Funeralwappen in der Sammlung ADLER – heraldische Memorialkultur
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Funeralwappen in der Sammlung ADLER – heraldische Memorialkultur
4 Wochen 15 Stunden her
Funeralwappen in der Sammlung ADLER – heraldische Memorialkultur, Quellen und offene Identifizierungen
Die Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER besitzt eine Vielzahl wertvoller Sammlungen – von genealogischen Karteien über Ahnentafeln, Siegel, Parten und Urkunden bis hin zu heraldischen Originalen. Eine besonders eindrucksvolle, aber wohl noch zu wenig bekannte Sammlung ist jene der Funeralwappen.
Heute ergab sich – während ich auf den Rauchfangkehrer warten musste – die Gelegenheit, einzelne Bögen dieser Sammlung fotografisch zu dokumentieren. Manche dieser Stücke sind bis zu A1 groß. Solche Arbeiten sind nicht nur dekorativ, sondern zugleich heraldische, genealogische und kulturgeschichtliche Quellen ersten Ranges.
Worum geht es?
Unter Funeralwappen versteht man Wappendarstellungen, die mit Tod, Begräbnis, Totenmesse oder Memorialkultur verbunden sind. Je nach Zeit, Region und Verwendung können sie als gemalte Wappenblätter, Tafeln, Totenschilde, Schmuck am Katafalk oder Leichenwagen, auf Totenzetteln oder in anderen Formen des Totengedächtnisses begegnen.
Für die Genealogie und Heraldik sind sie besonders spannend, weil sie häufig Hinweise enthalten auf:
Die ADLER-Sammlung wird auf der ADLER-Webseite als Sammlung von etwa 50 großformatigen Wappendarstellungen, teils mit Namen und Sterbedaten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, beschrieben.
ADLER-Link
Der aktuelle ADLER-Beitrag zu den Funeralwappen ist laut Hinweis nur kurze Zeit frei zugänglich und später im internen Mitgliederbereich abrufbar:
Funeralwappen – ADLER
Ergänzender Sammlungsnachweis auf der ADLER-Webseite:
ADLER – Biographische Sammlungen / Funeralwappen-Sammlung
Fachliche Einordnung: Totenschild und Funeralwappen
Als grundlegende Literatur zur historischen Entwicklung der Totenschilde ist besonders zu nennen:
PILZ, Kurt: Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen. Das 14.–15. Jahrhundert, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1936–1939, S. 57–112.
Artikel- und PDF-Nachweis:
Kurt Pilz – Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen
Direktlink zum PDF / Scan:
PDF – Pilz, Der Totenschild in Nürnberg
Wichtig ist die begriffliche Unterscheidung: Nicht jedes Funeralwappen ist automatisch ein Totenschild im engeren Sinn. Der Totenschild ist eine besondere, historisch ausgeprägte Form des heraldischen Totengedächtnisses, besonders bekannt aus Nürnberg und anderen reichsstädtisch-patrizischen Zusammenhängen. Funeralwappen können aber breiter verwendet worden sein, etwa im Zusammenhang mit Begräbnisfeiern, Totenmessen, Katafalken, Leichenwagen oder gedruckten Memorialformen.
Ein konkretes Beispiel aus der ADLER-Sammlung
Bei einem Allianzwappen in der obersten Reihe ganz links, beschriftet mit den Initialen:
C.G.S.g.F.H.R.
und datiert 1860, dürfte es sich um folgendes Wappen handeln:
Clementine Gräfin Strassoldo, geborene Freiin Herbert-Rathkeal
auch: Clementina / Clementine Herbert von Rathkeal bzw. Rathkael
gestorben 5. April 1860.
Die Initialen lassen sich gut auflösen als:
Clementine Gräfin Strassoldo, geborene Freiin Herbert-Rathkeal
Die genealogischen Nachweise nennen Clementine, geborene Freiin von Herbert-Rathkeal, geboren 1786, gestorben am 5. April 1860, verheiratet seit 4. Oktober 1804 mit Karl Ferdinand Friedrich Graf Strassoldo, geboren 13. Mai 1775, gestorben 16. April 1834. Andere Nachweise führen sie als Clementina Constantia Herbert von Rathkeal, geboren 22. November 1786, gestorben 5. April 1860 in Baden bei Wien, verheiratet mit Karl Graf von Strassoldo-Villanova.
Quellen dazu:
Wurzbach / BLKÖ – Strassoldo, Genealogie
Universität Graz / Hammer-Purgstall-Edition – Anmerkung zu Clementine Herbert-Rathkeal und Strassoldo
Rodinný erb – Herbert von Rathkeal, genealogische Übersicht
Damit stimmen die wesentlichen Punkte zusammen:
Weitere Vergleichsbeispiele und Online-Bestände
Weitere Funeralwappen bzw. als solche verschlagwortete Objekte finden sich bei museum-digital:niederösterreich:
museum-digital:niederösterreich – Schlagwort Funeralwappen
Ein interessantes Vergleichsbeispiel bietet auch der Bestand der Sammlungen des Stiftes Heiligenkreuz. Dort werden Blätter beschrieben, die mit Tusche und Deckfarben auf Papier gemalt waren und wie Totenschilde bzw. Funeralwappen an Schnüren aufgehängt wurden:
Stift Heiligenkreuz – Sammlungen online / Bilddatenbank
Warum lohnt sich eine nähere Bearbeitung?
Die ADLER-Funeralwappen könnten, systematisch erschlossen, für mehrere Forschungsbereiche wertvoll sein:
Vorschlag für eine künftige Erfassung
Für jedes Funeralwappen wäre ein kurzer Standarddatensatz sinnvoll:
Offene Fragen an das Forum
Quellen und Links
ADLER – Funeralwappen:
www.gesellschaftadle...eralwappen
ADLER – Sammlungsübersicht mit Hinweis auf die Funeralwappen-Sammlung:
www.gesellschaftadle...iographien
Kurt Pilz – Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen:
ahnp.ub.uni-heidelbe...view/36881
Direktlink PDF:
journals.ub.uni-heid...6881/30537
museum-digital:niederösterreich – Funeralwappen:
noe.at.museum-digita..._id=107816
Stift Heiligenkreuz – Sammlungen online:
www.stift-heiligenkr...tlerinnen/
Wurzbach / BLKÖ – Strassoldo:
de.wikisource.org/wi...Genealogie
Universität Graz / Hammer-Purgstall-Edition:
gams.uni-graz.at/o:h...etter.6746
Herbert von Rathkeal – genealogische Übersicht:
www.rodinny-erb.cz/?...ert%2C382=
Die Heraldisch-Genealogische Gesellschaft ADLER besitzt eine Vielzahl wertvoller Sammlungen – von genealogischen Karteien über Ahnentafeln, Siegel, Parten und Urkunden bis hin zu heraldischen Originalen. Eine besonders eindrucksvolle, aber wohl noch zu wenig bekannte Sammlung ist jene der Funeralwappen.
Heute ergab sich – während ich auf den Rauchfangkehrer warten musste – die Gelegenheit, einzelne Bögen dieser Sammlung fotografisch zu dokumentieren. Manche dieser Stücke sind bis zu A1 groß. Solche Arbeiten sind nicht nur dekorativ, sondern zugleich heraldische, genealogische und kulturgeschichtliche Quellen ersten Ranges.
Worum geht es?
Unter Funeralwappen versteht man Wappendarstellungen, die mit Tod, Begräbnis, Totenmesse oder Memorialkultur verbunden sind. Je nach Zeit, Region und Verwendung können sie als gemalte Wappenblätter, Tafeln, Totenschilde, Schmuck am Katafalk oder Leichenwagen, auf Totenzetteln oder in anderen Formen des Totengedächtnisses begegnen.
Für die Genealogie und Heraldik sind sie besonders spannend, weil sie häufig Hinweise enthalten auf:
- Namen und Initialen des oder der Verstorbenen
- Sterbedaten oder Todesjahre
- Rang, Titel, Prädikate und Familienzugehörigkeit
- Allianzwappen und damit Eheverbindungen
- Wappenvarianten, Beizeichen und heraldische Sonderformen
- Repräsentations- und Begräbniskultur adeliger, geistlicher oder patrizischer Familien
Die ADLER-Sammlung wird auf der ADLER-Webseite als Sammlung von etwa 50 großformatigen Wappendarstellungen, teils mit Namen und Sterbedaten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, beschrieben.
ADLER-Link
Der aktuelle ADLER-Beitrag zu den Funeralwappen ist laut Hinweis nur kurze Zeit frei zugänglich und später im internen Mitgliederbereich abrufbar:
Funeralwappen – ADLER
Ergänzender Sammlungsnachweis auf der ADLER-Webseite:
ADLER – Biographische Sammlungen / Funeralwappen-Sammlung
Fachliche Einordnung: Totenschild und Funeralwappen
Als grundlegende Literatur zur historischen Entwicklung der Totenschilde ist besonders zu nennen:
PILZ, Kurt: Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen. Das 14.–15. Jahrhundert, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1936–1939, S. 57–112.
Artikel- und PDF-Nachweis:
Kurt Pilz – Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen
Direktlink zum PDF / Scan:
PDF – Pilz, Der Totenschild in Nürnberg
Wichtig ist die begriffliche Unterscheidung: Nicht jedes Funeralwappen ist automatisch ein Totenschild im engeren Sinn. Der Totenschild ist eine besondere, historisch ausgeprägte Form des heraldischen Totengedächtnisses, besonders bekannt aus Nürnberg und anderen reichsstädtisch-patrizischen Zusammenhängen. Funeralwappen können aber breiter verwendet worden sein, etwa im Zusammenhang mit Begräbnisfeiern, Totenmessen, Katafalken, Leichenwagen oder gedruckten Memorialformen.
Ein konkretes Beispiel aus der ADLER-Sammlung
Bei einem Allianzwappen in der obersten Reihe ganz links, beschriftet mit den Initialen:
C.G.S.g.F.H.R.
und datiert 1860, dürfte es sich um folgendes Wappen handeln:
Clementine Gräfin Strassoldo, geborene Freiin Herbert-Rathkeal
auch: Clementina / Clementine Herbert von Rathkeal bzw. Rathkael
gestorben 5. April 1860.
Die Initialen lassen sich gut auflösen als:
Clementine Gräfin Strassoldo, geborene Freiin Herbert-Rathkeal
Die genealogischen Nachweise nennen Clementine, geborene Freiin von Herbert-Rathkeal, geboren 1786, gestorben am 5. April 1860, verheiratet seit 4. Oktober 1804 mit Karl Ferdinand Friedrich Graf Strassoldo, geboren 13. Mai 1775, gestorben 16. April 1834. Andere Nachweise führen sie als Clementina Constantia Herbert von Rathkeal, geboren 22. November 1786, gestorben 5. April 1860 in Baden bei Wien, verheiratet mit Karl Graf von Strassoldo-Villanova.
Quellen dazu:
Wurzbach / BLKÖ – Strassoldo, Genealogie
Universität Graz / Hammer-Purgstall-Edition – Anmerkung zu Clementine Herbert-Rathkeal und Strassoldo
Rodinný erb – Herbert von Rathkeal, genealogische Übersicht
Damit stimmen die wesentlichen Punkte zusammen:
- die Initialen C.G.S.g.F.H.R.
- das Todesjahr 1860
- die Verbindung Strassoldo / Herbert-Rathkeal
- der Charakter als Allianzwappen
Weitere Vergleichsbeispiele und Online-Bestände
Weitere Funeralwappen bzw. als solche verschlagwortete Objekte finden sich bei museum-digital:niederösterreich:
museum-digital:niederösterreich – Schlagwort Funeralwappen
Ein interessantes Vergleichsbeispiel bietet auch der Bestand der Sammlungen des Stiftes Heiligenkreuz. Dort werden Blätter beschrieben, die mit Tusche und Deckfarben auf Papier gemalt waren und wie Totenschilde bzw. Funeralwappen an Schnüren aufgehängt wurden:
Stift Heiligenkreuz – Sammlungen online / Bilddatenbank
Warum lohnt sich eine nähere Bearbeitung?
Die ADLER-Funeralwappen könnten, systematisch erschlossen, für mehrere Forschungsbereiche wertvoll sein:
- Heraldik: Wappenformen, Allianzwappen, Rang- und Würdezeichen, Varianten.
- Genealogie: Identifizierung von Personen, Eheverbindungen, Sterbedaten.
- Adels- und Elitenforschung: Repräsentationskultur, Titelführung, Familiennetzwerke.
- Kunst- und Materialgeschichte: Format, Technik, Träger, Erhaltung, Hängespuren.
- Sepulkralkultur: Begräbnisriten, Katafalk- und Kirchenraumgestaltung, Totengedächtnis.
Vorschlag für eine künftige Erfassung
Für jedes Funeralwappen wäre ein kurzer Standarddatensatz sinnvoll:
- laufende Nummer / Signatur
- Foto
- Maße
- Material und Technik
- vollständige Inschrift / Initialen
- Blasonierung
- identifizierte Person
- Lebensdaten
- Ehepartner / Allianzwappen
- vermutete Datierung
- Provenienz, soweit bekannt
- Erhaltungszustand
- Literatur- und Quellenhinweise
Offene Fragen an das Forum
- Kennt jemand weitere Literatur speziell zu Funeralwappen im österreichischen, böhmischen oder süddeutschen Raum?
- Gibt es Vergleichsstücke zu den ADLER-Wappen in Kirchen, Klöstern, Archiven oder Privatsammlungen?
- Sind weitere Initialen auf den ADLER-Bögen bereits identifiziert?
- Gibt es zu Clementine Gräfin Strassoldo, geb. Freiin Herbert-Rathkeal, Parten, Sterbematriken oder Begräbnisnachweise?
- Sind ähnliche Allianzwappen der Familien Strassoldo-Villanova und Herbert-Rathkeal bekannt?
- Welche Merkmale sprechen im Einzelfall eher für ein Funeralwappen im engeren Sinn, einen Totenschild oder ein Memorial-/Trauerwappen?
- Wer hätte Interesse, bei der Identifizierung einzelner ADLER-Funeralwappen mitzuwirken?
Quellen und Links
ADLER – Funeralwappen:
www.gesellschaftadle...eralwappen
ADLER – Sammlungsübersicht mit Hinweis auf die Funeralwappen-Sammlung:
www.gesellschaftadle...iographien
Kurt Pilz – Der Totenschild in Nürnberg und seine deutschen Vorstufen:
ahnp.ub.uni-heidelbe...view/36881
Direktlink PDF:
journals.ub.uni-heid...6881/30537
museum-digital:niederösterreich – Funeralwappen:
noe.at.museum-digita..._id=107816
Stift Heiligenkreuz – Sammlungen online:
www.stift-heiligenkr...tlerinnen/
Wurzbach / BLKÖ – Strassoldo:
de.wikisource.org/wi...Genealogie
Universität Graz / Hammer-Purgstall-Edition:
gams.uni-graz.at/o:h...etter.6746
Herbert von Rathkeal – genealogische Übersicht:
www.rodinny-erb.cz/?...ert%2C382=
"IN OMNIBUS ORDO"
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