Österreichische Orden im Archiv – die Ordenskanzlei 1898–1949 (2/3)

Österreichische Orden im Archiv – die Ordenskanzlei 1898–1949 (1/3)

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Österreichische Orden im Archiv – die Ordenskanzlei 1898–1949 und ihre verborgenen Querverbindungen

Ein Wegweiser zur archivalischen Erforschung von Ordensverleihungen in der Habsburgermonarchie und der Republik Österreich

Wer in einer Familienchronik, einem Militärschematismus, einem Nachruf oder auf einem alten Porträt auf die Nachricht stößt, ein Vorfahr habe den Leopold-Orden, den Orden der Eisernen Krone oder den Franz-Joseph-Orden erhalten, steht bald vor einer naheliegenden Frage:

Wo befindet sich heute der eigentliche Verleihungsakt?

Die Antwort ist weniger einfach, als die Bezeichnung „Ordenskanzlei“ vermuten lässt. Denn das österreichische Ordenswesen hinterließ seine Schriftstücke nicht nur bei einer einzigen Behörde. Vorschlag, Begutachtung, Entscheidung des Monarchen, administrative Durchführung und – bei Militärpersonen – die Begründung einer Auszeichnung konnten bei verschiedenen Stellen aktenmäßig festgehalten werden.

Einen der wichtigsten Ausgangspunkte bildet heute im Haus-, Hof- und Staatsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs der Teilbestand

AT-OeStA/HHStA HA OrdK – Ordenskanzlei, 1898–1949.

Gerade für genealogische und biographische Forschungen verdient dieser Bestand besondere Aufmerksamkeit.

1. Was war die Ordenskanzlei?

Die archivalische Einordnung ist bereits aufschlussreich. Der Bestand befindet sich innerhalb der Hofarchive beim Obersthofmeisteramt. Die Ordensverleihung war somit nicht einfach eine gewöhnliche Angelegenheit der staatlichen Verwaltung, sondern Teil jener unmittelbaren monarchischen Sphäre, in der der Kaiser als Souverän und Großmeister beziehungsweise Stifter der Orden handelte.

Eine eigentliche zentrale Ordenskanzlei entstand erst während des Ersten Weltkriegs.

Im Jahr 1915 wurden die bis dahin getrennt arbeitenden Kanzleien

– des österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens,
– des Ordens der Eisernen Krone und
– des Franz-Joseph-Ordens

zu einem beim Obersthofmeisteramt angesiedelten „Departement für Ordensangelegenheiten“ vereinigt.

Damit entstand eine gemeinsame Verwaltungsstelle für drei der bedeutendsten zivilen beziehungsweise allgemein zugänglichen Verdienstorden der späten Habsburgermonarchie.

Ab 1916 wurden gemeinsame Find- und Geschäftsbücher geführt.

Das ist für die Forschung entscheidend: Vor und nach 1915 gelten unterschiedliche Suchwege.


2. Warum trägt der Bestand trotzdem die Laufzeit 1898–1949?

Die Jahresangabe „1898–1949“ kann zunächst irreführen. Sie bedeutet nicht, dass zwischen 1898 und 1949 ununterbrochen kaiserliche Orden verliehen worden wären.

Die Monarchie endete bekanntlich 1918.

Die lange Laufzeit erklärt sich vielmehr aus der Geschichte der Registratur und ihrer späteren Verwaltung. Die neue Ordenskanzlei übernahm ältere Unterlagen und Findmittel der vorher selbständigen Ordenskanzleien. Besonders wichtig ist eine heute im Archivinformationssystem erschlossene alphabetische Personenkartei für die Jahre 1898–1940.

Nach dem Ende der Monarchie verschwand außerdem die Verwaltungsarbeit nicht sofort.

Vom 28. November 1921 bis Ende Dezember 1922 wurden die Geschäfte der ehemaligen Ordenskanzlei von der neu eingerichteten Abteilung Hofarchive des Staatsarchivs geführt. Danach gelangten die betreffenden Aufgaben an das Finanzministerium, das sie bis 1949 weiterführte.

Die Jahreszahl 1949 ist daher vor allem archiv- und verwaltungsgeschichtlich zu verstehen und darf nicht als Zeitraum fortgesetzter Verleihungen der alten kaiserlichen Orden gelesen werden.

3. Was befindet sich im Teilbestand Ordenskanzlei?

Der Bestand umfasst laut Archivinformationssystem 241 Archivalieneinheiten und besteht aus Akten und Geschäftsbüchern.

Für die praktische Forschung sind drei Gruppen besonders wichtig:

1. Karteien, 1898–1940

Die alphabetische Kartei ist häufig der bequemste Einstieg bei einer Personensuche.

2. Geschäftsbücher, 1915–1949

Dazu gehören Ordensprotokolle, Indices und weitere Kanzleibücher. Bereits Band 1 ist als „Ordensprotokoll 1915“ ausgewiesen.

3. Akten, 1915–1949

Hier liegen die eigentlichen Schriftstücke der zentralen Ordenskanzlei, nach Geschäftszahlen geordnet.

Das Ordnungssystem wird vom Archiv als Zahlenregistratur bezeichnet. Das bedeutet vereinfacht:

Nicht der Name des Ausgezeichneten bestimmt den Lagerort des Aktes, sondern die bei der Kanzlei vergebene Geschäftszahl.

Der Name führt zur Zahl – und die Zahl zum Akt.


4. Die wichtigste Forschungsregel: Die Karteikarte ist nicht der Akt

Dieser Unterschied ist für Anfänger besonders wichtig.

Im Archivinformationssystem sind mittlerweile zahlreiche Personen aus der historischen Ordenskartei einzeln recherchierbar. Eine solche Eintragung kann bereits Namen, Jahr, Geschäftszahl und teilweise sogar Orden, Klasse oder besondere Dekoration nennen.

Ein Beispiel zeigt sehr schön, wie das System funktioniert:

Benjamin Kacskovics erscheint in der Ordenskartei unter

AT-OeStA/HHStA HA OrdK Kartei 6-21

mit der Geschäftszahl

803/1916

und dem Vermerk

„Ritterkreuz, Franz Josef Orden, Kriegsdekoration“.

Damit besitzt der Forscher bereits den Schlüssel zum eigentlichen Verleihungsakt.

Das Österreichische Staatsarchiv warnt bei diesen Karteieinträgen ausdrücklich:

Die Karteikarten sind lediglich Findmittel. Der eigentliche Akt befindet sich unter der angegebenen Aktenzahl im entsprechenden Jahrgang der Ordenskanzlei.

Man sollte daher niemals eine Karteikarte mit dem vollständigen Ordensakt verwechseln.

Gerade für genealogische Arbeiten ist das wesentlich. Die Kartei bestätigt zunächst, dass eine Person in der Ordensregistratur erfasst wurde. Erst der zugehörige Akt kann zeigen, warum, auf wessen Vorschlag und in welchem administrativen Zusammenhang die Auszeichnung verliehen wurde.


5. Die zweite Forschungsregel: Vor 1915 im jeweiligen Ordensarchiv suchen

Besonders wertvoll ist die Kartei deshalb, weil sie bis 1898 zurückreicht.

Doch hier liegt eine archivalische Falle.

Das Österreichische Staatsarchiv weist bei den Karteibänden ausdrücklich darauf hin:

Die Akten liegen erst ab 1915 in den Kartons der zentralen Ordenskanzlei. Bei älteren Verleihungen muss im Archiv des jeweiligen Ordens gesucht werden.

Findet man beispielsweise eine Karteikarte für eine Verleihung aus dem Jahr 1907, führt die Geschäftszahl also nicht in einen OrdK-Aktenkarton des Jahres 1907 – einen solchen gibt es in dieser Reihe nicht –, sondern in die ältere Registratur des betreffenden Ordens.

Damit werden drei Teilbestände besonders wichtig:

AT-OeStA/HHStA HA LO – Leopold-Orden, 1808–1914

Der Bestand umfasst 214 Archivalieneinheiten aus Akten und Geschäftsbüchern. Auch hier liegt eine Zahlenregistratur vor.

AT-OeStA/HHStA HA EKO – Orden der Eisernen Krone, 1816–1921

Mit 311 Archivalieneinheiten handelt es sich um einen besonders umfangreichen Ordensbestand. Auch er enthält Akten und Geschäftsbücher.

AT-OeStA/HHStA HA FJO – Franz-Joseph-Orden, 1850–1914

Dieser Teilbestand umfasst 152 Archivalieneinheiten.

Für alle drei Bestände nennt das Archiv als Findbehelf XII/8.

Damit lässt sich eine wichtige Faustregel formulieren:
1898–1914: Die Personenkartei der Ordenskanzlei kann als Namenszugang dienen – der eigentliche Akt ist aber grundsätzlich im Archiv des jeweiligen Ordens zu suchen.

Ab 1915: Kartei beziehungsweise Geschäftsbuch führen zur Geschäftszahl und damit in die Aktenreihe der zentralen Ordenskanzlei.
 


6. Was kann ein Ordensakt enthalten?

Der Inhalt ist nicht bei jeder Person gleich umfangreich.

Ein Ordensakt sollte deshalb nicht mit einem modernen Personalakt verwechselt werden. Sein Zweck war die Bearbeitung einer Auszeichnung, nicht die vollständige Dokumentation eines Lebenslaufes.

Je nach Fall können jedoch vorhanden sein:

– Vorschläge oder Anträge,
– Schreiben beteiligter Behörden,
– Angaben zu Amt, Stellung oder Dienstgrad,
– Begründungen der Auszeichnung,
– Hinweise auf bisherige Auszeichnungen,
– Korrespondenz über Ordensklasse und Dekoration,
– administrative Vermerke,
– Entscheidungen beziehungsweise Hinweise auf die allerhöchste Entschließung,
– Ausfertigungs- und Zustellungsvermerke.

Gerade die Begründung kann für Familienforscher ausgesprochen wertvoll sein. Ein nüchterner Eintrag im Hof- und Staatshandbuch – etwa „Ritter des Franz-Joseph-Ordens“ – wird dadurch möglicherweise zu einer konkreten Geschichte über jahrzehntelangen Staatsdienst, diplomatische Tätigkeit, wirtschaftliche Leistungen oder Verdienste während des Ersten Weltkriegs.

Allerdings gilt: Nicht jeder Ordensakt enthält eine ausführliche Verleihungsbegründung. Deshalb ist die Suche nach Parallelakten so wichtig.
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Re: Österreichische Orden im Archiv – die Ordenskanzlei 1898–1949 (2/3)

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7. Kabinettskanzlei: Wo die Entscheidung des Monarchen sichtbar werden kann

Die Beschreibung der Ordensbestände selbst verweist ausdrücklich auf die Vorträge der Kabinettskanzlei.

Der Bestand

AT-OeStA/HHStA KA KK – Kabinettskanzlei, 1683–1918

gehört deshalb zu den wichtigsten Ergänzungsbeständen.

Die Kabinettskanzlei bearbeitete den unmittelbaren Schriftverkehr des Monarchen. Zu ihren überlieferten Serien gehören unter anderem Vorträge, Handschreiben, Korrespondenzakten, Bittschriften sowie Protokolle und Indices.

Für die Ordensforschung ist besonders interessant, dass ein Verleihungsvorgang auf verschiedenen Verwaltungsebenen unterschiedliche Spuren hinterlassen konnte.

Vereinfacht gesagt:

Der Ordensakt dokumentiert die administrative Durchführung – der Vortrag kann den Entscheidungsweg zum Kaiser dokumentieren.

Wer also nicht nur feststellen möchte, dass eine Auszeichnung verliehen wurde, sondern nachvollziehen will, wer sie beantragte, wie sie begründet wurde und auf welchem Weg die Entscheidung zustande kam, sollte die Kabinettskanzlei zumindest als mögliche Parallelüberlieferung prüfen.

8. Militärpersonen: unbedingt auch im Kriegsarchiv suchen

Bei Offizieren reicht die Suche in der Ordenskanzlei häufig nicht aus.

Für den Ersten Weltkrieg gehört zu den wichtigsten ergänzenden Quellen der Teilbestand

AT-OeStA/KA BA NBA OBA – Offiziersbelohnungsanträge, 1914–1918.

Hier liegen Anträge unter anderem für

– Militärverdienstmedaillen,
– Militärverdienstkreuze,
– Goldene Verdienstkreuze,
– Tapferkeitsmedaillen für Offiziere,
– den Orden der Eisernen Krone,
– den Franz-Joseph-Orden,
– den Leopold-Orden und
– den Sankt-Stephans-Orden.

Das macht diesen Bestand zu einem hervorragenden Gegenstück zur Ordenskanzlei.

Die Offiziersbelohnungsanträge können Namen, Truppenkörper, Dienstgrad und vor allem den Grund der beantragten Verleihung enthalten. Bei späteren Akten finden sich teilweise zusätzlich Geburtsjahr, Assentjahr, Heimatzuständigkeit oder Geburtsort.

Als Zugang dient eine alphabetische Kartothek von rund 65 Laufmetern.

Für den genealogisch arbeitenden Forscher ist das außerordentlich ergiebig: Während die Ordenskanzlei den formalen Verleihungsvorgang dokumentiert, kann der militärische Belohnungsantrag die konkrete Handlung oder Dienstleistung schildern, die zur Auszeichnung führte.


9. Der Militär-Maria-Theresien-Orden ist ein eigener Forschungsbereich

Der Militär-Maria-Theresien-Orden darf nicht einfach unter der allgemeinen Ordenskanzlei gesucht werden.

Sein Archiv bildet im Kriegsarchiv einen eigenen Bestand:

AT-OeStA/KA BA MMThO – Archiv des Militär-Maria-Theresien-Ordens, 1757–1959.

Der Bestand umfasst 327 Archivalieneinheiten und ist in zehn große Sachgruppen gegliedert, darunter

Allerhöchste Handschreiben,
Alleruntertänigste Vorträge,
Korrespondenzen,
Ordenskandidaten und -mitglieder,
Promotionen,
Ordenskanzlei,
Ordensvermögen,
Stiftungen und Varia.

Besonders wertvoll ist die Gruppe der Ordenskandidaten und Mitglieder.

Bei Aufnahmegesuchen – vor allem aus dem Ersten Weltkrieg – können ausführliche Darstellungen der Waffentat, Schlachtenschilderungen sowie Lagepläne und Karten erhalten sein.

Hier wird besonders deutlich, weshalb Ordensarchive weit mehr sind als bloße Listen von Dekorationen: Sie können biographische Quellen ersten Ranges darstellen.


10. Das Militärverdienstkreuz

Auch für das Militärverdienstkreuz besteht im Haus-, Hof- und Staatsarchiv ein eigener Teilbestand:

AT-OeStA/HHStA HA MVK – Militärverdienstkreuz, 1848–1918

mit 74 Archivalieneinheiten aus Akten und Geschäftsbüchern.

Für Militärpersonen empfiehlt sich hier wiederum die Kombination mit den Belohnungsakten des Kriegsarchivs.

Ordens- beziehungsweise Verleihungsakt und militärischer Belohnungsantrag erfüllen unterschiedliche Funktionen – und können sich deshalb hervorragend ergänzen.


11. Ausländer, Diplomaten und ausländische Orden: Ministerium des Äußern

Eine oft übersehene Fundstelle liegt ebenfalls im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, allerdings nicht bei den Hofarchiven, sondern bei den Akten des Ministeriums des Äußern.

In dessen Administrativer Registratur befindet sich

Fach 46 – „Orden, Titel und Würden“, 1730–1921.

Dieser Bereich ist besonders interessant bei

– österreichischen Auszeichnungen an Ausländer,
– ausländischen Orden an österreichische Funktionsträger,
– Diplomaten,
– Ordensaustausch bei Staats- und Hofbesuchen,
– diplomatischen Genehmigungen zur Annahme ausländischer Orden.

Erhalten sind unter anderem eigene Namensindices für Ordensangelegenheiten. Für die Jahre 1894–1899 existiert beispielsweise ein gesonderter „Namens-Index (Ordenssachen)“.

Auch Akten zum Goldenen Vlies, zur Eisernen Krone, zum Franz-Joseph-Orden, Leopold-Orden, Maria-Theresien-Orden, Stephans- und Elisabeth-Orden erscheinen innerhalb dieser diplomatischen Registratur.

Bei einer ausländischen Persönlichkeit sollte deshalb neben der Ordenskanzlei fast immer auch das Ministerium des Äußern mitgedacht werden.


12. Die Generaladjutantur des Kaisers

Eine weitere vom Staatsarchiv selbst genannte Parallelüberlieferung ist die Generaladjutantur.

Im Kriegsarchiv befindet sich

AT-OeStA/KA AhOB GASM – Generaladjutantur S. M. des Kaisers, 1867–1918.

Der Bestand enthält unter anderem ausdrücklich Auszeichnungsangelegenheiten von Ausländern, vor allem Militärpersonen.

Die Akten sind über jahrgangsweise geführte Register, Indices, Protokolle und Elenchen erschlossen.

Gerade bei ausländischen Offizieren, Militärdelegationen, kaiserlichen Besuchen und repräsentativen Anlässen kann diese Überlieferung eine Lücke schließen, die ein eigentlicher Ordensakt offenlässt.


13. Der Elisabeth-Orden besitzt einen eigenen Bestand

Auch der 1898 zum Gedächtnis an Kaiserin Elisabeth gestiftete Elisabeth-Orden ist nicht einfach mit den drei 1915 zentralisierten Ordenskanzleien gleichzusetzen.

Er besitzt den eigenen Teilbestand

AT-OeStA/HHStA HA EOrd – Elisabeth-Orden, 1898–1918.

Er umfasst Akten und Geschäftsbücher zur Verleihung des ausschließlich Frauen vorbehaltenen Ordens und der mit ihm verbundenen Elisabeth-Medaille.

Für Forschungen über ausgezeichnete Frauen der späten Monarchie ist dieser kleine, nur 14 Archivalieneinheiten umfassende Bestand daher eine besonders wichtige Fundstelle.


14. Der Sankt-Stephans-Orden: Wien ist hier nur ein Teil der Antwort

Ein besonders gutes Beispiel für die territoriale Zerstreuung habsburgischer Ordensarchive ist der königlich ungarische Sankt-Stephans-Orden.

Im HHStA liegt zwar der Teilbestand

AT-OeStA/HHStA HA StO – Sankt-Stephans-Orden, 1764–1914,

doch enthält er lediglich drei Bücher.

Darunter befindet sich ein Namensverzeichnis der Ordensinhaber von 1764 bis 1914.

Das eigentliche Archiv des Sankt-Stephans-Ordens befindet sich nach Auskunft des Österreichischen Staatsarchivs jedoch im Ungarischen Staatsarchiv.

Das ist eine wichtige Warnung vor einem häufigen Missverständnis:

Dass ein Orden im Wiener Archivinformationssystem erscheint, bedeutet nicht automatisch, dass sein vollständiges historisches Archiv in Wien liegt.


15. Auch beim Goldenen Vlies ist Vorsicht geboten

Ähnliches gilt für den Orden vom Goldenen Vlies.

Unter

AT-OeStA/HHStA HA OGV – Orden vom Goldenen Vlies, 1431–1713

findet sich lediglich ein Buch mit Abschriften von Ordensprivilegien und Ordensurkunden.

Das eigentliche Ordensarchiv befindet sich nach der Bestandsbeschreibung weiterhin im Privatbesitz des Ordens und ist als Depot im Haus-, Hof- und Staatsarchiv hinterlegt.

Ordensforschung verlangt also immer eine Prüfung der Provenienz: Wer führte die Kanzlei? Wo entstand der Akt? Und wo befindet sich das Archiv dieser Institution heute?


16. Nach 1918: Die österreichische Republik besitzt eigene Ehrenzeichenarchive

Für republikanische Auszeichnungen führt die Forschung aus den Hofarchiven hinaus in das Archiv der Republik.

Für die Erste Republik besteht unter anderem

AT-OeStA/AdR PK 1Rep EZK – Ehrenzeichenkanzlei 1. Republik, 1914–1941.

Der Bestand enthält unter anderem Ordens- und Ehrenzeichenprotokolle von 1924 bis 1938, Akten der Kanzlei der österreichischen Ehrenzeichen, Unterlagen zu Rechtsgrundlagen und Gestaltung sowie Verleihungsangelegenheiten.

Für die Zweite Republik folgt

AT-OeStA/AdR PK 2Rep EZK – Ehrenzeichenkanzlei 2. Republik, 1955–1974.

Dort sind 417 Archivalieneinheiten überliefert. Die Verleihungsakten umfassen sowohl personenbezogene als auch nach Sachgebieten, Körperschaften und Auszeichnungen gebildete Sammelanträge.

Damit lässt sich die archivalische Forschung zum österreichischen Auszeichnungswesen über den Untergang der Monarchie hinaus fortsetzen.
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Re: Österreichische Orden im Archiv – die Ordenskanzlei 1898–1949 (1/2)

2 Wochen 1 Tag her
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17. Ein praktikabler Forschungsweg

Wer eine konkrete Person untersucht, sollte möglichst systematisch vorgehen:
  1. Name und bekannte Auszeichnung feststellen.
    Dabei auch Schreibvarianten des Familiennamens berücksichtigen.
  2. Im Archivinformationssystem nach der Person suchen.
    Bei Verleihungen ab 1898 besonders auf Einträge der OrdK-Kartei achten.
  3. Geschäftszahl und Jahr notieren.
    Sie sind häufig wichtiger als die Nummer der digitalen Karteikarte.
  4. Verleihungsjahr prüfen.
    Vor 1915 führt der Weg grundsätzlich in das Archiv des jeweiligen Ordens; ab 1915 in die Akten der zentralen Ordenskanzlei.
  5. [b>Bei Militärpersonen zusätzlich das Kriegsarchiv prüfen.[/b]
    Insbesondere Offiziersbelohnungsanträge, Militärverdienstkreuz und gegebenenfalls das Archiv des Militär-Maria-Theresien-Ordens.
  6. Nach dem Entscheidungsweg suchen.
    Kabinettskanzlei, Militärkanzlei, Obersthofmeisteramt und Generaladjutantur können Parallelakten enthalten.
  7. Bei Ausländern und Diplomaten das Ministerium des Äußern einbeziehen.
    Besonders wichtig ist dort Fach 46 „Orden, Titel und Würden“.
  8. Erst danach gedruckte Ordenslisten, Hof- und Staatshandbücher, Schematismen und Zeitungen heranziehen.
    Sie eignen sich hervorragend zur Kontrolle – ersetzen aber den archivalischen Verleihungsakt nicht.


18. Warum Ordensakten für Genealogen so wertvoll sind

Für die Familienforschung liegt der Reiz dieser Quellen nicht allein in der Feststellung, dass ein Vorfahr „einen Orden hatte“.

Die Ordensverleihung markiert häufig einen ganz bestimmten Punkt einer Biographie: das Ende einer langen Beamtenlaufbahn, eine militärische Leistung, einen diplomatischen Erfolg, eine wissenschaftliche oder wirtschaftliche Tätigkeit oder eine besondere persönliche Anerkennung durch den Monarchen.

Vor allem aber besitzt der Forscher mit Geschäftszahlen, Vorträgen und Belohnungsanträgen die Möglichkeit, vom gedruckten Eintrag zur ursprünglichen Verwaltungshandlung zurückzugehen.

Gerade darin liegt der Unterschied zwischen einer bloßen Ordensliste und historischer Quellenforschung.

Ein Hof- und Staatshandbuch sagt uns vielleicht:

„Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse“.

Der Archivakt kann erklären:

Warum? Wer schlug ihn vor? Welche Verdienste wurden angeführt? Wann entschied der Kaiser? Und welche weiteren Behörden waren beteiligt?


Schlussbemerkungen

Der Teilbestand AT-OeStA/HHStA HA OrdK – Ordenskanzlei, 1898–1949 ist einer der wichtigsten Einstiegspunkte für die Erforschung österreichischer Ordensverleihungen der letzten Jahrzehnte der Habsburgermonarchie.

Seine eigentliche Bedeutung liegt jedoch nicht darin, dass er alle Antworten an einem Ort bereithält.

Im Gegenteil: Er zeigt besonders deutlich, wie historische Ordensforschung funktioniert.

Die Personenkartei führt zur Geschäftszahl.
Die Geschäftszahl führt zum Ordensakt.
Der Ordensakt führt möglicherweise zum Vortrag.
Der Vortrag führt zur Kabinettskanzlei.
Bei einem Offizier kommt der Belohnungsantrag hinzu.
Bei einem Diplomaten das Ministerium des Äußern.
Bei besonderen Orden schließlich ein ganz eigenes Ordensarchiv.

Eine Ordensverleihung ist damit weniger ein einzelnes Dokument als eine Spur durch mehrere Archive.

Und gerade diese Spur kann aus einer kleinen Notiz in einer Familiengeschichte eine erstaunlich detailreiche historische Biographie werden.


Archivalische Hauptfundstellen

Österreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv:

AT-OeStA/HHStA HA OrdK – Ordenskanzlei, 1898–1949.
AT-OeStA/HHStA HA LO – Leopold-Orden, 1808–1914.
AT-OeStA/HHStA HA EKO – Orden der Eisernen Krone, 1816–1921.
AT-OeStA/HHStA HA FJO – Franz-Joseph-Orden, 1850–1914.
AT-OeStA/HHStA HA EOrd – Elisabeth-Orden, 1898–1918.
AT-OeStA/HHStA HA StO – Sankt-Stephans-Orden, 1764–1914.
AT-OeStA/HHStA HA MVK – Militärverdienstkreuz, 1848–1918.
AT-OeStA/HHStA KA KK – Kabinettskanzlei, 1683–1918.
AT-OeStA/HHStA MdÄ AR, Fach 46 – Orden, Titel und Würden.

Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv:

AT-OeStA/KA BA NBA OBA – Offiziersbelohnungsanträge, 1914–1918.
AT-OeStA/KA BA MMThO – Archiv des Militär-Maria-Theresien-Ordens, 1757–1959.
AT-OeStA/KA AhOB GASM – Generaladjutantur S. M. des Kaisers, 1867–1918.

Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik:

AT-OeStA/AdR PK 1Rep EZK – Ehrenzeichenkanzlei 1. Republik.
AT-OeStA/AdR PK 2Rep EZK – Ehrenzeichenkanzlei 2. Republik.

Literaturhinweise des Österreichischen Staatsarchivs:

Heinrich F. Michetschläger, Das Ordensbuch der gewesenen österreichisch-ungarischen Monarchie, Wien 1918/19.

Václav Měřička, Orden und Ehrenzeichen der österreichisch-ungarischen Monarchie, Wien/München 1974.

Mario Laich, Altösterreichische Ehrungen, Auszeichnungen des Bundes, Wien/Innsbruck 1993.

Johann Stolzer / Christian Steeb (Hg.), Österreichs Orden. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Graz 1996.

Für den Militär-Maria-Theresien-Orden besonders:

Johann Christoph Allmayer-Beck, Die Kanzlei und das Archiv des Militär-Maria-Theresien-Ordens, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 10 (1957), S. 243–256.
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