Hartnäckigen Namensfehler: Freiherren v. Scharda – oder doch v. Schurda?
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Hartnäckigen Namensfehler: Freiherren v. Scharda – oder doch v. Schurda?
4 Wochen 6 Stunden her
Freiherren v. Scharda – oder doch v. Schurda? Ein kleiner Quellenbefund zu einem hartnäckigen Namensfehler
Beim Durchsehen des freiherrlichen Taschenbuches von 1880 fällt auf S. 1016 folgender kurzer Eintrag auf:
Auf den ersten Blick könnte man daher eine freiherrliche Familie „v. Scharda“ vermuten. Frank führt den Namen in dieser Form jedoch nicht, und auch in den österreichischen Staatshandbüchern der 1860er und 1870er Jahre ist „Scharda“ offenbar nicht ohne weiteres nachweisbar.
Der Schlüssel dürfte in einer Namensverwechslung liegen: Gemeint ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht „Scharda“, sondern Schurda.
Das Österreichische Biographische Lexikon führt den Beamten eindeutig als:
Dazu passt auch der gesamte weitere Befund: Ignaz Freiherr von Schurda war ein österreichischer Verwaltungsbeamter, trat nach juristisch-politischen Studien in den Staatsdienst ein, war bei Militär-, Polizei- und Justizstellen tätig, wurde 1857 in den Beamtenstand des Reichsrates berufen, wirkte später im Umfeld des Staatsrates und Ministerrates und war 1867/68 Statthalter von Oberösterreich. 1874 kehrte er in das Innenministerium nach Wien zurück. 1868 erhielt er das Ritterkreuz des Leopold-Ordens, 1878 wurde er in den Freiherrenstand erhoben. Er starb am 16. Juli 1879 in Purkersdorf.
Damit erklärt sich auch der Eintrag im freiherrlichen Taschenbuch von 1880: Die dortige Form „Scharda“ dürfte schlicht eine falsche Lesung oder ein Druckfehler für „Schurda“ sein. Dass die Verwechslung nicht nur im Gotha vorkam, zeigt auch ein Toteneintrag im „Deutschen Herold“, wo ebenfalls die Form „v. Scharda, Ignaz Frhr., Minist.-Rath. Purckersdorf b. Wien“ erscheint.
Hefner und der vermeintliche „Scharda, J.“
Hefner schreibt im 3. Band seines „Stammbuchs“:
Auch dieser Eintrag dürfte auf „Schurda“ zu beziehen sein. Das ÖBL nennt nämlich ausdrücklich den Vater des Freiherrn Ignaz von Schurda: Ignaz v. Schurda, geboren 1789, Oberlandesgerichtsrat, der 1860 nobilitiert wurde. Damit passt Hefners „pens. österr. Oberlandgerichtsrath“ sachlich sehr gut auf den Vater, während der Freiherr von 1878 der Sohn war.
Es ergeben sich daher wahrscheinlich zwei aufeinanderfolgende Adelsstufen:
Die Form „Scharda“ scheint somit keine eigene freiherrliche Familie zu bezeichnen, sondern eine mehrfach weitergetragene Fehlform des Namens „Schurda“.
Zum Problem älterer Sekundärquellen
Der Fall ist ein hübsches Beispiel dafür, wie vorsichtig man mit älteren Nachschlagewerken umgehen muss. Hefner ist ungemein nützlich, aber bei Namensformen, seltenen Vornamen, Prädikaten und Lesungen keineswegs unfehlbar. Gerade bei Frakturschrift, handschriftlichen Vorlagen, fremdsprachigen Namen oder knappen Zeitungsmeldungen können aus kleinen Lesefehlern sehr dauerhaft wirkende „neue“ Familien entstehen.
Im Forum wurden dazu bereits weitere amüsante Beispiele genannt, etwa die bei Hefner auftauchende Verwechslung um „Anarg v. Wildenfels“, bei der ein seltener Vorname leicht als Familienname oder Prädikat missverstanden werden konnte. Solche Fälle zeigen: Ein Eintrag in einem gedruckten Adelslexikon ist ein Hinweis, aber noch kein Ersatz für Diplom, Amtsblatt, Hof- und Staatshandbuch, Matrikel oder gesicherte biographische Quelle.
Vorläufiges Fazit
Nach jetzigem Stand ist „Freiherren v. Scharda“ wohl zu streichen bzw. als Fehlform zu „Freiherren v. Schurda“ zu verweisen. Der Eintrag im freiherrlichen Taschenbuch von 1880, Hefners „Scharda, J.“ und der entsprechende Toteneintrag im „Deutschen Herold“ dürften alle auf dieselbe Familie Schurda zurückgehen.
Besonders interessant ist, dass hier offenbar Vater und Sohn in der Literatur unterschiedlich und fehlerhaft gespiegelt wurden: Der Vater als „Scharda, J., pensionierter Oberlandgerichtsrath, 1860 rittermäßiger Adel“, der Sohn als „Scharda, Ignaz Freiherr, Ministerialrat, † 1879“. Erst durch den Abgleich mit dem ÖBL und den oberösterreichischen biographischen Angaben wird die Sache klar.
Offene Fragen
Quellen und Hinweise
Beim Durchsehen des freiherrlichen Taschenbuches von 1880 fällt auf S. 1016 folgender kurzer Eintrag auf:
Scharda. Frhr Ignaz, k. k. Ministerialrath im Ministerium des Innern, † 16. Juli 1879 zu Purkersdorf bei Wien.
Auf den ersten Blick könnte man daher eine freiherrliche Familie „v. Scharda“ vermuten. Frank führt den Namen in dieser Form jedoch nicht, und auch in den österreichischen Staatshandbüchern der 1860er und 1870er Jahre ist „Scharda“ offenbar nicht ohne weiteres nachweisbar.
Der Schlüssel dürfte in einer Namensverwechslung liegen: Gemeint ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht „Scharda“, sondern Schurda.
Das Österreichische Biographische Lexikon führt den Beamten eindeutig als:
Schurda Ignaz Frh. von, Beamter. Geb. Radnitz, Böhmen, 13. 3. 1822; gest. Purkersdorf, NÖ, 16. 7. 1879.
Dazu passt auch der gesamte weitere Befund: Ignaz Freiherr von Schurda war ein österreichischer Verwaltungsbeamter, trat nach juristisch-politischen Studien in den Staatsdienst ein, war bei Militär-, Polizei- und Justizstellen tätig, wurde 1857 in den Beamtenstand des Reichsrates berufen, wirkte später im Umfeld des Staatsrates und Ministerrates und war 1867/68 Statthalter von Oberösterreich. 1874 kehrte er in das Innenministerium nach Wien zurück. 1868 erhielt er das Ritterkreuz des Leopold-Ordens, 1878 wurde er in den Freiherrenstand erhoben. Er starb am 16. Juli 1879 in Purkersdorf.
Damit erklärt sich auch der Eintrag im freiherrlichen Taschenbuch von 1880: Die dortige Form „Scharda“ dürfte schlicht eine falsche Lesung oder ein Druckfehler für „Schurda“ sein. Dass die Verwechslung nicht nur im Gotha vorkam, zeigt auch ein Toteneintrag im „Deutschen Herold“, wo ebenfalls die Form „v. Scharda, Ignaz Frhr., Minist.-Rath. Purckersdorf b. Wien“ erscheint.
Hefner und der vermeintliche „Scharda, J.“
Hefner schreibt im 3. Band seines „Stammbuchs“:
Scharda, J., pens. österr. Oberlandgerichtsrath, erlangte 1860 den rittermäßigen Adel. [A. A. Zeit., Sept. 1860.]
Auch dieser Eintrag dürfte auf „Schurda“ zu beziehen sein. Das ÖBL nennt nämlich ausdrücklich den Vater des Freiherrn Ignaz von Schurda: Ignaz v. Schurda, geboren 1789, Oberlandesgerichtsrat, der 1860 nobilitiert wurde. Damit passt Hefners „pens. österr. Oberlandgerichtsrath“ sachlich sehr gut auf den Vater, während der Freiherr von 1878 der Sohn war.
Es ergeben sich daher wahrscheinlich zwei aufeinanderfolgende Adelsstufen:
- Ignaz von Schurda sen., geb. 1789, pensionierter österreichischer Oberlandesgerichtsrat; 1860 nobilitiert, offenbar rittermäßiger Adel.
- Ignaz Freiherr von Schurda, geb. Radnitz/Böhmen 13. März 1822, gest. Purkersdorf 16. Juli 1879; österreichischer Beamter, zeitweise Statthalter von Oberösterreich; 1878 in den Freiherrenstand erhoben.
Die Form „Scharda“ scheint somit keine eigene freiherrliche Familie zu bezeichnen, sondern eine mehrfach weitergetragene Fehlform des Namens „Schurda“.
Zum Problem älterer Sekundärquellen
Der Fall ist ein hübsches Beispiel dafür, wie vorsichtig man mit älteren Nachschlagewerken umgehen muss. Hefner ist ungemein nützlich, aber bei Namensformen, seltenen Vornamen, Prädikaten und Lesungen keineswegs unfehlbar. Gerade bei Frakturschrift, handschriftlichen Vorlagen, fremdsprachigen Namen oder knappen Zeitungsmeldungen können aus kleinen Lesefehlern sehr dauerhaft wirkende „neue“ Familien entstehen.
Im Forum wurden dazu bereits weitere amüsante Beispiele genannt, etwa die bei Hefner auftauchende Verwechslung um „Anarg v. Wildenfels“, bei der ein seltener Vorname leicht als Familienname oder Prädikat missverstanden werden konnte. Solche Fälle zeigen: Ein Eintrag in einem gedruckten Adelslexikon ist ein Hinweis, aber noch kein Ersatz für Diplom, Amtsblatt, Hof- und Staatshandbuch, Matrikel oder gesicherte biographische Quelle.
Vorläufiges Fazit
Nach jetzigem Stand ist „Freiherren v. Scharda“ wohl zu streichen bzw. als Fehlform zu „Freiherren v. Schurda“ zu verweisen. Der Eintrag im freiherrlichen Taschenbuch von 1880, Hefners „Scharda, J.“ und der entsprechende Toteneintrag im „Deutschen Herold“ dürften alle auf dieselbe Familie Schurda zurückgehen.
Besonders interessant ist, dass hier offenbar Vater und Sohn in der Literatur unterschiedlich und fehlerhaft gespiegelt wurden: Der Vater als „Scharda, J., pensionierter Oberlandgerichtsrath, 1860 rittermäßiger Adel“, der Sohn als „Scharda, Ignaz Freiherr, Ministerialrat, † 1879“. Erst durch den Abgleich mit dem ÖBL und den oberösterreichischen biographischen Angaben wird die Sache klar.
Offene Fragen
- Hat jemand Zugriff auf den genauen Wortlaut der Nobilitierung von 1860 für Ignaz Schurda sen.? Wurde tatsächlich der rittermäßige Adel verliehen, und mit welcher Namensform?
- Ist die in Hefner zitierte Meldung aus der „Allgemeinen Adels-Zeitung“ vom September 1860 auffindbar bzw. digitalisiert?
- Liegt das Freiherrendiplom von 1878 für Ignaz von Schurda vor? Wurde der Freiherrenstand nur ihm persönlich oder auch seiner Nachkommenschaft verliehen?
- Kann jemand den Gotha-Eintrag von 1897 zur regulären Aufnahme der Familie Schurda vollständig zitieren? Interessant wäre besonders, ob dort die Sterbedaten korrekt oder unvollständig wiedergegeben wurden.
- Findet sich die Familie in späteren Adelsverzeichnissen oder Genealogien unter „Schurda“, eventuell mit Nachkommenschaft?
- Ist bei Frank tatsächlich auch unter „Schurda“ nichts verzeichnet, oder fehlt nur die falsche Form „Scharda“?
Quellen und Hinweise
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Jahrgang 1880, S. 1016: Eintrag „Scharda. Frhr Ignaz … † 16. Juli 1879 zu Purkersdorf bei Wien“.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Jahrgang 1897: laut Forumsbeobachtung reguläre spätere Aufnahme der Familie Schurda; genaue Prüfung erwünscht.
- Otto Titan von Hefner, Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Band 3: Eintrag „Scharda, J., pens. österr. Oberlandgerichtsrath, erlangte 1860 den rittermäßigen Adel“.
- Allgemeine Adels-Zeitung, September 1860, von Hefner als Quelle genannt.
- Österreichisches Biographisches Lexikon: „Schurda, Ignaz Frh. von (1822–1879), Beamter“:
www.biographien.ac.a...2_1879.xml - Land Oberösterreich, Politikerdatenbank: Ignaz Schurda, HR Freiherr von:
e-gov.ooe.gv.at/biog...rsonId=332 - Der Deutsche Herold, Toteneintrag mit der falschen Form „v. Scharda“:
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"IN OMNIBUS ORDO"
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