Literatur und Quellen zu Adelserhebungen unter Kaiser Franz Joseph I.

Literatur und Quellen zu Adelserhebungen unter Kaiser Franz Joseph I.

2 Wochen 1 Tag her - 2 Wochen 1 Tag her
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Literatur und Quellen zu Adelserhebungen unter Kaiser Franz Joseph I. bis zum Ende der Monarchie
Gesucht werden Hinweise auf Verzeichnisse, Literatur und archivalische Überlieferung zu Nobilitierungen bzw. Standeserhebungen in den letzten Jahrzehnten der Habsburgermonarchie, insbesondere für eine Bachelorarbeit mit digital-humanistischem Schwerpunkt zur Aufarbeitung und Aufbewahrung solcher Verzeichnisse.
 

Die Fragestellung ist sehr sinnvoll, sollte aber gleich zu Beginn sauber abgegrenzt werden. Bei „Adelserhebungen unter Franz Joseph I. bis zum Ende des Ersten Weltkriegs“ muss man nämlich unterscheiden, ob nur die österreichische Reichshälfte bzw. Cisleithanien gemeint ist, oder die gesamte Habsburgermonarchie einschließlich Ungarn/Kroatien. Gerade ab 1867 laufen österreichische und ungarische Adelsangelegenheiten verwaltungsmäßig getrennt, was für die Quellenlage entscheidend ist.

1. Der wichtigste Ausgangspunkt: Österreichisches Staatsarchiv / Adelsarchiv

Für die österreichische Reichshälfte ist der zentrale archivalische Ansatzpunkt das Österreichische Staatsarchiv, Abteilung Allgemeines Verwaltungs-, Finanz- und Hofkammerarchiv, Bestandsgruppe „Adel“ bzw. „Adelsarchiv“. Dort finden sich die Hofadelsakten, also die Akten zu österreichischen Adels- und Wappenverleihungen, Standeserhöhungen, Wappenbesserungen, Bestätigungen und ähnlichen Gnadenakten.

Besonders wichtig ist dabei: In den Akten liegt in der Regel nicht das ausgehändigte Diplom selbst, sondern das Konzept, das Gesuch und oft weiteres Verwaltungsmaterial. Gerade die Akten des 19. Jahrhunderts können für eine sozial- und verwaltungsgeschichtliche Arbeit sehr ergiebig sein, weil sie häufig Angaben zur Person, zum Beruf, zu Verdiensten, Ordensverleihungen, Taxen, Genehmigungsgang und zum Adelsprädikat enthalten.

Für eine digital-humanistische Bachelorarbeit wäre daher nicht nur die Frage interessant, „wer wurde geadelt?“, sondern auch: Wie wurden diese Fälle erschlossen, welche Metadaten wurden gebildet, wie stabil sind Namen, Prädikate, Datierungen und Kategorien, und wo liegen Brüche zwischen Akten, gedruckten Regesten und späterer genealogischer Literatur?

2. Gedruckte und bibliographische Hauptquellen
  • Peter Frank-Döfering: Adelslexikon des österreichischen Kaisertums 1804–1918. Wien/Freiburg/Basel 1989.
    Für den Zeitraum der österreichischen Monarchie ist dies wohl einer der wichtigsten ersten Zugänge. Das Werk erschließt in Regestenform zahlreiche Adelsakte des österreichischen Kaiserreichs und wird auch vom ÖStA als zentrale Erschließungshilfe genannt.
  • Karl Friedrich von Frank: Alt-Österreichisches Adelslexikon 1825–1918.
    Der Hinweis auf Karl Friedrich von Frank ist berechtigt, allerdings sollte man für die konkrete Arbeit genau prüfen, welche Ausgabe bzw. welches Werk verwendet wird. Frank ist als Regestenbearbeiter und genealogisch-heraldischer Autor zentral, für den Zeitraum bis 1918 ist aber besonders die spätere Bearbeitung bzw. Fortführung durch Frank-Döfering zu beachten.
  • Karl Friedrich von Frank: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die österreichischen Erblande bis 1806 sowie kaiserlich österreichische bis 1823. 5 Bände, Senftenegg 1967–1974.
    Für die letzten Jahrzehnte der Monarchie ist dieses Werk nicht der Haupttitel, aber als methodisches Vergleichswerk und für ältere Linien bzw. Vorverleihungen dennoch wichtig.
  • Johann Baptist Witting: Statistik der Standeserhöhungen während der Regierung Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph I. In: Festschrift zum fünfzigjährigen Regierungs-Jubiläum Kaiser Franz Josephs I., Wien 1898, S. 59–91.
    Sehr wertvoll für die ersten fünfzig Regierungsjahre Franz Josephs, also 1848–1898. Für eine Arbeit über die letzten Jahrzehnte kann Witting als zeitgenössischer statistischer Einstieg dienen.
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Statistik der Nobilitierungen in Österreich 1701–1918. In: Österreichisches Familienarchiv, Bd. 1, Neustadt an der Aisch 1963, S. 3–16.
    Nützlich als zusammenfassender statistischer Überblick über die lange Entwicklung bis 1918.
  • Arno Georg Kerschbaumer: Nobilitierungen unter der Regentschaft Kaiser Franz Joseph I. / I. Ferenc József király (1914–1916). Graz 2017; 2. erweiterte Auflage Graz 2022.
    Für die unmittelbare Kriegszeit unter Franz Joseph I. besonders wichtig. Die zweite erweiterte Auflage sollte, wenn verfügbar, bevorzugt herangezogen werden.
  • Arno Georg Kerschbaumer: Nobilitierungen unter der Regentschaft Kaiser Karl I. / IV. Károly király (1916–1921). Graz 2016; 2. erweiterte Auflage Graz 2021.
    Für die Endphase der Monarchie unverzichtbar. Da der Titel bis 1921 reicht, sollte bei einer Arbeit „bis 1918“ sauber abgegrenzt werden, welche Fälle noch in die Monarchie fallen und welche bereits in die Nachgeschichte der Verfahren gehören.
  • Peter Wiesflecker: Die Nobilitierungen Kaiser Karls I. von Österreich. Studien zum österreichischen Adel am Ende der Donaumonarchie. Dissertation, Wien 1992.
    Eine wichtige wissenschaftliche Arbeit zum Adel am Ende der Monarchie und besonders für den Zeitraum Kaiser Karl I.
  • József Gerő: A Királyi Könyvek 1867–1918. Budapest 1940.
    Für ungarische Adelsverleihungen nach dem Ausgleich von 1867 ist dieser Titel wichtig. Wer die gesamte Monarchie und nicht nur Cisleithanien behandelt, muss Ungarn gesondert einbeziehen.

3. Vorsicht bei der Begriffsabgrenzung

Für die Arbeit sollte vorab definiert werden, was genau unter „Adelserhebung“ verstanden wird. In den Quellen begegnen mehrere, nicht immer gleich zu behandelnde Kategorien:
  • Erhebung in den einfachen Adel,
  • Ritterstand,
  • Freiherrenstand,
  • Grafenstand,
  • Fürstenstand,
  • Wappenverleihung,
  • Wappenbesserung,
  • Prädikatsverleihung,
  • Namens- und Prädikatsänderung,
  • Adelsbestätigung,
  • Prävalierung ausländischen Adels,
  • Ordensadel,
  • systemmäßiger Militäradel,
  • nicht bewilligte oder unerledigt gebliebene Gesuche.

Gerade für eine digital-humanistische Arbeit wäre es methodisch sehr reizvoll, diese Kategorien nicht einfach zu vermischen, sondern als eigene Felder in einem Datensatz zu erfassen.

4. Möglicher Aufbau einer Bachelorarbeit

Ein praktikabler Aufbau könnte sein:
  • Einleitung: Forschungsfrage, Zeitraum, geographischer Rahmen, Begriff „Nobilitierung“.
  • Verwaltungsgeschichte: Adelsbehörde, Innenministerium, Adelsarchiv, Aktenbildung.
  • Quellenkunde: Adelsakten, Diplome, Regesten, gedruckte Verzeichnisse, spätere genealogische Literatur.
  • Probleme der Erschließung: Namensvarianten, Prädikate, Mehrsprachigkeit, deutsch/ungarische Bezeichnungen, Datum der Allerhöchsten Entschließung vs. Diplomdatum.
  • Digital-humanistischer Teil: Entwurf eines Metadatenschemas, Normdaten, kontrollierte Vokabulare, Unsicherheitsfelder, Verlinkung zu Archivsignaturen.
  • Fallstudie: etwa ein bestimmter Zeitraum, z. B. 1914–1918, oder eine bestimmte Gruppe, z. B. Offiziere, Beamte, Unternehmer, Ordensadel.
  • Fazit: Was leisten gedruckte Verzeichnisse, wo beginnen archivalische Nachprüfungen, und welche Chancen bietet eine digitale Aufbereitung?

5. Denkbare Datenfelder für eine digitale Erfassung

Für eine Datenbank oder ein DH-Projekt könnten folgende Felder sinnvoll sein:
  • Familienname vor der Verleihung,
  • Name nach der Verleihung,
  • Adelsgrad,
  • Prädikat,
  • Art des Gnadenaktes,
  • Datum der Allerhöchsten Entschließung,
  • Datum des Diploms,
  • Beruf oder Stand des Begünstigten,
  • zuständige Behörde,
  • Kronland bzw. Staatszugehörigkeit,
  • österreichische oder ungarische Linie der Verwaltung,
  • Ordensverleihung als möglicher Anlass,
  • militärischer oder ziviler Erwerb,
  • Taxe bzw. Taxnachsicht,
  • Wappen vorhanden ja/nein,
  • Archivsignatur,
  • gedruckter Nachweis,
  • Bemerkungen zu Unsicherheiten.

6. Einschätzung

Für den genannten Zeitraum führt kein Weg an Frank-Döfering, Kerschbaumer und dem ÖStA-Adelsarchiv vorbei. Für den Zeitraum Franz Joseph I. bis 1898 ist Witting als zeitgenössische Statistik besonders interessant, für die Endphase der Monarchie sind Kerschbaumer und Wiesflecker wesentlich. Sobald Ungarn einbezogen wird, muss Gerő bzw. die ungarische Archivüberlieferung berücksichtigt werden.

Die ursprüngliche Frage nach „Verzeichnissen“ lässt sich daher so beantworten: Ja, es gibt gedruckte Regesten und statistische Übersichten, aber für eine wissenschaftliche Arbeit sollte man sie nicht als Ersatz für die Adelsakten, sondern als Einstieg und Erschließungsschlüssel verwenden.

7. Weiterführende Fragen an das Forum
  • Gibt es Erfahrungen, wie vollständig Frank-Döfering für die letzten Jahrzehnte der Monarchie gegenüber den tatsächlichen Hofadelsakten ist?
  • Welche Bestände im ÖStA-AIS sind für Hofadelsakten der Zeit 1867–1918 bereits online ausreichend erschlossen?
  • Hat jemand praktische Erfahrung mit der Benutzung der einschlägigen ungarischen Bestände bzw. mit Gerő, A Királyi Könyvek 1867–1918?
  • Gibt es bereits digitale Projekte oder Datenbanken zu Nobilitierungen der Habsburgermonarchie, an die man methodisch anschließen könnte?
  • Sollte man abgelehnte oder unerledigte Adelsgesuche in eine solche Untersuchung aufnehmen, oder den Rahmen zunächst auf tatsächlich bewilligte Standeserhebungen beschränken?
  • Welche Kategorien wären für eine digitale Erfassung am wichtigsten: sozialer Stand, Beruf, Konfession, Kronland, Anlass der Verleihung, Adelsgrad, Wappen oder Archivsignatur?
  • Kennt jemand Arbeiten, die speziell die Aufbewahrung, Erschließung und spätere Regestierung der Adelsakten im Adelsarchiv behandeln?

Quellen und weiterführende Links
"IN OMNIBUS ORDO"

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