Renobilitierungsakte Franz Hruschka – abgelehntes Adelsanerkennungsgesuch

Renobilitierungsakte Franz Hruschka – abgelehntes Adelsanerkennungsgesuch

4 Wochen 1 Tag her
#
Renobilitierungsakte Franz Hruschka – abgelehntes Adelsanerkennungsgesuch und fragliche Verbindung zu Hruschka von Priesen

GIRALDUS

Hallo zusammen,

im Zusammenhang mit den im ÖStA/Hofadelsakten erwähnten Unterlagen zu Franz Hruschka bin ich auf ein interessantes Adelsanerkennungs- bzw. Renobilitierungsverfahren gestoßen. Das dort genannte Gesuch wurde offenbar abgelehnt. Ich hatte mir die dazugehörige, 72 Seiten umfassende Akte aus dem Archiv in Prag als PDF zuschicken lassen.

Die Akte ist besonders interessant, weil darin genealogische Angaben auftauchen, die nach meiner Einschätzung nicht belastbar sind. Problematisch ist dabei nicht nur die behauptete Verbindung zu den adeligen Hruschka von Priesen, sondern auch die Genealogie dieser älteren Familie selbst, wie sie in manchen Zusammenstellungen erscheint.

Die 72seitige Akte ist hier einsehbar: www.dropbox.com/s/wk...a.pdf?dl=0

Eine von mir aus verschiedenen Ortschroniken zusammengestellte Stammfolge der adeligen Familie Hruschka von Priesen / Hruška z Března habe ich hier abgelegt:  wappen.weebly.com/hzb.html

Vorläufige Einordnung
Bei der Bearbeitung scheint mir zunächst eine klare Trennung zweier Komplexe notwendig:
  1. Die Familie des bekannten Franz Hruschka / Franz Edler von Hruschka, k. k. Major und Erfinder der Honigschleuder.
  2. Das ältere böhmische Adelsgeschlecht Hruška z Března, deutsch meist Hruschka von Priesen oder ähnlich wiedergegeben.
Zur Familie des bekannten Majors Franz Hruschka wird in biographischen Darstellungen angegeben, dass sie aus Schlesien stamme. Sein Vater Franz Ludwig Hruschka soll am 25. August 1787 in Bravantice / Brosdorf bei Wagstadt geboren worden sein, 1804 in die kaiserliche Armee eingetreten sein, 1818 Anna Simon geheiratet haben und 1848 in den Adel erhoben worden sein; er trat später als Oberstleutnant in den Ruhestand.

Franz Hruschka selbst wird in den einschlägigen biographischen Darstellungen als österreichischer Berufssoldat und Imker beschrieben. Er wurde 1819 in Wien geboren, verbrachte seine Kindheit in Budweis, diente später u. a. in Italien, wurde 1857 Major und trat 1865 in den Ruhestand. Bekannt wurde er durch die Vorstellung der Honigschleuder bei der 14. Wanderversammlung deutscher und österreichischer Imker in Brünn 1865.

Bemerkenswert ist allerdings bereits hier eine kleine Unsicherheit: Während eine deutschsprachige Darstellung den 13. März 1819 als Geburtsdatum nennt, gibt die Projektseite zum 150-jährigen Jubiläum der Honigschleuder den 13. Mai 1819 an. Das sollte bei Gelegenheit anhand des Wiener Taufbuches überprüft werden.

Die Hruška z Března / Hruschka von Priesen
Für das ältere böhmische Geschlecht Hruška z Března lässt sich zumindest der Besitzkontext im Raum Bitozeves / Witoseß belegen. Die offizielle Gemeindegeschichte von Bitozeves nennt Jan Hruška z Března als Käufer von Bitozeves samt Feste im Jahr 1506; die Familie habe den Besitz über 100 Jahre gehalten. Nach der Beteiligung am böhmischen Ständeaufstand 1618–1620 sei der Besitz des Tobiáš Hruška z Března konfisziert und 1623 an Adam von Herbersdorf verkauft worden.

Auch die zu Bitozeves gehörigen Orte Tatinná und Vidovle werden mit dieser Familie verbunden. Tatinná soll seit 1533 bis zu den nachweißenbergischen Konfiskationen im Besitz der Hruškové gewesen sein; Vidovle wird 1537 als Teil der Herrschaft Bitozeves genannt, die den Hruška z Března gehörte.

Damit ist die Existenz und lokale Bedeutung dieses böhmischen Adelsgeschlechts gut plausibel. Nicht automatisch bewiesen ist aber eine genealogische Verbindung der späteren schlesisch-militärischen Familie Hruschka zu dieser böhmischen Linie. Genau dieser Übergang scheint der kritische Punkt der Renobilitierungsakte zu sein.

Bewertung der Akte
Wenn die Akte tatsächlich ein abgelehntes Adelsanerkennungsgesuch betrifft, ist sie adelsgeschichtlich aus mehreren Gründen wertvoll:
  • Erstens zeigt sie, welche Belege im 19. Jahrhundert für eine Anerkennung älteren Adels vorgelegt wurden oder vorgelegt werden sollten.
  • Zweitens lässt sich an ihr gut untersuchen, wie Namensgleichheit, ähnliche Herkunftsangaben und ältere Besitztraditionen zu einer konstruierten oder zumindest unzureichend belegten Abstammung verdichtet werden konnten.
  • Drittens ist die Ablehnung selbst möglicherweise aufschlussreicher als ein bewilligtes Gesuch, weil sie erkennen lassen könnte, an welcher Stelle die Behörden den genealogischen Nachweis als nicht ausreichend betrachteten.
Nach dem bisherigen Stand wäre daher vorsichtig zu formulieren:
Eine Verbindung der Familie Franz Hruschka mit den Hruška z Března / Hruschka von Priesen ist nicht als erwiesen anzusehen. Die nachweisbare ältere böhmische Familie gehört in den Besitz- und Landadelkontext von Bitozeves, Tatinná und Vidovle. Die Familie des bekannten Majors Franz Hruschka wird hingegen in den greifbaren biographischen Angaben aus Schlesien, konkret Bravantice / Brosdorf, hergeleitet. Eine Brücke zwischen beiden Linien müsste durch lückenlose Kirchenbuch-, Landtafel-, Grundbuch- oder Militärquellen belegt werden.

Offene Punkte und Folgefragen
Mich würden besonders folgende Punkte interessieren:
  1. Wer ist der genaue Antragsteller der Renobilitierungsakte?
    Handelt es sich um Franz Hruschka selbst, um seinen Vater Franz Ludwig Hruschka oder um einen anderen gleichnamigen Namensträger?
  2. Welche genaue Signatur hat die Akte im ÖStA/Hofadelsaktenbestand bzw. im Prager Archiv?
    Eine präzise Archivsignatur wäre wichtig, damit die Akte dauerhaft zitierfähig bleibt.
  3. Was war der genaue Ablehnungsgrund?
    Wurde das Gesuch wegen fehlender Filiation, wegen unzureichender Urkunden, wegen einer falschen Stammreihe oder wegen mangelnder rechtlicher Kontinuität des Adels abgelehnt?
  4. Welche Stammreihe wurde im Gesuch behauptet?
    Besonders wichtig wäre die Stelle, an der die ältere Familie Hruška z Března mit der späteren Hruschka-Familie verbunden wird.
  5. Welche Beilagen enthält die Akte?
    Gibt es Abschriften von Tauf-, Trauungs- oder Sterbeeinträgen, Landtafelverweise, Wappenzeichnungen, Zeugnisse, Militärqualifikationslisten oder ältere Adelsbestätigungen?
  6. Ist die spätere bzw. anderweitige Nobilitierung von Franz Ludwig Hruschka 1848 gesondert nachweisbar?
    Falls ja: mit welchem Diplomdatum, welchem Prädikat, welcher Wappenbeschreibung und welchen begünstigten Nachkommen?
  7. Welche Ortschroniken bilden die Grundlage der Stammfolge Hruška z Března?
    Hier wäre ein Abgleich mit Landtafel-, Konfiskations- und Grundherrschaftsquellen sinnvoll, da gerade die Zeit um 1618–1625 für diese Familie entscheidend ist.
  8. Gibt es Einträge in Siebmacher, Doerr, Frank-Döfering oder den böhmischen Adelsmatrikeln, die diese Linie bestätigen oder korrigieren?
    Besonders interessant wäre, ob dort eine direkte Verbindung zur Familie des Majors Franz Hruschka überhaupt erwähnt wird.
Vorläufiges Fazit
Die Renobilitierungsakte zu Franz Hruschka ist offenbar ein schönes Beispiel dafür, wie vorsichtig man bei behaupteten Anschlüssen an ältere Adelsgeschlechter sein muss. Der Name Hruschka / Hruška allein reicht keinesfalls aus, um eine Abstammung von den Hruška z Března / Hruschka von Priesen anzunehmen.
Die ältere böhmische Familie ist im Raum Bitozeves gut greifbar; die später bekannte Familie des Majors Franz Hruschka scheint dagegen nach den zugänglichen biographischen Angaben aus einem schlesisch-militärischen Umfeld zu stammen. Ob zwischen beiden Linien tatsächlich ein genealogischer Zusammenhang besteht, müsste erst durch eine lückenlose Quellenkette bewiesen werden.

Quellen und Links
"IN OMNIBUS ORDO"

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Login Form