Portemonnaie mit Wappen - Aichelburg?
- USchu
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Portemonnaie mit Wappen - Aichelburg?
1 Tag 19 Stunden her - 1 Tag 19 Stunden herBild: Leder-Portemonnaie mit blindgeprägtem Familienwappen; Zuordnung nach heraldischem Vergleich.
Portemonnaie mit Wappen der Aichelburg?
Das auf dem abgebildeten ledernen Portemonnaie blindgeprägte Wappen lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der aus Kärnten stammenden Familie von und zu Aichelburg zuordnen.
Der entscheidende Hinweis: die Helmzier
Besonders charakteristisch ist die über dem Helm erscheinende männliche Figur. Sie hält die linke Hand in die Hüfte gestützt und erhebt mit der Rechten einen Zweig bzw. Ast.
Damit stimmt die Darstellung bemerkenswert genau mit dem alten Stammkleinod der Aichelburg überein. In den historischen heraldischen Beschreibungen wird die Figur mit dem heute erklärungsbedürftigen Fachausdruck „Mohr“ bezeichnet.
Das Stammwappen der Aichelburg wird beschrieben als gespalten: vorne in Gold eine männliche schwarze Figur mit weißem Lendenschurz, in der Rechten einen Zweig mit drei Eicheln haltend, die Linke in die Hüfte gestemmt; hinten mehrfach von Schwarz und Gold gespalten. Auf dem Helm erscheint dieselbe Figur wachsend.
Gerade die Kombination aus Körperhaltung und Zweig mit Eicheln ist für die Identifizierung wesentlich und stimmt mit der Prägung des Portemonnaies sehr gut überein.
Vom Viertaller zum „von und zu Aichelburg“
Als Stammvater gilt Christoph Viertaller, der um 1500 mit der Herrschaft Aichelburg im Kärntner Gailtal belehnt wurde. Die Fischnaler Wappenkartei der Tiroler Landesmuseen sowie die Zusammenstellung des Steiermärkischen Landesarchivs nennen eine am 4. Juni 1507 in Innsbruck durch Kaiser Maximilian I. erfolgte Adelsbestätigung; in anderen genealogischen Darstellungen wird bereits ein Bestätigungsakt vom 16. Februar 1501 angeführt. Offenbar werden hier verschiedene frühe Rechtsakte zur Belehnung, Namensführung und Adelsbestätigung unterschiedlich gewichtet.
Seit dem frühen 16. Jahrhundert führte das Geschlecht jedenfalls den Namen von und zu Aichelburg.
Das gemehrte Freiherrenwappen
Am 8. Oktober 1655 wurden Georg Christoph, Adam Seyfried und Maria Salome von und zu Aichelburg in den Freiherrenstand mit dem Prädikat
„von und zu Aichlburg auf Podenhof und Greiffenstein“
erhoben.
Mit dieser Standeserhöhung war eine Wappenmehrung verbunden. Das nunmehrige Wappen war geviert und mit dem alten Aichelburger Stammwappen als Mittelschild versehen. Hinzu kamen unter anderem der gekrönte Greif von Greifenstein, Schrägbalken mit Wecken sowie eine Zinnenmauer mit Turm. Das vollständige Freiherrenwappen führte drei Helme; auf dem mittleren Helm blieb die alte Aichelburger Figur mit dem Eichenzweig als unverwechselbares Stammkleinod erhalten.
Genau diese Helmzier begegnet auch auf unserem Portemonnaie.
Was zeigt die Prägung?
Der Lederschnitt bzw. die Blindprägung ist durch Gebrauch und Alter bereits etwas verflacht. Dennoch lassen sich erkennen:
- ein mehrfeldriger bzw. gemehrter Schild,
- Helm und umfangreiche Helmdecken,
- als Helmzier die wachsende männliche Figur,
- in deren erhobener Rechten ein verzweigtes Objekt – sehr wahrscheinlich der für Aichelburg typische Eichenzweig – erscheint,
- die linke Hand charakteristisch in die Hüfte gestützt.
Das vollständige, in Wappenbüchern wiedergegebene Freiherrenwappen besaß allerdings drei Helme. Auf dem Portemonnaie wurde offenbar eine vereinfachte Form des Familienwappens verwendet, bei der das besonders kennzeichnende Stammkleinod in den Mittelpunkt gerückt wurde. Solche Reduktionen waren bei Wappen auf kleinen persönlichen Gebrauchsgegenständen durchaus zweckmäßig.
Eine Verbindung zu Aichelburg-Labia?
1884 kam es für die Brüder Leopold und Franz Freiherren von Aichelburg zur österreichischen Namens- und Wappenvereinigung mit der venezianischen Familie Labia. Im entsprechenden Wappen wurde zusätzlich der gekrönte goldene Adler der Labia aufgenommen.
Ob das vorliegende Portemonnaie aus diesem Familienzweig stammt, lässt sich anhand der erhaltenen Prägung nicht sicher feststellen. Dafür müssten insbesondere Mittelschild und einzelne Schildfelder wesentlich deutlicher erkennbar sein.
Auch eine Zuweisung an eine konkrete Person der Familie wäre gegenwärtig spekulativ.
Schlussbemerkung
Die zunächst mit Fragezeichen vorgenommene Bestimmung „Aichelburg?“ ist heraldisch sehr plausibel.
Vor allem das charakteristische Stammkleinod – die männliche Figur mit erhobenem Eichenzweig und in die Hüfte gestützter linker Hand – bildet ein starkes Identifikationsmerkmal. In Verbindung mit dem offenbar gemehrten Schild spricht daher viel für ein Wappen der Freiherren von und zu Aichelburg bzw. einer ihrer Linien.
Für eine noch genauere Bestimmung wären Fotos der Innenseite, der Rückseite, des Verschlusses sowie eventuell vorhandener Initialen, Herstellerprägungen oder weiterer Zeichen hilfreich. Auch die Maße des Portemonnaies könnten bei einer zeitlichen Einordnung nützlich sein.
Quellen und Literatur:
[1] Tiroler Landesmuseen Ferdinandeum, Fischnaler Wappenkartei: Aichlburg/Aichelburg, Wappen-ID 225; unter Bezugnahme auf die Lehenregistratur des Tiroler Landesarchivs.
[2] Steiermärkisches Landesarchiv: Der landständische Adel des Herzogtums Steiermark, Art. AICHELBURG.
[3] Österreichisches Staatsarchiv, AVA Adel, HAA AR 5.10: Aichelburg (Aichlburg), Georg Christoph von und zu, Adam Seyfried und Maria Salome – Freiherrenstand „von und zu Aichlburg auf Podenhof und Greiffenstein“, Ebersdorf, 8. Oktober 1655.
[4] J. A. Tyroff: Wappenbuch der österreichischen Monarchie, Nürnberg 1831–1868: Wappen der Freiherren sowie der Grafen von Aichelburg.
[5] J. Siebmacher: Großes und allgemeines Wappenbuch, verschiedene Bände zum österreichischen, kärntnerischen, krainischen und niederösterreichischen Adel; Art. Aichelburg/Aichlburg.
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