Zur Familie Ritter von Lippmann

Zur Familie Ritter von Lippmann

3 Tage 19 Stunden her - 3 Tage 19 Stunden her
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Ein interessanter Zufallsfund findet sich im Lexikon „Deutsche Wirtschaftsführer“ von 1929. Dort wird Edmund Oscar von Lippmann genannt, allerdings ohne den im Jahr 1872 verliehenen Rittertitel. Genealogische Daten zu dieser Familie scheinen in der einschlägigen Fachliteratur ansonsten kaum oder gar nicht erschienen zu sein.
 Der Ursprung der Nobilitierung liegt bei Leopold Lippmann, dem Vater Edmund Oscar von Lippmanns. Leopold Lippmann wurde am 5. Februar 1827 in Prag geboren und dürfte dort in den jüdischen Matriken nachweisbar sein. Die Familie scheint ursprünglich jüdischen Glaubens gewesen zu sein.
 Nach den Angaben bei Jan Županič wurde Leopold Lippmann, Besitzer der Zuckerfabrik in Nagysurány in Ungarn, heute Šurany in der Slowakei, durch Kaiser Franz Joseph I. am 6. Mai 1872 in den österreichischen Ritterstand mit dem Prädikat „Ritter von“ erhoben. Grundlage war die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse vom 15. Juni 1871. Leopold Lippmann war zudem Ritter des Franz-Joseph-Ordens.
www.novanobilitas.eu...pmann-1872
 Der entsprechende Adelsakt ist im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs nachweisbar:
www.archivinformatio...id=4356494
 Aus der Todesanzeige des Nobilitierten Leopold Lippmann lassen sich zumindest Teile der nachfolgenden Generationen erschließen:
anno.onb.ac.at/cgi-c...6&seite=15

Ein Sohn Leopolds war Edmund Oscar von Lippmann. Dessen Namens- und Titelführung zeigt, wie uneinheitlich der Rittertitel in amtlichen und publizistischen Quellen wiedergegeben wurde. Bei der Geburt seines Sohnes Richard, geboren am 22. Dezember 1884 in Rositz im heutigen Landkreis Altenburger Land, wird Edmund Oscar in der Geburtsurkunde ausdrücklich als „Herr Ritter Dr. Edmund Oskar von Lippmann“ bezeichnet. Quelle hierfür ist das Personenstandsregister des Standesamtes Rositz 1881–1885, Nr. 118.

Bei der Geburt eines weiteren Sohnes, Leopold, geboren am 24. September 1886 in Rositz, erscheint Edmund Oskar von Lippmann hingegen ohne Rittertitel. Diese Angabe findet sich im Personenstandsregister des Standesamtes Rositz 1886–1890, Nr. 104.Der Vergleich dieser beiden Einträge zeigt, dass der Rittertitel offenbar nicht konsequent geführt oder eingetragen wurde. Es hing wohl nicht selten davon ab, welche Angaben dem Standesbeamten vorlagen oder wie sorgfältig dieser die titulare Form übernahm. Ähnlich dürfte es sich auch bei dem Eintrag in „Deutsche Wirtschaftsführer“ von 1929 verhalten haben: Wenn dem Bearbeiter der Rittertitel nicht bekannt war oder nicht als relevant erschien, wurde er schlicht nicht vermerkt.

Auch Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender führt den Rittertitel offenbar nicht. Dass das „von“ nach 1919 weiterhin erscheint, dürfte hingegen mit der deutschen Staatsangehörigkeit beziehungsweise der Rechtslage außerhalb der Republik Österreich zusammenhängen, wo adelige Namensbestandteile nicht in gleicher Weise aufgehoben wurden.

Für eine weiterführende genealogische Einordnung wären insbesondere die Eheverbindungen interessant, etwa im Sinne der von Gaugusch behandelten Familien- und Heiratsnetzwerke. Gerade bei einer aus dem jüdischen Bürgertum hervorgegangenen, wirtschaftlich erfolgreichen und später nobilitierten Familie könnten solche Allianzen wichtige Hinweise auf soziale Integration, Konversion, wirtschaftliche Netzwerke und gesellschaftlichen Aufstieg geben.

Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Die Familie Lippmann wurde durch Leopold Lippmann im Jahr 1872 in den österreichischen Ritterstand erhoben. Sein Sohn Edmund Oscar von Lippmann führte den Namen in der Form „von Lippmann“, gelegentlich auch mit dem Rittertitel. Die Quellen zeigen jedoch eine uneinheitliche Praxis der Titelnennung, weshalb das Fehlen des Rittertitels in einzelnen späteren Nachschlagewerken nicht ohne Weiteres als genealogisch oder adelsrechtlich bedeutsam gewertet werden sollte.
"IN OMNIBUS ORDO"

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