Hintergründe zum böhmischen Palatinatsadel

Hintergründe zum böhmischen Palatinatsadel

1 Monat 1 Woche her
#
Zum böhmischen Palatinatsadel und den Hintergründen einzelner Wappen- und Adelsverleihungen
 Im Zusammenhang mit dem böhmischen Palatinatsadel stellt sich zunächst die Frage, ob der gesamte Artikel von Gerd Hruska zu diesem Thema irgendwo online zugänglich ist oder ob ihn jemand in geeigneter Form zur Verfügung stellen kann.
 Giraldus weist darauf hin, dass seine eigene Zusammenstellung nur jene Fälle enthält, die er bislang ausfindig machen konnte. Es sei daher durchaus anzunehmen, dass weitere Wappen- und/oder Adelsverleihungen existieren. Besonders reizvoll sei für ihn die praktische Arbeit gewesen, die überlieferten Wappen nicht nur anhand der Blasonierungen zu kennen, sondern sie auch zeichnerisch umzusetzen und dadurch bildlich erfahrbar zu machen. Die Arbeit ist in Buchform gestaltet; auf den letzten Seiten befindet sich ein Inhaltsverzeichnis. Der Link zur PDF-Datei lautet:
www.dropbox.com/s/o5...n.pdf?dl=0
 Bereits das Vorwort scheint wichtige Hinweise zu enthalten. Besonders interessant wäre eine nähere Untersuchung der Hintergründe dieser Wappen- und Adelsverleihungen: Wer waren die betreffenden Comites palatini, auf welcher rechtlichen Grundlage handelten sie, und erfolgten die Verleihungen tatsächlich aufgrund besonderer Verdienste — oder nicht selten auch gegen Entrichtung einer entsprechenden Taxe? Offenbar könnten sich hierzu auch in Prager Archiven weiterführende Unterlagen finden lassen.
 Ein konkretes Beispiel bieten die Verleihungen durch Albrecht von Waldstein, besser bekannt als Wallenstein. Aus den Unterlagen seiner Hofkanzlei geht hervor, dass die betreffenden Personen selbst um die Verleihung ersuchten und vermutlich auch eine entsprechende Taxe zu entrichten hatten. In der genannten PDF wird dies auf Seite 136 behandelt.
 Auch bei anderen Trägern palatinischer Rechte lassen sich unterschiedliche Motivlagen erkennen. Bei Christian Theodor Schösser von Embleben handelte es sich bei den Begünstigten offenbar um gute Bekannte; im Falle eines Gemeindewappens dürfte der Wunsch vom Besitzer der betreffenden Ortschaft ausgegangen sein. Thomas Johann Pessina von Tschechorod wiederum scheint Personen mit Wappen bedacht zu haben, die ihm zuvor einen Gefallen erwiesen hatten. Die Beweggründe konnten also sehr verschieden sein und reichten offenbar von persönlicher Beziehung über lokale Repräsentationsinteressen bis hin zu förmlichen Gesuchen.
 Bei hochadeligen Palatinatsträgern wie Martinitz, Lazansky, Saarer oder Slawata ist anzunehmen, dass die Verleihungen ähnlich wie bei Wallenstein vielfach auf Antrag der jeweiligen Interessenten erfolgten. Ob und in welchem Umfang dabei Gebühren, Taxen oder andere Gegenleistungen eine Rolle spielten, wäre im Einzelfall anhand der archivalischen Überlieferung zu prüfen.
 Eine weitere, besonders wichtige Frage betrifft die adelsrechtliche Bewertung solcher Verleihungen. Hier wäre von Interesse, ob froe nähere Informationen zur rechtlichen Einordnung des Palatinatsadels besitzt. Der Eindruck drängt sich auf, dass diese Verleihungen eine Art Zwischenstellung einnahmen: Sie waren weder bloße private Wappenannahmen noch in jedem Fall mit landesherrlichen oder reichsrechtlichen Nobilitierungen im engeren Sinn gleichzusetzen. In diesem Sinne erscheinen sie adelsrechtlich als ein Phänomen, das nicht ohne Weiteres in die bekannten Kategorien eingeordnet werden kann.
 Auch familiengeschichtlich sind solche Verleihungen aufschlussreich. Im eigenen Fall soll die Auszeichnung angeblich darauf zurückgehen, dass ein Vorfahr dem General Graf Gallas bei Königgrätz mit Medizin und Kräutern beigestanden habe. Gerade solche Überlieferungen zeigen, wie eng persönliche Dienste, militärische Zusammenhänge, Patronage und symbolische Standeserhöhung miteinander verbunden sein konnten.
"IN OMNIBUS ORDO"

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Login Form