Portemonnaie mit Wappen - Mayr-Melnhof?

Portemonnaie mit Wappen - Mayr-Melnhof?

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Abbildung: Portemonnaie mit vergoldeter Wappenauflage der Freiherren Mayr von Melnhof; Privatbesitz/Sammlung, Aufnahme des Einsenders.

Portemonnaie mit dem Freiherrenwappen Mayr von Melnhof

Das auf dem abgebildeten ledernen Portemonnaie angebrachte vergoldete Wappen lässt sich eindeutig der steirischen Industriellenfamilie Mayr von Melnhof zuordnen. Dargestellt ist nicht das ältere Adelswappen, sondern die nach der Erhebung in den Freiherrenstand geschaffene Wappenform.

Vom Leobener Gewerken zum Freiherrn

Begründer des gesellschaftlichen Aufstiegs war Franz Mayr von Melnhof (1810–1889), Sohn des Leobener Montanunternehmers Franz Mayr. Er entwickelte die vom Vater begründeten Eisenwerke in Donawitz weiter und errichtete auch eine Gussstahlfabrik in Kapfenberg. Damit gehörte er zu den bedeutenden steirischen Montanindustriellen des 19. Jahrhunderts.

Mit Diplom vom 4. Dezember 1859 wurde Franz Mayr von Kaiser Franz Joseph I. in den erblichen österreichischen Adelsstand erhoben und führte fortan den Namen Mayr Edler von Melnhof. 1867 wurde er zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrates ernannt. Im Jahre 1872 erfolgte schließlich die Erhebung in den Freiherrenstand.

Die Bezeichnung „Melnhof“ erinnert an den Melmayrhof bei Leoben-Judendorf, mit dem die Familie seit dem 18. Jahrhundert verbunden war.

Das Wappen auf dem Portemonnaie

Die Darstellung entspricht dem Freiherrenwappen von 1873.

Der Schild ist geviert und mit einem Herzschild belegt:

Über dem Schild erscheint die Freiherrenkrone; darüber der Helm mit einem offenen Flug und den zwischen den Flügeln aufsteigenden Kornähren.

Gerade die Kombination aus Strauß – Kornähren – Kammrad macht die Identifizierung nahezu unverwechselbar.

Der vermeintliche „Storch“ ist ein Strauß

Bei der kleinen Metallarbeit kann der langbeinige Vogel leicht für einen Storch gehalten werden. Heraldikgeschichtlich handelt es sich jedoch eindeutig um den Leobener Strauß.

Das Stadtwappen von Leoben zeigt seit dem Mittelalter einen Strauß mit zwei Hufeisen. Seine älteste bekannte Darstellung befindet sich auf einem Stadtsiegel von 1298. Nach mittelalterlicher Vorstellung konnte der Strauß Eisen verschlingen und verdauen. Damit wurde er für die durch Eisenhandel und Eisenverarbeitung geprägte Stadt Leoben zu einem geradezu idealen Wappentier.

Die Aufnahme dieses Motivs in das Wappen der Mayr von Melnhof war daher ausgesprochen sinnfällig: Franz Mayr war nicht nur in Leoben verwurzelt, sondern verdankte seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg gerade der steirischen Eisen- und Stahlindustrie.

Auch die übrigen Figuren lassen sich in diesem Zusammenhang lesen: Das Kammrad verweist unmittelbar auf Gewerbe und Industrie, während die Kornähren an die bäuerliche Herkunft der Familie erinnern.

Eine reduzierte Form des Freiherrenwappens

Das vollständige Freiherrenwappen war noch aufwendiger. Zu ihm gehörten zusätzlich zwei feuersprühende Panther als Schildhalter sowie der Wahlspruch
RECTE AGENDO SECURITAS

sinngemäß etwa: „Sicherheit durch rechtes Handeln“.

Auf einem kleinen Gebrauchsgegenstand wie dem vorliegenden Portemonnaie wurde auf Schildhalter und Devise verständlicherweise verzichtet. Übrig blieb ein kompaktes, aber heraldisch dennoch eindeutig bestimmbares Familienwappen.

Datierung des Stückes

Aus dem Wappen selbst ergibt sich ein wichtiger terminus post quem: Da die dargestellte Form erst mit dem Freiherrenstand beziehungsweise dem Freiherrenwappen von 1872/73 entstand, kann das Portemonnaie nicht älter sein.

Nach Material, Lederarbeit und der historistischen Ausführung der vergoldeten Wappenauflage erscheint eine Entstehung im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert plausibel. Eine genauere Datierung wäre allerdings nur anhand des gesamten Stückes – insbesondere Verschluss, Innenfutter, Beschläge und allfälliger Herstellerzeichen – möglich.

Das österreichische Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919 hob schließlich Adelstitel und Adelsprädikate auf. Die österreichischen Familienzweige führen seither den bürgerlichen Familiennamen Mayr-Melnhof. Das allein erlaubt jedoch keine sichere Datierung des Portemonnaies auf die Zeit vor 1919, da historische Familienwappen selbstverständlich auch später auf privaten Gegenständen weiterverwendet werden konnten.

Schlussbemerkung

Das Portemonnaie trägt zweifelsfrei das Freiherrenwappen Mayr von Melnhof. Besonders charakteristisch ist der Herzschild mit dem eisenfressenden Leobener Strauß und seinen beiden Hufeisen, flankiert von Kornähren und Kammrädern.

Damit ist das Stück nicht nur ein persönlicher Gebrauchsgegenstand, sondern zugleich ein kleines Zeugnis jener außergewöhnlichen Aufstiegsgeschichte, die im 19. Jahrhundert vom steirischen Bauern- und Gewerkenmilieu über die Montanindustrie bis in den österreichischen Freiherrenstand führte.

Quellen und Literatur
"IN OMNIBUS ORDO"

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