Untitulierte von Hatzfeld? – Brünner Taschenbuch 1878/1883
- USchu
-
Autor
- Offline
- Beiträge: 662
Untitulierte von Hatzfeld? – Brünner Taschenbuch 1878/1883
4 Wochen 2 Stunden her
Untitulierte von Hatzfeld? – Brünner Taschenbuch 1878/1883, Stammgleichheit und offene Nachweise
Die Brünner Genealogischen Taschenbücher führen in den Jahrgängen 1878 und – nach dem hier genannten Hinweis – 1883 eine Familie „von Hatzfeld“, die ausdrücklich als noch blühende, aber untitulierte bzw. nicht gräfliche Linie erscheint. Gemeint sind ausdrücklich nicht die bekannten gräflichen, fürstlichen bzw. später herzoglichen Hatzfeldt/Hatzfeldt-Trachenberg-Linien, sondern eine westfälisch-preußische Linie, die in der sonstigen Standardliteratur nur schwer greifbar ist.
1. Ausgangsfrage
Die Frage lautet im Kern:
Gibt es für die in den Brünner Taschenbüchern genannten untitulierten „von Hatzfeld“ spätere oder unabhängige Nachweise in der Literatur oder in Archiven?
Auffällig ist, dass die Brünner Taschenbücher diese Familie offenbar mit dem bekannten alten Geschlecht Hatzfeld/Hatzfeldt verbinden. Gleichzeitig wirken spätere soziale und berufliche Angaben – fehlender größerer Grundbesitz, bürgerlich-beamtische Laufbahnen, Eheverbindungen nicht durchgehend im hohen Adel – auf den ersten Blick nicht wie das Profil der bekannten gräflich-fürstlichen Häuser. Daraus ergibt sich die berechtigte Frage, ob hier eine echte, aber untitulierte Nebenlinie vorliegt, oder ob die Angabe im Brünner Taschenbuch kritisch zu prüfen ist.
2. Befund aus dem Brünner Taschenbuch 1878
Im „Genealogischen Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter“, Brünn 1878, III. Jahrgang, findet sich auf den gedruckten Seiten 252–255 ein Artikel:
„von Hatzfeld“
Der Artikel bezeichnet die Familie als:
Als Wappen wird angegeben:
Das entspricht im Wesentlichen dem Stammwappen der Hatzfeld/Hatzfeldt: in Gold ein schwarzer Mauer- bzw. Hausanker; Helmdecken schwarz-golden; Helmzier mit offenem Flug und Wiederholung der Schildfigur.
Der Brünner Artikel beginnt mit einer knappen Gesamtdarstellung des alten Geschlechts. Er nennt das Stammhaus Hatzfeld an der Eder bei Battenberg in Oberhessen, verweist auf die Zugehörigkeit zur reichsunmittelbaren Ritterschaft am Rhein und erwähnt die späteren Besitzungen bzw. Linien, darunter Wildenberg/Wildenburg, Gleichen in Thüringen und Trachenberg in Schlesien. Danach heißt es sinngemäß, die der Familie in verschiedenen Zweigen zu Teil gewordenen freiherrlichen, reichsgräflichen und fürstlichen Würden seien in der Stammtafel verzeichnet; anschließend folge die Stammreihe der „adeligen Linie“.
Wichtig ist: Der Brünner Artikel versteht die hier behandelten untitulierten Hatzfeld nicht als völlig fremde Namensfamilie, sondern als eine „adelige Linie“ innerhalb bzw. neben den bekannten höheren Linien.
3. Im Brünner Taschenbuch dargestellte Herleitung
Die Stammreihe wird zunächst an die bekannte alte Hatzfeld-Stammfolge angeschlossen. Genannt werden unter anderem:
Kraft I. von Hatzfeldt (1264–1301), vermählt mit Jutta;
Kraft II. (1300–1331);
Johann I. (1332–1369), vermählt mit Margaretha von Biedenfeld;
Johann (1354–1407), vermählt mit Jutta von Wildenberg, Tochter des Hans von Wildenberg und der Luise, Reichsgräfin von Sayn;
Gottfried VII., genannt „der Rauhe“ (1407–1420, † 1424), vermählt mit Lukarde von Effertzhausen.
Aus dieser älteren Stammreihe zweigen im Artikel die bekannten Linien ab:
- Johann V. zu Weisweiler, Stammvater der später freiherrlichen, reichsgräflichen und fürstlichen Linie zu Wildenburg;
- Gottfried VIII. zu Wildenburg, Stammvater der rosenbergischen Linie zu Trachenberg;
- Hermann I. auf Werther, aus dem die Linie Werther-Schönstein hervorging.
Für die hier interessierende Linie ist besonders der im Brünner Taschenbuch genannte Sebastian wichtig:
Damit wird die untitulierte Linie offenbar aus einer geistlichen, später weltlich-familienrechtlich fortgesetzten Seitenlinie erklärt. Gerade dieser Punkt wäre quellenkritisch besonders wichtig: Die päpstliche Dispens, die Resignation und die Ehe mit Anna von Hanxleden müssten möglichst archivalisch belegt werden.
4. Die spätere westfälische Linie nach dem Brünner Artikel
Der Artikel führt die Linie weiter über:
Johann Rötger, † 1690, vermählt mit Anna Magdalena, geb. Dringenberg, † 1691.
Johann Hunold, der laut Brünner Taschenbuch Schweckhausen durch Prozess verlor und nach Geseke zog. Er war in erster Ehe mit Anna Elisabeth, geb. Schwering, verheiratet, in zweiter Ehe am 9. November 1689 mit Magdalena Wiedenbrück, Witwe des Friedrich Wilhelm Hövings, Tochter des Bürgermeisters zu Beckum, Bernhard von Ellinghausen und der Christine, geb. Frey.
Ferdinand Kaspar, geb. 1710, † 6. Februar 1756, Gaugraf des münsterschen Domkapitels zu Telgte. Er war in erster Ehe mit Bernhardine, geb. 17. September 1711, † 1748, Witwe des Bernhard Ludwig von Marte, verheiratet; in zweiter Ehe 1750 mit Therese, geb. Füsting.
Christoph Anton, geb. 1747, † 1820, Amtsrentmeister zu Stromberg. Er heiratete am 21. Oktober 1775 Maria Theresia, † 17. September 1789, Tochter des Johann Bernhard Anton Dringenberg und der Katharina, geb. Schapmann.
Bernhard Anton Franz, geb. 12. August 1776, † nach Angabe des Artikels im 19. Jahrhundert, Bürgermeister und Justizkommissarius zu Ahlen. Er war in erster Ehe mit Helene, geb. wohl Dyckhoff, und in zweiter Ehe mit Elisabeth, geb. Niedack/Niedeck, verheiratet. Die Lesung der beiden Familiennamen sollte am Original nochmals überprüft werden.
Aus dieser Generation nennt das Brünner Taschenbuch:
Peter von Hatzfeld, aus erster Ehe, geb. 1804, Kriegskommissär.
Als Stiefgeschwister aus der zweiten Ehe des Vaters werden genannt:
1. Franz Anton Christoph
2. Ludwig
3. Elisabeth
4. Anna
Außerdem führt das Taschenbuch mehrere Geschwister bzw. Halbgeschwister der älteren Generation auf, darunter Maria Theresia Elisabeth Franziska, Bernhard Franz Ferdinand, Johann Matthias Felix Maria und Johann Ferdinand. Bei Bernhard Franz Ferdinand werden zahlreiche Kinder genannt, unter anderem Peter Franz, Maria Anna Petronella und Ferdinand Heinrich Wannesfried Benedikt.
5. Bewertung des Befundes
Der Brünner Artikel ist in sich deutlich: Er behauptet nicht nur einen bloßen Namensgleichklang, sondern eine genealogische Einbindung in das alte Geschlecht Hatzfeld/Hatzfeldt. Die Wappenangabe entspricht dem Stammwappen. Auch die Bezeichnung „Uradel“ ist im Artikel ausdrücklich vorhanden.
Gleichzeitig bleiben mehrere Punkte offen:
Erstens ist die entscheidende Brücke über Sebastian, Domherr zu Osnabrück, besonders prüfbedürftig. Wenn Sebastian tatsächlich resignierte, mit päpstlicher Dispens Anna von Hanxleden heiratete und legitime Nachkommen hatte, wäre die Herleitung grundsätzlich erklärbar. Ohne Originalnachweise bleibt dies aber eine Behauptung des Taschenbuchartikels.
Zweitens erklärt der spätere soziale Befund – Verlust von Schweckhausen, Übersiedlung nach Geseke, Beamten- und Justizlaufbahnen in Ahlen – durchaus, warum diese Linie in den bekannten Hofkalendern und gräflich-fürstlichen Zusammenstellungen kaum sichtbar ist. Eine untitulierte, nicht mehr grundherrlich bedeutende Nebenlinie kann literarisch leicht „verschwinden“, ohne deshalb automatisch unecht zu sein.
Drittens beweist die Führung des „von“ in preußischen Ranglisten oder Amtsverzeichnissen allein nicht den Uradel. Sie ist aber ein Indiz dafür, dass der Name im dienstlichen Gebrauch als „v. Hatzfeld“ geführt wurde. Der Hinweis, dass ein Angehöriger 1888 als Sekondeleutnant und 1896 als Premierleutnant in preußischen Ranglisten erscheint, sollte daher unbedingt mit exakter Rangliste, Jahrgang, Regiment und Seitenzahl nachgetragen werden.
6. Mögliche archivalische Anschlussstellen
In den Postings wurden drei besonders wichtige Suchrichtungen genannt:
Gerade der Heroldsamt-Akt könnte entscheidend sein. Falls dort ein Anerkennungs-, Führungs- oder Abstammungsverfahren zur untitulierten Linie „v. Hatzfeld“ liegt, müsste daraus hervorgehen, ob die preußische Adelsbehörde die Stammführung anerkannte, bezweifelte oder lediglich registrierte.
Auch die Sammlung Spießen wäre wichtig, weil sie möglicherweise ältere westfälische Stammtafeln enthält, die die Linie Sebastian – Johann Rötger – Johann Hunold – Ferdinand Kaspar – Christoph Anton – Bernhard Anton Franz absichern oder korrigieren könnten.
7. Vorläufiges Ergebnis
Nach dem derzeit geprüften Stand spricht mehr dafür, dass die Brünner Taschenbücher eine reale westfälische, untitulierte Nebenlinie „von Hatzfeld“ vor Augen hatten, als für eine bloße Namensanmaßung. Allerdings ist die Beweiskraft des Brünner Taschenbuchs allein nicht ausreichend, um die Stammgleichheit endgültig zu sichern.
Der Kernnachweis muss bei Sebastian, Domherr zu Osnabrück, seiner Resignation, der päpstlichen Dispens und der Ehe mit Anna von Hanxleden ansetzen. Erst wenn dieser Übergang archivalisch belegt ist, lässt sich die Linie als echte untitulierte Hatzfeld-Linie sauber einordnen.
Bis dahin wäre eine vorsichtige Formulierung angebracht:
Die Brünner Taschenbücher führen eine westfälisch-preußische, untitulierte Linie „von Hatzfeld“ als uradelige Linie desselben Stammes wie die bekannten Hatzfeld/Hatzfeldt. Die spätere Genealogie dieser Linie ist dort bis ins 19. Jahrhundert dargestellt. Die entscheidende Anschlussstelle an das alte Geschlecht – Sebastian, Domherr zu Osnabrück, später mit päpstlicher Dispens verheiratet mit Anna von Hanxleden – bedarf jedoch weiterer archivalischer Bestätigung.
8. Offene Fragen an das Forum
Quellen und Hinweise
Brünner Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter, 1878, III. Jahrgang, Artikel „von Hatzfeld“, gedruckte S. 252–255:
digital.ulb.hhu.de/i...ew/8221791
Vom Fragesteller genannter Kramerius-Link zum Brünner Taschenbuch 1883:
www.digitalniknihovn...f3fc9ae867
Übersicht zur Brünner Reihe:
www.rambow.de/geneal...ruenn.html
Namenverzeichnis bei Adelslexikon.com, dort „Hatzfeld“ innerhalb der Brünner Reihe:
adelslexikon.com/lit...teratur=13
Allgemeiner Überblick zu den Herren bzw. Grafen/Fürsten von Hatzfeld:
www.pro-region.de/de...tzfeld.php
Hinweis auf Archivüberlieferung Hatzfeldt-Wildenburg:
Inventar des Urkundenarchivs der Fürsten von Hatzfeldt-Wildenburg zu Schönstein/Sieg, Band 1:
afz.lvr.de/media/arc...and_18.pdf
Die Brünner Genealogischen Taschenbücher führen in den Jahrgängen 1878 und – nach dem hier genannten Hinweis – 1883 eine Familie „von Hatzfeld“, die ausdrücklich als noch blühende, aber untitulierte bzw. nicht gräfliche Linie erscheint. Gemeint sind ausdrücklich nicht die bekannten gräflichen, fürstlichen bzw. später herzoglichen Hatzfeldt/Hatzfeldt-Trachenberg-Linien, sondern eine westfälisch-preußische Linie, die in der sonstigen Standardliteratur nur schwer greifbar ist.
1. Ausgangsfrage
Die Frage lautet im Kern:
Gibt es für die in den Brünner Taschenbüchern genannten untitulierten „von Hatzfeld“ spätere oder unabhängige Nachweise in der Literatur oder in Archiven?
Auffällig ist, dass die Brünner Taschenbücher diese Familie offenbar mit dem bekannten alten Geschlecht Hatzfeld/Hatzfeldt verbinden. Gleichzeitig wirken spätere soziale und berufliche Angaben – fehlender größerer Grundbesitz, bürgerlich-beamtische Laufbahnen, Eheverbindungen nicht durchgehend im hohen Adel – auf den ersten Blick nicht wie das Profil der bekannten gräflich-fürstlichen Häuser. Daraus ergibt sich die berechtigte Frage, ob hier eine echte, aber untitulierte Nebenlinie vorliegt, oder ob die Angabe im Brünner Taschenbuch kritisch zu prüfen ist.
2. Befund aus dem Brünner Taschenbuch 1878
Im „Genealogischen Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter“, Brünn 1878, III. Jahrgang, findet sich auf den gedruckten Seiten 252–255 ein Artikel:
„von Hatzfeld“
Der Artikel bezeichnet die Familie als:
[Röm.-katholisch. — Preussen (Provinz Westfalen). — Uradel.]
Als Wappen wird angegeben:
In Gold ein schwarzer, doppelter Hausanker. — Kleinod: offener, goldener Flug, je mit der Schildfigur belegt. — Decken: schwarz-golden.
Das entspricht im Wesentlichen dem Stammwappen der Hatzfeld/Hatzfeldt: in Gold ein schwarzer Mauer- bzw. Hausanker; Helmdecken schwarz-golden; Helmzier mit offenem Flug und Wiederholung der Schildfigur.
Der Brünner Artikel beginnt mit einer knappen Gesamtdarstellung des alten Geschlechts. Er nennt das Stammhaus Hatzfeld an der Eder bei Battenberg in Oberhessen, verweist auf die Zugehörigkeit zur reichsunmittelbaren Ritterschaft am Rhein und erwähnt die späteren Besitzungen bzw. Linien, darunter Wildenberg/Wildenburg, Gleichen in Thüringen und Trachenberg in Schlesien. Danach heißt es sinngemäß, die der Familie in verschiedenen Zweigen zu Teil gewordenen freiherrlichen, reichsgräflichen und fürstlichen Würden seien in der Stammtafel verzeichnet; anschließend folge die Stammreihe der „adeligen Linie“.
Wichtig ist: Der Brünner Artikel versteht die hier behandelten untitulierten Hatzfeld nicht als völlig fremde Namensfamilie, sondern als eine „adelige Linie“ innerhalb bzw. neben den bekannten höheren Linien.
3. Im Brünner Taschenbuch dargestellte Herleitung
Die Stammreihe wird zunächst an die bekannte alte Hatzfeld-Stammfolge angeschlossen. Genannt werden unter anderem:
Kraft I. von Hatzfeldt (1264–1301), vermählt mit Jutta;
Kraft II. (1300–1331);
Johann I. (1332–1369), vermählt mit Margaretha von Biedenfeld;
Johann (1354–1407), vermählt mit Jutta von Wildenberg, Tochter des Hans von Wildenberg und der Luise, Reichsgräfin von Sayn;
Gottfried VII., genannt „der Rauhe“ (1407–1420, † 1424), vermählt mit Lukarde von Effertzhausen.
Aus dieser älteren Stammreihe zweigen im Artikel die bekannten Linien ab:
- Johann V. zu Weisweiler, Stammvater der später freiherrlichen, reichsgräflichen und fürstlichen Linie zu Wildenburg;
- Gottfried VIII. zu Wildenburg, Stammvater der rosenbergischen Linie zu Trachenberg;
- Hermann I. auf Werther, aus dem die Linie Werther-Schönstein hervorging.
Für die hier interessierende Linie ist besonders der im Brünner Taschenbuch genannte Sebastian wichtig:
Sebastian, Domherr zu Osnabrück, resignirte und verm. sich (mit päpstl. Dispens) mit Anna, geb. von Hanxleden.
Damit wird die untitulierte Linie offenbar aus einer geistlichen, später weltlich-familienrechtlich fortgesetzten Seitenlinie erklärt. Gerade dieser Punkt wäre quellenkritisch besonders wichtig: Die päpstliche Dispens, die Resignation und die Ehe mit Anna von Hanxleden müssten möglichst archivalisch belegt werden.
4. Die spätere westfälische Linie nach dem Brünner Artikel
Der Artikel führt die Linie weiter über:
Johann Rötger, † 1690, vermählt mit Anna Magdalena, geb. Dringenberg, † 1691.
Johann Hunold, der laut Brünner Taschenbuch Schweckhausen durch Prozess verlor und nach Geseke zog. Er war in erster Ehe mit Anna Elisabeth, geb. Schwering, verheiratet, in zweiter Ehe am 9. November 1689 mit Magdalena Wiedenbrück, Witwe des Friedrich Wilhelm Hövings, Tochter des Bürgermeisters zu Beckum, Bernhard von Ellinghausen und der Christine, geb. Frey.
Ferdinand Kaspar, geb. 1710, † 6. Februar 1756, Gaugraf des münsterschen Domkapitels zu Telgte. Er war in erster Ehe mit Bernhardine, geb. 17. September 1711, † 1748, Witwe des Bernhard Ludwig von Marte, verheiratet; in zweiter Ehe 1750 mit Therese, geb. Füsting.
Christoph Anton, geb. 1747, † 1820, Amtsrentmeister zu Stromberg. Er heiratete am 21. Oktober 1775 Maria Theresia, † 17. September 1789, Tochter des Johann Bernhard Anton Dringenberg und der Katharina, geb. Schapmann.
Bernhard Anton Franz, geb. 12. August 1776, † nach Angabe des Artikels im 19. Jahrhundert, Bürgermeister und Justizkommissarius zu Ahlen. Er war in erster Ehe mit Helene, geb. wohl Dyckhoff, und in zweiter Ehe mit Elisabeth, geb. Niedack/Niedeck, verheiratet. Die Lesung der beiden Familiennamen sollte am Original nochmals überprüft werden.
Aus dieser Generation nennt das Brünner Taschenbuch:
Peter von Hatzfeld, aus erster Ehe, geb. 1804, Kriegskommissär.
Als Stiefgeschwister aus der zweiten Ehe des Vaters werden genannt:
1. Franz Anton Christoph
2. Ludwig
3. Elisabeth
4. Anna
Außerdem führt das Taschenbuch mehrere Geschwister bzw. Halbgeschwister der älteren Generation auf, darunter Maria Theresia Elisabeth Franziska, Bernhard Franz Ferdinand, Johann Matthias Felix Maria und Johann Ferdinand. Bei Bernhard Franz Ferdinand werden zahlreiche Kinder genannt, unter anderem Peter Franz, Maria Anna Petronella und Ferdinand Heinrich Wannesfried Benedikt.
5. Bewertung des Befundes
Der Brünner Artikel ist in sich deutlich: Er behauptet nicht nur einen bloßen Namensgleichklang, sondern eine genealogische Einbindung in das alte Geschlecht Hatzfeld/Hatzfeldt. Die Wappenangabe entspricht dem Stammwappen. Auch die Bezeichnung „Uradel“ ist im Artikel ausdrücklich vorhanden.
Gleichzeitig bleiben mehrere Punkte offen:
Erstens ist die entscheidende Brücke über Sebastian, Domherr zu Osnabrück, besonders prüfbedürftig. Wenn Sebastian tatsächlich resignierte, mit päpstlicher Dispens Anna von Hanxleden heiratete und legitime Nachkommen hatte, wäre die Herleitung grundsätzlich erklärbar. Ohne Originalnachweise bleibt dies aber eine Behauptung des Taschenbuchartikels.
Zweitens erklärt der spätere soziale Befund – Verlust von Schweckhausen, Übersiedlung nach Geseke, Beamten- und Justizlaufbahnen in Ahlen – durchaus, warum diese Linie in den bekannten Hofkalendern und gräflich-fürstlichen Zusammenstellungen kaum sichtbar ist. Eine untitulierte, nicht mehr grundherrlich bedeutende Nebenlinie kann literarisch leicht „verschwinden“, ohne deshalb automatisch unecht zu sein.
Drittens beweist die Führung des „von“ in preußischen Ranglisten oder Amtsverzeichnissen allein nicht den Uradel. Sie ist aber ein Indiz dafür, dass der Name im dienstlichen Gebrauch als „v. Hatzfeld“ geführt wurde. Der Hinweis, dass ein Angehöriger 1888 als Sekondeleutnant und 1896 als Premierleutnant in preußischen Ranglisten erscheint, sollte daher unbedingt mit exakter Rangliste, Jahrgang, Regiment und Seitenzahl nachgetragen werden.
6. Mögliche archivalische Anschlussstellen
In den Postings wurden drei besonders wichtige Suchrichtungen genannt:
- Staatsarchiv Münster, Sammlung Spießen, Tafeln „Hatzfeld 17, 159 ff.“
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Heroldsamt-Akt: Hatzfeld, v., A: VI H Nr. 665, N: Nr. 4012
- Gotha 1856, Anhang F
Gerade der Heroldsamt-Akt könnte entscheidend sein. Falls dort ein Anerkennungs-, Führungs- oder Abstammungsverfahren zur untitulierten Linie „v. Hatzfeld“ liegt, müsste daraus hervorgehen, ob die preußische Adelsbehörde die Stammführung anerkannte, bezweifelte oder lediglich registrierte.
Auch die Sammlung Spießen wäre wichtig, weil sie möglicherweise ältere westfälische Stammtafeln enthält, die die Linie Sebastian – Johann Rötger – Johann Hunold – Ferdinand Kaspar – Christoph Anton – Bernhard Anton Franz absichern oder korrigieren könnten.
7. Vorläufiges Ergebnis
Nach dem derzeit geprüften Stand spricht mehr dafür, dass die Brünner Taschenbücher eine reale westfälische, untitulierte Nebenlinie „von Hatzfeld“ vor Augen hatten, als für eine bloße Namensanmaßung. Allerdings ist die Beweiskraft des Brünner Taschenbuchs allein nicht ausreichend, um die Stammgleichheit endgültig zu sichern.
Der Kernnachweis muss bei Sebastian, Domherr zu Osnabrück, seiner Resignation, der päpstlichen Dispens und der Ehe mit Anna von Hanxleden ansetzen. Erst wenn dieser Übergang archivalisch belegt ist, lässt sich die Linie als echte untitulierte Hatzfeld-Linie sauber einordnen.
Bis dahin wäre eine vorsichtige Formulierung angebracht:
Die Brünner Taschenbücher führen eine westfälisch-preußische, untitulierte Linie „von Hatzfeld“ als uradelige Linie desselben Stammes wie die bekannten Hatzfeld/Hatzfeldt. Die spätere Genealogie dieser Linie ist dort bis ins 19. Jahrhundert dargestellt. Die entscheidende Anschlussstelle an das alte Geschlecht – Sebastian, Domherr zu Osnabrück, später mit päpstlicher Dispens verheiratet mit Anna von Hanxleden – bedarf jedoch weiterer archivalischer Bestätigung.
8. Offene Fragen an das Forum
- Hat jemand die Tafeln „Hatzfeld 17, 159 ff.“ in der Sammlung Spießen im Staatsarchiv Münster eingesehen?
- Was enthält der Heroldsamt-Akt im GStA PK Dahlem: Hatzfeld, v., A: VI H Nr. 665, N: Nr. 4012?
- Steht im Gotha 1856, Anhang F, tatsächlich eine Spur dieser untitulierten Linie, oder betrifft der Eintrag nur die freiherrlichen bzw. gräflichen Linien?
- Kann jemand den Ranglisten-Hinweis zu dem 1888 als Sekondeleutnant und 1896 als Premierleutnant geführten „v. Hatzfeld“ mit Regiment und Seitenzahl belegen?
- Gibt es Kirchenbuch- oder Personenstandsbelege zu Bernhard Anton Franz von Hatzfeld, Bürgermeister und Justizkommissarius zu Ahlen, und zu seinem Sohn Peter von Hatzfeld, geb. 1804, Kriegskommissär?
- Ist bekannt, ob das GHdA-Adelslexikon die Brünner Angabe lediglich übernimmt oder durch weitere Quellen absichert?
- Gibt es Nachweise zur angeblichen päpstlichen Dispens für Sebastian, Domherr zu Osnabrück, und Anna von Hanxleden?
Quellen und Hinweise
Brünner Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter, 1878, III. Jahrgang, Artikel „von Hatzfeld“, gedruckte S. 252–255:
digital.ulb.hhu.de/i...ew/8221791
Vom Fragesteller genannter Kramerius-Link zum Brünner Taschenbuch 1883:
www.digitalniknihovn...f3fc9ae867
Übersicht zur Brünner Reihe:
www.rambow.de/geneal...ruenn.html
Namenverzeichnis bei Adelslexikon.com, dort „Hatzfeld“ innerhalb der Brünner Reihe:
adelslexikon.com/lit...teratur=13
Allgemeiner Überblick zu den Herren bzw. Grafen/Fürsten von Hatzfeld:
www.pro-region.de/de...tzfeld.php
Hinweis auf Archivüberlieferung Hatzfeldt-Wildenburg:
Inventar des Urkundenarchivs der Fürsten von Hatzfeldt-Wildenburg zu Schönstein/Sieg, Band 1:
afz.lvr.de/media/arc...and_18.pdf
"IN OMNIBUS ORDO"
Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.
