Engelmann v. Freyenthal / Freienthal / Freidenthal – existiert die Familie noch?

Engelmann v. Freyenthal / Freienthal / Freidenthal – existiert die Familie noch?

2 Wochen 6 Tage her - 2 Wochen 6 Tage her
#
Ich suche Hinweise dazu, ob die Familie Engelmann von Freyenthal – ursprünglich aus Zittau – heute noch genealogisch nachweisbar fortbesteht oder ob es sich bei neueren Namensträgern nur um eine spätere bzw. ungeklärte Namensverwendung handelt.

Ausgangspunkt ist die Frage, ob die in der älteren Literatur nachweisbare Familie Engelmann v. Freyenthal, auch Freiental/Freienthal/Freidenthal geschrieben, im 19. oder 20. Jahrhundert noch sicher greifbar ist. Google liefert zwar einzelne moderne Treffer und Namensträger, doch finde ich bisher keine belastbare genealogische Literatur, welche eine durchgehende Abstammung oder Prädikatsverwendung bis in die Gegenwart bestätigt.

Bisheriger Befund
Im Österreichischen Staatsarchiv finden sich im Adelsarchiv folgende einschlägige Akten:
  • Engelman (Enngelman) von Freiental, Hans, Adelsstand, Abschrift 1921, 1.6.1553
  • Engelman (Englmann) von Freyenthal, Hans, Adelsbestätigung und Wappenbesserung, 18.8.1562
  • Engelman (Englmann), Hans, Wappenbestätigung, 27.2.1563
  • als gesonderter, wohl nicht unmittelbar identischer Fall: Engelmann, Johann, Hauptmann im Infanterieregiment Manfredini, Adelsstand „von Engelsthal“, Wappen, 7.4.1804
Quelle: www.archivinformatio...ID=4364412

In der Zittauer Stadtgeschichte begegnet Adalbert Engelmann von Freyenthal als Bürgermeister von Zittau in den Jahren 1609/10, 1611/12 und 1613/14. Die ältere Literatur nennt ihn als aus Zittau gebürtig, zunächst am Hof Kaiser Karls V., später in der Reichskanzlei bzw. in der kaiserlichen Kammer zu Breslau tätig, dann wieder in Zittau im Rat und schließlich Bürgermeister; gestorben 1616 im 85. Lebensjahr.

Hier scheint allerdings noch ein Abgleich nötig: Das ÖStA nennt in den Adelsakten Hans Engelman/Englmann, während die ältere Literatur Adalbert Engelmann nennt. Ob hier Namensvariante, Verwechslung, Vater/Sohn-Verhältnis oder eine spätere literarische Ungenauigkeit vorliegt, wäre zu prüfen.

Wappen Engelmann von Freyenthal
Rietstap führt:
Engelmann de Freyenthal — Aut., Saxe.
Écartelé: 1 et 4 d’or, à un ange issant de carnation, ailé de sable, les mains jointes; 2 et 3 de gueules, à un senestrochère armé d’azur mouvant du canton sénestre du chef, empoignant une épée d’argent garnie d’or. Casque couronné. Cimier: un chevalier issant, armé d’azur, tenant une épée d’argent garnie d’or, le casque panaché de quatre plumes d’autruche d’azur, d’or, de gueules et d’argent. Lambrequins: à dextre d’or et de sable, à senestre d’argent et de gueules.
Meine deutsche Blasonierung dazu:Geviert:
1 und 4 in Gold ein wachsender Engel mit schwarzen Flügeln, die Hände zusammengelegt;
2 und 3 in Rot ein aus dem linken Obereck wachsender, blau geharnischter linker Arm, in der Hand ein silbernes Schwert mit goldenem Griff.
Auf dem gekrönten Helm ein wachsender, blau geharnischter Ritter, in der Rechten ein silbernes Schwert mit goldenem Griff; der Helm mit vier Straußenfedern in Blau, Gold, Rot und Silber besteckt. Helmdecken rechts schwarz-golden, links rot-silbern.

Eine ältere deutsche Wappenbeschreibung bestätigt im Wesentlichen diese Darstellung und verweist auf Mönch, Wappenbuch Zittauischer Geschlechter, Tafel 10: Engelmann v. Freidenthal. Dort wird außerdem erwähnt, dass sich das Wappen, allerdings ohne Helm und Helmzier, in Stein gehauen über der Tür des ehemals Plehn’schen Hauses in der Webergasse zu Zittau befunden habe. In dieser steinernen Variante halten die Engel im 1. und 4. Feld offenbar einen Ring.

Rietstap / Rolland
Das bei armorial.org gezeigte Bild dürfte – wie so oft – eine kolorierte Umsetzung nach Rolland bzw. nach Rietstaps Blasonierung sein. Die Rollands haben die Wappen nicht zwingend nach Originaldiplomen gesehen, sondern vielfach schematisch aus Rietstaps französischer Blasonierung gezeichnet. Daher ist das Bild als heraldische Illustration nützlich, aber nicht als Primärbeleg zu werten.

Bild nach Rietstap/Rolland:
www.armorial.org/i/p....jpg?h=450
Eintrag armorial.org:  www.armorial.org/pro...nthal.html

Mögliche Verbindung zu Engelmann von Engelsthal?
Rietstap führt auch:
Engelmann d’Engelsthal — Österreich, 7. April 1804
Nach vorliegender Blasonierung:
Geteilt:
1 in Blau ein wachsender Engel, oben begleitet von drei Kugeln/Besanten;
2 in Rot ein aus einer Wolke wachsender Arm mit Stab.
Helmzier: ein wachsender Engel zwischen offenem Flug.

Dieses Wappen weist zwar motivische Parallelen auf – Engel, Arm –, ist aber deutlich anders aufgebaut. Auch der ÖStA-Befund spricht zunächst für einen gesonderten Adelsakt von 1804 für Johann Engelmann, k. k. Hauptmann im Infanterieregiment Manfredini. Eine direkte Verbindung zu Engelmann von Freyenthal ist daher derzeit nicht belegt.

Neuere Namensverwendung
Ein moderner Hinweis ist die Parte von Ursula Engelmann v. Freyenthal-Hofstätter, geboren in Villach am 20. Februar 1959, gestorben am 6. November 2019 in Wien:  www.pax-requiem.at/p.../14319.jpg

Diese Parte belegt eine neuere Verwendung der Namensform Engelmann v. Freyenthal, sagt aber für sich allein noch nichts über eine genealogisch gesicherte Abstammung von der Zittauer Familie bzw. über eine historische Prädikatsberechtigung aus.

Bisher nicht gefunden
Ich konnte bislang keine belastbaren Einträge finden in:
  • Boettichers „Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter“
  • Blazeks „Der abgestorbene Adel der preußischen Provinz Schlesien“
  • dem Siebmacher-Gesamtverzeichnis
  • den sächsischen Staatshandbüchern, soweit über Namenregister greifbar
  • deutschen und österreichischen Militär-Ranglisten des frühen 20. Jahrhunderts
Hefners „Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland“ nennt allerdings unter Engelmann:
„Engelmann v. Freidenthal, sollen in Sachsen blühen. [Aus handschriftl. Nachr. von N. Opitz in Leipzig.]“
Gerade dieser Hinweis wäre interessant, weil er auf ein mögliches Fortbestehen im 19. Jahrhundert hindeuten könnte, aber ohne weitere Nachweise sehr vage bleibt.

Meine Fragen
  1. Kennt jemand eine gedruckte oder archivalische Genealogie der Engelmann von Freyenthal/Freienthal/Freidenthal aus Zittau?
  2. Gibt es Hinweise, ob die Familie nach dem 17. Jahrhundert in Sachsen, Böhmen, Schlesien oder Österreich weitergeführt wurde?
  3. Lässt sich der im ÖStA genannte Hans Engelman/Englmann von Freiental/Freyenthal mit dem in der Literatur genannten Adalbert Engelmann von Freyenthal, Bürgermeister von Zittau, identifizieren oder genealogisch verbinden?
  4. Ist jemandem das Mönch’sche Wappenbuch Zittauischer Geschlechter, Tafel 10, zugänglich, oder eine Kopie daraus bekannt?
  5. Gibt es noch Spuren des steinernen Wappens am ehemals Plehn’schen Haus in der Webergasse zu Zittau?
  6. Hat jemand nähere Angaben zu der von Hefner erwähnten handschriftlichen Nachricht von N. Opitz in Leipzig, wonach Engelmann v. Freidenthal „in Sachsen blühen“ sollen?
  7. Gibt es einen belegbaren Zusammenhang zwischen Engelmann von Freyenthal und der 1804 geadelten Familie Engelmann von Engelsthal, oder handelt es sich lediglich um eine zufällige Namens- und Motivähnlichkeit?
  8. Ist die neuere Namensverwendung, etwa bei Ursula Engelmann v. Freyenthal-Hofstätter, genealogisch an die ältere Zittauer Familie anschließbar?
Für jeden Hinweis – besonders zu Zittauer Quellen, Kirchenbüchern, Wappensteinen, Adelsaktenabschriften oder Nachkommenlinien – wäre ich sehr dankbar.
"IN OMNIBUS ORDO"

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Login Form