Digitale Bibliothek der Universität Innsbruck – historische Quellen aus Tirol

Digitale Bibliothek der Universität Innsbruck – historische Quellen aus Tirol

1 Woche 4 Tage her
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Digitale Bibliothek der Universität Innsbruck – historische Quellen aus Tirol und darüber hinaus

Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol stellt in ihrer Digitalen Bibliothek umfangreiche historische und wissenschaftliche Bestände kostenlos online zur Verfügung. Das Portal ist besonders für Forschungen zur Tiroler Landesgeschichte, Genealogie, Heraldik, Ortsgeschichte, Universitätsgeschichte und Kulturgeschichte interessant.

Direkter Zugang

Digitale Bibliothek – frühere Adresse

Das inzwischen modernisierte Portal ist auch unter folgender Adresse erreichbar:

ULB : Digital – Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Was enthält die Digitale Bibliothek?

Das Portal umfasst mehrere große Sammlungsbereiche:
  • Handschriften und alte Drucke
  • Zeitungen
  • Tirolensien
  • Periodika und Kataloge
  • Musikalien
  • Archivalien und Nachlässe
  • Zeichnungen und Grafiken
  • neuere historische Druckwerke

Bei einer Überprüfung im Juli 2026 waren im Portal insgesamt mehr als 6.000 thematisch erschlossene Titel nachgewiesen. Darunter befanden sich ungefähr 1.189 Titel aus dem Bereich „Handschriften und alte Drucke“, rund 70 Zeitungstitel, mehr als 2.130 Tirolensien, über 120 Periodika und Kataloge, rund 210 Musikalien sowie mehr als 230 Einheiten aus Archivalien und Nachlässen.

Da die Bestände laufend ergänzt werden, können sich diese Zahlen verändern.

Tirolensien – Literatur aus und über das historische Tirol

Für regional- und familiengeschichtliche Forschungen ist vor allem die Sammlung der Tirolensien bedeutsam. Darunter versteht die Bibliothek Literatur aus und über Tirol. Der geographische Rahmen beschränkt sich dabei nicht nur auf das heutige österreichische Bundesland Tirol, sondern umfasst grundsätzlich auch Südtirol und das Trentino und damit den historischen Tiroler Raum.

Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol sammelt als Landesbibliothek unter anderem:
  • Bücher und Broschüren über Tirol,
  • Orts- und Regionalgeschichten,
  • biografische und bibliografische Arbeiten,
  • historische Zeitschriften und Zeitungen,
  • wissenschaftliche Veröffentlichungen,
  • Werke Tiroler Autorinnen und Autoren,
  • Publikationen aus Südtirol und dem Trentino,
  • Handschriften, Autografen und Nachlässe.

Der gesamte Tirolensien-Bestand der Bibliothek umfasst nach Angaben der Universität rund 180.000 Stück. Jährlich kommen etwa 1.100 Pflichtexemplare sowie weitere gezielt erworbene Tirolensien hinzu. Besonders wertvolle und urheberrechtsfreie Werke werden nach und nach digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht.

Bedeutung für die genealogische Forschung

Für Familienforscher kann das Portal auf mehreren Ebenen hilfreich sein.

1. Orts- und Heimatkunden

Historische Ortsbeschreibungen, Gemeindegeschichten, Heimatbücher und landeskundliche Zeitschriften enthalten häufig Angaben über:
  • alteingesessene Familien,
  • Hof- und Hausnamen,
  • Grundbesitz,
  • Berufe und Gewerbe,
  • Pfarrer, Lehrer und Beamte,
  • Gemeindevorsteher und Bürgermeister,
  • Auswanderungen,
  • Unglücksfälle und Naturereignisse,
  • Gefallene und Kriegsteilnehmer,
  • Stiftungen und bedeutende Persönlichkeiten.

Solche Angaben ersetzen keine Kirchenbücher oder Personenstandsregister, können aber familiäre Zusammenhänge erklären und den historischen Lebensraum einer Familie sichtbar machen.

2. Historische Zeitungen

Die digitalisierten Zeitungsbestände können unter anderem enthalten:
  • Geburts-, Verlobungs-, Heirats- und Todesanzeigen,
  • Nachrufe,
  • Versteigerungs- und Besitzanzeigen,
  • Ernennungen und Beförderungen,
  • militärische Nachrichten,
  • Meldungen über Vereine und öffentliche Ämter,
  • Gerichts- und Konkursnachrichten,
  • Berichte über Jubiläen, Begräbnisse und gesellschaftliche Ereignisse.

Ein besonders umfangreiches Beispiel ist der „Bote für Tirol und Vorarlberg“, dessen einzelne Ausgaben nach Jahrgängen und Monaten aufgerufen werden können.

Bote für Tirol und Vorarlberg

Auch regionale Blätter wie der „Ausferner Bote“ oder das „Tiroler Gewerbeblatt“ können wertvolle Hinweise auf Personen, Familien, Unternehmen und lokale Ereignisse liefern.

3. Personen- und Vorlesungsverzeichnisse

Die digitalisierten Personal- und Vorlesungsverzeichnisse der Universität Innsbruck sind für die Erforschung von Professoren, Studenten, Beamten und Universitätsangehörigen besonders wertvoll.

Sie können unter anderem Auskunft geben über:
  • Namen und akademische Funktionen,
  • Fakultätszugehörigkeiten,
  • Lehrveranstaltungen,
  • berufliche Stationen,
  • Wohn- oder Dienstadressen,
  • zeitliche Aufenthalte in Innsbruck.

Personal- und Vorlesungsverzeichnisse der Universität Innsbruck

Gerade bei Personen, die nur einige Jahre in Innsbruck studierten oder lehrten, können diese Verzeichnisse wichtige zeitliche Lücken in einer Biografie schließen.

4. Familiengeschichten und genealogische Abhandlungen

Im Portal finden sich auch familiengeschichtliche Veröffentlichungen. Ein Beispiel ist:

Das Familienbuch der Grafen von Brandis

Derartige Werke können Stammfolgen, Besitzgeschichten, Heiratsverbindungen, Ämter, Lebensdaten und Hinweise auf archivalische Quellen enthalten. Wie bei jeder älteren genealogischen Literatur sollten die Angaben jedoch anhand von Originalquellen überprüft werden.

Bedeutung für die Heraldik

Auch für Heraldiker bietet die Digitale Bibliothek interessantes Material. In historischen Zeitschriften, landeskundlichen Werken, Familiengeschichten und Handschriften finden sich:
  • Abbildungen und Beschreibungen von Familienwappen,
  • Gemeinde- und Landeswappen,
  • Haus- und Hofzeichen,
  • Siegel,
  • Grabdenkmäler,
  • Wappen an Burgen, Ansitzen und Kirchen,
  • heraldische Aufsätze,
  • Hinweise auf Wappenverleihungen und Adelsfamilien.

Als Beispiel sei eine digitalisierte Ausgabe der „Tiroler Heimatblätter“ genannt, die auch Beiträge zum Tiroler Wappen und zu Fragen der heraldischen Farbgebung enthält:

Tiroler Heimatblätter, 13. Jahrgang 1935

Ebenfalls digital verfügbar ist eine Publikation über die bedeutende mittelalterliche „Wappenrolle von Zürich“:

Die Wappenrolle von Zürich

Darüber hinaus kann der digitalisierte Tirolensien-Katalog mit seinem Orts-, Personen- und Sachregister als Einstieg dienen. Dort finden sich unter anderem Schlagwörter wie „Wappen“, „Wappenverleihung“ und Hinweise auf einschlägige Veröffentlichungen.

Tirolensien-Katalog: Orts-, Personen- und Sachregister

Handschriften und Inkunabeln

Einen besonderen Schwerpunkt bilden die historischen Sammlungen der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol. Die Bibliothek verwahrt etwa 70.000 Objekte aus ihren Historischen Sammlungen.

Die Inkunabelsammlung zählt zu den bedeutendsten Österreichs. Sie umfasst nach Angaben der Bibliothek 1.889 verschiedene Inkunabeln in 2.122 Exemplaren beziehungsweise 1.882 Bänden. Damit handelt es sich um die zweitgrößte Inkunabelsammlung Österreichs.

Unter den digitalisierten Handschriften befinden sich auch Bestände mit Provenienz aus Tiroler Klöstern, insbesondere aus dem Zisterzienserstift Stams. Im Rahmen des Projekts „Manuscripta monastica“ wurden mehr als 300 mittelalterliche Handschriften aus dem Stift Stams digital zugänglich gemacht.

Die Handschriften sind vor allem für Forschungen zur Kloster-, Kirchen-, Rechts-, Literatur- und Bildungsgeschichte von Bedeutung. Genealogische Angaben können sich beispielsweise in:
  • Nekrologien,
  • Stiftungsverzeichnissen,
  • Urkundenabschriften,
  • Besitzvermerken,
  • Chroniken,
  • Bruderschaftsbüchern,
  • Wappen- und Siegeldarstellungen

finden.

Archivalien und Nachlässe

Der Bereich „Archivalien und Nachlässe“ enthält unter anderem Werke, Korrespondenzen und Lebensdokumente aus dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv sowie Unterlagen zur Geschichte der Universität Innsbruck und der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol.

Solche Bestände können für biografische Forschungen besonders ergiebig sein. Briefe und persönliche Dokumente erschließen nicht nur Lebensdaten, sondern auch gesellschaftliche Beziehungen, Familiennetzwerke, berufliche Kontakte und zeitgeschichtliche Hintergründe.

Archivalien und Nachlässe

Suche und Benutzung

Das Portal kann grundsätzlich ohne Registrierung aufgerufen werden. Zahlreiche Werke lassen sich direkt im Browser durchblättern oder als PDF herunterladen.

Je nach Digitalisat stehen unterschiedliche Funktionen zur Verfügung:
  • einfache Stichwortsuche,
  • thematische Navigation,
  • Auswahl nach Sammlungen,
  • Anzeige bibliografischer Angaben,
  • Blättern in einzelnen Seiten,
  • Auswahl von Jahrgängen und Ausgaben,
  • PDF-Download,
  • dauerhafte Identifikatoren wie URN,
  • teilweise IIIF-Manifeste zur wissenschaftlichen Weiterverarbeitung.

Bei Zeitungen und Zeitschriften können häufig zunächst der gewünschte Jahrgang, anschließend der Monat beziehungsweise die einzelne Ausgabe und schließlich die entsprechende Seite ausgewählt werden.

Praktische Suchstrategie für Familienforscher

Bei der Recherche empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen:
  1. Zunächst nach dem vollständigen Familiennamen suchen.
  2. Danach alternative Schreibweisen und historische Namensformen prüfen.
  3. Adelsprädikate wie „von“, „zu“, „Edler“, „Ritter“, „Freiherr“ oder „Graf“ versuchsweise weglassen.
  4. Nach Familienname und Ort getrennt suchen.
  5. Berufsbezeichnungen, Ämter oder militärische Einheiten ergänzen.
  6. Bei Zeitungen einen bekannten Zeitraum gezielt eingrenzen.
  7. Auch nach Hofnamen, Ansitzen, Burgen oder Gemeinden suchen.
  8. Fundstellen immer mit Titel, Jahrgang, Datum und Seitenzahl dokumentieren.

Bei der Volltextsuche ist zu berücksichtigen, dass ältere Druckschriften, Frakturschrift, beschädigte Vorlagen und ungewöhnliche Schreibweisen von der automatischen Texterkennung nicht immer fehlerfrei gelesen werden. Eine erfolglose Volltextsuche bedeutet daher nicht zwingend, dass der gesuchte Name im Werk nicht vorkommt.

Quellenkritische Hinweise

Die Digitale Bibliothek stellt historische Quellen und ältere Literatur bereit. Damit ist jedoch nicht automatisch jede darin enthaltene Aussage historisch richtig.

Insbesondere bei älteren Familiengeschichten, Adelsgenealogien und heimatkundlichen Darstellungen sollte zwischen folgenden Ebenen unterschieden werden:
  • zeitgenössische Originalquelle,
  • spätere Abschrift,
  • wissenschaftliche Darstellung,
  • familiengeschichtliche Überlieferung,
  • unbelegte genealogische Behauptung.

Genealogische Angaben sollten daher nach Möglichkeit mit Kirchenbüchern, Personenstandsunterlagen, Verlassenschaftsakten, Grundbüchern, Militärunterlagen oder Adelsakten verglichen werden.

Auch die auf der jeweiligen Titelseite angegebenen Nutzungsbedingungen sind zu beachten. Je nach Werk können unterschiedliche Lizenzen gelten, darunter beispielsweise CC-BY oder CC-BY-NC-SA. Die bloße Online-Zugänglichkeit bedeutet nicht, dass jede Abbildung ohne Quellenangabe oder Einschränkung weiterverwendet werden darf.

Ergänzung: „Tirolensien Digital“ als Wegweiser

Neben dem eigentlichen Digitalisierungsportal betreibt die Universität Innsbruck die Plattform „Tirolensien Digital“. Diese dient als Wegweiser zu weiteren digitalen Quellen aus Nord-, Ost- und Südtirol sowie dem Trentino.

Dort werden unter anderem verzeichnet:
  • mehr als 20 Archive,
  • kirchliche, wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken,
  • derzeit 33 frei zugängliche Datenbanken,
  • mehr als 150 historische und aktuelle Zeitungen und Zeitschriften.

Tirolensien Digital

Damit ergänzt die Plattform die Digitale Bibliothek um zahlreiche externe Angebote und eignet sich gut als zentraler Einstieg in die historische Tirol-Forschung.

Bewertung

Die Digitale Bibliothek der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol ist eine sehr ergiebige und seriöse Forschungsplattform. Ihre besondere Stärke liegt in der Verbindung von regionalen Tirolensien mit historischen Zeitungen, Handschriften, alten Drucken, Universitätsverzeichnissen, Musikalien und Nachlässen.

Für Genealogen und Heraldiker ist sie vor allem dann wertvoll, wenn eine Familie, Person oder Institution Beziehungen zu Nordtirol, Osttirol, Südtirol, dem Trentino, Vorarlberg oder zur Universität Innsbruck hatte.

Besonders hervorzuheben sind:
  • der kostenlose öffentliche Zugang,
  • die hohe Qualität vieler Digitalisate,
  • die Möglichkeit des PDF-Downloads,
  • die umfangreichen Tirolensien,
  • die historischen Zeitungsbestände,
  • die digitalisierten Handschriften,
  • die Erschließung durch bibliografische Angaben und dauerhafte Identifikatoren.

Die Plattform ersetzt zwar nicht die Recherche in Archiven und Matriken, sie kann aber entscheidende Hinweise liefern, unbekannte Quellen erschließen und den historischen Zusammenhang genealogischer Funde wesentlich erweitern.

Fragen an das Forum
  • Gibt es Erfahrungen mit der Suche nach Haus-, Hof- und Flurnamen in den Tirolensien?
  • Welche Tiroler Familien lassen sich durch Universitäts-, Militär- oder Beamtenverzeichnisse besonders gut dokumentieren?
  • Welche ergänzenden Archive oder Datenbanken sollten gemeinsam mit „ULB : Digital“ durchsucht werden?

Quellen und weiterführende Verweise
"IN OMNIBUS ORDO"

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