Bildähnlichkeitssuche | Digitale Bibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek

Bildähnlichkeitssuche | Digitale Bibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek

1 Woche 6 Tage her - 1 Woche 6 Tage her
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Die Bayerische Staatsbibliothek bietet mit ihrer Bildähnlichkeitssuche einen ungewöhnlichen und für die historische Forschung äußerst hilfreichen Zugang zu ihren digitalisierten Beständen. Anders als bei einer klassischen Volltext- oder Schlagwortsuche wird hier nicht nach Namen oder Begriffen, sondern nach visuell ähnlichen Bildmotiven gesucht.

Bildähnlichkeitssuche | Digitale Bibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek

Nach Angaben des Münchener Digitalisierungszentrums umfasst das Angebot derzeit rund 57 Millionen maschinell erkannte Bilder aus mehr als drei Millionen Digitalisaten der Bayerischen Staatsbibliothek.

Wie funktioniert die Bildähnlichkeitssuche?

Die Suche vergleicht Bilder anhand äußerer Merkmale, insbesondere:
  • Farben und Farbverteilungen,
  • Texturen und Flächenstrukturen,
  • markanter Formen,
  • Konturen und Kanten,
  • Kontraste sowie
  • der allgemeinen Bildkomposition.

Die Technik wurde in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, entwickelt. Abbildungen werden dabei automatisiert aus digitalisierten Büchern, Handschriften und anderen Werken erkannt und für vergleichende Suchen aufbereitet.

Wichtig ist allerdings: Das System erkennt in erster Linie eine äußerliche Ähnlichkeit. Es stellt nicht automatisch fest, ob zwei Wappen derselben Familie gehören, zwei Porträts dieselbe Person zeigen oder zwei Gebäude tatsächlich identisch sind. Die Ergebnisse müssen daher stets anhand der bibliografischen Angaben und der historischen Zusammenhänge überprüft werden.

Recherche nach Motivgruppen

Der Bestand kann über zahlreiche vorgegebene Kategorien erkundet werden:
  • Menschen,
  • Architektur,
  • Pflanzen,
  • Tiere,
  • Wappen,
  • Miniaturen,
  • Schmuckinitialen,
  • Stadtansichten,
  • Technik,
  • Landkarten,
  • Einbände,
  • Titelblätter,
  • Exlibris,
  • Kriegskunst,
  • Fahrzeuge und
  • Waffen.

Daneben gibt es eine Zufallsauswahl, über die sich oftmals unerwartete und bisher unbekannte Bildquellen entdecken lassen.

Eigene Bilder als Suchvorlage verwenden

Besonders interessant ist die integrierte Upload-Suche. Dabei kann ein eigenes Bild – beispielsweise ein unbekanntes Wappen, ein Exlibris, ein Porträtausschnitt oder eine historische Gebäudeansicht – hochgeladen und als Vorlage für die Suche im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek verwendet werden.

Zur Upload-Suche der Bayerischen Staatsbibliothek

Nach den derzeitigen technischen Hinweisen gelten hierfür folgende Voraussetzungen:
  • Dateiformat JPG oder JPEG,
  • maximale Dateigröße 1.500 KB,
  • empfohlene Auflösung zwischen 150 und 300 ppi,
  • farbige oder graustufige Vorlagen sind möglich,
  • das Motiv sollte möglichst wenig Text, Weißraum oder Umrandungen enthalten.

Für gute Ergebnisse empfiehlt es sich daher, das eigentliche Motiv vorher möglichst eng auszuschneiden. Bei einem Wappen sollte etwa der Schild beziehungsweise die gesamte Wappendarstellung im Mittelpunkt stehen, während Seitenränder, Bildunterschriften und umgebender Text entfernt werden sollten.

Nach Auskunft der BSB wird die hochgeladene Datei nicht öffentlich angezeigt und unmittelbar nach dem Suchvorgang wieder gelöscht.

Nutzen für die Heraldik

Für heraldische Forschungen eröffnet die Bildähnlichkeitssuche zahlreiche Möglichkeiten:
  • Suche nach Wappen mit ähnlichen Schildfiguren,
  • Vergleich von Adler-, Löwen-, Balken-, Pfahl- oder Schrägbalkenwappen,
  • Auffinden ähnlicher Helmzierden,
  • Suche nach Varianten eines Familien- oder Territorialwappens,
  • Ermittlung möglicher Vorlagen späterer Wappendarstellungen,
  • Vergleich von Wappen in unterschiedlichen Handschriften und Wappenbüchern,
  • Suche nach Wappen auf Exlibris, Einbänden, Titelblättern oder historischen Ansichten.

Die Bildähnlichkeitssuche ersetzt allerdings keine fachgerechte Blasonierung und keine genealogische oder archivalische Überprüfung. Gerade einfache Wappenfiguren können bei zahlreichen nicht miteinander verwandten Familien vorkommen. Ein ähnliches Suchergebnis ist daher zunächst nur ein Recherchehinweis, aber noch kein Nachweis für eine genealogische Verbindung.

Auch unterschiedliche Darstellungsweisen können die Ergebnisse beeinflussen. Dasselbe Wappen kann je nach Künstler, Epoche, Drucktechnik oder Erhaltungszustand stark abweichend erscheinen. Schwarz-weiße Reproduktionen, Schraffuren, beschädigte Vorlagen oder historisch abweichende Tingierungen sind besonders sorgfältig zu beurteilen.

Nutzen für die Genealogie

Auch für familiengeschichtliche Forschungen kann die Suche wertvolle Hinweise liefern:
  • Auffinden ähnlicher oder mehrfach verwendeter Porträts,
  • Suche nach Familienbildern und Gruppenaufnahmen,
  • Ermittlung von Wappen- und Namensexlibris,
  • Recherche nach Besitzvermerken und Bibliotheksprovenienzen,
  • Suche nach Abbildungen von Schlössern, Gütern und Familienwohnsitzen,
  • Vergleich historischer Fotografien und druckgrafischer Porträts,
  • Auffinden von Abbildungen, die in verschiedenen Publikationen wiederverwendet wurden.

Bei Porträts ist zu beachten, dass es sich nicht um eine gesicherte Identifizierung durch Gesichtserkennung handelt. Ähnliche Kleidung, Körperhaltung, Bildausschnitte, Rahmen oder Hintergründe können ebenfalls zu Treffern führen. Die Identität einer dargestellten Person muss deshalb durch Beschriftungen, Datierungen, Provenienzen und weitere Quellen abgesichert werden.

Nutzen für die Regional- und Ortsgeschichte

Für regionalgeschichtliche Forschungen eignen sich insbesondere die Kategorien Architektur, Stadtansichten und Landkarten. Gesucht werden können beispielsweise:
  • historische Orts- und Stadtansichten,
  • Burgen, Schlösser und Herrensitze,
  • Klöster, Kirchen und Kapellen,
  • Straßenzüge und markante Gebäude,
  • Grabdenkmäler und Denkmäler,
  • historische Karten und Pläne,
  • Landschaftsdarstellungen,
  • Ansichten vor späteren Umbauten oder Zerstörungen.

Gerade bei nicht oder nur unzureichend beschrifteten Abbildungen kann eine visuelle Suche neue Vergleichsbilder und damit Hinweise auf den dargestellten Ort liefern.

Empfohlener Arbeitsablauf

Für eine nachvollziehbare Forschung empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
  1. Das Ausgangsbild möglichst sauber und eng auf das relevante Motiv zuschneiden.
  2. Je nach Gegenstand zunächst eine passende Motivkategorie auswählen.
  3. Alternativ das eigene Bild über die Upload-Suche hochladen.
  4. Die ähnlichsten Treffer einzeln öffnen.
  5. Nicht nur das Bild, sondern auch das vollständige digitalisierte Werk prüfen.
  6. Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Signatur, Seitenzahl und Herkunft der Abbildung festhalten.
  7. Den OPAC-Eintrag beziehungsweise den Viewer der Digitalen Sammlungen aufrufen.
  8. Erst danach heraldische, genealogische oder regionalgeschichtliche Schlussfolgerungen ziehen.

Besonders wichtig ist es, bei einem Fund auch die Signatur und die genaue Seite beziehungsweise Blattangabe zu dokumentieren. Ein bloßer Bildausschnitt ohne bibliografischen Zusammenhang reicht für einen belastbaren Nachweis nicht aus.

Beispiele für heraldisch-genealogisch interessante Bestände

Über die Bildähnlichkeitssuche sind unter anderem umfangreiche Wappenbücher, Exlibrissammlungen und Familienalben erschlossen. Beispiele sind:
Bewertung

Die Bildähnlichkeitssuche der Bayerischen Staatsbibliothek ist ein äußerst nützliches Werkzeug, wenn die Bezeichnung eines Motivs unbekannt ist oder eine klassische Textsuche nicht weiterführt. Ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie einen nicht textgebundenen Zugang zu Millionen historischer Abbildungen ermöglicht.

Für Heraldiker, Genealogen und Regionalhistoriker kann sie überraschende Vergleichsfunde liefern, bislang unbekannte Bildquellen erschließen und auf Zusammenhänge zwischen verschiedenen Handschriften, Drucken und Sammlungen aufmerksam machen.

Die Ergebnisse sind jedoch als Ausgangspunkt einer weiteren Untersuchung zu verstehen. Eine Bildähnlichkeit ist noch keine Identifizierung und schon gar kein genealogischer Abstammungsnachweis.

Weiterführende Quellen
Fragen zur weiteren Diskussion
  • Konnten damit unterschiedliche Darstellungen desselben Familienwappens aufgefunden werden?
  • Wie zuverlässig erscheinen die Treffer bei einfachen Wappenfiguren wie Adler, Löwe, Balken oder Stern?
  • Lassen sich über Porträts, Familienalben oder Ansichten von Herrensitzen konkrete genealogische Zusammenhänge herstellen?
  • Welche anderen Bibliotheken oder Archive bieten vergleichbare bildbasierte Suchmöglichkeiten?
"IN OMNIBUS ORDO"

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