Muffat: „Keine Adelsverleihung“? – Korrektur zu Jäger-Sunstenau, ADLER 1/1992
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Muffat: „Keine Adelsverleihung“? – Korrektur zu Jäger-Sunstenau, ADLER 1/1992
2 Wochen 1 Tag her - 2 Wochen 1 Tag her
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Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein – dennoch lohnt sich bei adelsgenealogischen Angaben die Gegenprüfung an den Primärquellen. Im vorliegenden Fall betrifft dies den Artikel von Hanns Jäger-Sunstenau, Einige Familien des Briefadels in Wien (Spätbarock bis Biedermeier), erschienen in ADLER 1/1992, S. 150, zum Namen Muffat.
Dort heißt es einleitend:
Diese Formulierung ist zumindest missverständlich, im Hinblick auf einen bestimmten Familienzweig aber nachweislich zu korrigieren.
1. Was Jäger-Sunstenau zur Familie Muffat anführt
Jäger-Sunstenau behandelt zunächst den Komponisten Georg Muffat, getauft am 1. Juni 1653 in Megève in Savoyen, gestorben am 23. Februar 1704, Kapell- und Hofpagenmeister am fürstbischöflichen Hof in Passau. Als Kinder nennt er unter anderem:
Gerade bei Karl Muffat fügt Jäger-Sunstenau selbst den wichtigen Hinweis an:
2. Der entscheidende Gegenbefund: Adelsakt im Österreichischen Staatsarchiv
Die Aussage „Keine Adelsverleihung“ hält in dieser Allgemeinheit der archivalischen Gegenprobe nicht stand. Im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs ist folgender Akt nachweisbar:
AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 627.49
Muffat, Karl, inner- und oberösterreichischer Appellationsgerichts-Sekretär, Adelsstand
Verleihungsdatum: 14.05.1790
Ausstellungsort: Wien
Wappen: fol. 4
Umfang: fol. 1–34
Archiv: Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten, Allgemeine Reihe
Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 627.49 – Muffat, Karl, Adelsstand, 14.05.1790
Damit ist zumindest für Karl Muffat, den bei Jäger-Sunstenau genannten Grazer Appellationssekretär, eine formelle Standeserhebung in den Adelsstand nachgewiesen.
3. Einordnung der Korrektur
Die Aussage Jäger-Sunstenaus könnte man nur dann retten, wenn sie sehr eng gemeint wäre, nämlich:
Als Überschrift oder allgemeine Aussage zur Familie Muffat ist „Keine Adelsverleihung“ daher irreführend. Richtiger wäre etwa:
Damit erklärt sich auch, weshalb bei Nachkommen regelmäßig ein „von“ begegnet. Dieses „von“ wäre dann nicht bloß eine gesellschaftlich geduldete Zutat, sondern kann – jedenfalls für die Deszendenz des 1790 nobilitierten Karl Muffat, soweit sie vom Diplom umfasst war – auf eine tatsächliche Adelserhebung zurückgehen.
4. Wappenfrage
Jäger-Sunstenau beschreibt ein von den Brüdern Muffat in Wien gebrauchtes Wappen nach einem Siegelabdruck:
Der im Staatsarchiv verzeichnete Adelsakt zu Karl Muffat nennt ebenfalls ein Wappen, und zwar auf fol. 4 des Aktes. Daraus ergibt sich eine wichtige Anschlussfrage: Entspricht das 1790 verliehene bzw. bestätigte Wappen dem von Jäger-Sunstenau beschriebenen Siegelwappen, oder wurde es bei der Standeserhebung verändert bzw. neu blasoniert?
5. Literatur- und Quellenhinweise
Jäger-Sunstenau verweist für die Musiker Muffat auf ältere musikhistorische Literatur. Der im Artikel als „Stollbruck“ gelesene Name dürfte korrekt Ludwig Stollbrock lauten:
6. Vorläufiges Ergebnis
Die Familie Muffat ist ein gutes Beispiel dafür, wie vorsichtig man mit pauschalen Aussagen wie „Keine Adelsverleihung“ umgehen muss. Für Georg Muffat und seinen Sohn Gottlieb mag diese Aussage zutreffen. Für den späteren Familienzweig des Karl Muffat trifft sie jedoch nicht zu: Der Adelsakt von 1790 ist archivalisch nachweisbar.
Damit sollte die Muffat-Stelle bei Jäger-Sunstenau nicht unkritisch übernommen, sondern mit dem Zusatz auf die Standeserhebung Karl Muffats vom 14. Mai 1790 versehen werden.
Offene Fragen an die Mitlesenden
Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein – dennoch lohnt sich bei adelsgenealogischen Angaben die Gegenprüfung an den Primärquellen. Im vorliegenden Fall betrifft dies den Artikel von Hanns Jäger-Sunstenau, Einige Familien des Briefadels in Wien (Spätbarock bis Biedermeier), erschienen in ADLER 1/1992, S. 150, zum Namen Muffat.
Dort heißt es einleitend:
M u f f a t
Keine Adelsverleihung. Die Musiker Georg Muffat und sein Sohn Gottlieb waren einfallsreiche Komponisten, deren Bedeutung auch heute von der Fachwelt hoch eingeschätzt wird. Seit den letzten Dezennien des 18. Jahrhunderts haben die Familienmitglieder ihrem Namen zumeist ein "von" vorangestellt.
Diese Formulierung ist zumindest missverständlich, im Hinblick auf einen bestimmten Familienzweig aber nachweislich zu korrigieren.
1. Was Jäger-Sunstenau zur Familie Muffat anführt
Jäger-Sunstenau behandelt zunächst den Komponisten Georg Muffat, getauft am 1. Juni 1653 in Megève in Savoyen, gestorben am 23. Februar 1704, Kapell- und Hofpagenmeister am fürstbischöflichen Hof in Passau. Als Kinder nennt er unter anderem:
- Franz Georg Gottfried Muffat, * 1681, † 25.08.1710, Violinist der kaiserlichen Hofkapelle.
- Johann Josef Muffat, * 1682, † 06.01.1745, Hofkontrollor; verheiratet mit Maria Anna N. Als Söhne werden genannt:
- Adam Muffat, * 1715, † 1776.
- Karl Muffat, * 1720, † 03.08.1798 in Graz, Appellationssekretär; verheiratet mit Katharina Mensurati.
- Sigmund Ignaz Muffat, * 1688, † 21.03.1760, 1747 Kanzlist der Hofkanzlei, 1760 der Obersten Justizstelle.
- Gottlieb Muffat, * 25.04.1690 in Passau, † 10.12.1770, Hofkapellmeister und Komponist.
- Elisabeth Muffat, * 1696, † 15.05.1757.
- Johann Ernst Muffat, * 1698, † 25.06.1746, Violinist der kaiserlichen Hofkapelle.
Gerade bei Karl Muffat fügt Jäger-Sunstenau selbst den wichtigen Hinweis an:
Über seine Kinder und weiteren Nachkommen, denen regelmäßig das "von" zugebilligt wurde, vergleiche in der Zeitschrift "Blätter für Heimatkunde" Graz, 1927, S. 10ff.
2. Der entscheidende Gegenbefund: Adelsakt im Österreichischen Staatsarchiv
Die Aussage „Keine Adelsverleihung“ hält in dieser Allgemeinheit der archivalischen Gegenprobe nicht stand. Im Archivinformationssystem des Österreichischen Staatsarchivs ist folgender Akt nachweisbar:
AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 627.49
Muffat, Karl, inner- und oberösterreichischer Appellationsgerichts-Sekretär, Adelsstand
Verleihungsdatum: 14.05.1790
Ausstellungsort: Wien
Wappen: fol. 4
Umfang: fol. 1–34
Archiv: Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten, Allgemeine Reihe
Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 627.49 – Muffat, Karl, Adelsstand, 14.05.1790
Damit ist zumindest für Karl Muffat, den bei Jäger-Sunstenau genannten Grazer Appellationssekretär, eine formelle Standeserhebung in den Adelsstand nachgewiesen.
3. Einordnung der Korrektur
Die Aussage Jäger-Sunstenaus könnte man nur dann retten, wenn sie sehr eng gemeint wäre, nämlich:
- keine Adelsverleihung an Georg Muffat selbst,
- keine Adelsverleihung an dessen Sohn Gottlieb Muffat,
- aber sehr wohl eine spätere Standeserhebung eines Nachkommenzweiges, nämlich bei Karl Muffat im Jahr 1790.
Als Überschrift oder allgemeine Aussage zur Familie Muffat ist „Keine Adelsverleihung“ daher irreführend. Richtiger wäre etwa:
Für Georg Muffat und Gottlieb Muffat ist hier keine Adelsverleihung genannt; ein späterer Nachkomme, Karl Muffat, inner- und oberösterreichischer Appellationsgerichts-Sekretär, wurde jedoch am 14. Mai 1790 in Wien in den Adelsstand erhoben.
Damit erklärt sich auch, weshalb bei Nachkommen regelmäßig ein „von“ begegnet. Dieses „von“ wäre dann nicht bloß eine gesellschaftlich geduldete Zutat, sondern kann – jedenfalls für die Deszendenz des 1790 nobilitierten Karl Muffat, soweit sie vom Diplom umfasst war – auf eine tatsächliche Adelserhebung zurückgehen.
4. Wappenfrage
Jäger-Sunstenau beschreibt ein von den Brüdern Muffat in Wien gebrauchtes Wappen nach einem Siegelabdruck:
Unter einem Schildhaupt, darin zwei Kreuzchen einen Stern einschließend, ein Sparren, begleitet von drei Rosen. H: eine auffliegende Taube mit einem Ölzweig im Schnabel.
Der im Staatsarchiv verzeichnete Adelsakt zu Karl Muffat nennt ebenfalls ein Wappen, und zwar auf fol. 4 des Aktes. Daraus ergibt sich eine wichtige Anschlussfrage: Entspricht das 1790 verliehene bzw. bestätigte Wappen dem von Jäger-Sunstenau beschriebenen Siegelwappen, oder wurde es bei der Standeserhebung verändert bzw. neu blasoniert?
5. Literatur- und Quellenhinweise
Jäger-Sunstenau verweist für die Musiker Muffat auf ältere musikhistorische Literatur. Der im Artikel als „Stollbruck“ gelesene Name dürfte korrekt Ludwig Stollbrock lauten:
- Ludwig Stollbrock, Die Komponisten Georg und Gottlieb Muffat. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts, Dissertation Rostock 1888.
- Georg Muffat, Werke, bearbeitet von Erich Schenk, in: Denkmäler der Tonkunst in Österreich, Band 89, Wien 1953.
- Hanns Jäger-Sunstenau, Einige Familien des Briefadels in Wien (Spätbarock bis Biedermeier), in: ADLER 1/1992, S. 150.
- Österreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv, Adelsarchiv, Hofadelsakten, Allgemeine Reihe: AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 627.49, Karl Muffat, Adelsstand, 14.05.1790.
- Karl Friedrich von Frank, Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die österreichischen Erblande bis 1806 sowie kaiserlich österreichische bis 1823. Hier wäre die genaue Band- und Seitenangabe zum Eintrag Muffat noch nachzutragen.
- Blätter für Heimatkunde, Graz 1927, S. 10ff., nach Jäger-Sunstenau mit Angaben zu Karl Muffat, seinen Kindern und weiteren Nachkommen.
6. Vorläufiges Ergebnis
Die Familie Muffat ist ein gutes Beispiel dafür, wie vorsichtig man mit pauschalen Aussagen wie „Keine Adelsverleihung“ umgehen muss. Für Georg Muffat und seinen Sohn Gottlieb mag diese Aussage zutreffen. Für den späteren Familienzweig des Karl Muffat trifft sie jedoch nicht zu: Der Adelsakt von 1790 ist archivalisch nachweisbar.
Damit sollte die Muffat-Stelle bei Jäger-Sunstenau nicht unkritisch übernommen, sondern mit dem Zusatz auf die Standeserhebung Karl Muffats vom 14. Mai 1790 versehen werden.
Offene Fragen an die Mitlesenden
- Welche Kinder und Nachkommen Karl Muffats waren vom Adelsdiplom umfasst?
- Welche Angaben enthalten die Blätter für Heimatkunde, Graz 1927, S. 10ff., konkret zu Karl von Muffat und seinen Nachkommen?
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