Lombardia Beni Culturali – historische lombardische Familien und ihre Archive
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Lombardia Beni Culturali – historische lombardische Familien und ihre Archive
1 Woche 5 Tage her
Lombardia Beni Culturali – historische lombardische Familien und ihre Archive
Für Forschungen zur Geschichte lombardischer Familien bietet das Kulturportal der Region Lombardei eine besonders interessante archivalische Datenbank:
Lombardia Beni Culturali – Soggetti produttori: famiglie
Die Rubrik gehört zum Bereich „Archivi storici“ – Historische Archive – und verzeichnet gegenwärtig 106 Datensätze zu Familien, die als sogenannte „Soggetti produttori“ geführt werden.
Damit sind Familien gemeint, die im Laufe ihrer Geschichte einen zusammengehörigen Bestand an Schriftstücken, Urkunden, Korrespondenzen, Besitzakten, Rechnungen, Stammbäumen oder anderen Unterlagen hervorgebracht oder gesammelt haben. Die Datenbank beschreibt daher nicht nur Familien, sondern weist vielfach auch den Weg zu den heute noch vorhandenen Familienarchiven.
Was findet man in den einzelnen Familienbeschreibungen?
Der Umfang der Einträge ist unterschiedlich. Manche Datensätze enthalten lediglich den Familiennamen, eine ungefähre zeitliche Einordnung und einen Hinweis auf den zugehörigen Archivbestand. Andere bieten ausführliche familiengeschichtliche Informationen.
Je nach Bearbeitungsstand können folgende Angaben enthalten sein:
Besonders wertvoll ist der Reiter „collegamenti“, also „Verknüpfungen“. Dort wird angezeigt, ob zu einer Familie ein beschriebener Archivbestand vorhanden ist, welchen Zeitraum dieser umfasst und in welcher Institution er verwahrt wird.
Beispiele verzeichneter Familien
Zu den in der alphabetischen Übersicht enthaltenen Familien gehören unter anderem:
Ajroldi di Robbiate, Andreani, Arborio Mella, Archinto, Arcimboldi, Arconati, Baghelli, Banfi, Banzi, Barbiano di Belgiojoso, Bazzero, Berzio, Bevilacqua, Bigli, Biumi, Bolognini, Brasca, Brebbia, Busca und Caimi.
Im weiteren Verlauf der Liste erscheinen beispielsweise:
Olivazzi, Opizzoni, Orrigoni, Panigarola, Papadopoli, Paravicini, Pedrocca, Peduzzi, Perego di Cremnago, Pertusati, Pessina, Pietrasanta, Pio di Savoia, Pionni, Porro, Rados, Raimondi-Mantica, Raspi, Riboni und Ruggeri.
Die Liste beschränkt sich somit keineswegs ausschließlich auf bekannte lombardische Hochadelsgeschlechter. Sie enthält auch bürgerliche, patrizische, grundbesitzende und regional bedeutende Familien sowie Familien, deren Archive durch Schenkungen, Nachlässe oder Sammlungen in öffentliche Einrichtungen gelangt sind.
Die angeführten Zeiträume sind häufig mit Fragezeichen versehen. Dies bedeutet, dass Beginn oder Ende der Familiengeschichte beziehungsweise der archivalischen Überlieferung nicht immer genau festgestellt werden konnten.
Beispiel: Familie Biumi
Die Familie Biumi wird zeitlich vom 12. bis zum 20. Jahrhundert eingeordnet. Der Datenbankeintrag ist mit dem Archivbestand „Biumi“ verbunden, dessen Unterlagen den Zeitraum von 1408 bis 1913 umfassen.
Als Verwahrort wird das Archivio di Stato di Milano, das Staatsarchiv Mailand, angegeben.
Der Eintrag zeigt anschaulich, dass die Datenbank nicht nur eine allgemeine Familienbeschreibung anbietet, sondern unmittelbar zu einem tatsächlich vorhandenen und beschriebenen Familienarchiv führen kann.
Direkter Eintrag:
Biumi, famiglia – Lombardia Beni Culturali
Beispiel: Familie Busca beziehungsweise Busca Arconati Visconti
Ein besonders ausführlicher Datensatz betrifft die Familie Busca. Als weitere Familienbezeichnung wird „Busca Arconati Visconti“ genannt, die seit dem 8. November 1617 geführt wurde.
Der Eintrag nennt unter anderem:
Der Eintrag berichtet außerdem, dass die Familie im Jahr 1617 aufgrund einer testamentarischen Verfügung der Gräfin Anna Visconti Arconati den Namen Arconati Visconti dem eigenen Namen hinzufügte. Die Familie sei später in männlicher Linie erloschen.
Bemerkenswert ist auch der Hinweis, dass für Carlo Busca eine Darstellung beziehungsweise Festlegung des Wappens im „Codice Araldico“ erfolgte.
Als Literatur werden unter anderem das genealogische Werk des Giovanni Battista Canziani über die adeligen Familien Mailands und die „Enciclopedia Storico-Nobiliare Italiana“ von Vittorio Spreti genannt.
Direkter Eintrag:
Busca beziehungsweise Busca Arconati Visconti – Lombardia Beni Culturali
Nutzen für die genealogische Forschung
Für Genealogen ist das Portal vor allem als Wegweiser zu weiterführenden Quellen wertvoll. Es ersetzt grundsätzlich nicht die Auswertung von Kirchenbüchern, Zivilstandsregistern, Notariatsakten oder Originalurkunden. Es kann jedoch helfen, eine Familie zeitlich, räumlich und sozial richtig einzuordnen.
Besonders hilfreich sind:
Bei der Suche sollte nicht nur nach dem heute gebräuchlichen Familiennamen gesucht werden. Italienische Familiennamen können mit Ortsprädikaten, Doppelnamen oder regionalen Varianten erscheinen. Auch Schreibweisen mit und ohne „di“, „de“, „dei“ oder „della“ sollten berücksichtigt werden.
Nutzen für die Heraldik
Die Datenbank ist keine eigentliche Wappenkartei. Dennoch können die Familienbeschreibungen wichtige heraldische Anhaltspunkte liefern.
Hinweise auf Adelstitel, Belehnungen, Standeserhebungen, Namensvereinigungen oder Eintragungen in Wappencodices ermöglichen es, gezielt nach den entsprechenden Diplomen, Wappenbriefen oder heraldischen Handschriften zu suchen.
Besonders zu beachten sind:
Ein bloßes Auftreten eines Familiennamens in der Datenbank beweist allerdings weder Adel noch Wappenführung. Ebenso darf aus der Namensgleichheit nicht automatisch auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten adeligen Linie geschlossen werden.
Warum ist die Datenbank auch für Österreich interessant?
Die Lombardei war über längere Zeit eng mit der Habsburgermonarchie verbunden. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg gelangte das Herzogtum Mailand im frühen 18. Jahrhundert unter österreichische Herrschaft. Von 1815 bis 1859 bildete die Lombardei gemeinsam mit Venetien einen wesentlichen Teil des österreichischen Königreiches Lombardo-Venetien.
Dadurch entstanden zahlreiche personelle, amtliche und familiäre Verbindungen zwischen der Lombardei und den österreichischen Erbländern.
Für Forschungen mit Österreichbezug können die Familienbeschreibungen insbesondere dann wichtig werden, wenn lombardische Familienmitglieder:
Gerade bei Offizieren, Beamten und Hofwürdenträgern des 18. und 19. Jahrhunderts kann eine rein auf Österreich beschränkte Suche zu kurz greifen. Die Herkunftsfamilie, ältere Generationen und Familienarchive befinden sich möglicherweise in der Lombardei, während spätere Angehörige in österreichischen Quellen dokumentiert sind.
Mögliche österreichisch-lombardische Forschungsspuren
Treffen Namen aus der lombardischen Datenbank in österreichischen Unterlagen auf, könnten ergänzend folgende Quellen geprüft werden:
Ein sinnvoller Forschungsweg wäre daher:
1. Familie und Namensvarianten in „Lombardia Beni Culturali“ feststellen.
2. Die dort genannten Personen, Heiraten, Besitzungen und Zeiträume notieren.
3. Unter „collegamenti“ prüfen, ob ein Familienarchiv verzeichnet ist.
4. Den angegebenen Archivbestand und dessen Laufzeit untersuchen.
5. Namen anschließend in österreichischen Hof-, Militär-, Adels- und Kirchenbuchquellen suchen.
6. Ergebnisse anhand von Originalquellen überprüfen.
Grenzen und Vorsichtsmaßnahmen
Die Datenbank ist ein archivisches Nachweissystem und keine vollständig ausgearbeitete Sammlung lückenloser Stammbäume.
Die Qualität und Ausführlichkeit der Familienbeschreibungen ist unterschiedlich. Einige Einträge beruhen auf bereits erschlossenen Familienarchiven, andere sind noch knapp gehalten oder ausdrücklich als Gegenstand laufender Forschungen gekennzeichnet.
Zeitangaben mit Fragezeichen sind als unsicher zu verstehen. Auch die genannten Lebensdaten, Abstammungen, Adelstitel und Familienverbindungen sollten vor einer Veröffentlichung möglichst durch Originalquellen oder zuverlässige genealogische Literatur bestätigt werden.
Besondere Vorsicht ist bei häufigen Familiennamen geboten. Namensgleichheit bedeutet nicht automatisch Stammesgleichheit.
Zusammenfassung
Die Familienrubrik von „Lombardia Beni Culturali“ ist ein nützliches Hilfsmittel für die Erforschung historischer Familien der Lombardei. Sie bietet derzeit 106 familienbezogene Einträge und verbindet familiengeschichtliche Kurzbiografien mit konkreten Hinweisen auf erhaltene Archivbestände.
Ihr besonderer Wert liegt weniger in der Bereitstellung fertiger Stammbäume als in der Möglichkeit, Familienarchive, Namensvarianten, Heiratsverbindungen, adelige Titel, Ämter, Besitzungen und weiterführende Literatur zu ermitteln.
Für die österreichische Forschung ist die Datenbank wegen der jahrhundertelangen politischen und personellen Verbindungen zwischen der Lombardei und der Habsburgermonarchie von besonderem Interesse. Sie kann helfen, die italienische Herkunft österreichischer Offiziere, Beamter, Hofwürdenträger und Adelsfamilien zu klären und bislang getrennt betrachtete österreichische und lombardische Quellenbestände miteinander zu verbinden.
Fragen für die weitere Diskussion
Quellen und weiterführende Links
Lombardia Beni Culturali – Übersicht der Familien
Lombardia Beni Culturali – Historische Archive
Familie Biumi
Familie Busca beziehungsweise Busca Arconati Visconti
Portale Antenati – italienische Personenstandsquellen und genealogische Forschung
Für Forschungen zur Geschichte lombardischer Familien bietet das Kulturportal der Region Lombardei eine besonders interessante archivalische Datenbank:
Lombardia Beni Culturali – Soggetti produttori: famiglie
Die Rubrik gehört zum Bereich „Archivi storici“ – Historische Archive – und verzeichnet gegenwärtig 106 Datensätze zu Familien, die als sogenannte „Soggetti produttori“ geführt werden.
Damit sind Familien gemeint, die im Laufe ihrer Geschichte einen zusammengehörigen Bestand an Schriftstücken, Urkunden, Korrespondenzen, Besitzakten, Rechnungen, Stammbäumen oder anderen Unterlagen hervorgebracht oder gesammelt haben. Die Datenbank beschreibt daher nicht nur Familien, sondern weist vielfach auch den Weg zu den heute noch vorhandenen Familienarchiven.
Was findet man in den einzelnen Familienbeschreibungen?
Der Umfang der Einträge ist unterschiedlich. Manche Datensätze enthalten lediglich den Familiennamen, eine ungefähre zeitliche Einordnung und einen Hinweis auf den zugehörigen Archivbestand. Andere bieten ausführliche familiengeschichtliche Informationen.
Je nach Bearbeitungsstand können folgende Angaben enthalten sein:
- Familienname und abweichende Namensformen,
- ungefähre Dauer des Bestehens der Familie,
- Herkunft und frühe Erwähnungen,
- bedeutende Familienmitglieder,
- Ämter und gesellschaftliche Funktionen,
- Grundbesitz und Lehensbesitz,
- Adelstitel und Standeserhebungen,
- Heiratsverbindungen zu anderen Familien,
- Hinweise auf das Erlöschen einzelner Linien,
- Wappen- oder heraldische Hinweise,
- Literaturangaben,
- Verknüpfungen zu den erhaltenen Archivbeständen,
- Name des Archivs oder der Institution, in der die Unterlagen verwahrt werden.
Besonders wertvoll ist der Reiter „collegamenti“, also „Verknüpfungen“. Dort wird angezeigt, ob zu einer Familie ein beschriebener Archivbestand vorhanden ist, welchen Zeitraum dieser umfasst und in welcher Institution er verwahrt wird.
Beispiele verzeichneter Familien
Zu den in der alphabetischen Übersicht enthaltenen Familien gehören unter anderem:
Ajroldi di Robbiate, Andreani, Arborio Mella, Archinto, Arcimboldi, Arconati, Baghelli, Banfi, Banzi, Barbiano di Belgiojoso, Bazzero, Berzio, Bevilacqua, Bigli, Biumi, Bolognini, Brasca, Brebbia, Busca und Caimi.
Im weiteren Verlauf der Liste erscheinen beispielsweise:
Olivazzi, Opizzoni, Orrigoni, Panigarola, Papadopoli, Paravicini, Pedrocca, Peduzzi, Perego di Cremnago, Pertusati, Pessina, Pietrasanta, Pio di Savoia, Pionni, Porro, Rados, Raimondi-Mantica, Raspi, Riboni und Ruggeri.
Die Liste beschränkt sich somit keineswegs ausschließlich auf bekannte lombardische Hochadelsgeschlechter. Sie enthält auch bürgerliche, patrizische, grundbesitzende und regional bedeutende Familien sowie Familien, deren Archive durch Schenkungen, Nachlässe oder Sammlungen in öffentliche Einrichtungen gelangt sind.
Die angeführten Zeiträume sind häufig mit Fragezeichen versehen. Dies bedeutet, dass Beginn oder Ende der Familiengeschichte beziehungsweise der archivalischen Überlieferung nicht immer genau festgestellt werden konnten.
Beispiel: Familie Biumi
Die Familie Biumi wird zeitlich vom 12. bis zum 20. Jahrhundert eingeordnet. Der Datenbankeintrag ist mit dem Archivbestand „Biumi“ verbunden, dessen Unterlagen den Zeitraum von 1408 bis 1913 umfassen.
Als Verwahrort wird das Archivio di Stato di Milano, das Staatsarchiv Mailand, angegeben.
Der Eintrag zeigt anschaulich, dass die Datenbank nicht nur eine allgemeine Familienbeschreibung anbietet, sondern unmittelbar zu einem tatsächlich vorhandenen und beschriebenen Familienarchiv führen kann.
Direkter Eintrag:
Biumi, famiglia – Lombardia Beni Culturali
Beispiel: Familie Busca beziehungsweise Busca Arconati Visconti
Ein besonders ausführlicher Datensatz betrifft die Familie Busca. Als weitere Familienbezeichnung wird „Busca Arconati Visconti“ genannt, die seit dem 8. November 1617 geführt wurde.
Der Eintrag nennt unter anderem:
- Pietro Francesco Busca, 1561 Quästor,
- dessen Sohn Teodoro, Ritter des Malteserordens,
- Carlo Busca, von dem die Linie der Grafen von Pavia abstammte,
- Ludovico Busca, seit 1590 Ritter des Ordens des heiligen Stephan,
- Erasmo Busca, 1659 mit Lomagna belehnt,
- die Erhebung Erasmos zum Marchese durch ein Diplom König Philipps IV. von Spanien vom 21. April 1661,
- verschiedene Heiratsverbindungen mit den Familien d’Adda, Langosco, Pallavicino, Isimbardi, Arconati und Serbelloni,
- mehrere Angehörige in Mailänder Verwaltungs- und Hofämtern,
- Ignazio Busca, Kardinal und Staatssekretär,
- Carlo Busca als kaiserlich-königlicher Kämmerer,
- Antonio Busca als Senator des Königreichs Italien.
Der Eintrag berichtet außerdem, dass die Familie im Jahr 1617 aufgrund einer testamentarischen Verfügung der Gräfin Anna Visconti Arconati den Namen Arconati Visconti dem eigenen Namen hinzufügte. Die Familie sei später in männlicher Linie erloschen.
Bemerkenswert ist auch der Hinweis, dass für Carlo Busca eine Darstellung beziehungsweise Festlegung des Wappens im „Codice Araldico“ erfolgte.
Als Literatur werden unter anderem das genealogische Werk des Giovanni Battista Canziani über die adeligen Familien Mailands und die „Enciclopedia Storico-Nobiliare Italiana“ von Vittorio Spreti genannt.
Direkter Eintrag:
Busca beziehungsweise Busca Arconati Visconti – Lombardia Beni Culturali
Nutzen für die genealogische Forschung
Für Genealogen ist das Portal vor allem als Wegweiser zu weiterführenden Quellen wertvoll. Es ersetzt grundsätzlich nicht die Auswertung von Kirchenbüchern, Zivilstandsregistern, Notariatsakten oder Originalurkunden. Es kann jedoch helfen, eine Familie zeitlich, räumlich und sozial richtig einzuordnen.
Besonders hilfreich sind:
- die Identifikation verschiedener Familienzweige,
- die Feststellung älterer und späterer Namensformen,
- die Suche nach Eheverbindungen,
- die Zuordnung zu bestimmten Orten, Herrschaften oder Besitzungen,
- die Ermittlung bedeutender Familienangehöriger,
- Hinweise auf das Erlöschen einer Linie,
- Literaturangaben und ältere genealogische Werke,
- der Nachweis, ob ein geschlossenes Familienarchiv erhalten geblieben ist.
Bei der Suche sollte nicht nur nach dem heute gebräuchlichen Familiennamen gesucht werden. Italienische Familiennamen können mit Ortsprädikaten, Doppelnamen oder regionalen Varianten erscheinen. Auch Schreibweisen mit und ohne „di“, „de“, „dei“ oder „della“ sollten berücksichtigt werden.
Nutzen für die Heraldik
Die Datenbank ist keine eigentliche Wappenkartei. Dennoch können die Familienbeschreibungen wichtige heraldische Anhaltspunkte liefern.
Hinweise auf Adelstitel, Belehnungen, Standeserhebungen, Namensvereinigungen oder Eintragungen in Wappencodices ermöglichen es, gezielt nach den entsprechenden Diplomen, Wappenbriefen oder heraldischen Handschriften zu suchen.
Besonders zu beachten sind:
- Änderungen des Familiennamens,
- Vereinigungen zweier Familiennamen,
- Erbschaften über weibliche Linien,
- Übernahmen von Besitz und Titel,
- kaiserliche, spanische oder italienische Adelsverleihungen,
- Verweise auf den „Codice Araldico“ oder andere Wappenquellen.
Ein bloßes Auftreten eines Familiennamens in der Datenbank beweist allerdings weder Adel noch Wappenführung. Ebenso darf aus der Namensgleichheit nicht automatisch auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten adeligen Linie geschlossen werden.
Warum ist die Datenbank auch für Österreich interessant?
Die Lombardei war über längere Zeit eng mit der Habsburgermonarchie verbunden. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg gelangte das Herzogtum Mailand im frühen 18. Jahrhundert unter österreichische Herrschaft. Von 1815 bis 1859 bildete die Lombardei gemeinsam mit Venetien einen wesentlichen Teil des österreichischen Königreiches Lombardo-Venetien.
Dadurch entstanden zahlreiche personelle, amtliche und familiäre Verbindungen zwischen der Lombardei und den österreichischen Erbländern.
Für Forschungen mit Österreichbezug können die Familienbeschreibungen insbesondere dann wichtig werden, wenn lombardische Familienmitglieder:
- in kaiserlich-königlichen Hof- oder Verwaltungsdiensten standen,
- als Kämmerer, Offiziere, Beamte oder Diplomaten tätig waren,
- österreichische Adelsanerkennungen oder Standeserhöhungen erhielten,
- in Wien, Graz, Innsbruck, Triest oder anderen Gebieten der Monarchie lebten,
- österreichische, böhmische, ungarische oder innerösterreichische Ehepartner heirateten,
- Besitzungen in mehreren Ländern der Habsburgermonarchie hatten,
- nach 1859 in österreichischen Diensten verblieben,
- in österreichischen Adels-, Militär- oder Hofschematismen erscheinen.
Gerade bei Offizieren, Beamten und Hofwürdenträgern des 18. und 19. Jahrhunderts kann eine rein auf Österreich beschränkte Suche zu kurz greifen. Die Herkunftsfamilie, ältere Generationen und Familienarchive befinden sich möglicherweise in der Lombardei, während spätere Angehörige in österreichischen Quellen dokumentiert sind.
Mögliche österreichisch-lombardische Forschungsspuren
Treffen Namen aus der lombardischen Datenbank in österreichischen Unterlagen auf, könnten ergänzend folgende Quellen geprüft werden:
- Österreichisches Staatsarchiv, insbesondere Haus-, Hof- und Staatsarchiv sowie Allgemeines Verwaltungsarchiv,
- Adelsakten und Standeserhebungen,
- Hof- und Staatshandbücher,
- Militärschematismen und militärische Qualifikationslisten,
- Grundbuchs- und Verlassenschaftsakten,
- Wiener und österreichische Kirchenbücher bei Matricula,
- historische Zeitungen in ANNO,
- Mailänder und lombardische Kirchenbücher und Zivilstandsregister,
- italienisches Genealogieportal „Antenati“,
- Bestände des Archivio di Stato di Milano.
Ein sinnvoller Forschungsweg wäre daher:
1. Familie und Namensvarianten in „Lombardia Beni Culturali“ feststellen.
2. Die dort genannten Personen, Heiraten, Besitzungen und Zeiträume notieren.
3. Unter „collegamenti“ prüfen, ob ein Familienarchiv verzeichnet ist.
4. Den angegebenen Archivbestand und dessen Laufzeit untersuchen.
5. Namen anschließend in österreichischen Hof-, Militär-, Adels- und Kirchenbuchquellen suchen.
6. Ergebnisse anhand von Originalquellen überprüfen.
Grenzen und Vorsichtsmaßnahmen
Die Datenbank ist ein archivisches Nachweissystem und keine vollständig ausgearbeitete Sammlung lückenloser Stammbäume.
Die Qualität und Ausführlichkeit der Familienbeschreibungen ist unterschiedlich. Einige Einträge beruhen auf bereits erschlossenen Familienarchiven, andere sind noch knapp gehalten oder ausdrücklich als Gegenstand laufender Forschungen gekennzeichnet.
Zeitangaben mit Fragezeichen sind als unsicher zu verstehen. Auch die genannten Lebensdaten, Abstammungen, Adelstitel und Familienverbindungen sollten vor einer Veröffentlichung möglichst durch Originalquellen oder zuverlässige genealogische Literatur bestätigt werden.
Besondere Vorsicht ist bei häufigen Familiennamen geboten. Namensgleichheit bedeutet nicht automatisch Stammesgleichheit.
Zusammenfassung
Die Familienrubrik von „Lombardia Beni Culturali“ ist ein nützliches Hilfsmittel für die Erforschung historischer Familien der Lombardei. Sie bietet derzeit 106 familienbezogene Einträge und verbindet familiengeschichtliche Kurzbiografien mit konkreten Hinweisen auf erhaltene Archivbestände.
Ihr besonderer Wert liegt weniger in der Bereitstellung fertiger Stammbäume als in der Möglichkeit, Familienarchive, Namensvarianten, Heiratsverbindungen, adelige Titel, Ämter, Besitzungen und weiterführende Literatur zu ermitteln.
Für die österreichische Forschung ist die Datenbank wegen der jahrhundertelangen politischen und personellen Verbindungen zwischen der Lombardei und der Habsburgermonarchie von besonderem Interesse. Sie kann helfen, die italienische Herkunft österreichischer Offiziere, Beamter, Hofwürdenträger und Adelsfamilien zu klären und bislang getrennt betrachtete österreichische und lombardische Quellenbestände miteinander zu verbinden.
Fragen für die weitere Diskussion
- Welche der in der Datenbank genannten lombardischen Familien sind auch in österreichischen Adelsakten nachweisbar?
- Gibt es Mitglieder der angeführten Familien, die als Offiziere oder Beamte in österreichischen Diensten standen?
- Welche lombardischen Familien waren durch Heirat mit österreichischen, böhmischen, ungarischen oder innerösterreichischen Adelsfamilien verbunden?
- Sind in österreichischen Archiven Teile lombardischer Familienarchive überliefert, die in der Datenbank noch nicht verknüpft sind?
- Welche Familien erhielten sowohl italienische beziehungsweise mailändische als auch österreichische Adelstitel?
- Lassen sich Wappenangaben aus dem „Codice Araldico“ mit österreichischen Wappenbriefen oder Adelsakten vergleichen?
- Hat jemand bereits einen der genannten Familienbestände im Staatsarchiv Mailand eingesehen?
- Welche Erfahrungen gibt es mit der Bestellung von Reproduktionen aus lombardischen Archiven?
Quellen und weiterführende Links
Lombardia Beni Culturali – Übersicht der Familien
Lombardia Beni Culturali – Historische Archive
Familie Biumi
Familie Busca beziehungsweise Busca Arconati Visconti
Portale Antenati – italienische Personenstandsquellen und genealogische Forschung
"IN OMNIBUS ORDO"
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