des spitzen Felsens sehr deutlich für Ehrenfels.

5. Adler statt Biene?

Besonders auffällig ist der angebliche Adler im Herzschild. In den bisher geprüften gedruckten Quellen erscheint dort jedoch die Biene, nicht der Adler.

Die Deutung als „preußischer Adler“ wäre reizvoll, weil die Ehe 1790 in Herrenmotschelnitz in Schlesien geschlossen wurde. Dafür liegt bisher aber kein belastbarer Nachweis vor. Ebenso bleibt die Vermutung spekulativ, der Adler könne später aus politischer oder symbolischer Abneigung gegen Napoleon anstelle der Biene gesetzt worden sein.

Vorerst sollte man daher vorsichtig formulieren:

Das Artefakt zeigt möglicherweise einen Adler im Herzschild; die offiziellen Wappenbeschreibungen nennen jedoch eine Biene.

Entscheidend wäre hier ein scharfes Detailfoto oder der Vergleich mit dem Wappenbild im Adelsakt von 1822.

6. Zur Datierung des Artefakts

Die Freiherrenkrone mit sieben sichtbaren Perlen passt grundsätzlich zum freiherrlichen Rang. Daraus allein sollte jedoch keine zu enge Datierung abgeleitet werden.

Sicher ist: Wenn das Artefakt Joseph Michael von Ehrenfels als Freiherrn zeigt, kommt eine Entstehung jedenfalls erst nach der freiherrlichen Standeserhebung in Betracht, also nach 1819 bzw. im österreichischen Kontext besonders nach 1822.

Eine spätere Herstellung, etwa im 19. Jahrhundert, bleibt gut möglich.

7. Zur Frage der frühen Nobilitierung

Besonders interessant ist die Frage, ob Joseph Michael Judtmann tatsächlich im Zusammenhang mit der Ehe mit Magdalene Louise Gräfin von Schönburg-Rochsburg nobilitiert wurde.

Der Gedanke ist nicht abwegig: Eine Eheschließung zwischen einer Gräfin Schönburg und einem bürgerlichen Herrn Judtmann wäre gesellschaftlich problematisch gewesen. Eine Standeserhebung unmittelbar vor oder im Umfeld der Ehe könnte daher dem Zweck gedient haben, die Verbindung standesgemäß erscheinen zu lassen.

Beweisen lässt sich das derzeit aber nur durch den Adelsakt bzw. durch die Akten zur frühen Erhebung als „von Ehrenfels“.

Allgemein dürfte das Verfahren über ein Gesuch an die zuständige Hofstelle bzw. Hofkanzlei gelaufen sein. Dort wurden Person, Verdienste, Prädikat und Wappen geprüft; anschließend wurde die Angelegenheit dem Souverän zur Entscheidung vorgetragen. Ob im konkreten Fall die Familie Schönburg intervenierte oder ein eigenes Gesuch unterstützte, bleibt noch zu klären.

8. Korrektur zum Geburtsjahr Joseph Michael von Ehrenfels

Ältere Literatur nennt Joseph Michael von Ehrenfels meist mit dem Geburtsjahr 1767. Die neuere ÖBL-/ÖAW-Biographie korrigiert diese Angabe und nennt den 8. Dezember 1761 in Zwettl als Geburtsdatum des Joseph Judman.

Für die weitere Forschung empfiehlt es sich daher, beide Angaben sauber zu unterscheiden:
  • ältere genealogische Literatur: meist 1767,
  • neuere biographische Korrektur: 8. Dezember 1761.

9. Vorläufiges Fazit

Die beste Arbeitshypothese lautet derzeit:

Das linke Wappen des Allianzwappens gehört sehr wahrscheinlich zu Joseph Michael von Ehrenfels bzw. zur Familie der Freiherren von Ehrenfels. Das rechte Wappen verweist auf seine Ehefrau Magdalene Louise Gräfin von Schönburg-Rochsburg.

Die Abweichungen im Wappenbild – besonders Adler statt Biene, der unklare Vogel in Feld 1 und 4 sowie die anderen Farben – sind jedoch erklärungsbedürftig. Der wichtigste nächste Schritt ist daher der Vergleich mit dem Wappen im österreichischen Freiherrenakt von 1822.

10. Offene Fragen an die Runde
  • Liegt ein scharfes Detailfoto des linken Herzschildes vor? Ist dort eindeutig ein Adler zu erkennen, oder könnte es sich um eine stilisierte bzw. beschädigte Biene handeln?
  • Gibt es Fotos der Rückseite, Meistermarken, Besitzvermerke oder Hinweise auf Material und Technik des Artefakts?
  • Hat jemand Zugriff auf den Akt AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 208.49, besonders auf fol. 4 und fol. 12 mit dem Wappen?
  • Ist die frühe Erhebung Judtmanns als „von Ehrenfels“ vor 1790 in einem eigenen Diplom oder Akt belegbar?
  • Unter welchen Namensformen sollte weiter gesucht werden: Judman, Judmann, Judtmann, Ehrenfels?
  • Lässt sich die Trauung von 1790 in Herrenmotschelnitz kirchenbuchlich nachweisen, insbesondere mit Datum, Konfession, Trauzeugen und Titulatur?
  • Gibt es im Hausarchiv Schönburg oder in Rochsburger Unterlagen Hinweise auf die Eheanbahnung, den Konfessionswechsel oder eine mögliche Intervention zugunsten der Nobilitierung?
  • Ist eine ältere oder private Wappenvariante Ehrenfels mit Adler im Herzschild bekannt?
  • Können die abweichenden Farben des Artefakts durch Alterung, Nachmalung, Emailveränderung oder fehlerhafte Restaurierung erklärt werden?
  • Gibt es Vergleichsstücke von Allianzwappen Ehrenfels–Schönburg, etwa auf Porzellan, Silber, Exlibris, Siegeln, Grabdenkmälern oder Archivstücken?

Quellen und Hinweise
"IN OMNIBUS ORDO"

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