Neumann von Neuberg – Richtigstellung zu Siebmacher nach Prager Archivakten
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Neumann von Neuberg – Richtigstellung zu Siebmacher nach Prager Archivakten
2 Wochen 6 Tage her
Neumann von Neuberg – Richtigstellung zu Siebmacher/Meraviglia und Ergänzung nach Prager Archivakten
GIRALDUS
Liebe Mitforscherinnen und Mitforscher,
hier eine Richtigstellung bzw. quellenkritische Ergänzung zu den Angaben über die Familie Neumann von Neuberg, wie sie in der heraldischen Sekundärliteratur – insbesondere im Umfeld von Siebmacher Böhmen, Meraviglia und Sedláček – teilweise ungenau oder verkürzt wiedergegeben wurden.
Nach Einsicht in die einschlägigen Akten im Nationalarchiv Prag, insbesondere in den Böhmischen Saalbüchern, Nr. 111, Fol. 900–905, ergibt sich folgendes Bild.
1. Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg
Heinrich Wilhelm Neumann, später von Neuberg, wurde um 1620 in Friedland, heute Frýdlant, geboren und starb am 1. November 1689.
Er war Herrschaftshauptmann in Friedland. Eine ortsgeschichtliche Übersicht nennt Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg als Hejtman/Hauptmann der Herrschaft Frýdlant für die Jahre 1685–1688 und vermerkt ebenfalls den Tod am 1. November 1689.
Nach den vorliegenden Archivnotizen erhielt Heinrich Wilhelm Neumann um 1685 den Adelsstand bzw. eine Wappen-/Adelsverleihung durch einen Comes palatinus. Dieser Punkt wäre besonders interessant, da Comes-palatini-Verleihungen in der späteren Adels- und Wappenliteratur nicht immer einheitlich verarbeitet wurden.
2. Johann Friedrich Anton / Johann Friedrich Neumann von Neuberg
Johann Friedrich Anton, Sohn Heinrich Wilhelms, wurde am 5. September 1664 in Friedland/Frýdlant geboren bzw. getauft.
Er war kaiserlicher Rat und Vorsteher/Starost bei der böhmischen Landtafel.
Am 30. Juni 1710 erfolgte die Standeserhebung mit dem Prädikat „von Neuberg“. Nach dem hier herangezogenen Aktenbefund ist dies als böhmischer Ritterstand zu verstehen.
Wichtiger quellenkritischer Hinweis:
In August von Doerrs Werk Der Adel der böhmischen Kronländer, Prag 1900, S. 195, ist Johann Friedrich Neumann mit dem Prädikat „von Neuberg“ und dem Datum Wien, 30. Juni 1710, angeführt; Doerr bezeichnet den Vorgang dort jedoch als Adelstand, nicht als Ritterstand. Die Drucküberlieferung ist hier also uneinheitlich. Bis zur vollständigen Transkription der Prager Akten sollte man daher sauber formulieren:
„Ritterstand laut Aktenbefund der Böhmischen Saalbücher; bei Doerr abweichend als Adelstand gedruckt.“
Ebenfalls zu korrigieren bzw. zu prüfen ist das Todesdatum Johann Friedrichs. Das Datum 1. November 1689 gehört offenbar zu Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg. Für Johann Friedrich Neumann von Neuberg ist nach derzeitigem Prüfbefund eher ein Tod am 17. Juli 1731 anzusetzen. Diese Angabe sollte jedoch noch anhand eines Originaleintrags, etwa Matrikel, Landtafel- oder Nachlassquelle, gesichert werden.
3. Wappen nach dem Aktenbefund
Nach den im Nationalarchiv Prag eingesehenen Akten lautet die Wappenbeschreibung:
In heraldisch geglätteter Form:
Blasonierung:
Gespalten; vorn in Silber am Spalt ein halber schwarzer, rot gezungter Adler; hinten dreimal geteilt von Gold und Rot. Auf dem gekrönten oder ungekrönten Turnierhelm mit rechts schwarz-silbernen, links rot-goldenen Decken und schwarz-silbernem Wulst mit abflatternden Bändern fünf blaue Straußenfedern.
Anmerkung zur Helmkrone:
Da im Aktenblason ausdrücklich ein Turnierhelm mit Wulst und abflatternden Bändern genannt wird, sollte eine Helmkrone nur dann ergänzt werden, wenn sie im Originaldiplom oder in der Originalzeichnung tatsächlich sichtbar ist. Andernfalls ist der Wulst maßgeblich.
4. Abweichungen in der Literatur
Die bekannten gedruckten Quellen sind mit Vorsicht zu verwenden:
5. Besonders zu prüfende Punkte
Für die weitere Forschung wären folgende Punkte interessant:
6. Vorläufiges Ergebnis
Die Familie Neumann von Neuberg ist in der heraldischen Literatur offenbar mehrfach ungenau wiedergegeben worden. Maßgeblich sollte daher nicht die verkürzte Drucküberlieferung, sondern der Aktenbefund aus den Prager Saalbüchern sein.
Als vorläufig gesichert kann festgehalten werden:
Über Ergänzungen, besonders zu den Prager Saalbuchfolien, zu Matrikelbelegen und zu einer farbigen bzw. aktennahen Wappenabbildung, würde ich mich sehr freuen.
GIRALDUS
Liebe Mitforscherinnen und Mitforscher,
hier eine Richtigstellung bzw. quellenkritische Ergänzung zu den Angaben über die Familie Neumann von Neuberg, wie sie in der heraldischen Sekundärliteratur – insbesondere im Umfeld von Siebmacher Böhmen, Meraviglia und Sedláček – teilweise ungenau oder verkürzt wiedergegeben wurden.
Nach Einsicht in die einschlägigen Akten im Nationalarchiv Prag, insbesondere in den Böhmischen Saalbüchern, Nr. 111, Fol. 900–905, ergibt sich folgendes Bild.
1. Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg
Heinrich Wilhelm Neumann, später von Neuberg, wurde um 1620 in Friedland, heute Frýdlant, geboren und starb am 1. November 1689.
Er war Herrschaftshauptmann in Friedland. Eine ortsgeschichtliche Übersicht nennt Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg als Hejtman/Hauptmann der Herrschaft Frýdlant für die Jahre 1685–1688 und vermerkt ebenfalls den Tod am 1. November 1689.
Nach den vorliegenden Archivnotizen erhielt Heinrich Wilhelm Neumann um 1685 den Adelsstand bzw. eine Wappen-/Adelsverleihung durch einen Comes palatinus. Dieser Punkt wäre besonders interessant, da Comes-palatini-Verleihungen in der späteren Adels- und Wappenliteratur nicht immer einheitlich verarbeitet wurden.
2. Johann Friedrich Anton / Johann Friedrich Neumann von Neuberg
Johann Friedrich Anton, Sohn Heinrich Wilhelms, wurde am 5. September 1664 in Friedland/Frýdlant geboren bzw. getauft.
Er war kaiserlicher Rat und Vorsteher/Starost bei der böhmischen Landtafel.
Am 30. Juni 1710 erfolgte die Standeserhebung mit dem Prädikat „von Neuberg“. Nach dem hier herangezogenen Aktenbefund ist dies als böhmischer Ritterstand zu verstehen.
Wichtiger quellenkritischer Hinweis:
In August von Doerrs Werk Der Adel der böhmischen Kronländer, Prag 1900, S. 195, ist Johann Friedrich Neumann mit dem Prädikat „von Neuberg“ und dem Datum Wien, 30. Juni 1710, angeführt; Doerr bezeichnet den Vorgang dort jedoch als Adelstand, nicht als Ritterstand. Die Drucküberlieferung ist hier also uneinheitlich. Bis zur vollständigen Transkription der Prager Akten sollte man daher sauber formulieren:
„Ritterstand laut Aktenbefund der Böhmischen Saalbücher; bei Doerr abweichend als Adelstand gedruckt.“
Ebenfalls zu korrigieren bzw. zu prüfen ist das Todesdatum Johann Friedrichs. Das Datum 1. November 1689 gehört offenbar zu Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg. Für Johann Friedrich Neumann von Neuberg ist nach derzeitigem Prüfbefund eher ein Tod am 17. Juli 1731 anzusetzen. Diese Angabe sollte jedoch noch anhand eines Originaleintrags, etwa Matrikel, Landtafel- oder Nachlassquelle, gesichert werden.
3. Wappen nach dem Aktenbefund
Nach den im Nationalarchiv Prag eingesehenen Akten lautet die Wappenbeschreibung:
Schild gespalten; vorn in Silber ein rot gezungter schwarzer halber Adler am Spalt, hinten dreimal geteilt in Gold und Rot. Auf dem Turnierhelm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-goldenen Decken sowie schwarz-silbernem Wulst mit abflatternden Bändern fünf blaue Straußenfedern.
In heraldisch geglätteter Form:
Blasonierung:
Gespalten; vorn in Silber am Spalt ein halber schwarzer, rot gezungter Adler; hinten dreimal geteilt von Gold und Rot. Auf dem gekrönten oder ungekrönten Turnierhelm mit rechts schwarz-silbernen, links rot-goldenen Decken und schwarz-silbernem Wulst mit abflatternden Bändern fünf blaue Straußenfedern.
Anmerkung zur Helmkrone:
Da im Aktenblason ausdrücklich ein Turnierhelm mit Wulst und abflatternden Bändern genannt wird, sollte eine Helmkrone nur dann ergänzt werden, wenn sie im Originaldiplom oder in der Originalzeichnung tatsächlich sichtbar ist. Andernfalls ist der Wulst maßgeblich.
4. Abweichungen in der Literatur
Die bekannten gedruckten Quellen sind mit Vorsicht zu verwenden:
- August Sedláček, Českomoravská heraldika, Prag 1925, S. 544: Die dortige Wappenbeschreibung ist nach dem hier vorliegenden Aktenbefund offenbar nicht korrekt bzw. zumindest nicht vollständig verlässlich.
- August von Doerr, Der Adel der böhmischen Kronländer, Prag 1900, S. 195: Doerr nennt Johann Friedrich Neumann mit „von Neuberg“, Wien 30. Juni 1710, führt den Vorgang aber als „Adelstand“, nicht als Ritterstand.
- Rudolf Johann Graf Meraviglia-Crivelli, Der böhmische Adel, 1885, S. 290 bzw. Tafel 140: Dort erscheint „Neumann von Neuberg, Ritter“. Die Abbildung zeigt jedoch nur den Schild und ist in Beschreibung und Darstellung nicht in allen Punkten aktengetreu.
- Sudetendeutsche Familienforschung, Jahrgang 1928/29: Der Artikel von Anton Ressel, Adels- und Wappenwerber aus dem Iser-Jeschkengau, behandelt Heinrich Wilhelm und Johann Friedrich Neumann von Neuberg und ist als genealogisch-heraldische Vergleichsquelle besonders heranzuziehen.
- Böhmische Saalbücher, Nr. 111, Fol. 900–905: Nach derzeitiger Quellenlage die maßgebliche Primärquelle für die Standeserhebung und den Wappenblason.
5. Besonders zu prüfende Punkte
Für die weitere Forschung wären folgende Punkte interessant:
- Kann jemand einen Scan oder eine vollständige Transkription der Böhmischen Saalbücher, Nr. 111, Fol. 900–905 beisteuern?
- Ist in der Originalakte von 1710 ausdrücklich vom Ritterstand die Rede, oder erklärt sich Doerrs Angabe „Adelstand“ aus einer verkürzten Regestierung?
- Lässt sich das Todesdatum Johann Friedrich Neumanns archivalisch sichern? Ist der 17. Juli 1731 durch Matrikel, Landtafel- oder Nachlassakten belegbar?
- Gehört das Todesdatum 1. November 1689 eindeutig zu Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg?
- Wie lautet der originale Wappenblason im Wortlaut: „hinten dreimal geteilt von Gold und Rot“ oder eher „in Gold zwei rote Balken“? Dieser Punkt ist wichtig, da spätere Literaturstellen hier offenbar voneinander abweichen.
- Ist der Comes palatinus bekannt, der Heinrich Wilhelm Neumann um 1685 den Adelsstand bzw. das Wappen verliehen haben soll?
- Besteht eine direkte Verbindung zum späteren Wappen- bzw. Namensgebrauch Gemrich von Neuberg, bei dem in der Literatur eine Übernahme bzw. Abwandlung des Neumann’schen Wappens angesprochen wird?
6. Vorläufiges Ergebnis
Die Familie Neumann von Neuberg ist in der heraldischen Literatur offenbar mehrfach ungenau wiedergegeben worden. Maßgeblich sollte daher nicht die verkürzte Drucküberlieferung, sondern der Aktenbefund aus den Prager Saalbüchern sein.
Als vorläufig gesichert kann festgehalten werden:
- Heinrich Wilhelm Neumann von Neuberg war Herrschaftshauptmann in Friedland/Frýdlant und starb am 1. November 1689.
- Johann Friedrich Neumann von Neuberg wurde am 5. September 1664 in Friedland/Frýdlant geboren bzw. getauft.
- Die Erhebung mit dem Prädikat „von Neuberg“ erfolgte am 30. Juni 1710 in Wien.
- Die Einordnung als Ritterstand wird durch den Aktenbefund bzw. jüngere Auswertung gestützt, steht aber in Spannung zu Doerrs gedruckter Angabe „Adelstand“.
- Das Wappen ist nach den Akten vollständiger und anders zu beschreiben als in Teilen der älteren Sekundärliteratur.
Über Ergänzungen, besonders zu den Prager Saalbuchfolien, zu Matrikelbelegen und zu einer farbigen bzw. aktennahen Wappenabbildung, würde ich mich sehr freuen.
"IN OMNIBUS ORDO"
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