Pelcl: Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler

Pelcl: Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler

1 Woche 5 Tage her
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Pelcl: Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler – biographisches Quellenwerk des 18. Jahrhunderts

Eine für die böhmische und mährische Personen-, Adels-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte besonders interessante historische Quelle ist nun vollständig digital zugänglich:

František Martin Pelcl:
Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler, nebst kurzen Nachrichten von ihren Leben und Werken.
Prag, 1773–1777.

Onlinezugang:
e-rara – Digitalisat der Zentralbibliothek Zürich

Zum Autor

František Martin Pelcl, in deutschsprachigen Veröffentlichungen häufig auch Franz Martin Pelzel genannt, wurde 1734 in Reichenau an der Knieschna – dem heutigen Rychnov nad Kněžnou – geboren und starb 1801 in Prag.

Pelcl gehörte zu den bedeutenden böhmischen Historikern und Gelehrten der Aufklärungszeit. Er beschäftigte sich insbesondere mit der Geschichte, Literatur und Sprache der böhmischen Länder. Zeitweise wirkte er als Erzieher, Bibliothekar und Archivar in bedeutenden böhmischen Adelshäusern, unter anderem bei den Familien Sternberg und Nostitz. Später wurde er Professor für böhmische Sprache und Literatur an der Universität Prag.

Seine Schriften erschienen überwiegend in deutscher Sprache. Damit richtete er sich an das gebildete Publikum der Habsburgermonarchie und trug zugleich dazu bei, die historische und kulturelle Bedeutung Böhmens und Mährens stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Charakter und Aufbau des Werkes

Die bei e-rara zugängliche Ausgabe umfasst drei Teile aus den Jahren 1773 bis 1777. Das Werk verbindet:
  • Porträts beziehungsweise Abbildungen bedeutender Persönlichkeiten,
  • biographische Nachrichten,
  • Angaben zu Ausbildung und beruflichem Wirken,
  • Hinweise auf Ämter und gesellschaftliche Stellung,
  • Nachrichten über wissenschaftliche, literarische oder künstlerische Werke,
  • historische Beurteilungen aus der Sicht des späten 18. Jahrhunderts.

Es handelt sich somit um eine frühe biographische Sammeldarstellung bedeutender Persönlichkeiten aus Böhmen und Mähren. Pelcl berücksichtigt nicht nur Schriftsteller und Historiker, sondern auch Geistliche, Juristen, Ärzte, Naturforscher, Mathematiker, Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher und Angehörige des Adels.

Die einzelnen Lebensbeschreibungen sind nach heutigen Maßstäben meist knapp gehalten. Dennoch enthalten sie vielfach wertvolle Angaben, Hinweise auf ältere Literatur sowie zeitgenössische Bewertungen, die in späteren biographischen Lexika teilweise nicht mehr oder nur verkürzt übernommen wurden.

Erster Teil

Der erste Teil beginnt mit einer ausführlichen Abhandlung:

„Von der Aufnahme, dem Fortgange, und den Schicksalen der Wissenschaften und Künste in Böhmen“.

Pelcl versucht darin, die Entwicklung von Bildung, Wissenschaft und Kunst in den böhmischen Ländern historisch nachzuzeichnen.

Behandelt werden unter anderem:
  • Kaiser Karl IV., König von Böhmen,
  • Ernst von Pardubitz, der erste Erzbischof von Prag,
  • Cosmas von Prag,
  • Wilhelm Graf Slavata,
  • Bohuslaus Lobkowitz von Hassenstein,
  • Wenzel Hájek von Libočan,
  • Thomas Pešina von Čechorod,
  • Christoph Kyblin von Waffenburg,
  • Laurentius Span von Spanow,
  • Johannes Jessenius von Groß-Jessen,
  • Kaspar von Questenberg,
  • Hieronymus von Hirnheim,
  • Bohuslav Balbín,
  • Johannes Hus,
  • Hieronymus von Prag,
  • Johannes Marcus Marci von Kronland,
  • Jakob Johann Wenzel Dobrzensky von Nigroponte,
  • Johann Amos Comenius,
  • Karl Škréta,
  • Peter Brandl,
  • Jonathan Eybeschütz,
  • David Oppenheimer.

Bereits diese Auswahl zeigt, dass Pelcl konfessionelle, sprachliche und gesellschaftliche Grenzen überschritt. Katholische und protestantische Gelehrte, Geistliche verschiedener Orden, jüdische Gelehrte sowie Vertreter des Adels werden gemeinsam in eine böhmisch-mährische Geistes- und Kulturgeschichte eingeordnet.

Zweiter Teil – der gelehrte Adel in Böhmen und Mähren

Für die Adels-, Familien- und Bildungsgeschichte ist der zweite Teil von besonderem Interesse. Er beginnt mit der:

„Vorrede von dem gelehrten Adel in Böhmen und Mähren“.

Pelcl behandelt darin das Verhältnis zwischen adeliger Herkunft, Bildung, wissenschaftlicher Betätigung und öffentlichem Wirken. Die Vorrede ist eine interessante Quelle für das Selbstverständnis des gebildeten Adels im 18. Jahrhundert.

Unter den dargestellten Persönlichkeiten finden sich unter anderem:
  • Jan Dubravius, Bischof von Olmütz,
  • Maximilian Rudolf Freiherr von Schleinitz, erster Bischof von Leitmeritz,
  • Georg Barthold Pontanus von Breitenberg,
  • Wenzel Wratislaw Graf von Mitrowitz,
  • Karl Freiherr von Zierotin,
  • Matthäus Collinus von Choterina,
  • Paul Stránský,
  • Franz Anton Graf von Sporck,
  • Wenzel Hollar,
  • Johann Ferdinand Schor,
  • Johann Thomas de Concordia,
  • Johann Ferdinand Maximilian Brokoff,
  • Kilian Ignaz Dientzenhofer,
  • Franz Tuma.

Neben geistlichen und weltlichen Amtsträgern werden somit auch Künstler, Architekten, Bildhauer, Kupferstecher und Musiker berücksichtigt.

Dritter Teil

Der dritte Teil setzt die Reihe mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen und Berufsgruppen fort. Enthalten sind unter anderem:
  • Beneš Krabice von Weitmühl,
  • Paul Žídek,
  • Sigismund Gelenius,
  • Thomas Jordan von Klausenburg,
  • Daniel Adam von Veleslavín,
  • Thaddaeus Hagecius von Hayek,
  • Johann Gryllus von Gryllowa,
  • Georg Carolides von Karlsberg,
  • Elisabeth Johanna Westonia,
  • Wenzel Budovec von Budov,
  • Christoph Harant von Polschitz und Weseritz,
  • Jakob Horčický von Tepenec,
  • Johann Heinrich Proskowsky von Krohenstein,
  • Johann Jakob Weingarten von Weingarten,
  • Johann Franz Loew von Erlsfeld,
  • Johann Kupetzky,
  • Anton Kern,
  • Johann Baptist Bohadsch,
  • Prokop Diviš,
  • Joseph Freiherr von Petrasch.

Gerade für die Adelsgeschichte fallen die zahlreichen Namensformen mit Herkunftsprädikaten auf. Allerdings ist zu beachten, dass die Schreibweisen des 18. Jahrhunderts von den heute gebräuchlichen deutschen oder tschechischen Namensformen erheblich abweichen können.

Nutzen für genealogische und adelshistorische Forschungen

Das Werk ist kein genealogisches Handbuch im engeren Sinn. Es bietet also gewöhnlich keine geschlossenen Stammreihen oder vollständigen Nachfahrentafeln. Dennoch kann es genealogisch sehr wertvoll sein.

Mögliche Anhaltspunkte sind:
  • Geburts- und Sterbeorte,
  • ungefähre oder genaue Lebensdaten,
  • Eltern oder familiäre Herkunft,
  • Ausbildungsorte und Universitäten,
  • geistliche und weltliche Ämter,
  • Adelsprädikate und historische Namensformen,
  • Dienstverhältnisse zu Fürsten, Bischöfen oder adeligen Familien,
  • Mitgliedschaften in Orden und geistlichen Gemeinschaften,
  • Besitz-, Orts- und Herrschaftsbezüge,
  • Literatur- und Werkangaben.

Besonders hilfreich kann Pelcls Werk bei Personen sein, deren Familien im böhmischen oder mährischen Adel vertreten waren, deren historische Bedeutung jedoch vor allem auf wissenschaftlichem, geistlichem oder künstlerischem Gebiet lag.

Die biographischen Artikel können außerdem als Ausgangspunkt für weitere Forschungen in folgenden Quellen dienen:
  • Kirchenmatriken,
  • Universitätsmatrikeln,
  • Ordens- und Klosterarchiven,
  • Adelsakten,
  • Landtafeln,
  • Lehensakten,
  • Hof- und Staatsschematismen,
  • Bibliotheks- und Archivkatalogen,
  • neueren biographischen Lexika.

Bedeutung für die Heraldik

Da viele behandelte Personen dem Adel angehörten oder mit einem Adelsprädikat genannt werden, ist das Werk auch für heraldische Recherchen von Interesse.

Die Porträts können fallweise Hinweise auf:
  • Wappen,
  • Siegelbilder,
  • Ordenszeichen,
  • Amtskleidung,
  • geistliche Insignien,
  • Standesattribute,
  • historische Namens- und Titelformen

liefern.

Allerdings dürfen abgebildete Wappen oder heraldische Elemente nicht ohne weitere Prüfung als rechtsverbindlicher Nachweis für die Wappenführung einer Familie angesehen werden. Eine Gegenprüfung in Adelsakten, Wappenbriefen, Siebmacher-Bänden, böhmischen Landtafeln oder anderen heraldischen Quellen bleibt erforderlich.

Zur Benutzung des Digitalisats

Die e-rara-Präsentation ist besonders benutzerfreundlich aufgebaut. Die drei Teile können entweder als Ganzes oder abschnittsweise aufgerufen werden. Die einzelnen Persönlichkeiten sind in der Inhaltsstruktur direkt verlinkt.

Auch die jeweiligen PDF-Dateien können aufgerufen werden. Dadurch ist es möglich, gezielt einzelne Biographien zu speichern oder für wissenschaftliche Zwecke mit genauer Seitenangabe zu zitieren.

Die historische Frakturschrift und die Schreibweise des 18. Jahrhunderts können anfangs etwas ungewohnt sein. Bei der Suche nach Personen sollte man unterschiedliche Varianten berücksichtigen, beispielsweise:
  • Pelcl – Pelzel,
  • Hagek – Hájek,
  • Slawata – Slavata,
  • Zierotin – Žerotín,
  • Screta – Škréta,
  • Kupeczky – Kupetzky,
  • Diwisch – Diviš.

Auch die Schreibweisen der Adelsprädikate sind nicht immer einheitlich. Ein Name kann in deutschen, lateinischen und tschechischen Formen erscheinen.

Quellenkritische Einordnung

Pelcls Werk ist selbst eine historische Quelle aus dem 18. Jahrhundert. Seine Angaben beruhen auf dem damaligen Forschungsstand und müssen daher kritisch geprüft werden.

Zu beachten sind insbesondere:
  • abweichende oder veraltete Namensschreibweisen,
  • gelegentlich ungenaue Lebensdaten,
  • zeitgenössische Wertungen und konfessionelle Sichtweisen,
  • nicht immer nachprüfbare ältere Überlieferungen,
  • Unterschiede zwischen historischer Tradition und heutiger Forschung,
  • mögliche Verwechslungen gleichnamiger Personen.

Die Darstellung sollte daher nicht als alleiniger Beweis für genealogische Abstammungen, Adelszugehörigkeit oder Wappenführung verwendet werden. Als zeitnahe biographische Quelle, als Wegweiser zu älteren Werken und als Dokument des böhmisch-mährischen Landespatriotismus der Aufklärungszeit besitzt sie jedoch erheblichen Wert.

Bibliographischer Hinweis

Der verlinkte Datensatz bei e-rara führt das Werk als mehrteilige Ausgabe:

Pelcl, František Martin:
Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler: nebst kurzen Nachrichten von ihren Leben und Werken.
Prag, 1773–1777.

Der erste Teil erschien 1773 bei Wolfgang Gerle. Der dritte Teil wurde 1777 bei Johann Karl Hraba, Buchdrucker der böhmischen Stände, gedruckt.

In einigen bibliographischen Verzeichnissen wird zusätzlich ein später erschienener vierter Teil aus dem Jahr 1782 angeführt. Dieser vierte Teil ist jedoch im hier verlinkten e-rara-Datensatz nicht enthalten. Der dort zugängliche Bestand umfasst die ersten drei Teile bis 1777.

Fazit

Pelcls Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler sind weit mehr als eine Sammlung historischer Porträts. Das Werk ist zugleich:
  • ein frühes biographisches Lexikon,
  • eine Geschichte von Wissenschaft und Kunst in Böhmen und Mähren,
  • eine Quelle zum Bildungsverständnis des Adels,
  • eine Sammlung historischer Namens- und Standesangaben,
  • ein Ausgangspunkt für genealogische, adelshistorische und heraldische Nachforschungen.

Besonders die Vorrede über den „gelehrten Adel in Böhmen und Mähren“ verdient eine nähere Auswertung. Sie zeigt, wie adelige Herkunft und wissenschaftliche beziehungsweise künstlerische Leistung im späten 18. Jahrhundert miteinander in Beziehung gesetzt wurden.

Fragen zur weiteren Diskussion
  1. Welche der bei Pelcl dargestellten adeligen Familien wurden bereits genealogisch näher untersucht?
  2. Enthalten einzelne Porträts erkennbare Wappen oder heraldische Attribute, die sich mit Wappenbüchern oder Adelsakten vergleichen lassen?
  3. Welche biographischen Angaben Pelcls wurden von der neueren Forschung bestätigt oder korrigiert?
  4. Lassen sich zu den erwähnten Personen Matriken, Universitätsmatrikeln oder Adelsakten digital auffinden?
  5. Welche Bedeutung hatte der „gelehrte Adel“ für die böhmische und mährische Landesgeschichtsschreibung?
  6. Besitzt jemand einen digitalen Zugang zum vierten Teil aus dem Jahr 1782 oder kann dessen genauer Inhalt ergänzt werden?
  7. Wäre eine alphabetische Liste sämtlicher in den drei Teilen behandelter Persönlichkeiten für weitere Forschungen hilfreich?

Quellen und weiterführende Zugänge
"IN OMNIBUS ORDO"

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