Wappen mit 3 brennenden Granaten

Wappen mit 3 brennenden Granaten

3 Wochen 3 Tage her
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Wappen mit drei brennenden Granaten auf einer Stuhllehne – Soppe, Bertele von Grenadenberg oder nur historistische Dekoration?

Liebe Mitforscherinnen und Mitforscher,

gesucht bzw. zu bestimmen ist ein Schild mit drei brennenden Granaten in der Stellung 2 : 1, angebracht auf einer Stuhllehne. Offen ist, ob es sich um ein wirkliches Familienwappen handelt oder lediglich um eine historistische Zierform, wie sie bei Ausstattungstücken der Gründerzeit beziehungsweise des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gelegentlich vorkommt.

1. Ausgangspunkt der Suche

Der gesuchte Schild zeigt offenbar drei Granaten, vermutlich brennend oder flammend, in der Anordnung 2 oben, 1 unten. Die Darstellung befindet sich auf einer Stuhllehne. Weitere Teile des Vollwappens, insbesondere Helm, Helmzier, Decken oder Devise, scheinen nicht vorhanden zu sein oder sind bislang nicht bekannt.

Gerade bei Möbeln ist daher Vorsicht geboten: Ein einzelner Schild kann ein echtes Familienwappen wiedergeben, er kann aber ebenso als allgemein „heraldisch“ wirkendes Dekor gewählt worden sein. Besonders militärisch anmutende Motive – Granaten, Schwerter, Lorbeer, Eichenlaub – wurden im Historismus gerne auch ohne genealogischen Bezug verwendet.

2. Naheliegender Treffer: Wilhelm Edler von Soppe

Der derzeit beste Treffer ist das Wappen des k. u. k. Generalmajors beziehungsweise späteren Feldmarschalleutnants Wilhelm Karl Bernhard Edler von Soppe.

Nach dem Österreichischen Staatsarchiv befindet sich der einschlägige Adelsakt im Allgemeinen Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten:

AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 923.7
Soppe, Wilhelm, Generalmajor, Kommandant der 7. Feldartilleriebrigade, systemmäßiger Adelsstand, „Edler von“, 1916–1917.

Im Archivdatensatz wird als allerhöchste Entschließung der 22. Juni 1916 und als Verleihungsdatum der 21. Jänner 1917 genannt. Das Wappen befindet sich im Akt auf fol. 4; eine digitale Aufnahme des Wappens ist laut ÖStA vorhanden.

Die aus dem Adelslexikon beziehungsweise dem Wiener Genealogischen Taschenbuch überlieferte Blasonierung lautet sinngemäß:
In Blau drei, 2 : 1 gestellte, flammende goldene Granaten; auf dem Helm mit blau-goldenen Decken pfahlweise ein goldbegriffenes Schwert zwischen offenem blauem Flug.
 

Damit passt das Hauptmotiv – drei flammende Granaten 2 : 1 – sehr gut zum gesuchten Schild, sofern auf dem Möbel tatsächlich der ganze Schild und nicht nur ein Ausschnitt eines größeren Wappens dargestellt ist.

Zur Person selbst: Wilhelm Karl Bernhard Edler von Soppe wurde am 17. Februar 1857 geboren und starb am 31. Mai 1932. Er wurde 1915 Generalmajor, 1918 Titular-Feldmarschalleutnant und noch 1918 wirklicher Feldmarschalleutnant; 1919 trat er in den Ruhestand.

3. Vergleichsfamilie: Bertele von Grenadenberg

Ein weiterer Hinweis betrifft die Familie Bertele von Grenadenberg. Auch dort kommen brennende Granaten im Wappen vor, allerdings nicht als alleiniger Schildinhalt.

Das Genealogische Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs, Jahrgang 1906/07, nennt die Erhebung des k. k. Grenadierhauptmanns Ferdinand Bertele durch Kaiserin Maria Theresia am 15. Mai 1773 in den österreichisch-erbländischen Adelstand mit dem Prädikat „von Grenadenberg“.

Das dort beschriebene Wappen ist geviert:
1 in Rot und 2 in Blau je ein einwärts gewendeter goldener Löwe, einen blanken Säbel schwingend;
3 in Blau drei (1 : 2) natürliche brennende Granaten;
4 in Rot ein ganz gepanzerter Krummarm, einen blanken Säbel haltend.
Auf dem gekrönten Turnierhelm mit rechts rot-goldenen und links blau-goldenen Decken der Krummarm mit dem Säbel wie in Feld 4.
Devise: PRAEMIUM LABORIS.
 

Für die gesuchte Stuhllehne ist Bertele von Grenadenberg daher nur dann ein Kandidat, wenn entweder nur ein einzelnes Feld aus dem Gesamtwappen übernommen wurde oder die Darstellung auf dem Möbel stark vereinfacht wurde. Gegen eine unmittelbare Gleichsetzung spricht, dass bei Bertele die Granaten im 3. Feld des gevierten Schildes stehen und dort in der Anordnung 1 : 2 beschrieben werden, während beim gesuchten Motiv offenbar 2 : 1 vorliegt.

Ergänzend: Im Inhaltsverzeichnis der Mitteilungen des ADLER ist ein Beitrag von Hans Jäger-Sunstenau „Bertele von Grenadenberg“ in MBA 11, Heft 31/32, 1933, S. 317 nachgewiesen. Dieser Beitrag wäre als nächste Literaturstelle zu prüfen.

4. Vorläufige Bewertung

Nach derzeitigem Stand ergeben sich drei Möglichkeiten:
  • Soppe ist der stärkste heraldische Treffer, wenn der Schild tatsächlich drei brennende Granaten 2 : 1 zeigt und der Schild ursprünglich blau mit goldenen Granaten war.
  • Bertele von Grenadenberg ist als Vergleich wichtig, aber weniger wahrscheinlich, sofern auf der Stuhllehne wirklich nur ein ganzer Schild mit drei Granaten dargestellt ist.
  • Reine Ausstattung / Dekor bleibt möglich, besonders wenn keine Farben, keine Helmzier, keine Initialen, keine Devise und keine Besitzgeschichte vorhanden sind.

Granaten waren in der Heraldik, besonders bei militärisch verdienten Personen, ein naheliegendes Motiv. Der Name „Grenadenberg“ bei Bertele ist zudem sprechend beziehungsweise an den militärischen Hintergrund des Grenadierhauptmanns anschlussfähig. Bei Soppe passt das Motiv ebenfalls sehr gut zum Artillerie- und Militärkontext.

5. Was zur sicheren Bestimmung noch fehlt

Für eine belastbare Zuordnung wären folgende Punkte hilfreich:
  1. Provenienz: Aus welchem Haus, Schloss, Gut, Nachlass oder Antiquitätenhandel stammt das Stück?
  2. Gibt es weitere Möbelstücke derselben Garnitur mit anderen Wappen, Initialen oder Monogrammen?
  3. Wurde das Möbel in Österreich, Böhmen/Mähren, Ungarn, Kroatien-Slawonien, Deutschland oder Großbritannien erworben?

6. Konkrete nächste Rechercheschritte
  • Einsicht beziehungsweise Bestellung der digitalen Wappenaufnahme zu AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 923.7 Soppe, fol. 4, zum direkten Bildvergleich.
  • Prüfung des Wiener Genealogischen Taschenbuchs 1927/28 auf den Artikel Soppe.
  • Prüfung des Beitrags Hans Jäger-Sunstenau, „Bertele von Grenadenberg“, in MBA 11, Heft 31/32, 1933, S. 317.
  • Abgleich mit Siebmacher und einschlägigen Wappenrollen auf weitere Familien mit drei brennenden Granaten 2 : 1.
  • Falls das Möbel aus Großbritannien stammt: Abgleich mit britischen Wappen mit „flaming grenades“, da das Motiv dort ebenfalls vorkommt.

7. Quellen und Hinweise
  • Österreichisches Staatsarchiv, Archivinformationssystem: AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 923.7, Soppe, Wilhelm, Generalmajor, Kommandant der 7. Feldartilleriebrigade, systemmäßiger Adelsstand „Edler von“, 1916–1917.
  • Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918, Österreichisches Staatsarchiv, 2007.
  • Genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser Österreichs, 1906/07, Artikel Bertele von Grenadenberg.
  • Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER, MBA 11, Heft 31/32, 1933, S. 317: Hans Jäger-Sunstenau, „Bertele von Grenadenberg“.
  • Allgemeiner heraldischer Vergleich: Granate als Wappenfigur, besonders bei militärisch geprägten Wappenschöpfungen des 18. und 19. Jahrhunderts.

Frage an die Runde:

Außerdem wäre interessant, ob jemand weitere Familienwappen mit drei brennenden Granaten in der Stellung 2 : 1 kennt, die nicht nur als Feld eines gevierten Wappens, sondern als alleiniger Schildinhalt geführt wurden.
"IN OMNIBUS ORDO"

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