Deutsches Zeitungsportal – historische Zeitungen von 1609 bis 1994 online

Deutsches Zeitungsportal – historische Zeitungen von 1609 bis 1994 online

1 Woche 5 Tage her
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Deutsches Zeitungsportal – historische Zeitungen von 1609 bis 1994 online durchsuchen

Mit dem Deutschen Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek steht eine der bedeutendsten frei zugänglichen Sammlungen digitalisierter historischer Zeitungen im deutschsprachigen Raum zur Verfügung.

Das Portal ermöglicht es, Zeitungen aus mehreren Jahrhunderten zentral zu durchsuchen, einzelne Ausgaben aufzurufen und – soweit entsprechende Volltexte vorhanden sind – gezielt nach Personen, Familiennamen, Orten, Ereignissen und Begriffen zu recherchieren.

Vom Startprojekt zum umfangreichen Zeitungsarchiv

Das Deutsche Zeitungsportal wurde am 28. Oktober 2021 freigeschaltet. Zum Start umfasste es:
  • 247 digitalisierte Zeitungstitel,
  • etwa 600.000 Zeitungsausgaben,
  • rund 4,5 Millionen Zeitungsseiten,
  • Bestände aus zunächst neun Bibliotheken,
  • einen damaligen Erscheinungszeitraum von 1671 bis 1950.

Bei rund 84 Prozent der ursprünglich eingestellten Zeitungen stand bereits eine Volltexterschließung zur Verfügung.

Als älteste im Startbestand enthaltene Zeitung wurde der 1671 erschienene Il corriere ordinario genannt. Die damals jüngste Ausgabe waren die Badischen Neuesten Nachrichten vom 30. Dezember 1950.

Diese Zahlen beschreiben allerdings nur den Stand bei der Eröffnung im Jahr 2021.

Aktueller Umfang des Portals

Das Angebot wurde seither erheblich erweitert. Nach dem auf der Startseite ausgewiesenen Stand vom 14. Juli 2026 enthält das Deutsche Zeitungsportal:
  • 3.160 Zeitungen,
  • 5.506.663 einzelne Ausgaben,
  • 34.497.990 digitalisierte Seiten,
  • Bestände von 25 Datenpartnern,
  • Zeitungen aus dem Zeitraum von 1609 bis 1994.

Damit reicht der derzeit erschlossene Zeitraum noch weiter zurück als in der ursprünglichen Meldung angegeben. Die Formulierung, das Portal biete Zeitungen „bis zurück ins Jahr 1671“, war zum Zeitpunkt der Eröffnung richtig, ist mittlerweile aber überholt.

Da laufend neue Bestände hinzukommen, sollten die Zahlen grundsätzlich als Momentaufnahme betrachtet werden.

Welche Recherchemöglichkeiten bietet das Portal?

Historische Zeitungen können unter anderem nach folgenden Kriterien gesucht und ausgewählt werden:
  • Zeitungstitel,
  • Erscheinungsort beziehungsweise Verbreitungsort,
  • Erscheinungsjahr und Erscheinungsdatum,
  • Sprache,
  • besitzender Bibliothek oder Datenpartner,
  • einzelnen Ausgaben und Zeitungsseiten,
  • frei eingegebenen Suchbegriffen im erkannten Volltext.

Ein Kalender zeigt, welche Zeitungen an einem bestimmten Tag erschienen sind. Daneben können die digitalisierten Originalseiten vergrößert und parallel zu den maschinell erkannten Texten betrachtet werden.

Je nach Bestand lassen sich vollständige Ausgaben oder einzelne Seiten herunterladen. Bei jedem Objekt werden zudem Rechte- und Lizenzangaben angezeigt, die vor einer Veröffentlichung oder Weiterverwendung beachtet werden sollten.

Bedeutung für die genealogische Forschung

Für Familienforscher ist das Portal besonders wertvoll, weil Zeitungen zahlreiche Informationen enthalten, die in Kirchenbüchern und Personenstandsregistern nicht oder nur verkürzt vorkommen.

Dazu gehören beispielsweise:
  • Geburts-, Verlobungs-, Heirats- und Todesanzeigen,
  • Nachrufe und biografische Würdigungen,
  • Berichte über Begräbnisse und Trauerfeierlichkeiten,
  • Jubiläen, Beförderungen und Ernennungen,
  • Versetzungen von Beamten und Militärpersonen,
  • Grundstücks-, Haus- und Gutsverkäufe,
  • Testaments-, Verlassenschafts- und Konkursangelegenheiten,
  • Vereinsnachrichten und Mitgliederlisten,
  • Schul-, Universitäts- und Prüfungsnachrichten,
  • Meldungen über Auswanderer und Rückkehrer,
  • Gerichtsberichte und amtliche Bekanntmachungen.

Zeitungsberichte können außerdem helfen, Personen gleichen Namens voneinander zu unterscheiden. Angaben zu Beruf, Wohnort, Angehörigen, Dienststellung oder gesellschaftlichem Umfeld ermöglichen häufig eine genauere genealogische Zuordnung.

Nutzen für Adels- und Familiengeschichtsforschung

Für die Erforschung adeliger und ehemals adeliger Familien sind vor allem Hof-, Militär-, Gesellschafts- und Lokalnachrichten interessant. Dort finden sich unter anderem:
  • Meldungen über Audienzen und Hoffeste,
  • Ernennungen zu Hof- und Staatsämtern,
  • militärische Beförderungen und Ordensverleihungen,
  • Besuche auf Schlössern und Gütern,
  • Verlobungen und Eheschließungen,
  • Todesfälle und Begräbnisse,
  • Besitzwechsel und Versteigerungen,
  • Teilnehmerlisten gesellschaftlicher Veranstaltungen,
  • Berichte über Familienjubiläen,
  • Hinweise auf verwandtschaftliche und gesellschaftliche Netzwerke.

Gerade regionale Zeitungen können Details über Nebenlinien, Verwalter, Pächter, Gutsbeamte oder angeheiratete Familien enthalten, die in genealogischen Handbüchern nicht berücksichtigt wurden.

Allerdings ist bei historischen Adelstiteln Vorsicht geboten: Zeitungen verwendeten Rang-, Adels- und Höflichkeitsbezeichnungen nicht immer konsequent. Eine Zeitungsmeldung kann daher ein wertvoller Hinweis sein, ersetzt aber nicht die Prüfung von Adelsakten, Standeserhebungen, Hof- und Staatshandbüchern oder amtlichen Personalunterlagen.

Möglichkeiten für die heraldische Forschung

Auch für Heraldiker können historische Zeitungen von Interesse sein. Zu finden sind beispielsweise:
  • Berichte über Wappenverleihungen oder Standeserhöhungen,
  • Beschreibungen von Fahnen- und Wappenweihen,
  • Meldungen über kommunale Wappen,
  • Ankündigungen heraldischer und genealogischer Publikationen,
  • Auktionsanzeigen für Siegel, Wappenbücher und Familienarchive,
  • Abbildungen von Wappen in Anzeigen oder Festbeilagen,
  • Berichte über Grabdenkmäler, Kirchenfenster und Stiftungen,
  • Nachrichten aus heraldischen und genealogischen Vereinen.

Wappenabbildungen in Zeitungen sind jedoch oftmals verkleinert, vereinfacht oder drucktechnisch ungenau. Sie sollten daher möglichst mit Wappenbriefen, Siegeln, zeitgenössischen Wappenbüchern und archivalischen Originalquellen verglichen werden.

Auch für Forschungen zur Habsburgermonarchie interessant

Obwohl das Portal von deutschen Kultur- und Wissenseinrichtungen betrieben wird, ist es auch für Forschungen zu Österreich und zur ehemaligen Habsburgermonarchie von Bedeutung.

Deutsche Zeitungen berichteten regelmäßig über:
  • den Wiener Kaiserhof,
  • österreichisch-ungarische Politik,
  • das k. u. k. Militär,
  • Diplomatie und internationale Beziehungen,
  • adelige Familien mit Besitzungen in mehreren Staaten,
  • Migration zwischen Deutschland, Österreich und den böhmischen Ländern,
  • Universitäten, Künstler, Offiziere und Beamte aus der Monarchie,
  • Kriegsereignisse und Gefallenenmeldungen.

Darüber hinaus wurden manche deutschsprachige Zeitungen außerhalb des Deutschen Reiches beziehungsweise Deutschlands von deutschen Bibliotheken gesammelt und inzwischen digitalisiert.

Ein bemerkenswertes Beispiel aus dem ursprünglichen Portalbestand ist der Shanghai Jewish Chronicle. Diese deutschsprachige Zeitung erschien von 1939 bis 1945 in Ostasien und richtete sich insbesondere an jüdische Flüchtlinge und Emigranten. Sie kann wichtige Hinweise zu Fluchtwegen, Familienverbindungen, Exilbiografien und mitteleuropäischen Emigrantennetzwerken enthalten.

Hinweise für eine erfolgreiche Suche

Die Volltextsuche beruht vielfach auf automatischer Texterkennung. Besonders bei Frakturschrift, beschädigten Vorlagen, ungewöhnlichen Schrifttypen oder schlecht erhaltenen Zeitungsseiten können Erkennungsfehler auftreten.

Es empfiehlt sich daher, mehrere Schreibweisen auszuprobieren:
  • Namen mit und ohne „von“, „v.“ oder Adelsprädikat,
  • alte und neue Ortsbezeichnungen,
  • deutsche, tschechische, polnische, italienische oder ungarische Namensformen,
  • Schreibvarianten mit „C“ und „K“,
  • „i“ und „y“,
  • „th“ und „t“,
  • Namen mit und ohne Bindestrich,
  • gekürzte Vornamen oder Initialen,
  • Suche nach Wohnort, Beruf, Regiment oder Familienangehörigen.

Bei erfolgloser Volltextsuche lohnt sich außerdem die manuelle Durchsicht eines eingegrenzten Zeitraums. Familienanzeigen stehen häufig an wiederkehrenden Stellen innerhalb einer Zeitung.

Treffer sollten stets anhand der abgebildeten Originalseite kontrolliert werden. Fehlerhafte Texterkennung kann Namen, Daten und Ortsangaben erheblich verändern.

Quellenkritische Bewertung

Zeitungen sind zeitnahe, aber nicht automatisch fehlerfreie Quellen. Familienanzeigen beruhen häufig auf Angaben der Angehörigen und besitzen daher einen vergleichsweise hohen Quellenwert. Redaktionelle Meldungen, Gesellschaftsnachrichten und Nachrufe können dagegen Irrtümer, Übertreibungen oder zeittypische Wertungen enthalten.

Für eine belastbare genealogische oder historische Darstellung sollten Zeitungsangaben nach Möglichkeit mit weiteren Quellen verglichen werden, etwa mit:
  • Kirchenbüchern und Personenstandsregistern,
  • Meldeunterlagen,
  • Verlassenschafts- und Grundbuchakten,
  • Militärschematismen und Qualifikationslisten,
  • Hof- und Staatshandbüchern,
  • Adels- und Wappenakten,
  • Familienarchiven,
  • zeitgenössischen genealogischen Handbüchern.

Fazit

Das Deutsche Zeitungsportal ist ein außerordentlich hilfreiches Recherchewerkzeug für Genealogie, Heraldik, Adelsgeschichte sowie Orts- und Regionalgeschichte. Sein besonderer Wert liegt darin, dass zahlreiche bislang auf verschiedene Bibliotheken verteilte Zeitungsbestände über eine gemeinsame Oberfläche durchsucht werden können.

Seit der Freischaltung im Jahr 2021 ist der Bestand von 247 auf mehr als 3.000 Zeitungstitel angewachsen. Mit über 34 Millionen digitalisierten Seiten bietet das Portal inzwischen weit mehr als einen bloßen Einblick in die Pressegeschichte: Es erschließt gesellschaftliche Netzwerke, Familienereignisse, lokale Entwicklungen und persönliche Lebenswege über mehrere Jahrhunderte hinweg.

Fragen zur weiteren Diskussion
  • Welche Zeitungstitel sind für Forschungen zu Österreich und den Ländern der ehemaligen Habsburgermonarchie besonders ergiebig?
  • Gibt es im Portal bislang wenig bekannte deutschsprachige Zeitungen aus Mittel- und Osteuropa?
  • Welche Suchstrategien haben sich bei Frakturschrift und fehlerhafter Volltexterkennung bewährt?
  • Wie gut lassen sich die Ergebnisse mit ANNO, dem österreichischen Zeitungsportal der Österreichischen Nationalbibliothek, ergänzen?

Quellen und weiterführende Verweise

Deutsches Zeitungsportal:
www.deutsche-digital.../newspaper

Pressemitteilung zur Freischaltung des Portals vom 28. Oktober 2021:
Die Deutsche Digitale Bibliothek startet das Deutsche Zeitungsportal mit zentralem Zugang zu historischen Zeitungen von 1671 bis 1950

Liste der neu aufgenommenen Zeitungen:
Neuzugänge im Deutschen Zeitungsportal
"IN OMNIBUS ORDO"

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