Notizen Klopstein
- USchu
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Notizen Klopstein
3 Tage 19 Stunden her
Zur Herkunft und Standeserhebung des Joseph von Klopstein, Freiherrn von Ennsbruck
Ausgangspunkt ist die Frage, ob der nach Frank am 19. April 1811 mit dem Prädikat „von Ennsbruck“ in den Freiherrenstand erhobene Ritter Joseph von Klopstein mit jener gleichnamigen französischen Familie Klopstein in Verbindung steht, deren Stammreihe im Annuaire de la Noblesse de France von 1899 abgedruckt wurde.
Die einschlägigen Hinweise finden sich hier:
gallica.bnf.fr/ark:/.../f226.item
gallica.bnf.fr/ark:/.../f172.item
Interessant ist dabei, dass sich auch die französische Familie offenbar erst seit dem 19. Jahrhundert des Baronstitels bediente, während sie zuvor als Chevaliers erscheint.
Für Joseph von Klopstein selbst bringt das Österreichische Biographische Lexikon einen Artikel mit Quellenangaben, aus denen sich möglicherweise weitere Rückschlüsse ziehen lassen:
www.biographien.ac.a..._3/420.pdf
In den Akten des Österreichischen Staatsarchivs wird der Freiherrenstandserwerber anscheinend ebenfalls als „Chevalier“ bezeichnet:
www.archivinformatio...?ID=192080
Dies könnte zunächst den Eindruck einer Verbindung zur französischen Familie nahelegen. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten. Die Bezeichnung „Chevalier“ kann im konkreten Fall auch mit der Ordenszugehörigkeit zusammenhängen, insbesondere mit dem Militär-Maria-Theresien-Orden. Als Ritter dieses Ordens hatte Klopstein ab seiner Promotion, also ab der faktischen Aufnahme in den Orden, das statutenmäßige Recht auf Zugehörigkeit zum Adel. Die französische Form „Chevalier“ statt des deutschen „Ritter“ wirkt zwar auffällig, muss aber nicht zwingend auf französische Herkunft verweisen.
Nach Frank lautet der einschlägige Eintrag: Klopstein, Joseph Ritter von, Oberst im Infanterie-Regiment Deutschmeister, Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens, Freiherrenstand mit dem Prädikat „von Ennsbruck“, Wien, 19. April 1811, [E]. Auffällig ist, dass diese Freiherrenstandserhebung im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs offenbar nicht unmittelbar aufscheint. Dies dürfte jedoch nicht bedeuten, dass sie nicht existiert, sondern eher damit zusammenhängen, dass der passende Ordner beziehungsweise Bestand noch nicht digital freigeschaltet wurde. Wäre das Diplom zugänglich, ließe sich daraus insbesondere eine Abbildung oder Lichtkopie des Wappens erfragen.
Ein Vergleich der Wappen spricht allerdings gegen eine Identität mit der französischen Familie. Das französische Wappen wird beschrieben als: in Gold ein blauer Balken, oben begleitet von einem wachsenden roten Löwen. Demgegenüber lautet die Wappenbeschreibung Klopsteins nach dem BLKÖ deutlich anders:
Ein längs gespaltener Schild. In der rechten blauen Hälfte ein silberner, mit drei blauen Rosen belegter rechter Schrägbalken, begleitet oben links und unten rechts von je einem über drei grünen Hügeln springenden silbernen Einhorn. In der linken roten Hälfte steht über einem Fluss eine Brücke mit drei Jochen; darüber schweben zwei blanke Schwerter in Form eines Andreaskreuzes. Auf dem Schild ruht die Freiherrenkrone. Darauf ein gekrönter Helm en face, aus dessen Krone das silberne Einhorn des Schildes hervorwächst. Die Helmdecken sind rechts blau-silbern, links rot-golden.
Damit unterscheiden sich die beiden Wappen so deutlich, dass eine unmittelbare genealogische Verbindung zur französischen Familie Klopstein zumindest nicht durch die Heraldik gestützt wird.
Die zeitweise geäußerte Vermutung, Klopsteins siebenbürgische Herkunft könne fingiert worden sein, etwa wegen der zeitgenössischen Kriege gegen Frankreich, lässt sich durch den Taufnachweis entkräften. Joseph Klopstein wurde am 29. Dezember 1763 in Klausenburg geboren. Sein Vater war Carolus Klopstain, damals Oberleutnant, später Rittmeister im Kürassierregiment Trauttmansdorff. Die Mutter erscheint im Kirchenbucheintrag als Catharina Chindermon(in); diese Lesung dürfte jedoch phonetisch bedingt sein und wohl eher auf Kindermann oder möglicherweise Hintermann zu deuten sein. Joseph hatte außerdem zwei jüngere Brüder, Johann Karl und Johann Nepomuk.
Der entsprechende Matrikeneintrag ist hier einsehbar:
www.familysearch.org...cc=1743180
Der Eintrag zeigt zugleich, wie unsicher die Schreibweise durch den Matrikenführer wiedergegeben wurde. So erscheint auch das Regiment als „Regimine Trautmonstorf“, was klar auf das Regiment Trauttmansdorff verweist. Ebenso dürfte die Namensform der Mutter nicht als fester Familienname „Chind“ oder als Zusatz „uxor“ zu verstehen sein, sondern als phonetisch erfasste, ungenaue Wiedergabe eines deutschen Namens.
Aus diesem Befund folgt, dass Joseph Klopstein tatsächlich aus Klausenburg stammte. Ob sein Vater bereits einen ausländischen Adel besaß und diesen aus unbekannten Gründen nicht führte, lässt sich damit allerdings nicht völlig ausschließen. In der österreichisch-ungarischen Armee dienten über Jahrhunderte zahlreiche ausländische Offiziere, teils auch mit fremden Adelstiteln. Für eine nachweisbare adelige Herkunft Joseph Klopsteins ergibt sich aus dem Taufbefund jedoch kein unmittelbarer Beleg.
Adelsrechtlich ist zudem zu unterscheiden: Joseph Klopstein erlangte die Zugehörigkeit zum Adel nicht erst mit der Ausfertigung des Freiherrenstandsdiploms von 1811, sondern bereits mit seiner Promotion zum Ritter des kaiserlich-österreichischen Militär-Maria-Theresien-Ordens, und zwar eo ipso aufgrund der Ordensstatuten. Die Erhebung zum Freiherrn von Ennsbruck stellte demnach eine spätere Standeserhöhung dar.
Joseph von Klopstein erscheint letztmals im Militär-Schematismus von 1824. Er starb am 6. August 1824 in Palermo auf Sizilien.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die vermutete Verbindung zur französischen Familie Klopstein ist aufgrund der unterschiedlichen Wappen und des gesicherten Klausenburger Taufnachweises nicht belegt. Die Herkunft Joseph Klopsteins aus Siebenbürgen ist hingegen nachweisbar. Seine adelige Qualität beruhte zunächst auf der Verleihung des Militär-Maria-Theresien-Ordens; die freiherrliche Standeserhebung mit dem Prädikat „von Ennsbruck“ erfolgte 1811. Die Lesung der Mutter als „Chindermonin“ ist mit hoher Wahrscheinlichkeit als fehlerhafte, phonetische Matrikenwiedergabe eines deutschen Namens zu verstehen.
Ausgangspunkt ist die Frage, ob der nach Frank am 19. April 1811 mit dem Prädikat „von Ennsbruck“ in den Freiherrenstand erhobene Ritter Joseph von Klopstein mit jener gleichnamigen französischen Familie Klopstein in Verbindung steht, deren Stammreihe im Annuaire de la Noblesse de France von 1899 abgedruckt wurde.
Die einschlägigen Hinweise finden sich hier:
gallica.bnf.fr/ark:/.../f226.item
gallica.bnf.fr/ark:/.../f172.item
Interessant ist dabei, dass sich auch die französische Familie offenbar erst seit dem 19. Jahrhundert des Baronstitels bediente, während sie zuvor als Chevaliers erscheint.
Für Joseph von Klopstein selbst bringt das Österreichische Biographische Lexikon einen Artikel mit Quellenangaben, aus denen sich möglicherweise weitere Rückschlüsse ziehen lassen:
www.biographien.ac.a..._3/420.pdf
In den Akten des Österreichischen Staatsarchivs wird der Freiherrenstandserwerber anscheinend ebenfalls als „Chevalier“ bezeichnet:
www.archivinformatio...?ID=192080
Dies könnte zunächst den Eindruck einer Verbindung zur französischen Familie nahelegen. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten. Die Bezeichnung „Chevalier“ kann im konkreten Fall auch mit der Ordenszugehörigkeit zusammenhängen, insbesondere mit dem Militär-Maria-Theresien-Orden. Als Ritter dieses Ordens hatte Klopstein ab seiner Promotion, also ab der faktischen Aufnahme in den Orden, das statutenmäßige Recht auf Zugehörigkeit zum Adel. Die französische Form „Chevalier“ statt des deutschen „Ritter“ wirkt zwar auffällig, muss aber nicht zwingend auf französische Herkunft verweisen.
Nach Frank lautet der einschlägige Eintrag: Klopstein, Joseph Ritter von, Oberst im Infanterie-Regiment Deutschmeister, Ritter des Militär-Maria-Theresien-Ordens, Freiherrenstand mit dem Prädikat „von Ennsbruck“, Wien, 19. April 1811, [E]. Auffällig ist, dass diese Freiherrenstandserhebung im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs offenbar nicht unmittelbar aufscheint. Dies dürfte jedoch nicht bedeuten, dass sie nicht existiert, sondern eher damit zusammenhängen, dass der passende Ordner beziehungsweise Bestand noch nicht digital freigeschaltet wurde. Wäre das Diplom zugänglich, ließe sich daraus insbesondere eine Abbildung oder Lichtkopie des Wappens erfragen.
Ein Vergleich der Wappen spricht allerdings gegen eine Identität mit der französischen Familie. Das französische Wappen wird beschrieben als: in Gold ein blauer Balken, oben begleitet von einem wachsenden roten Löwen. Demgegenüber lautet die Wappenbeschreibung Klopsteins nach dem BLKÖ deutlich anders:
Ein längs gespaltener Schild. In der rechten blauen Hälfte ein silberner, mit drei blauen Rosen belegter rechter Schrägbalken, begleitet oben links und unten rechts von je einem über drei grünen Hügeln springenden silbernen Einhorn. In der linken roten Hälfte steht über einem Fluss eine Brücke mit drei Jochen; darüber schweben zwei blanke Schwerter in Form eines Andreaskreuzes. Auf dem Schild ruht die Freiherrenkrone. Darauf ein gekrönter Helm en face, aus dessen Krone das silberne Einhorn des Schildes hervorwächst. Die Helmdecken sind rechts blau-silbern, links rot-golden.
Damit unterscheiden sich die beiden Wappen so deutlich, dass eine unmittelbare genealogische Verbindung zur französischen Familie Klopstein zumindest nicht durch die Heraldik gestützt wird.
Die zeitweise geäußerte Vermutung, Klopsteins siebenbürgische Herkunft könne fingiert worden sein, etwa wegen der zeitgenössischen Kriege gegen Frankreich, lässt sich durch den Taufnachweis entkräften. Joseph Klopstein wurde am 29. Dezember 1763 in Klausenburg geboren. Sein Vater war Carolus Klopstain, damals Oberleutnant, später Rittmeister im Kürassierregiment Trauttmansdorff. Die Mutter erscheint im Kirchenbucheintrag als Catharina Chindermon(in); diese Lesung dürfte jedoch phonetisch bedingt sein und wohl eher auf Kindermann oder möglicherweise Hintermann zu deuten sein. Joseph hatte außerdem zwei jüngere Brüder, Johann Karl und Johann Nepomuk.
Der entsprechende Matrikeneintrag ist hier einsehbar:
www.familysearch.org...cc=1743180
Der Eintrag zeigt zugleich, wie unsicher die Schreibweise durch den Matrikenführer wiedergegeben wurde. So erscheint auch das Regiment als „Regimine Trautmonstorf“, was klar auf das Regiment Trauttmansdorff verweist. Ebenso dürfte die Namensform der Mutter nicht als fester Familienname „Chind“ oder als Zusatz „uxor“ zu verstehen sein, sondern als phonetisch erfasste, ungenaue Wiedergabe eines deutschen Namens.
Aus diesem Befund folgt, dass Joseph Klopstein tatsächlich aus Klausenburg stammte. Ob sein Vater bereits einen ausländischen Adel besaß und diesen aus unbekannten Gründen nicht führte, lässt sich damit allerdings nicht völlig ausschließen. In der österreichisch-ungarischen Armee dienten über Jahrhunderte zahlreiche ausländische Offiziere, teils auch mit fremden Adelstiteln. Für eine nachweisbare adelige Herkunft Joseph Klopsteins ergibt sich aus dem Taufbefund jedoch kein unmittelbarer Beleg.
Adelsrechtlich ist zudem zu unterscheiden: Joseph Klopstein erlangte die Zugehörigkeit zum Adel nicht erst mit der Ausfertigung des Freiherrenstandsdiploms von 1811, sondern bereits mit seiner Promotion zum Ritter des kaiserlich-österreichischen Militär-Maria-Theresien-Ordens, und zwar eo ipso aufgrund der Ordensstatuten. Die Erhebung zum Freiherrn von Ennsbruck stellte demnach eine spätere Standeserhöhung dar.
Joseph von Klopstein erscheint letztmals im Militär-Schematismus von 1824. Er starb am 6. August 1824 in Palermo auf Sizilien.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die vermutete Verbindung zur französischen Familie Klopstein ist aufgrund der unterschiedlichen Wappen und des gesicherten Klausenburger Taufnachweises nicht belegt. Die Herkunft Joseph Klopsteins aus Siebenbürgen ist hingegen nachweisbar. Seine adelige Qualität beruhte zunächst auf der Verleihung des Militär-Maria-Theresien-Ordens; die freiherrliche Standeserhebung mit dem Prädikat „von Ennsbruck“ erfolgte 1811. Die Lesung der Mutter als „Chindermonin“ ist mit hoher Wahrscheinlichkeit als fehlerhafte, phonetische Matrikenwiedergabe eines deutschen Namens zu verstehen.
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