ÖStA: Aktenserie „Adelsaussterben“

ÖStA: Aktenserie „Adelsaussterben“

1 Woche 5 Tage her
#
Österreichisches Staatsarchiv: Aktenserie „Adelsaussterben“ – Hinweise zu erloschenen adeligen Geschlechtern

Im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs findet sich unter dem Stichwort „Adelsaussterben“ eine für genealogische, heraldische und adelsgeschichtliche Forschungen besonders interessante Aktenserie.

Es handelt sich dabei nicht um ein frei abrufbares Digitalisat einer gedruckten Gesamtliste, sondern um eine im Archivplan verzeichnete Serie innerhalb der Hofadelsakten des Allgemeinen Verwaltungsarchivs.

Archivsignatur / Fundstelle:
AT-OeStA/AVA Adel Hofadelsakten Adelsaussterben
Titel: Adelsaussterben
Laufzeit laut AIS: 1600–1918
Stufe: Serie
Zugänglichkeit: öffentlich; keine Bewilligung erforderlich; physische Benützbarkeit: uneingeschränkt
Direktlink:
Österreichisches Staatsarchiv – Adelsaussterben, 1600–1918

Einordnung im Archivplan

Die Serie liegt im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Allgemeines Verwaltungsarchiv, innerhalb der Bestandsgruppe Adel / Adelsarchiv, Bestand HAA – Hofadelsakten.

Der Archivpfad lautet sinngemäß:
Österreichisches Staatsarchiv
→ Allgemeines Verwaltungsarchiv
→ Adel / Adelsarchiv
→ Hofadelsakten
→ Akten
→ Adelsaussterben
 

Die im AIS sichtbare Untergliederung erfolgt alphabetisch in Kartons/Faszikel:
Was ist unter „Adelsaussterben“ zu verstehen?

Der Begriff ist mit Vorsicht zu verwenden. Im archivischen Zusammenhang bezeichnet er zunächst einen Aktenbetreff: Es handelt sich um Unterlagen, die mit dem Aussterben adeliger Familien bzw. Linien in Zusammenhang stehen. Daraus folgt noch nicht automatisch, dass jede dort genannte Familie „blutmäßig“ vollständig erloschen ist.

Genealogisch muss daher genau unterschieden werden:
  • Erlöschen im Mannesstamm: keine legitimen männlichen Namensträger bzw. keine männliche Stammfolge mehr nachweisbar.
  • Erlöschen des Namens: der Familienname wird in der adeligen Linie nicht mehr weitergeführt.
  • Erlöschen einer bestimmten Linie: eine Seitenlinie kann erloschen sein, während andere Zweige fortbestehen.
  • Blutmäßiges Fortleben: über Töchter können Nachkommen vorhanden sein, auch wenn Name, Titel oder Mannesstamm erloschen sind.
  • Adelsrechtlicher Befund: der konkrete Akt kann sich auf Erbfolge, Lehnsfolge, Prädikat, Wappen, Fideikommiss, Stiftungsrechte oder Behördenkorrespondenz beziehen.

Für die Forschung bedeutet das: Ein Treffer in dieser Serie ist ein sehr wertvoller Hinweis, ersetzt aber nicht die Prüfung des konkreten Aktes.

Beispiele aus der im AIS sichtbaren Unterstruktur

Im Archivplan sind unter den Kartons einzelne Akten sichtbar. Beispiele:
  • Abele, 1845
    Signatur: AT-OeStA/AVA Adel HAA 565.1
    Umfang laut AIS: fol. 1
    Wappen: nein; Siegel: nein
    AIS-Eintrag Abele, 1845
  • Haag, 1570
    Signatur: AT-OeStA/AVA Adel HAA 566.1
    Umfang laut AIS: fol. 1
    Wappen: nein; Siegel: nein
    Zusatzvermerk: „sh. Sig. 121.31 (Fraunberg 1570)“
    AIS-Eintrag Haag, 1570
  • Quattermart, sine dato
    Signatur: AT-OeStA/AVA Adel HAA 567.1
    im Karton Q–Z verzeichnet
    AIS-Eintrag Karton Q–Z

Diese Beispiele zeigen, dass die Serie sehr knapp erschlossen ist. Für den eigentlichen Inhalt ist eine Einsichtnahme in den jeweiligen Akt erforderlich.

Forschungswert für Genealogie und Heraldik

Die Serie ist besonders interessant für Fragen wie:
  • Welche adeligen Familien oder Linien wurden in der Behördenregistratur als ausgestorben behandelt?
  • Gibt es Hinweise auf den letzten männlichen Namensträger?
  • Wurde ein Wappen nach dem Aussterben einer Familie weiterbeansprucht oder übertragen?
  • Gab es Erbstreitigkeiten, Fideikommisse, Stiftungsrechte oder adelige Damenstifte im Zusammenhang mit dem Aussterben?
  • Wurde eine Linie als erloschen betrachtet, obwohl Nachkommen über weibliche Linien vorhanden waren?
  • Welche Rolle spielte die oberste Adelsbehörde bzw. das k.k. Ministerium des Inneren bei solchen Feststellungen?

Gerade für Familien, bei denen in genealogischen Taschenbüchern oder Adelslexika Formulierungen wie „im Mannesstamme erloschen“, „erloschen“ oder „ausgestorben“ vorkommen, kann diese Serie ein wichtiger Kontroll- und Ergänzungsbestand sein.

Abgrenzung zu anderen Beständen

Bei einer konkreten Familienforschung sollte die Serie „Adelsaussterben“ nicht isoliert betrachtet werden. Sinnvoll ist ein Abgleich mit weiteren Reihen des Adelsarchivs:
  • Hofadelsakten – Allgemeine Reihe: Akten zu Standeserhöhungen, Adelsbestätigungen, Wappenverleihungen, Wappenbesserungen, Adelsübertragungen und verwandten Vorgängen.
    AT-OeStA/AVA Adel HAA AR Allgemeine Reihe
  • Reichsadelsakten: für Reichsadels- und Wappenangelegenheiten bis 1806.
    AT-OeStA/AVA Adel RAA Reichsadelsakten
  • Stammbäume / genealogische Unterlagen im Adelsarchiv, sofern zur jeweiligen Familie vorhanden.
  • Gedruckte Hilfsmittel wie Karl Friedrich von Frank, Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die österreichischen Erblande, sowie Peter Frank-Döfering, Adelslexikon des österreichischen Kaisertums 1804–1918.

Praktische Recherchehinweise

Für die Suche im AIS empfiehlt sich:
  1. Im Archivinformationssystem nach dem Stichwort Adelsaussterben suchen.
  2. Den gewünschten Alphabetbereich wählen: A–G, H–P oder Q–Z.
  3. Nach Familiennamen und möglichen Schreibvarianten suchen.
  4. Bei Treffern die genaue Signatur notieren.
  5. Den Akt im Österreichischen Staatsarchiv zur Einsicht oder Reproduktion anfragen.
  6. Den Befund mit Adelslexika, Gotha, Kirchenbüchern, Matriken, Testamenten, Fideikommissakten und Grundbüchern abgleichen.

Wichtig: Unterschiedliche Schreibweisen können entscheidend sein. Familiennamen wurden in älteren Akten häufig nicht einheitlich geschrieben. Auch Umlaute, Prädikate, Herkunftsbezeichnungen und Namenszusätze sollten mitbedacht werden.

Warum ist diese Serie für unser Forum interessant?

Für genealogische Arbeiten ist „Adelsaussterben“ ein Schlüsselbegriff, weil er an der Schnittstelle von Familiengeschichte, Adelsrecht und Heraldik steht. Viele gedruckte Werke geben nur knappe Hinweise wie „erloschen“, „im Mannesstamme erloschen“ oder „ausgestorben“. Die Akten des Staatsarchivs können helfen, diese Angaben zu überprüfen, zu präzisieren oder in Einzelfällen zu korrigieren.

Besonders spannend ist die Frage, ob eine Familie tatsächlich vollständig erloschen ist oder ob nur Name, Mannesstamm, Titelberechtigung oder eine bestimmte Linie endeten. Für die Heraldik stellt sich zusätzlich die Frage, ob und wie Wappen weitergeführt, beansprucht oder mit anderen Familien verbunden wurden.

Offene Folgefragen für die weitere Forschung
  • Welche Familiennamen sind in den Kartons 565–567 tatsächlich vollständig enthalten?
  • Gibt es ein internes Register oder Findbuch zur Serie „Adelsaussterben“?
  • Beziehen sich die Akten überwiegend auf den Mannesstamm oder auf das vollständige Erlöschen einer Familie?
  • Welche Rolle spielten Wappen, Fideikommisse, Stiftungen oder Damenstifte bei diesen Akten?
  • Sind in einzelnen Fällen genealogische Stammbäume oder Beweismittel beigelegt?
  • Lassen sich die Angaben mit Gotha, Siebmacher, Frank-Döfering oder den Hof- und Staatsschematismen abgleichen?
  • Gibt es bekannte Fälle, in denen eine im Archiv als „ausgestorben“ behandelte Familie über weibliche Linien nachweisbar fortlebt?

Quellen
"IN OMNIBUS ORDO"

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Login Form