Anton v. Bressler / Breßler – angebliche Nobilitierung unter Kaiser Rudolf II.

Anton v. Bressler / Breßler – angebliche Nobilitierung unter Kaiser Rudolf II.

2 Wochen 5 Tage her - 2 Wochen 5 Tage her
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Anton v. Bressler / Breßler – angebliche Nobilitierung unter Kaiser Rudolf II.

Liebe Mitforscher,

aus der vorliegenden Anfrage ergibt sich ein sehr interessantes, aber zugleich quellenkritisch heikles Problem: Gesucht wird das genaue Nobilitierungsdatum eines Anton v. Bressler bzw. Breßler, der angeblich unter Kaiser Rudolf II. geadelt worden sein soll. Der Anlass der Frage ist ein frühes Glas mit Wappen, das einem Anton v. Bressler zugeschrieben wird.

Nach der Anfrage soll dieser Anton aus Neumarkt bei Breslau stammen, am 14. November 1607 verstorben sein und als kaiserlicher Ober-Bier-Gefälleinnehmer bzw. im Umfeld der Bier- und Zollgefälle tätig gewesen sein. Das Wappen auf dem Glas wird als sprechendes Amtswappen gedeutet: der Adler als Hinweis auf die kaiserliche Verleihung, die drei Gerstenähren als Hinweis auf das Amt im Bereich der Bierabgaben.

1. Die zentrale Frage

Die eigentliche Forschungsfrage lautet:

Gibt es einen urkundlichen Nachweis, insbesondere ein Datum, für eine Nobilitierung des Anton Bressler / Breßler durch Kaiser Rudolf II.?

Gerade für die Datierung des Glases wäre dieses Datum wichtig, weil es den möglichen Entstehungszeitraum des Wappenglases eingrenzen könnte.

2. Was die beigegebene Quelle nennt

Der beigefügte Textausschnitt, wohl aus Kneschke bzw. einer daran anschließenden adelshistorischen Zusammenstellung, bringt zu den Bressler folgende Kernaussagen:
Bei diesem schlesischen Geschlechte seien verschiedene Standeserhöhungen mit mancherlei Wappenveränderungen vorgekommen. Als Stammwappen wird ein quergeteilter Schild beschrieben: oben in Gold ein wachsender schwarzer Adler, unten in Schwarz ein goldener Pfahl.

Die erste Nobilitierung habe Anton v. Bressler, gestorben am 14. November 1607, von Kaiser Rudolf II. erhalten.

Christoph v. Bressler wurde am 18. Januar 1703 mit dem Zusatz „von Aschenburg“ in den böhmischen Ritterstand erhoben.

Joachim v. Bressler, Bruder des Christoph, wurde 1709 ebenfalls in den Ritterstand erhoben, jedoch ohne den Zusatz „von Aschenburg“.

Gottlieb Wilhelm v. Bressler wurde 1792 im Reichsvikariat von Kursachsen in den Grafenstand erhoben.
 

Auffällig ist: Für Anton wird zwar eine Nobilitierung unter Rudolf II. behauptet, aber kein Datum genannt. Genau hier liegt der kritische Punkt.

3. Der entscheidende quellenkritische Befund

Bei der Durchsicht der greifbaren älteren Literatur zeigt sich, dass die Angabe zur angeblichen Rudolf-II.-Nobilitierung offenbar nicht sauber urkundlich belegt ist.

Im Siebmacher wird die Sache besonders vorsichtig formuliert: Im Zusammenhang mit dem kursächsischen Reichsvikariats-Grafendiplom von 1792 wird berichtet, dass nach Angaben des Impetranten ein Johann Bressler bereits 1395 Reichssekretär gewesen sei und Anton v. Bressler von Kaiser Rudolf II. geadelt und mit einem neuen Wappen begnadet worden sei.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Es handelt sich dabei nicht ohne Weiteres um einen unabhängigen Nachweis des Diploms, sondern offenbar um eine Angabe, die in einem späteren Grafendiplom aus der Familienüberlieferung bzw. aus dem Vorbringen des Antragstellers übernommen wurde.

Konrad Blažek formulierte im Siebmacher, Schlesischer Adel, abgestorbene Linie, sinngemäß ebenfalls vorsichtig: Ein Adelsdiplom solle bereits Anton Bressler von Kaiser Rudolf II. erhalten haben; Näheres darüber habe sich jedoch nicht ermitteln lassen.

Damit ist der aktuelle Arbeitsstand:

Eine Nobilitierung Antons unter Rudolf II. wird in der Literatur wiederholt, aber ein konkretes Diplomdatum ist bisher nicht nachgewiesen.

4. Abgrenzung zu anderen Bressler-/Bresler-Familien

In den Postings wurden mehrere Familien bzw. Linien angesprochen, die nicht vorschnell vermengt werden sollten:
  • Breßler / Bressler, später Grafen: schlesisches Geschlecht mit späteren Standeserhöhungen 1703, 1709 und 1792; Stammwappen mit wachsendem Adler und goldenem Pfahl.
  • Bresler, preußischer Adel 1798: nach Gritzner wurde ein Samuel Bresler am 6. Juli 1798 durch König Friedrich Wilhelm III. bei Gelegenheit der Erbhuldigung in Berlin in den Adelsstand erhoben. In den Postings schwankt der Vorname später zwischen Samuel und Simon; das sollte am Originaleintrag geprüft werden.
  • Bressler und Sternau: eine weitere Familie mit Adlerbestandteilen im Wappen, aber anderer heraldischer Struktur.
  • Bressler von Ottensfeld: ebenfalls genannt, jedoch mit anderer Wappentradition und nicht ohne Weiteres mit dem Glaswappen in Verbindung zu bringen.

Gerade die Namensgleichheit Bresler / Bressler / Breßler und die teils ähnlichen Wappenmotive – insbesondere Adler – erhöhen die Gefahr falscher Gleichsetzungen.

   

5. Zum Wappen auf dem Glas

Nach der Beschreibung in der Anfrage zeigt das Glaswappen offenbar einen Adler und drei Gersten- bzw. Kornähren. In der Helmzier scheint ein Bär oder ein bärenähnliches Tier mit drei Ähren in den Pranken erkennbar zu sein.

Das ist heraldisch bemerkenswert, denn die in den Postings geprüften gedruckten Wappenbeschreibungen der einschlägigen Bressler-/Bresler-Familien nennen offenbar keine eindeutig passende Bärenhelmzier. Auch die im Gothaischen Genealogischen Taschenbuch 1909 für die 1798 geadelten Bresler genannte Wappenbeschreibung soll nach den Postings keinen Bären als Helmzier enthalten.

Daher ist derzeit offen, ob das Glaswappen tatsächlich zu Anton v. Bressler gehört oder ob hier eine spätere, bürgerliche, falsch zugewiesene oder genealogisch anders gelagerte Wappentradition vorliegt.

6. Vorläufiges Fazit

Nach derzeitigem Stand lässt sich Folgendes sagen:
  • Die Existenz eines Anton Bressler / Breßler, gestorben 14. November 1607, wird in der Literatur bzw. in der überlieferten Anfrage genannt.
  • Eine Nobilitierung durch Kaiser Rudolf II. wird behauptet, aber bisher ohne bekanntes Datum.
  • Die entscheidende ältere Stelle scheint nicht ein direktes Diplom zu zitieren, sondern eine spätere Angabe aus dem Grafendiplom von 1792 bzw. aus dem Vorbringen des damaligen Antragstellers.
  • Die späteren Standeserhöhungen der Bressler sind besser greifbar: Christoph 1703, Joachim 1709, Gottlieb Wilhelm 1792.
  • Das Glaswappen mit Adler, Ähren und mutmaßlicher Bärenhelmzier passt bisher nicht überzeugend zu den sicher bekannten Wappenbeschreibungen der späteren Bressler-/Bresler-Linien.
  • Ein konkretes Nobilitierungsdatum für Anton unter Rudolf II. ist derzeit nicht belegt.

Daher sollte man die Zuschreibung des Glaswappens an Anton v. Bressler vorerst nur als Hypothese behandeln, nicht als gesicherte Identifikation.

7. Sinnvolle nächste Forschungsschritte
  • Prüfung der Reichstaxbücher im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien für die Jahre der Regierung Rudolf II., insbesondere unter den Schreibweisen Bressler, Breßler, Bresler, Breszler und eventuell lateinisiert.
  • Prüfung der Reichsregisterbücher der Reichskanzlei, soweit für die fragliche Zeit und Sachgruppe einschlägig.
  • Einsicht in das kursächsische Reichsvikariats-Grafendiplom von 1792 für Gottlieb Wilhelm v. Bressler: Wird dort ein früheres Diplom Antons wirklich wörtlich erwähnt, oder nur familiengeschichtlich behauptet?
  • Prüfung der böhmischen Ritterstandsdiplome von 1703 und 1709: Enthalten sie Rückverweise auf Anton und sein angebliches Rudolf-II.-Diplom?
  • Prüfung der Neumarkter und Breslauer Stadt- und Ratsquellen: Gibt es zu Anton Bressler als Ober-Bier-Gefälleinnehmer Amtsakten, Siegel, Grabinschrift, Leichenpredigt, Testament oder Besitznachweise?
  • Heraldik des Glases gesondert untersuchen: Schild, Helm, Wulst/Krone, Helmzier, Tinkturen, Beizeichen und eventuelle Inschrift sollten fotografisch möglichst genau dokumentiert werden.

8. Offene Fragen an das Forum
  • Hat jemand ein Regest oder einen Indexeintrag zu einem Rudolf-II.-Diplom für Anton Bressler / Breßler / Bresler gefunden?
  • Ist das Reichsvikariats-Grafendiplom von 1792 für Gottlieb Wilhelm v. Bressler irgendwo im Wortlaut oder als Scan zugänglich?
  • Kennt jemand eine Wappenbeschreibung Antons selbst – nicht der späteren Grafenlinie?
  • Ist die Bärenhelmzier mit drei Ähren in irgendeiner Bresler-/Bressler-Linie nachgewiesen?
  • Gibt es in den Breslauer bzw. Neumarkter Stadtgeschlechter-Unterlagen neuere Angaben zu Anton, seinem Amt und seiner Familie?
  • Kann jemand die Datendifferenzen bei den späteren Standeserhöhungen – insbesondere 1709 und 1792 – anhand der Originaldiplome klären?

9. Quellen und Verweise
  • Beigefügter Textausschnitt zu Bressler / Breßler mit den Standeserhöhungen und Besitzangaben.
  • Kneschke, Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Artikel Bresler / Breßler.
  • Siebmacher, Der Adel des Königreichs Sachsen, Artikel Bressler.
  • Siebmacher, Schlesischer Adel, abgestorbene Linie, Hinweis bei Blažek zur nicht eruierbaren angeblichen Nobilitierung Antons.
  • Gritzner, Chronologische Matrikel der brandenburgisch-preußischen Standeserhöhungen und Gnadenakte, Berlin 1874, zur preußischen Erhebung Bresler 1798.
  • Ledebur, Adelslexicon der preussischen Monarchie, Bd. 1, S. 104–105.
  • Rietstap, Armorial général, Eintrag Bresler:
    Rietstap-Text online
  • Abbildung des Bresler-Wappens:
    Armorial.org – Bresler-Wappen
  • DFG-Viewer / Siebmacher-Index:
    DFG-Viewer-Link aus dem Posting
  • Österreichisches Staatsarchiv, HHStA, Reichskanzlei, Reichstaxbücher:
    ÖStA-AIS: Reichstaxbücher 1521–1806

Quellenkritischer Hinweis

Ich habe bewusst kein Nobilitierungsdatum für Anton v. Bressler ergänzt, weil in den vorliegenden Angaben keines sicher belegt ist. Die angebliche Rudolf-II.-Nobilitierung wird daher nicht als gesicherter Akt, sondern als in der Literatur wiederholte, bislang nicht urkundlich bestätigte Angabe behandelt. Auch die Zuschreibung des Glaswappens an Anton v. Bressler bleibt vorläufig eine Hypothese.
"IN OMNIBUS ORDO"

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