Matlachowski / Matłachowski aus Galizien

Matlachowski / Matłachowski aus Galizien

2 Wochen 1 Tag her
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Matlachowski / Matłachowski aus Galizien – Nobilitierung, Adelslegitimation oder bloße Namensführung?

Liebe Mitforschende,

im Forum Ahnenforschung.net wurde die Frage nach einer möglichen Nobilitierung bzw. Adelsanerkennung der Familie Matlachowski / Matłachowski aus Galizien aufgeworfen. Die bisher vorliegenden Hinweise sind interessant, aber nicht eindeutig. Vor allem scheint es notwendig zu sein, zwischen einer eigentlichen österreichischen Nobilitierung, einer Anerkennung/Legitimation alten polnischen Adels und einer bloß schwankenden Führung des „von“ in Amts- und Standesverzeichnissen zu unterscheiden.

Ausgangspunkt der Anfrage

Nach den bisherigen Angaben aus Ahnenforschung.net finden sich in polnischen Adelslexika nur wenige Hinweise auf eine Familie Matlachowski aus Galizien. Der Name soll sich möglicherweise von einem Ort bzw. Dorfanteil Matlaki im Raum Turka/Turczań, historisch im weiteren Lemberger Raum, ableiten. Eine Nennung wird um 1700 angenommen.

Genannt wird insbesondere:
  • Albina Matlachowska / Matlachowski, * 1858, Tochter des Albert Matlachowski und der Julia Krajewska; verehelicht mit Bolesław Kruszelnicki, * 1845.
  • Albert Matlachowski, Gutachter für landtäfliche Güter im Amtsgerichtsbezirk Złoczów/Zloczow, in österreichischen Verzeichnissen teilweise als „von Matlachowski“ geführt.
  • Boleslaus Johann Franz von Matlachowski, * 22.12.1865 Czernowitz, † 03.11.1948 Wien, Sohn des k.u.k. Hauptmanns Johann Matlachowski und der Amalie Le Gay Edle von Lierfels. Er erscheint später als Dr. Boleslaus von Matlachowski, Direktor der Theresianischen Akademie in Wien.

Quelle Ausgangsdiskussion:
forum.ahnenforschung...-galizien/

ADLER-TNG-Hinweis zu Boleslaus Johann Franz von Matlachowski:
tng.adler-wien.eu/sh...aID=116669


Bisherige Literatur- und Registerhinweise

Im Zernicki-Szeliga wird nach bisheriger Angabe genannt:
Matlachowski. – Land Lomza 1850 (Bork.)

Dieser Hinweis ist wichtig, aber erklärungsbedürftig. „Land Łomża“ weist nicht unmittelbar nach Ostgalizien bzw. in den Raum Lemberg/Turka. Es ist daher zu prüfen, ob hier tatsächlich dieselbe Familie gemeint ist, ob eine zweite Familie Matlachowski vorliegt oder ob ein Quellen-/Zuordnungsproblem in den polnischen Adelslexika besteht.

In der Datenbank bzw. Namensliste bei Tadeusz Gajl erscheinen die Formen Matlachowski und Matłachowski mit dem Hinweis h?, also ohne gesichert zugeordnetes Wappen.

Quelle:
gajl.wielcy.pl/herby...=M&phase=2

Poczet Szlachty Galicyjskiej i Bukowińskiej

Der Poczet szlachty galicyjskiej i bukowińskiej, Lwów 1857, ist als offiziöses Verzeichnis der galizischen und bukowinischen Adelslegitimationen eine zentrale Quelle.

Digitalisat:
books.google.de/book...5pAAAAcAAJ

Nach der bisherigen Durchsicht scheint der Name Matlachowski dort nicht auf. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass in den betreffenden alphabetischen Bereichen zwar nahe stehende Namen wie Matkowski oder Matuszewski erscheinen, Matlachowski jedoch nicht. Das Fehlen im Poczet ist aber für sich allein kein endgültiger Gegenbeweis, wie der unten genannte ADLER-Hinweis zeigt.

Wichtiger Hinweis aus ADLER 7/08: Galizische Adelslegitimierungen sind unvollständig überliefert

ADLER 7/08, S. 346, „Adelslegitimierungen in Galizien unter österreichischer Herrschaft“ von Dr. Georg Frölichsthal, ergibt sich ein wichtiger methodischer Hinweis:
  • Österreich erwarb 1772 Galizien mit der Hauptstadt Lemberg und 1795 Westgalizien mit der Hauptstadt Lublin; Westgalizien ging bereits 1809 wieder verloren.
  • Für den ostgalizischen Adel wurden 1782, für den westgalizischen Adel 1800 Adelsmatrikeln bzw. Regeln zur Anerkennung des polnischen Adels geschaffen.
  • Die beiden wichtigsten gedruckten Nachweise, nämlich der Poczet szlachty galicyjskiej i bukowińskiej und Frank, sind nicht deckungsgleich.
  • Die westgalizischen Adelslegitimationen, besonders der Jahre 1803/1804, finden sich weder im Poczet noch bei Frank.
  • Auch die ostgalizischen Adelslegitimierungen sind weder im Poczet noch bei Frank vollständig.
  • Die Akten des k.k. Landrechts, in Polen forum nobilium genannt, bestanden u.a. in Lemberg, Tarnów und Stanislau und können auch Angaben über Familien enthalten, die gar nicht oder noch nicht legitimiert waren.

Das ist für den Fall Matlachowski wesentlich: Ein Nichtauftauchen im Poczet oder bei Frank beweist nicht zwingend, dass keine Adelsanerkennung oder kein älterer Adelsanspruch bestand. Es spricht aber dafür, dass eine Klärung nur über Archivakten möglich ist.

Neuer wichtiger Rechercheansatz: Österreichisches Staatsarchiv, Hofadelsakten

Bei der Kontrolle im Österreichischen Staatsarchiv findet sich im Online-Findbuch ein einschlägiger Treffer:
AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 576.13
Matlachowski, Dr. Boleslaus von, Hofrat und Direktor der Theresianischen Akademie in Wien, Gesuch um Bewilligung zur Wei… (1918)

Der Akt liegt im Bereich:
Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten, Allgemeine Reihe

Quelle:
www.archivinformatio...ID=4382614

Der Titel ist in der Online-Listenansicht abgeschnitten. Vermutlich handelt es sich um ein Gesuch um Bewilligung zur „Weiterführung“ eines bisher geführten Adels bzw. Namensbestandteils. Das muss aber am Originalakt überprüft werden.

Wichtig: Ein solcher Akt ist noch kein automatischer Beweis einer erfolgten Nobilitierung. Die Allgemeine Reihe der Hofadelsakten enthält nicht nur positiv erledigte Standeserhebungen, sondern auch nicht bewilligte Gesuche, Adelsbestätigungen, Wappenübertragungen und Fälle unerlaubt geführter Adelszeichen. Gerade deshalb ist dieser Akt aber der zentrale nächste Schritt.

Boleslaus von Matlachowski und das Theresianum

Boleslaus erscheint in der Literatur zum Theresianum als:
Dr. Boleslaus von Matlachowski, k.k. Statthaltereirat, seit 1911 mit dem Titel eines k.k. Hofrates, seit 1910 Direktor der Theresianischen Akademie.

Quelle:
archive.org/stream/d...l_djvu.txt

Auffällig ist, dass der Vater Johann Matlachowski in früheren militärischen Zusammenhängen offenbar ohne „von“ erscheint, während Boleslaus spätestens Ende der 1880er Jahre mit „von“ genannt wird. In der Diskussion wurde daher vermutet, dass eine Adelsanerkennung, Namensberechtigung oder ein sonstiger adelsrechtlicher Vorgang zwischen etwa 1879 und 1888 erfolgt sein könnte. Der ÖStA-Akt von 1918 könnte hier Aufschluss geben.

Franz-Joseph-Orden als Erklärung?

Boleslaus von Matlachowski wird auch als Träger des Komturkreuzes des Franz-Joseph-Ordens genannt. Dieser Orden erklärt die Führung „von“ oder „Ritter von“ jedoch nicht. Nach den Statuten war mit dem Franz-Joseph-Orden kein Anspruch auf Erhebung in den Adelsstand verbunden. Er kann also eine Auszeichnung erklären, nicht aber eine Nobilitierung oder ein erbliches Adelsprädikat.

Quelle, zur ersten Orientierung:
de.wikipedia.org/wik...seph-Orden

Zwischenstand

Nach derzeitigem Stand lässt sich sagen:
  • Eine eindeutige österreichische Nobilitierung „Matlachowski“ ist bisher nicht nachgewiesen.
  • Das Fehlen im Poczet und bei Frank ist ein wichtiges Indiz, aber kein endgültiger Gegenbeweis, da gerade galizische Adelslegitimationen unvollständig publiziert sind.
  • Die Bezeichnung „von Matlachowski“ in Amts- und Schulverzeichnissen ist belegt, muss aber adelsrechtlich geklärt werden.
  • Der Franz-Joseph-Orden kann die Führung „von“ oder „Ritter von“ nicht erklären.
  • Der ÖStA-Findbuchtreffer zu Dr. Boleslaus von Matlachowski aus dem Jahr 1918 ist derzeit der wichtigste Ansatzpunkt.
  • Die Namensformen Matlachowski, Matłachowski, Matlachowsky sowie eventuell Verwechslungen mit Matkowski/Małachowski sollten bei jeder Suche mitberücksichtigt werden.

Offene Fragen an die Runde
  1. Kann jemand den Akt AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 576.13 Matlachowski, Dr. Boleslaus von … (1918) im Österreichischen Staatsarchiv einsehen?
  2. Lautet der vollständige Aktentitel tatsächlich „Gesuch um Bewilligung zur Weiterführung …“? Falls ja: Weiterführung wovon genau – einfacher Adel, Prädikat, Wappen, Namensform?
  3. Ist im Akt eine ältere galizische, polnische oder sonstige Adelslegitimation genannt?
  4. Gibt es zu Johann Matlachowski, k.u.k. Hauptmann im IR 41, Personalakten oder Militärschematismen, die den Wechsel von „Matlachowski“ zu „von Matlachowski“ erklären?
  5. Ist der Hinweis „Land Łomża 1850 (Bork.)“ bei Zernicki-Szeliga tatsächlich auf dieselbe Familie zu beziehen, oder liegt hier eine Vermischung zweier Familien vor?
  6. Kann jemand die Einträge bei Dunin-Borkowski, Boniecki, Uruski bzw. in der Polska Encyklopedia Szlachecka am Original überprüfen?
  7. Ist ein Wappen/Herb der Familie Matlachowski/Matłachowski irgendwo nachweisbar, oder bleibt der Hinweis bei Gajl „h?“ derzeit der Stand der Dinge?
  8. Sind in den Beständen der galizischen Landtafel bzw. des forum nobilium in Lemberg/Lwiw Hinweise auf Matlachowski, Matłachowski, Matlachowsky oder verwandte Schreibweisen vorhanden?

Vorläufige Arbeitshypothese

Der Fall scheint weniger nach einer klassischen österreichischen Nobilitierung als nach einer möglichen Anerkennung, Weiterführung oder umstrittenen Führung eines bereits behaupteten polnisch-galizischen Adels auszusehen. Ohne Einsicht in den ÖStA-Akt von 1918 und ohne Kontrolle der galizischen Landtafel bzw. einschlägiger Lemberger Bestände bleibt die Frage offen.

Gerade der neue ÖStA-Treffer macht den Fall aber deutlich interessanter, als es das bloße Fehlen im Poczet zunächst vermuten lässt.
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